Danke Bowie - Cover von "Ziggy Stardust"

Ich hab noch nicht “Danke” gesagt

Gerade eben hat der Postmann geklingelt und brachte ein kleines Geschenk für mich, eine Platte: David Bowies „The Rise and Fall of Ziggy Stardust“. Ich bin so berührt und traurig. Nun ist Bowie, dieser große Held, schon fast ein Jahr irgendwo dort oben im Kosmos. Sternenstaub. Sein Tod hat mich, uns alle, Anfang vergangenen Jahres so hart getroffen. Einige Tage zuvor hatte er uns das schönste Abschiedsgeschenk gemacht, sein letztes Album „Black Star“ – ein Meisterwerk und mit seiner treibenden, warmen, ja pulsierenden Dynamik definitiv das Album des Jahres 2016. Danke Bowie – für Alles!

Viele grandiose Musiker haben im vergangenen Jahr die große Bühne verlassen, Leonard Cohen, Goerge Michael, Prince. Prince, viel zu früh, weil so unerwartet. Künstlerisch unvollendet. Ich kann mich an all die Reaktionen von diversen Künstlern und Musikern im Netz erinnern: „Bitte nicht noch jemand in diesem Jahr!“ Eine erschütterte Welt.

Prince im Videoclip zu "Purple Rain"

Ihr Leben haben viel zu viele Menschen im letzten Jahr geben müssen. Denken wir an die unzähligen Terroranschläge in der Welt: Türkei, Nizza, Ansbach oder Ende des Jahres hier bei uns in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt. Wie Freunde und Kollegen oder ich selbst nur haarscharf am Unglück vorbei geschrammt sind.

Für mich persönlich zeichnete sich jedoch bereits Ende 2015 ab, dass 2016 ein Spitzenjahr für mich werden würde. Nachdem ich zwei Jahre für eine kleine Lufthansa-Tochter kontinental geflogen bin, kündigte ich dort zum Jahresende, um bei der Konzernmutter zu starten. Ich wollte endlich, dass die Fliegerei so richtig Spaß macht und auf Langstrecke gehen – die Welt kennen lernen. Schon im Flugbegleiterlehrgang mit der unschlagbaren Kursnummer 007, habe ich wundervolle Freundinnen und Kolleginnen gefunden. Ja wir sind nur Girls – die Bondgirls. Ich habe wunderbare Ziele besucht im vergangenen Jahr. Sao Paulo, Rio, Hongkong, Shanghai, Kapstadt, um nur einige zu nennen.

glücklich und erschöpft an unserem Hochzeitstag in New York City (Foto: Laika Alfonsdottir)

In New York City habe ich im September den wundervollsten Menschen überhaupt geheiratet und dort eine herrliche Zeit verbracht. Wir sind in eine 100 qm Wohnung gezogen, haben es uns heimelich gemacht und sind hier glücklich. Mit einem der besten Freunde habe ich im November einen kleinen Roadtrip im sonnigen Kalifornien gemacht – von San Francisco nach bis Los Angeles die atemraubend schöne Küste entlang. Der krönende Abschluss war ein großartiges Roisin Murphy Konzert im El Rey Theatre in L.A.

Ein herrlicher Sonnenuntergang in Santa Cruz, Kalifornien (Foto: Sandra Duvander)

Konzerte gab einige wunderbare in 2016. Mit einem Freund aus München war ich im April bei Muse in London in einer riesigen Arena und über 60.000 singenden Fans. Die Show einfach der Wahnsinn. Fliegende Drohnen und eine 360 Grad Bühne mit 3D Effekt. The Cure habe ich seit 10 Jahren das erste Mal wieder live gesehen. Nicht zu vergessen der Abschied von meiner Lieblingsband Kent und meine beiden Konzertbesuche in Malmö und Stockholm bei ihrer Abschiedsturnee „Den sista sangen“

Sei es Zufall oder Schicksal. Hätte ich nicht im April eine zu volle S-Bahn in Berlin Gesundbrunnen ausgelassen und auf die nächste gewartet, hätte mich meine liebe Freundin und Kommilitonin nicht dort draußen am Bahnsteig stehen sehen. Sie stürzte unglaubwürdig auf mich zu und wir konnten uns nachdem wir uns zehn Jahre aus den Augen verloren hatten wieder in die Arme schließen und hoffen nun auch in diesem Jahr auf viele herrliche, wunderbare, gemeinsame Erlebnisse.

Danke 2016! Ich hoffe 2017 wird für mich so glücklich und erfolgreich wie das letzte Jahr! Prosit!

Ein frohes neues Jahr euch allen! (Foto: Sandra Duvander)

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Die Jungs das letzte Mal auf der Bühne v.l. Sami Sirviö, Joakim Berg, Markus Mustonen und Martin Sköld (Foto: rockfoto.nu)

Es ist 20 Uhr am 17. Dezember 2016. Kent betreten ein letztes Mal die Bühne in der Tele2 Arena in Stockholm. Der Abschied vom Abschied beginnt. Knapp drei Monate Tournee liegen hinter den coolen Jungs in schwarzer Lederkluft. 28 Konzerte in ganz Skandinavien. Schon in ein paar Stunden wird Schwedens größte Rockband Geschichte sein. Sie hinterlassen uns nach 26 Jahren Karriere zwölf Studioalben und unzählige Erinnerungen.

Vor einigen Tagen habe auch ich Abschied genommen. War auf dem ersten Konzert der letzten drei ins Schwedens Hauptstadt. Schon zeitig haben wir uns auf den Weg gemacht. Warten in nordischer Eiseskälte eine gute Stunde vor den Toren der riesigen Arena, um einen guten Platz vor der Bühne zu bekommen. Der Beginn der Show wird mit einem dreißig Minuten Countdown eingeläutet – auf der riesigen Videoleinwand.

Ein visuelles Spektakel - Filmemacher Adam Berg kreierte eine geniale Videoshow für Kents Abschieds-turne. (Foto: instagram)

Ein visuelles Spektakel der Meisterklasse

Von der ersten Sekunde an begegnen wir Magie auf dieser Videoleinwand. Aus dem Dunklen läuft sie auf uns zu – die uns bekannte Trommlerin mit den blonden Zöpfen, kommt näher und näher bis wir in ihre großen, wasserblauen Augen schauen. Zuerst kommen die drei Backgroundsängerinnen Daniela Sörensen, Carolina Wallin Pérez und Malin Brudellauf die Bühne. Dann Sami Sirviö, Markus Mustonen, Martin Sköld und zuletzt Joakim Berg. Ich stehe weit vorn an der Bühne, Joakim vor mir und ich kann es kaum glauben, dass dies nun das letzte Mal sein soll, dass wir einander sehen.

Opener ist eine Kurzversion von „GIGI“ vom aktuellen Album „Då som nu för alltid“. Es folgt die Hymne „999“ (Jag är inte rädd för mörkret) und eine neue, poppige Version der Ballade „Lilla Ego“ (Hagnesta Hill) aus dem Jahre 1999. Die Kent-Fans sind von Anfang an gut drauf, grölen alle Songs lauthals mit. „Romeo återväder ensam” (Du & Jag Döden) bringt mich das erste Mal so richtig zum Tanzen und ich fühle einen süßen Schmerz in meiner Brust.

Kent-Frontmann und Songwriter Joakim Berg spielt Gitarre (Foto: instagram/@sandrafotar)

Är du lycklig nu? – Bist du jetzt glücklich?

Auf den Playlists der vorigen Konzerte konnte ich bereits sehen, dass Kent „Vinter02“, einen meiner absoluten Lieblingssongs, neu in die Setlist aufgenommen haben. Der Grund dafür war mir nicht ganz klar, doch hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass sich dahinter noch etwas Anderes verbirgt, gab es doch während der gesamten Tour keine signifikanten Veränderungen an der Setlist. Dies ist aufgrund des minutiös geplanten, visuellen Erlebnisses auch nicht möglich. Videokünstler Adam Berg (Joakims Bruder) liefert wundervolle, naturgewaltige Bilder, die sich wie ein roter Faden durch das Konzert ziehen und Kents Geschichte neu erzählen. Bei „Var är vi nu“ (Tigerdrottningen) schauen wir den fallenden Schneeflocken zu und spüren dabei, wie die Erde sich dreht. Zu „Hjärta“ (Röd) bewundern wir den anmutigen, weißen Andalusier-Hengst, der auf den Punkt genau, zu Beginn des Refrains in Slow-Motion die Vorderhufe in die Höhe reißt.

Mit „Andromeda“, „Egoiste“ und „Vi är för alltid“ liefern Kent ordentlich ihre aktuellen Songs ab und lassen sich gebührend feiern. Dann zeigt sich auf der Leinwand eine nächtliche, winterliche Landschaft und ein weißer Tiger läuft durch den Schnee. Majestätisch und friedlich. Ich weiß nun wird es hart für mich. Jocke singt warm und getragen „Är du lycklig nu, är du lycklig nu? Har vi tid innan allting tar slut? (Bist du glücklich nun, bist du glücklich nun? Haben wir Zeit bevor alles ein Ende nimmt?) – Wie kann ich glücklich sein, wo es nun zu Ende geht? Wie kann ich? Und doch bin ich unendlich dankbar für all die Jahre mit Kent und lasse dieses Lied „Innan allting tar slut“ (Isola) in mein Herz strömen und die Tränen nehmen ihren Lauf. Dieses Gefühl werde ich niemals vergessen.

* “Innan allting tar slut” live in Stockholm 16. Dezember 2016 *

Die Überraschung des Abends: “Vinter17″

Eine weitere große Hitsingel folgt nach „La Belle Epoque“ (Tigerdrottningen) und „Ingenting“ (Tillbaka till samtiden) – „Kärleken väntar“ (Vapen & Ammunition). Dann gibt es die wirkliche Überraschung des Abends. Jocke erzählt, dass er während der Tour einen weiteren Song geschrieben hat, den die Band erst drei Mal geprobt hat und sie diesen nun das erste Mal live spielen werden „Vinter17“ – der Kreis schließt sich. Der neue Song ist eine gute Rocknummer und man denkt „Hey, das könnte auch ein alter Song sein, der ist cool!“

Trotzdem fand ich, dass die Band im Vergleich zu dem Konzert, welches ich am 12. November in Malmö erlebte, nicht gut drauf war. Joakim hatte kaum Lust zu reden und auch die Band machte einen müden Eindruck. Sicher werden die Jungs unglaublich erschöpft sein und sind vielleicht wirklich froh, wenn die Tour nun zum Ende kommt. Dies äußerte sich auch darin, dass die Band nicht wie sonst nach dem Konzert zu den Fans kam, um Rosen zu verteilen. Wir warteten sicher fünfzehn Minuten. Kein Jocke, kein anderes Bandmitglied ließ sich blicken. Ich hätte gern, extra aus Berlin angereist und auch Kent-Fan seit vielen vielen Jahren, eine Rose bekommen und meine Dankbarkeit persönlich geäußert. Einige junge Mädchen, die vor der Bühne lauerten, mussten bitterlich weinen, als die Security Leute verkündeten, dass heute niemand raus käme zu ihnen. Die Enttäuschung war groß. Gerade eben habe ich auf facebook ein Video mit der heutigen Bandverstellung gesehen. Joakim und die Band sind sichtlich berührt, ringen selbst mit den Tränen, bringen vor Rührung kaum ein Wort raus. Am heutigen Tag ist Kent bewusst, dass es das nun war. Mir stockt der Atem bei diesem Anblick.

Auch Kent sind vom Abschied sichtlich berührt und verteilen Luftküsse für die Fans (Foto: Instagram/@lovisaantonsson)

Im Refrain zu „Jag ser dig“ (Jag är inte rädd för mörkret) kann sich das Publikum selbst auf der Leinwand sehen. Sich erkennen, winken, sich freuen. „Musik non Stop“ (Hagnesta Hill) wird eine richtige Popnummer und das schwedische Hochzeitstanzlied Nummer Eins „Utan dina andetag“ bricht auf diesem Konzert wirklich jedem das Herz. Ich muss sagen, dass mich Joakims Gesang an diesem Abend wirklich beeindruckt, berührt hat. Ich habe ihn noch niemals so warm, gefühlvoll und klar singen hören. Chapeau!

„Välkommen, välkommen hit! Vem du än är, vad du än är.“ In den Neunzigern holte man zum Schunkeln die Feuerzeuge raus, heute gibt es die passende App, um bei „Sverige“ (Vapen & Ammunition) Stimmung zu erzeugen. Es ist so schön, all die tausenden Lichter zu sehen, die die Arena hell erstrahlen lassen und so ein Gefühl von Gemeinsamkeit erschaffen. Du gehörst dazu, wir alle sind willkommen und gehen diesen Weg gemeinsam. „747“ (Isola) war stets der letzte Song auf allen Kent-Konzerten. Ein Song, welcher mir persönlich sehr viel bedeutet. Nun tanzte ich ein letztes Mal dazu. Ein letztes Mal sind tausende Arme in der Luft und winken im Takt nach links und rechts.

* ich habe mich sichtlich über den Konfettiregen gefreut *

Den sista sången – Das letzte Lied

Dann die erste Zugabe: “Förlatelsen”. Über mein Lied habe ich in meinem letzten Blogeintrag schon ausführlich geschrieben. Es folgt das ultrapoppige „Dom andra“ eine Singel von Kents Hitalbum „Vapen & Ammunition“ (2002). Dann ist es an der Zeit: „Vi ska alla en gang dö…“ (wir werden alle einmal sterben…) „Mannen i den vita hatten“ (Du & Jag Döden) ist bombastisch, strahlend, explosiv. Jeder im Saal weiß, dass sich gleich der Himmel öffnet und es buntes Kent-Konfetti regnet. Doch das ist nur der kleine Tod. Denn er kommt erst – “Den sista sången”.

Die Masse tobt, ruft laut: „En gång till, en gång till, en gång till…“, voller Erschöpfung vom Singen, Applaudieren, Tanzen, Jubeln, Weinen, nach bereits zwei ein halb Stunden Spielzeit und 24 Liedern. Auf der schwarzen Videoleinwand läuft eine Gestalt auf uns zu, wie schon zu Anfang des Konzertes. Ein Kind, doch das Bild sieht aus wie ein Foto-Negativ. Dann kommen zuerst die Mädchen zurück auf die Bühne, lassen sich feiern und dann die Jungs. Alle ganz in weiß gekleidet. Markus haut schwer in die Trommeln seines Schlagzeuges und es ertönen wundervollste sphärische Gitarren. Jocke singt die ersten Zeilen, als würden warme Sonnenstrahlen aus ihm heraus fließen “Dina solvarma händer, svala stillahavsvindar lekte i ditt hår…” Nur vor ein paar Wochen bin ich noch mit einem Freund in der kalifornischen Sonne durch Malibu gecruist und wir hörten dieses Lied. „…jag minns det som om det var igår, vi körde genom Malibu när det äntligen blivit vår…” wir sehen uns an und müssen lachen.

Nun zieht sich der alte, weiße Tiger zum Sterben in sein dunkles Versteck zurück. Vielleicht ruht er sich aber auch nur aus und wagt sich in ein paar Jahren wieder zurück ins seine alte Welt. Vi har en mikroskopisk chans att bli gamla tillsammans.

* Kents Abschiedsvideo “Den sista sången” erschien am 19. Dezember 2016 als Dank an die treuen Fans *

Kent verbeugen sich vor ihrem Publikum (Foto: instagram/@nilscarmel)

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Kleines Lichtspiel in unsrer Küche - Hashtag des Tages #Kent

Nun sind es nur noch wenige Tage bis meine Jungs ihren Abschied einreichen. Ich werde von Tag zu Tag melancholischer, erinnere mich an meine Jahre mit Kent, die vielen Konzerte. Momente. Wie ich 2008 in Göteborg in einer lauen Sommernacht, barfuß und verliebt durch die Stadt nach ihrem Konzert in Slottskogen gelaufen bin. Ich später, mit gebrochenem Herzen, weinend, schluchzend unzählige Male “747″ hörend, auf dem Oberdeck der Fähre nach Kiel gesessen habe und auf die Stadt zurück blickte, die immer kleiner wurde am Horizont.

1999 habe ich Kent das erste Mal im Radio gehört, als ich von der Abendschule in Rostock mit dem Auto nach Hause fuhr. Es lief “Kungen är död” (Der König ist tot) von der “Hagnesta Hill”. Ich war so berührt von Joakims weinerlicher, getragener Stimme. Fühlte mich sofort zuhause, obwohl ich kein Wort verstand, von dem was er dort sang. Dort begann sie, meine Reise mit euch – Joakim, Sami, Martin und Markus. Eine Reise, die 16 Jahre lang andauerte und nun endet.

Kommenden Donnerstag werden wir uns das letzte Mal in Stockholm sehen. Sista gången vi ses. Und der Abschied wird so schwer. Ich werde hoffentlich das letzte Mal dort in der ersten Reihe stehen, versuchen eine Rose von Joakim oder Sami zu bekommen. Dann werdet ihr es schon gespielt haben, mein Lied “Förlåtelsen” (Die Vergebung) vom aktuellen Album “Då Som Nu För Alltid”. Ich werde jedes Wort Zeile für Zeile mitsingen, denn ihr habt es eigens für mich geschrieben, um mich zu erlösen, nach all den Jahren.

Impressionen aus dem Musikzimmer

Ich sehe mich dort stehen, atme jede einzelne Textzeile ein und aus, als fließe sie direkt aus meiner Seele. Erinnerungen werden reanimiert, die längst begraben schienen, doch nagen sie unaufhörlich an mir, zerren an meinem Herzen. Mein Herz, welches ich mir selbst gebrochen habe. Dinge, die ich gesagt, getan, verschwiegen habe. Verletzungen, die ich anderen zugeführt habe. Menschen, die ich sehr liebte. Wie dicke graue Schleier legen sich Taten und Worte auf meine Seele und es gibt kein Entkommen, keine Vergebung. Und Joakim, du nimmst mich an die Hand, denn wir sind noch weit entfernt vom Ziel. “Nu är vi så långt långt långt långt långt från målet, från förlåtelsen…”

Ja, ich war einst so jung und stolz, elitär und idealistisch. Und dann habe ich alles verloren. Meinen Halt in der Wirklichkeit, meine Tatkraft, mein Suchlicht, mich selbst und am Ende habe ich “Dich” verloren. Doch macht es Sinn jahrelang mit einem Geist Hand in Hand durch einen Park in einer namenlosen Geisterstadt zu laufen? Ich will nicht dort sein, wo die Verdammten und Vergessenen sich tummeln. Ich will nicht verloren sein. Ich will am Leben sein.

Så finns där någon mening i att vänta på förlåtelsen? (Macht es irgendeinen Sinn auf Vergebung zu warten?) singt Joakim fragend im Refrain. Nein, wir müssen uns am Ende selbst vergeben. Kan du förlata? Jag kan förlata! Die Dinge fortan besser machen, verantwortungsvoller mit uns selbst und vor allem mit anderen Leben umgehen, Mensch oder Tier. Und Joakim, du hast mich auf den richtigen Weg geführt, den Weg, welcher uns nach Hause führt. Så, där finns en väg som leder oss hem. Und dieses Zuhause ist wunderschön, es ist Glück und Leben. Wir müssen nur alle genau hinschauen und es erkennen. So, ich werde nun Lussekatter backen. Morgen ist Lucia.

Då som nu för alltid - Dieses Bild vom meinem Tattoo enstand an meinem Hochzeitstag. Nicht perfekt, aber für immer da.

Första gången jag såg dig
Ögonblick då allt vänder
I minnet en målning
Som aldrig förändras
Vad som än händer
Minns hur vi pratade
Ögonblicken som dödade mig
Och allt det jag saknat
Blev plötsligt en fördel
Jag hade en fördel
Vi ändrade planerna vi haft
Byggde upp nya ifrån scratch
Och du var som ingenting jag känt
Jag var förlorad
Allt var förlorat
Allt var förlorat
Jag var förlorad
Den här staden är namnlös
Alla gator är öde
Alla hus i ruiner
Här hamnar de glömda
De på förhand dömda
Jag går genom parken
Hand i hand med ett spöke
Där allting har vuxit över igen
Utanför ligger öknen
Jag ser bara öknen
Planer vi gjorde upp en gång
är som minnet av drömmen när
morgonen kommer
Nu är vi så långt långt långt långt
Från målet
Från förlåtelsen
Allt var förlorat
Jag var förlorad
Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?
Jag tappade takten
Släppte greppet om verkligheten
Jag var så stolt en gång
Jag var elitistisk
Idealistisk
Förlorade mitt sökljus
Högt upp i ett sekelskifteshus
Jag glömde min drivkraft
Det finns inget hjärta
Om du inte har kul
Jag förlorade mig själv
Allting i min värld gick sönder
Och nu till slut så förlorar jag dig
Jag har förlorat
Allt är förlorat
Allt är förlorat
Jag har förlorat
Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?
Vi ärvde vår synd
Vår eviga synd
Vi äger vår synd
Vår eviga synd
Vår verkliga synd
Är att vi tillåter oss att tro…

Första gången jag såg dig
Ögonblick då allt vänder
I minnet en målning
Som aldrig förändras
Vad som än händer
Minns hur vi pratade
Ögonblicken som dödade mig
Och allt det jag saknat
Blev plötsligt en fördel
Jag hade en fördel

Vi ändrade planerna vi haft
Byggde upp nya ifrån scratch
Och du var som ingenting jag känt
Jag var förlorad
Allt var förlorat
Allt var förlorat
Jag var förlorad

Den här staden är namnlös
Alla gator är öde
Alla hus i ruiner
Här hamnar de glömda
De på förhand dömda

Jag går genom parken
Hand i hand med ett spöke
Där allting har vuxit över igen
Utanför ligger öknen
Jag ser bara öknen

Planer vi gjorde upp en gång
är som minnet av drömmen när
morgonen kommer
Nu är vi så långt långt långt långt
Från målet
Från förlåtelsen

Allt var förlorat
Jag var förlorad

Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?

Jag tappade takten
Släppte greppet om verkligheten
Jag var så stolt en gång
Jag var elitistisk
Idealistisk

Förlorade mitt sökljus
Högt upp i ett sekelskifteshus
Jag glömde min drivkraft
Det finns inget hjärta
Om du inte har kul
Jag förlorade mig själv
Allting i min värld gick sönder
Och nu till slut så förlorar jag dig
Jag har förlorat
Allt är förlorat

Allt är förlorat
Jag har förlorat

Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?

Vi ärvde vår synd
Vår eviga synd
Vi äger vår synd
Vår eviga synd
Vår verkliga synd
Är att vi tillåter oss att tro…

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Die irische Künstlerin Róisín Murphy ist eine echte Rampensau und immer für ein gutes Foto zu haben (Quelle: hole-boss /instagram)

Soeben ist die Maschine von Los Angeles nach München abgehoben und ich schaue auf die im Sonnenuntergang glühenden Straßen der Stadt der Engel herab. Elf Stunden Flugzeit liegen vor mir. Ich fühle mich unendlich glücklich und dankbar über diese wundervollen Tage in Kalifornien und einen unvergesslichen Abend im El Rey Theater auf dem Wilshire Boulevard.

Vor 15 Jahren gehörte ich nicht zu den Leuten, die sich zu Moloko im Club den Arsch abgetanzt haben – heute sähe das anders aus. Seit “Hairless Toys” bin auch ich im Róisín Murphy-Fieber und habe nun das große Glück eine ganze, faszinierende und schillernde Murphy-Welt zu entdecken. Eine Welt, ja ein murphyeskes Universum, in dem Queen Róisín allein regiert, doch das jeder für sich beanspruchen kann. Dieses familiäre, intime Gefühl gibt diese Künstlerin einem unweigerlich und zu jeder Zeit.

Das El Rey Theater in sommerlich heißen L.A. - Róisín Murphys Location am 9.11.2016 (Foto: Kevlarsjael /instagram)

Tonight Is The Night

Der Konzertbesuch war, dank des Tipps eines Freundes, eher spontan und wir hatten Glück noch Karten für das ausverkaufte Konzert zu ergattern. So fieberte ich die ganze Woche auf diesen Moment hin und war mächtig aufgeregt, meine neue Heldin endlich das erste Mal live zu erleben. Róisín Murphy hat an diesem Mittwoch Abend im moderat großen El Rey Theater so ziemlich jeden in ihrem magischen Bann bezogen.

Das Publikum bestand aus allerhand grotesk kostümierten, bunten Party-Poeple, allesamt gut drauf und in Clublaune. Nach dem Support “With You”, tobte die Masse vor Ungeduld. Dann kam die “Mastermind” endlich auf die Bühne, eröffnete mit gleichnamigen Song vom aktuellen Album “Take Her Up To Monto”. Wow! Was eine Granate. Róisín Murphy zeigte den Leuten, was es heißt eine begnadete Rampensau zu sein und heizte der Menge zunächst mit Moloko-Songs, wie “Forever More” und “Dirty Monkey” ordentlich ein. Die Stimmung war von vornherein heiß. Heißer wurde es nur noch durch Róisíns Allover-Sexiness, oder wie auch immer ich die gleißende Ausstrahlung dieser Frau in Worte fassen soll.

Róisín in einem ihrer unzähligen Outfits (Foto: Kevlarsjael /instagram)

Alleinunterhalterin à la Cindy Sherman

Eine Alleinunterhalterin à la Cindy Sherman, die eigentlich Burlesque-Tänzerin oder Stripperin hätte werden sollen, wäre da nicht diese brilliante Stimme. Sei es der pinke Flamingo auf dem Kopf, das opulente, rüschige Ballkleid oder die Warnweste mit Schutzhelm: Egal welches Kleidungsstück aus dem Kostümfundus sich Róisín Murphy gerade elegant vom Körper streift oder wieder drüber, die Stimme sitzt und schillert in unendlichen Facetten. Kann laut und leise, schrill und sanft. Erzählen, verlangen, geben.

Nach “Dear Miami” (Overpowered) und “Tight Sweater”, ebenfalls ein Moloko-Song, folgte ein Stück von Murphys überragender Italo-Pop EP “Mi Senti”. Das stimmgewaltige “Tatty Narja” brachte die kleine Halle zum Beben. Mit “Gone Fishing”, “Evil Eyes” und “House Of Glass” folgten drei geniale Songs vom Meisterwerk “Hairless Toys”. Mit “Ten Miles High” baute Róisín in Bauarbeiterkluft riesige Murphyhäuser bis in die Stratosphäre. Und dann war es endlich soweit, darauf haben alle gewartet: “When I think that I’m over you, I’m overpowerd, it’s long overdue, I’m overpowered”. Alle haben wir laut mitgesungen, gestrahlt, und die Hymne gefeiert.

Róisín genießt es im Mittelpunkt zu stehen, hier mit pinkem Flamingo auf dem Kopf während des Songs "Gone Fishing" (Foto: Kevlarsjael /instagram)

Come make me whole – Body and soul

“Never underestimate creative people and the depts that they will go…” – kurz hinter der Bühne verschwunden, toste Róisín stapfend zu den Beats von “Exploitation” (Hairless Toys), das Ballkleid rauschend in die Luft wirblend und mit Glitzermaske, auf die Bühne. Dabei sah sie aus, wie eine strahlend schimmernde Pazifikwelle. Zauberhaft. Eine grandiose Performance und einer der besten Songs des Abend, wie ich finde.

Für ein paar Minuten ruhte sich die Band backstage aus, während das Publikum wie von Sinnen “Encore, encore, encore…” brüllte. Zuerst zeigte sich die Band erneut hinter ihren Instrumenten. Dann schleppte sich Róisín, in einer Art 100 Kilo gold-schwarzem Wollfetisch-Kostüm, auf die Bühne, um die sinnliche Ballade „Exile“ (Hairless Toys) zu präsentieren. Dann drehte die Band zum Moloko-Song „Pure Pleasure Seeker“ (Things To Make And Do) völlig auf. Jeder der vier Jungs durfte mal zusammen mit Queen Róisín ins Mikro brüllen. Róisín zeigte sich dem Publikum zum Anfassen nah und heizte ihm zusätzlich mit dem Refrain der Moloko-Hymne „Sing It Back“ (I am Not A Doctor) so richtig ein. Hier grölte wirklich jeder vollen Herzens mit.

Im rauschenden Ballkleid und Glitzermaske während des Songs "Exploitation" (Foto: hole-boss /instagram)

Final spielte die Band noch einmal „Exploitation“ an und Róisín stellte, im Rhythmus zu den Beats, ihre geniale Band vor. Ich könnte die einzelnen Mitglieder jetzt googeln und aufzählen, aber was soll‘s. Der Gitarrist vor meiner Nase sah echt gut aus und erkannt habe ich nur den irren Eddie am Keybord.

Fazit: Ein echt wahnsinnig guter Abend mit einer extrovertierten, publikumsnahen Róisín Murphy, die es sichtlich liebt im Mittelpunkt zu stehen. Es wurden neue Songs von ihren Soloalben gespielt aber auch Moloko-Klassiker. Das Publikum eine bunte Mischung aus L.A.s halber Schwulen- und Queerszene und echte Fans. Die Stimmung war grandios, der Saal betanzt und bekifft. Glücklich.

Danke für einen unvergesslichen Abend in L.A. - Roisin und ihre Jungs (Foto: esdanyboy /instagram)

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Kom och möt mig på vänstra stranden, en vit ros i din hand (Komm und treff mich am Strand auf der linken Seite, eine weisse Rose in deiner Hand)

Als ich die „Då som nu för alltid“ das erste mal gehört habe, musste ich „Den vänstra stranden“ nach der ersten Strophe skippen. So schmalzig und langweilig kommt dieser Song daher. Für die Rezension musste ich mich sehr bemühen bis zum Ende durchzuhalten und echt überlegen, ob es überhaupt was gutes an dem Track gibt. Der Text ist zumindest wunderschön romantisch. Handelt von einer sehr alten vergangenen Liebe, der man scheinbar noch immer hinterher hängt und hätte eine angemessenere Einbettung verdient.

Der C-Teil ist in der Tat ganz groovig und macht Spaß, passt aber so gar nicht zum Rest der Komposition. In Strophe und Refrain treffen Enya, Michael Cretu und besternfalls Take That aufeinander und da kann ich mich so gar nicht drin wieder finden. An meiner Wand hing nie ein New Age Poster. Wirklich die schlechteste Komposition und der Tiefpunkt des Albums. Kann also nur bergauf gehen.

Fortsetzung folgt…

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Kent (v.l. Jocke Berg, Martin Sköld, Sami Sirviö und Markus Mustonen)

Der dritte Track eines Albums hat häufig eine Schlüsselfunktion. Ist etwas besonderes für die Band. „Vi är för alltid“ ist hier der Titelsong des Albums und wird dem nicht unbedingt gerecht. Die Melodie ist fad, der Gesang wenig prägnant und der Refrain zu ironisch. Hier kann man irgendwie nichts und niemand Ernst nehmen und soll man glaube ich auch nicht.

„Dom kommer sjunga sånger om oss, Vi är för alltid, Dom kommer göra filmer om oss, Vi är för alltid…“ (Sie werden Lieder über uns singen, Wir sind für immer, Sie werden Filme über uns machen, Wir sind für immer…) Hier spiegelt sich das schwedische Nationaltrauma wieder, etwas darzustellen, von Bedeutung zu sein, einen wichtigen Platz in der Welt zu haben. Doch Jocke Berg weiß zu gut, dass sein Land sich in Gewöhnlichkeit und Tristheit verliert, dem Konformitätsdruck unterliegt.

Find ich persönlich schade, denn den Albumtitel an sich finde ich nicht ironisch. Kent wollen sich schon gebührend von uns verabschieden und das gelingt ihnen auch. Es gibt Songs auf der „Då som nu för alltid“, die einem Denkmal gleich kommen, jedoch man muss sich vorerst durch die erste Hälfte des Albums kämpfen.

Sparen können hätte man sich in „Vi är för alltid“ auch den anschwellenden C-Teil, der zu nichts hinführt außer, dass an seinem Ende ein Sack Kartoffeln auf der Snaredrum ausgeschüttelt wird. Ganz hübsch ist jedoch Sami Sirviös sommerliche Gitarre. Sie gibt dem Song eine gewisse Leichtigkeit und Erträglichkeit und erinnert an das hitzige Gefühl von „En plats i solen“.

Fortsetzung folgt…

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Zinnsoldaten zierten einst Kents Single "Töntarna" vom Album "Röd" (2009)

In „Tennsoldater“ (Zinnsoldaten), dem zweiten Track der „Då som nu för alltid“, setzen Kent ihren gewohnten, tanzbaren Elektropop der letzten Jahre fort, der mit der „Tillbaka till Samtiden“ vor neun Jahren so schön begann. Die ersten Takte und Beats klingen alles andere als kalt, sondern pulsieren synchron mit meinem eigenen Herzschlag.

Jockes Stimme hingegen klingt kühl, durch den minimalen Vocoder sogar distanziert. Resigniert. Hier wird nicht mehr gekämpft. Es liegen nur noch Verletzte auf dem Schlachtfeld. Und doch schwingt niemand die weiße Flagge. Die Schlacht muss weiter gehen, bis keine Zinnsoldaten mehr stehen.

Die Liebe war einst groß – offen die Herzen. Offen für Verletzungen. Doch waren diese zu groß? Was hat uns zu Monstern gemacht? Was hat uns den Hass gebracht? „Vi hukar oss och väntar på slaget, (och du säger) ”men det är bara ord”, Men hat är hat, Vem som än håller i vapnet…“ (Wir ducken uns und warten auf den Schlag, (und du sagst) “Aber es sind doch nur Worte“, Aber Hass ist Hass, Wer auch immer die Waffe hält…)

Oder kämpft hier alleine die Liebe gegen den Verstand? Fühlt es was es nicht fühlen soll? Für etwas, für jemand, das, der, die mir nicht gut tut? Begierde? Leidenschaft? „Jag kan inte lura mitt hjärta, Hur gärna jag än vill, Kan jag inte lura mitt hjärta…“ (Ich kann mein Herz nicht täuschen, Wie gerne ich es auch möchte, Kann ich mein Herz nicht täuschen…) Dieser Refrain ist so ehrlich, hat eine bei Kent erstmals hörbare erotische Spannung. Wer oder was kann hier nicht von wem lassen? (rör mig! Berör mig!) – Ich muss mich bewegen, muss tanzen! HA! Mein Herz, es hat mich erwischt.

Fortsetzung folgt…

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Andromeda

01 Jun 2016

Kent benannten den Opener von „Då som nu för alltid“ nach "Andromeda" aus der griechischen Mythologie, die sich heute als Galaxie und Sternbild am nächtlichen Himmel findet.

„Då som nu för alltid“ beginnt seltsamerweise ähnlich wie die „Tillbaka till Samtiden“ (2008) mit einem kurzen, elektronischen Sample. Kurz darauf folgt Heimat: Jockes vertraute, so sanfte, erzählende Stimme. „Hjärtat blir aldrig fullt, En livstid ska få plats där…“ (Das Herz wird nie voll, Eine Lebenszeit bekommt dort Platz…) Das sitzt schon mal, ist so fühlbar. Auch mein Herz wird niemals voll, wird es auch in tausend Stücke zerrissen. Es wird weiter gefüllt werden, mit Glück, Abschied, Schmerz und Trauer, bis es draussen in der kühlen Nacht von der Unendlichkeit verschlungen wird – vom Lichte Andromedas.

Jocke Berg in “Andromeda”, bereits im Auftakt eines Albums, über seine Kindheit reflektieren zu hören, hinterlässt einen besonderen Eindruck in mir. Schafft bereits mit den ersten Takten und Worten einen Moment starker Verbundenheit. Das gesamte Arrangement strahlt eine kosmische Klarheit aus. „Mitt hjärta är ditt land nu, Inget är förbjudet här, Inga gränser ingen mur, Ser du ljuset från Andromeda…“ (Mein Herz ist nun dein Land, Nichts ist hier verboten, Keine Grenzen, keine Mauer, Siehst du das Licht Andromedas…) Ob Jocke weiß, wie unendlich viel größer diese Zeilen für jemanden wie mich sein müssen? Aufgewachsen in einem Land umgeben von Stacheldraht, welches nur noch in Geschichtsbüchern existiert und in den Erinnerungen meiner Kindheit.

Ein Donnerschlag. Schlagzeug, Gitarre und Bass bilden eine bedrohliche Einheit. Und plötzlich. Da ist er endlich wieder – der Kinderchor (Jockes alter Ego, unser Alter Ego) – zerrt an der Seele, erinnert Jocke, mich, uns daran, wer wir damals waren, wer wir heute sind. Wie wir aufgewachsen sind und heute leben. „Vi var kids (just kids), Vi var småbarn, Vi var kids (just kids), I en spökstad…“ (Wir waren Kids (just Kids), Wir waren Kleinkinder, Wir waren Kids (just Kids), In einer Geisterstadt…) Erinnerungen spielen sich vor meinem geistigen Auge ab, wunderbare – grausame. Aber ich bereue nichts von dem, was ich getan habe – nicht mehr.

Im C-Teil säuselt Jocke mir ganz leise ins Ohr. „Säg vad tänker du på? Jag vet hur långt du kan gå, Som ljuset från Andromeda…“ (Sag an was denkst du? Ich weiß wie weit du gehen kannst, wie das Licht von Andromeda…) Komm mit! Komm mit in die Vergangenheit! Und so gehe ich in Gedanken dorthin zurück, Hand in Hand mit der kleinen Sandra. Eine neue Art Frieden mit mir zu schließen, mich selbst zu umarmen. Wir wussten es nicht besser…

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Das Cover "Då som nu för alltid" 2016 (v.L. ....)

Ich habe diesen Tag stets gefürchtet. Den Tag, an dem ich beginnen muss, Abschied zu nehmen. Den Tag, an dem das Ende einer Ära eingeläutet wird. An dem sich der müde, weiße Tiger ins Dunkle zurückzieht – sich schlafen legt – für immer.

Nach 26 Jahren verlassen Kent die große Arena des schwedischen Popbusiness. Bereits im Trailer zum neuen Album und zu Kents Abschiedstournee trommelt das totenkopfgeschminkte Mädchen alle zum großen Begräbnis zusammen. Zur letzten andächtigen Feier. Auf dem Weg zur letzten Ruhestätte, vergegenwärtigt sich ein ganzes musikalisches Leben. Finden Kent im Marsch zurück zu ihren Anfängen, zu einer lange verschollenen Sensibilität und Kreativität. Schinden das letzte mal Eindruck – einen bleibenden – „Då som nu för alltid“ (Damals wie heute für immer).

Seit der Veröffentlichung am 20. Mai, habe ich dieses Album bereits sehr oft gehört. Es hat mich paralysiert, meine Tränen fließen lassen, mein Herz brennen lassen und meine Füße beim Tanzen im Wohnzimmer. Ich gab ihm Zeit, sodass es wachsen konnte. Lasse auch Milde walten, ist es doch der letzte Gruß. Für mich hat das Schreiben über Kents letztes Werk eine große Wichtigkeit. „It’s the story of my life…“ Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, die Rezension des Albums nicht in einem einzigen, großen Text zu veröffentlichen, sondern Lied für Lied in chronologischer Reihenfolge. Für mich und alle anderen Kent-Fans endet mit den letzten Konzerten im Dezember ein wichtiger Lebensabschnitt und ein neuer beginnt. Doch erst werden wir es geniessen – unser letztes Album – unser letztes Jahr mit Kent.

Ein sanftes, doch forderndes Trommeln, ruft die Kent-Jünger zusammen, entfacht einen Marsch gleich einer Symfonie aus Gitarren, Bläsern und Chören. Doch hält dieser opulente Sound was er verspricht?

Fortsetzung folgt…

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Der King of Cool wird heute 70 und ist sexy wie nie zuvor - Bryan Ferry / Tempodrom Berlin 25.09.2015 (Foto: Sandra Duvander)

Der King of Cool wird heute 70

Gestern Abend hatten wir uns spontan entschieden, zu Bryan Ferry zu gehen. Natürlich war das Konzert des “Sexiest Singer alive” ausverkauft und wir versuchten alles, um vor dem Tempodrom in Berlin noch zwei Karten zu ergattern. Wir schafften es tatsächlich zwei betrunkenen, älteren Herren, die sich liebevoll Waldschrat und Alter nannten, die Karten abzuwerben und fanden uns, kurz bevor die Show des Briten startete, in der ersten Reihe im Parkett wieder. Genial.

Ich muss gestehen ich war oder bin kein eingefleischter Roxy Music bzw. Bryan Ferry Fan, doch das aktuelle Album „Avonmore“ hat es mir angetan und ich liebe und kenne natürlich Klassiker wie “Let’s Stick Together” oder “Virginia Plain” (wer nicht). Mit dem Titelsong des aktuellen Albums startet auch das Konzert und mein Herz hüpft synchron mit den Bässen, als der “King Of Cool” die Bühne betritt. Hach, ich mag ihn wohl doch mehr als ich denke, oder ist es nur der überwältigende Moment eine, nun heute 70-jährige, Ikone der Pop-Geschichte so hautnah zu erleben? Gänsehaut und ein Tränlein im Auge.

XXL Bandaufgebot - von Backgroundsängern bis zum Saxophon (Foto: Sandra Duvander / Iphone 6)

L.A. Sound und die XXL-Band

Reiche Arrangements, coole Gitarren- und Basssounds, ein relaxtes Schlagzeug und heißes Flimmern von Effekten sorgen für einen sexy-coolen L.A. Sound. Ob von den groovigen Backgroundsängern bis zur Violinistin Lucy Wilkens: Jeder, der XXL-Band, beherrscht sein Handwerk allzu präzise und es ist ein Augen- und Ohrenschmaus, diese Musiker zu genießen. Jeder Einzelne hat seine Soli, sei es Jimmy Sims am Bass, Jacob Quistgaard an der Gitarre oder die geniale Soulsängerin Bobbie Gordon, die mit ihrem Gesangspart im Klassiker „Avalon“ brilliert. Doch eine stiehlt Bryan Ferry fast die Show: Die Australierin Jorja Chalmers mit ihrem Babybauch am Saxophon.

Grandiose Backgroundsänger v.l. Fonzi Thornton, Bobbie Gordon, Rihanna Kenny (Foto: Sandra Duvander)

Sie stahl Bryan Ferry fast die Show - Publikumsliebling Jorja Chalmers am Saxophon (Foto: Sandra Duvander)

Der ewige Dandy

Stimmlich scheint Bryan Ferry nicht ganz auf der Höhe. Mag jedoch sein, dass seine Stimme mit ihm gealtert ist – nun nicht mehr cool und klar klingt, wie zu Glanzzeiten der Glamrock-Band Roxy Music – sondern rau und weise, doch noch immer mit diesem sexy Timbre, das flirrt wie Luft auf heißem Asphalt. Kurz vor dem Konzert sprach ich mit einem Fan. Sie meinte: „Ja so gut wie früher ist er nicht mehr. Er hat ganz schön nachgelassen.“ Ich dachte: Hey okay, vielleicht haben aber auch die Fans nachgelassen, die mit Ferry älter und alt werden. Nichts desto trotz: Sich smart bewegen und rocken kann der ewige Dandy noch immer.

Gegen Ende des Konzertes winkt Ferry auch die Fans aus den hinteren Reihen an die Bühne heran. Das Eis ist gebrochen. Endlich können sich die Fünfzig Plus Fans so richtig gehen lassen, ihren Helden feiern und zu den Hits von Roxy Music mit den Hüften wackeln. Die Songs “Love Is The Drug” und “Do The Strand” bringen das Publikum aus der Fassung. Auch ich finde mich dort vorne wieder, mache mit Hundert anderen Fotos mit dem Handy und frage mich, wie Ferry sich wohl dabei fühlt. Der, der noch ganz andere Zeiten kennt – nun begafft, geknipst und irgendwo hochgeladen, wie der Letzte einer fast ausgerotteten Art.

Er begeisterte mit seinen Gitarrensoli: Der Däne Jacob Quistgaard (Foto: Sandra Duvander)

Jealous Guy – der Abschied

Der letzte große Song des Abends: „Jealous Guy“ von John Lennons zweitem Studioalbum „Imagine“. Roxy Music spielte den Song erstmals als sie vom Tod John Lennons erfuhren auf einem Konzert 1980. Ein Jahr später interpretierten sie den Song neu und feierten in mehreren Ländern einen Nummer Eins Hit. Ein verzweifelt liebender Bryan Ferry taucht ein letztes Mal den Saal in Wehmut und Nostalgie. Er singt: “I was dreaming of the past, and my heart was beating fast…”. Sicher träumen an diesem Abend viele von der Jugend und Vergangenheit. Eine tiefe Dankbarkeit ist zu spüren, überträgt sich auf die Gesichter der Fans, die glücklich den Saal verlassen.

Bryan Ferry performing, rechts Bassist Jimmy Sims (Foto: Sandra Duvander)

Die Band v.l. Drums: Luke Bullen, Bass: Jimmy Sims, Sax/Keys: Jorja Chalmers, Violine: Lucy Wilkins, Gitarre: Jacob Quistgaard (Foto: Sandra Duvander)

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.