Thåström live 2006

Der schwedische Rockmusiker Joakim Thåström gibt das erste Mal ein Konzert in Berlin. Am Mittwoch den 18. Juli spielt der Mann mit der rauchigen Stimme ab 21 Uhr im Postbahnhof am Ostbahnhof.

Als ich Thåström 2008 das erste Mal live in Göteborg gesehen habe, nahm ich ihn erst gar nicht wirklich wahr. Bis dieser eine Song kam „Fanfanfan“. Wow, diese Melodie, diese Melancholie brannte sich sofort in mein Herz ein. Ich wusste gar nicht was er dort singt, bis meine schwedische Begleitung mir den Text übersetzte. Das gab mir den Rest und machte diesen Song für ewig zu etwas Besonderem. Doch viele Leute im Publikum waren auch enttäuscht. Nicht weil Thåström so schlecht gespielt hat – er war grandios – sondern weil er im Vorprogramm von Kent spielte. Viele meinten es hätte genau umgekehrt sein müssen, und vielleicht ist das auch so. Joakim Thåström ist das Urgestein des schwedischen Rock, wird verehrt und geachtet. Er hat sich schon das Herz aus dem Leib gesungen als Joakim Berg sich fast noch in die Hosen geschissen hat.

Mitte bis Ende der Siebziger überschwemmte Punkrock Europa wie ein Tsunami. Auf einer Party in der Stockholmer Arbeiterklasse-Vorstadt Rågsved gründete Joakim Thåström (damals zwanzigjährig) im Dezember 1977 zusammen mit zwei Kumpels die Band The Haters. Kurze Zeit später wurde daraus Ebba Grön – Schwedens legendäre Punkband. Ebba Grön veröffentlichte bis 1982 drei Alben. Ihr Debut „We‘re only in it for the drugs“ ist eine Anspielung auf Frank Zappas Album „We‘re only in it for the money“. Auch Abba mussten unter Ebba Gröns Bissigkeit leiden. 1982 erschien der Film „EBBA – The Movie“.

Sozial- und systemkritisch ist Joakim Thåström auch nach seiner Zeit mit Ebba Grön geblieben. Mit einem modernerem Sound und für das Publikum leicht zugänglichen Texten, wurde seine Band Imperiet in den Achtzigern zu einer der wichtigsten Bands in Schweden. Eine weitere Schaffensperiode stellt seine Zeit in den Niederlanden dar. Er brauchte Abstand von seinem Heimatland Schweden und zog nach Amsterdam. Dort arbeitete er von 1992 bis 1997 an dem Projekt Peace Love & Pitbulls (PLP). PLP war stark von Industrial der Achtziger Jahre beeinflusst.

Das schwedische Publikum lechzte nach einem neuen Rockalbum. 1999 kehrte Thåström zurück zu seinen Wurzeln – Schweden und dem Rock. 2005 veröffentlicht er “Skebokvarnsv. 209″ – sein persönlichstes Album mit sehr sensiblen Texten. Er schlägt Kapitel aus seinem eigenen Leben auf und gewährt tiefe Einblicke in sein Selbst. Von diesem Album stammt auch der wundervolle Song „Fanfanfan“ (Verdammt, verdammt, verdammt). Dieses Album braucht nicht viel – nur eine Akustikgitarre und Thåströms markante, raue Stimme.

Thåström "Bevapna dig med vingar"

Cover des aktuellen Albums "Bevapna dig med vingar"

Kürzlich erschien sein bereits siebtes Soloalbum „Bevapna dig med vingar“ (Bewaffne dich mit Flügeln). In Schweden war er damit bereits auf Tour. Die Erlöse aus dem Merchandise wurden gespendet um Obdachlosen in Schweden zu helfen. Echt Klasse! Nun kommt Thåström das erste Mal nach Berlin und ich bin echt aufgeregt und freue mich sehr auf das Konzert. Habe ich mich doch jüngst und auch im letzten Jahr darüber geärgert, dass ich nicht zu einem seiner Konzerte fahren konnte. Sein Besuch hier in Berlin ist eine Ehre. Und es wird sicherlich ein Abend, den man nicht vergessen wird.

Der Titelsong vom aktuellen Album “Bevapna dig med vingar” live

Lauschen:

Thåström – Fanfanfan

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The Cardigans - Coverausschnitt des Erfolgsalbums "Gran Turismo" von 1998

Es ist vielleicht die größte Überraschung dieses Jahres – The Cardigans spielen Ihr Erfolgsalbum “Gran Turismo” von 1998 exklusiv auf dem Hultsfredsfestival in Schweden. Gunnar Lagerman, Kreativchef des Festivals, ist absolut begeistert The Cardigans für das Event vom 14. bis 16. Juni gewonnen zu haben. Nicht weniger ambitioniert äußert sich die Band selbst zu dieser wirklich einmaligen Gelegenheit, die Vergangenheit für einen Moment zurück in die Gegenwart zu holen. Sie konnten gar nicht anders und mussten das Angebot des Festivalbetreibers einfach annehmen.

Seit 2006 haben The Cardigans nicht mehr in ihrem Heimatland gespielt und die Bandmitglieder Nina Persson, Magnus Sveningsson und Bengt Lagerberg und Lasse Johansson haben sich in den letzten Jahren in verschiedenen, eigenen Musikprojekten wie A Camp, Brothers Of End und DunDun, ausgetobt und selbstverwirklicht.

Eine der fünf Strickjacken wird jedoch bei diesem einzigen Gig in Schweden nicht dabei sein – Gitarrist Peter Svensson. Glamrocker und Mädchenschwarm Moto Boy Aka. Oskar Humlebo wird für Svensson in die Seiten greifen und mit seiner Falsetto-Stimme Nina sicher auch mit Backing Vocals supporten.

Moto Boy greift für The Cardigans in die Seiten

Weitere relevante Tourneedaten der Cardigans sind:

8. Juni 2012 – Kopenhagen, Tivoli

7. Juli 2012 – Turku, Ruisrock Festival (Finnland)

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Justine (Kirsten Dunst) treibt wie John Everett Millais "Ophelia" dem Untergang entgegen

Lars von Trier polarisiert. Man liebt ihn, man verabscheut ihn, oder registriert einfach, dass er einen Knall hat. Vor keinem menschlichen Abgrund schreckt der Melancholiker zurück, denn darin erkennt er die Schönheit und Faszination der erbarmungswürdigen Kreatur. Selma, gespielt von Björk im dramatischen Musical „Dancer in the Dark“, tötet aus purer Verzweiflung, damit ihrem Sohn nicht ihr Schicksal droht – die Erblindung. Die fragile Grace (Nicole Kidman) lässt sich in “Dogville” von sämtlichen Bewohnern peinigen, nur um ihrem Vater, mit dem sie lediglich eine kleine Meinungsverschiedenheit hatte, zu entkommen. Doch in von Triers kosmischem Endzeitspektakel „Melancholia“ gibt es kein Entkommen.

Melancholie, dieses Gefühl, dass in mir wohnt, dem auch ich nicht entkommen kann. Schon beim Titel, war für mich klar, dass kein Weg am Kinosaal vorbei führt. Im zehnminütigen Vorspann des Films schaue ich in die leeren, müden Augen einer Frau, die lange gekämpft hat und es ist so als würde ich in einen Spiegel schauen. In Form von dicken, staubigen Spinnweben und modrigen Schlingpflanzen, die an ihren Beinen haften, zieht sie sinnbildlich das Leben hinter sich her – angestrengt und in Slow Motion. Anmutig wie John Everett Millais „Ophelia“ (der Figur aus Shakespeares „Hamlet“) treibt sie im Brautkleid im strömenden Gewässer, wohlwissend und bereit den Tod zu umarmen. Im Angesicht des Untergangs scheint für Justine, gespielt von der herrlich unheimlichen Kirsten Dunst, all der Weltschmerz begründet. Die eingefrorenen, hypnotischen Bilder werden von Wagners Ouvertüre von „Tristan und Isolde“ untermalt, die in der ekstatischen Kollision der Erde mit dem so schön blau schimmernden Planeten Melancholia ihren Höhepunkt findet.

Ihre Ehe ist eine trügerische Illusion: Michael (Alexander Skarsgard) & Justine

Justine

Dabei fing es so vielversprechend an und von Trier gibt sich in „Melancholia” durchaus humorvoll. Die frisch getraute Justine ist mit ihrem Ehemann Michael auf dem Weg zu ihrer Hochzeitsfeier. Die Strechlimousine ist jedoch zu sperrig für den Waldweg. Unbeschwert und strahlend vor Glück übernimmt Justine das Steuer. Die überschätzt an diesem Tag nicht nur ihre Fahrkünste und setzt die Karre Michael vor‘s Schienbein, auch das straffe Abendprogramm wird sie überfordern. Viel zu spät erscheinen die beiden auf dem prunkvollen Landsitz des Schwagers John (Kiefer Sutherland). Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) lässt dort ein opulentes Fest ausrichten.

Wie eine reife Orange presst sich Justine in die gesellschaftliche Rolle der Ehefrau und ihr Saft beginnt in der Hochzeitsnacht schon heftig zu gären. Schwarze Galle legt sich über ihre Seele und Justine entzieht sich mehr und mehr den Feierlichkeiten. Die Braut geistert durch die Räume des Anwesens. Gedankenversunken nimmt sie ein Bad, heizt mit dem Golfcart über den Platz, pieselt in eines der 18 Löcher, verweigert sich dem Ehemann, der sich liebsam sorgt. Noch vor dem Morgengrauen wird sie ihn, den Vater und den Job verlieren. Am Ende dieses ersten Teiles verheisst ein Blick in den Himmel nichts Gutes. Der rot leuchtende Antares fehlt im Verderbnis bringenden Sternbild des Skorpion. Für Justine nimmt das Unheil seinen Lauf.

Claire will sich und Leo retten, doch es führt kein Weg aus der Katastrophe

Claire

Die optimistische Claire, nach der der zweite Teil benannt ist, klammert sich ganz an ihren Gatten John. Der will der über die Menschheit hereingebrochenen Melancholie mit Wissenschaft beikommen und glaubt an den „Vorbeiflug“ des Planeten. Dementsprechend wird er das Ereignis mit Teleskop und Champagner zelebrieren. Doch Melancholia kommt zurück. Wie sich alle väterlichen Figuren nach und nach aus dem Staub machen, wird John später feige mit Tabletten abdanken und seiner Frau den Boden unter den Füßen wegreißen. Mütterlich, wie die Erde, hat Claire viel zu verlieren – ihren geliebten Sohn Leo, als Allegorie für die Menschheit: “Aber wo soll Leo denn nun aufwachsen?” Leo nennt Justine liebevoll „Tante Stahlbrecher“, er sieht mit dem reinen Blick eines Kindes in die dunkle, einsame Seele von Justine – weiß was sie zu tragen hat und weiß um ihre Kraft: „Tante Stahlbrecher kann das.“

Während die depressive Justine mehr und mehr aufblüht, wird Claire zunehmend panischer. Nachts beobachtet sie, wie sich ihre ungleiche Schwester nackt im blauen Lichte des melancholischen Planeten räkelt, sich dabei zärtlich berührt, die kosmische Energie des neuen Verbündeten empfängt. Das die Welt untergeht ist nicht Justines Problem – es ist ihre Erlösung: „Die Erde ist schlecht. Keiner wird sie je vermissen“. Claires sentimentalem Begehren, dem Ende gemeinsam mit einem Glas Wein auf der Terrasse entgegen zu sehen, kann Justine nur Verachtung entgegen bringen. “Warum nicht gleich auf der Scheiß-Toilette?” Am Ende wird sie ihrer Schwester die Hand reichen, sie liebevoll umarmen, wie Melancholia die Erde.

Justine räkelt sich im Lichte des blauen Planeten Melancholia

Die magische Höhle

Justines mythische Entwicklung findet im Wigwam aus Ästen, den sie für ihren Neffen baut, ihre Vollendung. Nur in der Vorstellungskraft eines Kindes kann diese „magische Höhle“ vor dem Zusammenstoß der Planeten schützen. Wie Leo, wollte irgendwie auch ich einen Moment glauben, dass das fragile Konstrukt – dieses überoffensichtliche Versteck – der Melancholie standhält. Der Planet und Justine „Tante Stahlbrecher“ sind die Symbolfiguren, die sich den Regeln des Systems, in dem sie sich befinden, nicht mehr unterwerfen. Sie brechen diese und sind somit – in all der Melancholie, die sie verbindet – auch die Hoffnung. Der Funke Hoffnung, den ein Szenario des Untergangs dramaturgisch erkennen lassen kann. Die Depression muss nicht mehr versteckt werden, wie sich auch Melancholia nicht mehr hinter der Sonne verstecken muss. Solange bis die einschlagende Wucht nichts als den schwarzen, stillen Abspann hinterlässt.

Lars von Trier scheut den großen Knall nicht. Die Übertragung der menschlichen Ebene auf das Kosmische ist als Provokation gegenüber dem europäischen Autorenkino zu werten. Gleichzeitig ist sie von Triers ironische Antwort auf Erwartungen, die ein Publikum an einen großen Regisseur stellen kann. Doch dem amerikanischen Blockbuster-Kino wird hier garantiert nicht die Aufwartung gemacht. „Melancholia“ verweist eher auf eine Ahnenreihe von europäischen Filmemachern, um diesen im gleichen Atemzug zu widersprechen. Die in all ihrer Dekadenz üppig ausstaffierte Hochzeit Justines, erinnert nicht zufällig an Thomas Vinterbergs Dogma-Film „Festen“ (1998), sondern ist seine filmische Nachfolge, die Weiterentwicklung des eigenen Werkes. Wie Andrej Tarkowskis „Opfer“ (1987) wurde auch „Melancholia“ auf der schwedischen Insel Gotland gedreht. War von Triers kontrovers diskutierter Film „Antichrist“ noch dem russischen Filmemacher gewidmet, läuft die Spur hier im Endzeitdrama ins Leere. Eine Anspielung auf Tarkowskis “Nostalghia” stellt lediglich der Titel dar.

„Antichrist“ und auch „Melancholia“ sind sicher die persönlichsten Werke Lars von Triers, da sie viel mit seiner eigenen Krankengeschichte zu tun haben. In seinen Werken sucht er stets nach Wegen seine intellektuellen und emotionalen Verfassungen in Bilder einzufangen. Von seiner Dogma-Zeit bis heute sind Eindringlichkeit und Radikälitat, die Dimensionen in denen sich der Filmemacher dabei bewegt. Mit „Melancholia“ hat von Trier ein virtuoses Drama geschaffen, dessen prozesshafte Struktur in der Tat wie ein symbolischer Exorzismus wirkt. Es soll ihn von seiner Depression befreit haben, betonte von Trier in Interviews. „Melancholia“ befreit vielleicht nicht unbedingt von einer Depression, jedoch von Angst. Das Wissen am Ende nichts zurück zu lassen, wirkt wie ein Befreiungsschlag und wie Justine würde ich meinen Frieden in der kosmischen Bestimmung finden.

Justine baut für ihren Neffen Leo "die magische Höhle"

Seit zwei Wochen arbeite ich nun schon an diesem Text. Der Film lag mir nach dem ersten Mal schauen mehrere Tage stark auf. Erst beim erneuten Kinobesuch haben sich die Allegorien für mich konkretisiert. Alle Gedanken zum Film kann ich hier gar nicht anbringen, doch bin neugierig auf eure Eindrücke. Wie findet ihr den Film? Was berührt euch besonders?

“Melancholia” (DK/SWE/FR/D 2011)
Regie: Lars von Trier
Fotos: Christian Geisnaes

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Gastbeitrag von Laika:

Als ich im März dieses Jahres in Malmö das erste Mal ein Bob Hund Konzert besuchte, war ich hingerissen. Es war das erste Mal, dass ich meine Helden live sah, das erste Mal diese Lieder gemeinsam mit hunderten von Menschen hörte und sang und mich noch mehr in jedes einzelne Lied verliebte. Da war es auch das erste Mal, dass ich “Stanna Klocka Stanna” (“Bleib stehen Uhr, bleib”) hörte, die erste Single von Bob Hunds im kommenden Februar erscheinenden Album.

Es klingt wie Bob Hunds Lieder klingen. Und es berührte mich beim ersten Hören und es berührt mich auch noch nach dem zwanzigsten. Wie immer. Gerne, gerne soll da die Uhr stehen bleiben und mich im Lied halten. Ich will da gar nicht weg, ich will gar nicht, dass das Lied aufhört. Das Video, ebenfalls im unverkennbaren Bob Hund Stil, konnte ich noch nicht in voller Schönheit genießen, denn, wie ärgerlich, ich habe gerade keine 3D-Brille zur Hand. Ja! Es hat einen 3D Special-Effect! Die Brille besorg ich mir aber noch, um mich wie beim Konzert im März zu fühlen, mit einem mitreißenden Thomas Öberg der mir sein Mikro ins Gesicht hält und zum Mitsingen auffordert (nein, so weit vorne stand ich dann doch nicht…leider).

Single und Video erschienen am 21. September. Die Single kann man bei den üblichen Verdächtigen digital erwerben.


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Letztens sah ich im TV mal wieder den Jack Wolfskin Werbespot. Schon länger störe ich mich daran, dass dort nicht mehr das Original des Songs „Devil In The Details“ von The Walkabouts läuft, sondern eine Coverversion. Was ist geschehen? Haben The Walkabouts die Rechte an dem Song an Jack Wolfskin abgetreten? Ein fehlender Musikquellenverweis im Spot lässt zumindest darauf schließen.

Meine Recherche im Internet führte mich nicht zu den neuen Interpreten von „Devil In The Details“, doch zu dem zauberhaften Duett zweier begnadeter Sänger: „Travelling Light“. Die reifen, sinnlichen Stimmen der Walkabouts-Sängerin Carla Torgerson und des Tindersticks-Frontmann Stuart A. Staples können hier nicht schöner harmonieren.

Länger schon wollte ich mich mit Tindersticks auseinander setzen. Wenn immer ich sie irgendwo höre oder gar live sehe, bereue ich es sie nicht besser zu kennen. Diese Musik und diese Stimme muss man einfach aufsaugen. Die Single „Travelling Light“ erschien auf Tindersticks zweitem, selbstbetitelten Album von 1995.

Schauen:


Tindersticks – Travelling Light von lukassette

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gemacht für die Ewigkeit: Slowdives "Just For A Day"

Da ist es wieder: dieses kaum Aushalten können vor Schönheit. Das Engegefühl in der Brust, der Kloß im Hals, der die Luft zum Atmen so sehr abschnürt. Tränen suchen sich ihren Weg aus den Augen, fließen über Wangen, Mund, tropfen ins Dekolleté. Wie quälend schön sind diese Synthesizerteppiche, diese lieblich traurigen Gesänge. Dieses heiße Anschwellen der Gitarrensounds in “Catch The Breeze”: ”…hey are you feeling something new?…”

Einige Jahre ist es her, dass ich Slowdives Debutalbum “Just For A Day” das letzte Mal hörte. Heute stelle ich mit süßem Schmerz in der Brust fest, dass es nichts von seiner betörenden Wirkungskraft verloren hat. Der Schmerz wird nunmehr gefüttert von Erinnerungen. Erinnerungen, die mitunter 20 Jahre alt sind. Für wie viele Menschen war dieses Album ein Rettungsanker auf der stürmischen See der Gefühle, ein Licht in so manch dunkler Nacht? Eine tröstende, wenn auch schwere Decke? Wie Blei lag die Magie dieses Werkes oft auf unserer Seele. Doch spiegelte es nur unsere Melancholie – war und ist zuhause.

All das begann mit einem Trick. Slowdive tourte im Sommer 1991 mit den Songs ihrer 3 EPs. Neil Halstead – Sänger, Gitarrist und Songwriter der Shoegaze-Band aus Reading – erzählte Alan McGee von Creation Records Slowdive hätte genug Songs für ein Debutalbum. In Wirklichkeit war dies nicht der Fall. Die Band hatte nicht einen einzigen neuen Song, durfte jedoch auf Kosten von Creation ins Studio. Der ganze Prozess des Songwritings verlagerte sich auf mehrere Wochen Tonstudio inklusive harten Cannabiskonsums.

Das im Rausch von 6 Wochen produzierte Debut der Dreampopper wurde am 2.September 1991, vor genau 20 Jahren, veröffentlicht und rutschte tatsächlich in die Top10 der UK Indie Charts. Geliebt wurde das schwermütige Werk von den Kritikern trotzdem nicht. Es wurde als Gegenschlag zum aktuellen Shoegazetrend verrissen und als ideenlos und düster hingestellt. Ein Schicksal, welches sich alle Alben von Slowdive teilen mussten. Zu unrecht. „Just For A Day“ kann nur als gute Kinderstube ihres folgenden Werkes „Souvlaki“ gelten und findet in „Pygmalion“ seine Vollkommenheit.

Slowdive 1991 - das Girl ist Bassistin & Sängerin Rachel Goswell. Der Typ ganz rechts Frontmann Neil Halstead

Keinem Liebhaber des Dreampop bleibt der Zugang zu “Just For A Day” verwehrt. Wir glühen mit der schweren Hitze des Openers “Spanish Air”.“Celias Dream” ist der schönste Traum, den wir träumen können. “Waves” und “Brighter” lassen uns im blendenden Glitzern der Wellen auf das weite Meer hinaustreiben. Wir verirren uns – so gewollt. Werden immer kleiner, verlieren uns – so gewollt.

Hypnotisierend umkreist Rachel Goswells zarte Stimme, den knabenhaft reinen Gesang von Neil Halstead im letzten Song “Primal”. Wie unschuldig wird er zerdrückt, von einer Macht, die er nicht besiegen kann. “…I can’t believe, it scares me, can’t believe…” Niemals zuvor haben zwei Stimmen so gänzlich harmoniert, wie diese beiden, sowohl bei Slowdive als auch bei der aktuellen Band Mojave3. Als wären sie ein Liebespaar, dass nicht zueinander finden kann, voller Sehnsucht und Herzeleid.

Die Musik von Slowdive, so auch ihr Debut “Just For A Day” ist für Melancholiker gemacht. Kaum anders lassen sich diese von Schmalz triefenden, wehleidigen Songs ertragen. Leiden muss man lieben, weil Liebe Leid niemals ausschließt. Weil die Liebe nicht unendlich ist, wir uns im Moment des größten Glücks ihrer Vergänglichkeit bewusst sind. “Love, just for a day…”

Heute nach 20 Jahren kann ich mich nur für all die Momente, die ich mit dieser Platte und auch mit dieser Band verbinde, bedanken. “Just For A Day”, ein Album für die Ewigkeit gemacht. Nicht immer zu hören, doch all die Jahre immer wieder einmal.

Lauschen:

Slowdive – Primal

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Slowdive – Celia’s Dream

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das Musikfernsehen tape.tv will Start-Up des Jahrzehnts werden

tape.tv hat dem Musikfernsehen neuen Atem eingehaucht. Auf ein paar Klicks könnt ihr euch euer eigenes Musikprogramm zusammenstellen. Die Musik, die ihr liebt, findet den Weg zu euch quasi ganz von selbst. Wenn ihr auch der Meinung seit, dass tape.tv seit seiner Gründung 2008 etwas ganz Besonderes auf die Beine gestellt hat, dann könnt ihr das noch bis heute Abend zeigen. Der Internetsender will Start-Up des Jahrzehnts auf Gründerszene werden und ihr könnt dabei helfen, indem ihr folgenden Link anklickt und tape.tv auf der Seite liked:
http://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/tape-tv

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die neue Compilation des Indielabels City Slang

Do Robocats Dream Of Electric Mice? – Nun ich kann sagen, dass mein Kater aus Fleisch und Blut auf alle Arten von Maus abfährt, also wird er diese Compilation mit dem schönen Titel wohl auch zum Fressen gern haben. Eine feine Idee vom Berliner Label City Slang elf aktuelle Songs von ihren Künstlern zusammen zu krallen und als Free Download zur Verfügung zu stellen. Auserwählt wurden Tracks der südafrikansichen Indieperlen Dear Reader, des Berliner Singer-Songwriters Norman Palm, von Tu Fawning aus Portland/Oregon, der Folkrockband Wye Oak u.v.a. Habt Spaß!

Do Robocats Dream Of Electric Mice? – A City Slang Compilation by cityslang

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Håkan Hellström auf dem Göteborger Risåsberget. Im Hintergrund sieht man den Vergnügungspark Liseberg.

Der Vergleich ist etwas großspurig – stammt auch nicht von mir. Tatsächlich gibt es einige interessante Ähnlichkeiten zwischen der Göteborger Musikszene und jener einflussreichen, die sich ab Anfang der 80er in Manchester entwickelte, meint Carl Reinholdtzon Belfrage – Liebhaber und Verfechter der Göteborger Popszene. Der Musikjournalist schreibt auf Svensk Musik darüber, warum so viel gute Musik aus „Schwedens Tor zur Welt“ kommt und versucht in seinem Essay „The Manchester Of Northern Europe“ die Mentalität der Stadt und die Kunst, die sie produziert zu beschreiben. Die Göteborger Labels Service, Luxury und Sincerely Yours sind für ihn nicht einfach Plattenfirmen, sondern bewegen – wie Manchesters Factory Records – junge Leute. Sie schaffen ein musikalisches Zusammengehörigkeitsgefühl und gemeinsame Feierlaune. Ferner haben Göteborgs Pophelden Håkan Hellström und Broder Daniel schwedische Bands im letzten Jahrzehnt ebenso inspiriert, wie The Smiths und Joy Division es (sicher weltweit) taten. Wer sich von Euch für Göteborger Bands interessiert, sollte dieses Essay lesen und eine kleine Reise durch die letzten 15 Jahre Göteborger Musikszene antreten. Begegnen werdet ihr dabei neben bereits genannten u.a.: Honey Is Cool, Jens Lekman, The Embassy, Air France, The Tough Alliance, Silverbullit, jj – und: dieser traumhaften Hafenstadt.

Svensk Musik ist eine neue schwedische Webseite, die sich journalistisch mit den Entwicklungen der schwedischen Musikszene auseindersetzt. Hier sind echte Liebhaber am Werk, die nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern alle Genre schwedischer Musik ausleuchten. Ein Blick drauf lohnt sich.

Letzten Sommer auf dem Ramberg. Von dort hat man den schönsten Blick auf Göteborg

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Tobias Isaksson (Irene, Laurel Music) ist nun Azure Blue

Ein Leser machte mich auf das neue Projekt von Tobias Isaksson aufmerksam. Kein unbekannter in der schwedischen Popszene. Wenn die Musik seiner früheren Band Laurel Music, wie die verlorene erste Liebe klingt und seine Band Irene, wie der Traum von einem niemals endenden Sommer, wird dieser mit Azure Blue nun wahr. Für Isaksson ein Neuanfang. Um seinen Horizont zu erweitern zog er von der schwedischen Westküste an die Ostküste. Kurzum: von Göteborg nach Stockholm.

Azure Blue ist eine Anlehnung an „Pacific Ocean Blue“: das erste Soloalbum von Beach Boys Drummer Dennis Wilson. Es erschien 1977. Der Titel von Azure Blues erster Single „The Catcher In The Rye“ ganz klar eine Anspielung auf Salingers Roman. Wie der Romanheld sucht auch Isaksson die menschliche Nähe. Seine Musik soll nicht nur an der Oberfläche kratzen – sondern in die Herzen der Menschen eindringen.

„The Catcher In The Rye“ ist ein azurblauer, catchy Song. Wie sicher auch Azure Blues kommendes Debutalbum „Rule Of Thirds“. Es wird im September über Hybris veröffentlicht.

Schauen:

Azure Blue – The Catcher in the Rye [Official video] from Jonas Börjesson on Vimeo.

Lauschen: Azure Blue – The Catcher In The Rye

The Catcher in the Rye by Azure Blue

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.


Sandra Duvander