Die irische Künstlerin Róisín Murphy ist eine echte Rampensau und immer für ein gutes Foto zu haben (Quelle: hole-boss /instagram)

Soeben ist die Maschine von Los Angeles nach München abgehoben und ich schaue auf die im Sonnenuntergang glühenden Straßen der Stadt der Engel herab. Elf Stunden Flugzeit liegen vor mir. Ich fühle mich unendlich glücklich und dankbar über diese wundervollen Tage in Kalifornien und einen unvergesslichen Abend im El Rey Theater auf dem Wilshire Boulevard.

Vor 15 Jahren gehörte ich nicht zu den Leuten, die sich zu Moloko im Club den Arsch abgetanzt haben – heute sähe das anders aus. Seit “Hairless Toys” bin auch ich im Róisín Murphy-Fieber und habe nun das große Glück eine ganze, faszinierende und schillernde Murphy-Welt zu entdecken. Eine Welt, ja ein murphyeskes Universum, in dem Queen Róisín allein regiert, doch das jeder für sich beanspruchen kann. Dieses familiäre, intime Gefühl gibt diese Künstlerin einem unweigerlich und zu jeder Zeit.

Das El Rey Theater in sommerlich heißen L.A. - Róisín Murphys Location am 9.11.2016 (Foto: Kevlarsjael /instagram)

Tonight Is The Night

Der Konzertbesuch war, dank des Tipps eines Freundes, eher spontan und wir hatten Glück noch Karten für das ausverkaufte Konzert zu ergattern. So fieberte ich die ganze Woche auf diesen Moment hin und war mächtig aufgeregt, meine neue Heldin endlich das erste Mal live zu erleben. Róisín Murphy hat an diesem Mittwoch Abend im moderat großen El Rey Theater so ziemlich jeden in ihrem magischen Bann bezogen.

Das Publikum bestand aus allerhand grotesk kostümierten, bunten Party-Poeple, allesamt gut drauf und in Clublaune. Nach dem Support “With You”, tobte die Masse vor Ungeduld. Dann kam die “Mastermind” endlich auf die Bühne, eröffnete mit gleichnamigen Song vom aktuellen Album “Take Her Up To Monto”. Wow! Was eine Granate. Róisín Murphy zeigte den Leuten, was es heißt eine begnadete Rampensau zu sein und heizte der Menge zunächst mit Moloko-Songs, wie “Forever More” und “Dirty Monkey” ordentlich ein. Die Stimmung war von vornherein heiß. Heißer wurde es nur noch durch Róisíns Allover-Sexiness, oder wie auch immer ich die gleißende Ausstrahlung dieser Frau in Worte fassen soll.

Róisín in einem ihrer unzähligen Outfits (Foto: Kevlarsjael /instagram)

Alleinunterhalterin à la Cindy Sherman

Eine Alleinunterhalterin à la Cindy Sherman, die eigentlich Burlesque-Tänzerin oder Stripperin hätte werden sollen, wäre da nicht diese brilliante Stimme. Sei es der pinke Flamingo auf dem Kopf, das opulente, rüschige Ballkleid oder die Warnweste mit Schutzhelm: Egal welches Kleidungsstück aus dem Kostümfundus sich Róisín Murphy gerade elegant vom Körper streift oder wieder drüber, die Stimme sitzt und schillert in unendlichen Facetten. Kann laut und leise, schrill und sanft. Erzählen, verlangen, geben.

Nach “Dear Miami” (Overpowered) und “Tight Sweater”, ebenfalls ein Moloko-Song, folgte ein Stück von Murphys überragender Italo-Pop EP “Mi Senti”. Das stimmgewaltige “Tatty Narja” brachte die kleine Halle zum Beben. Mit “Gone Fishing”, “Evil Eyes” und “House Of Glass” folgten drei geniale Songs vom Meisterwerk “Hairless Toys”. Mit “Ten Miles High” baute Róisín in Bauarbeiterkluft riesige Murphyhäuser bis in die Stratosphäre. Und dann war es endlich soweit, darauf haben alle gewartet: “When I think that I’m over you, I’m overpowerd, it’s long overdue, I’m overpowered”. Alle haben wir laut mitgesungen, gestrahlt, und die Hymne gefeiert.

Róisín genießt es im Mittelpunkt zu stehen, hier mit pinkem Flamingo auf dem Kopf während des Songs "Gone Fishing" (Foto: Kevlarsjael /instagram)

Come make me whole – Body and soul

“Never underestimate creative people and the depts that they will go…” – kurz hinter der Bühne verschwunden, toste Róisín stapfend zu den Beats von “Exploitation” (Hairless Toys), das Ballkleid rauschend in die Luft wirblend und mit Glitzermaske, auf die Bühne. Dabei sah sie aus, wie eine strahlend schimmernde Pazifikwelle. Zauberhaft. Eine grandiose Performance und einer der besten Songs des Abend, wie ich finde.

Für ein paar Minuten ruhte sich die Band backstage aus, während das Publikum wie von Sinnen “Encore, encore, encore…” brüllte. Zuerst zeigte sich die Band erneut hinter ihren Instrumenten. Dann schleppte sich Róisín, in einer Art 100 Kilo gold-schwarzem Wollfetisch-Kostüm, auf die Bühne, um die sinnliche Ballade „Exile“ (Hairless Toys) zu präsentieren. Dann drehte die Band zum Moloko-Song „Pure Pleasure Seeker“ (Things To Make And Do) völlig auf. Jeder der vier Jungs durfte mal zusammen mit Queen Róisín ins Mikro brüllen. Róisín zeigte sich dem Publikum zum Anfassen nah und heizte ihm zusätzlich mit dem Refrain der Moloko-Hymne „Sing It Back“ (I am Not A Doctor) so richtig ein. Hier grölte wirklich jeder vollen Herzens mit.

Im rauschenden Ballkleid und Glitzermaske während des Songs "Exploitation" (Foto: hole-boss /instagram)

Final spielte die Band noch einmal „Exploitation“ an und Róisín stellte, im Rhythmus zu den Beats, ihre geniale Band vor. Ich könnte die einzelnen Mitglieder jetzt googeln und aufzählen, aber was soll‘s. Der Gitarrist vor meiner Nase sah echt gut aus und erkannt habe ich nur den irren Eddie am Keybord.

Fazit: Ein echt wahnsinnig guter Abend mit einer extrovertierten, publikumsnahen Róisín Murphy, die es sichtlich liebt im Mittelpunkt zu stehen. Es wurden neue Songs von ihren Soloalben gespielt aber auch Moloko-Klassiker. Das Publikum eine bunte Mischung aus L.A.s halber Schwulen- und Queerszene und echte Fans. Die Stimmung war grandios, der Saal betanzt und bekifft. Glücklich.

Danke für einen unvergesslichen Abend in L.A. - Roisin und ihre Jungs (Foto: esdanyboy /instagram)

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Der King of Cool wird heute 70 und ist sexy wie nie zuvor - Bryan Ferry / Tempodrom Berlin 25.09.2015 (Foto: Sandra Duvander)

Der King of Cool wird heute 70

Gestern Abend hatten wir uns spontan entschieden, zu Bryan Ferry zu gehen. Natürlich war das Konzert des “Sexiest Singer alive” ausverkauft und wir versuchten alles, um vor dem Tempodrom in Berlin noch zwei Karten zu ergattern. Wir schafften es tatsächlich zwei betrunkenen, älteren Herren, die sich liebevoll Waldschrat und Alter nannten, die Karten abzuwerben und fanden uns, kurz bevor die Show des Briten startete, in der ersten Reihe im Parkett wieder. Genial.

Ich muss gestehen ich war oder bin kein eingefleischter Roxy Music bzw. Bryan Ferry Fan, doch das aktuelle Album „Avonmore“ hat es mir angetan und ich liebe und kenne natürlich Klassiker wie “Let’s Stick Together” oder “Virginia Plain” (wer nicht). Mit dem Titelsong des aktuellen Albums startet auch das Konzert und mein Herz hüpft synchron mit den Bässen, als der “King Of Cool” die Bühne betritt. Hach, ich mag ihn wohl doch mehr als ich denke, oder ist es nur der überwältigende Moment eine, nun heute 70-jährige, Ikone der Pop-Geschichte so hautnah zu erleben? Gänsehaut und ein Tränlein im Auge.

XXL Bandaufgebot - von Backgroundsängern bis zum Saxophon (Foto: Sandra Duvander / Iphone 6)

L.A. Sound und die XXL-Band

Reiche Arrangements, coole Gitarren- und Basssounds, ein relaxtes Schlagzeug und heißes Flimmern von Effekten sorgen für einen sexy-coolen L.A. Sound. Ob von den groovigen Backgroundsängern bis zur Violinistin Lucy Wilkens: Jeder, der XXL-Band, beherrscht sein Handwerk allzu präzise und es ist ein Augen- und Ohrenschmaus, diese Musiker zu genießen. Jeder Einzelne hat seine Soli, sei es Jimmy Sims am Bass, Jacob Quistgaard an der Gitarre oder die geniale Soulsängerin Bobbie Gordon, die mit ihrem Gesangspart im Klassiker „Avalon“ brilliert. Doch eine stiehlt Bryan Ferry fast die Show: Die Australierin Jorja Chalmers mit ihrem Babybauch am Saxophon.

Grandiose Backgroundsänger v.l. Fonzi Thornton, Bobbie Gordon, Rihanna Kenny (Foto: Sandra Duvander)

Sie stahl Bryan Ferry fast die Show - Publikumsliebling Jorja Chalmers am Saxophon (Foto: Sandra Duvander)

Der ewige Dandy

Stimmlich scheint Bryan Ferry nicht ganz auf der Höhe. Mag jedoch sein, dass seine Stimme mit ihm gealtert ist – nun nicht mehr cool und klar klingt, wie zu Glanzzeiten der Glamrock-Band Roxy Music – sondern rau und weise, doch noch immer mit diesem sexy Timbre, das flirrt wie Luft auf heißem Asphalt. Kurz vor dem Konzert sprach ich mit einem Fan. Sie meinte: „Ja so gut wie früher ist er nicht mehr. Er hat ganz schön nachgelassen.“ Ich dachte: Hey okay, vielleicht haben aber auch die Fans nachgelassen, die mit Ferry älter und alt werden. Nichts desto trotz: Sich smart bewegen und rocken kann der ewige Dandy noch immer.

Gegen Ende des Konzertes winkt Ferry auch die Fans aus den hinteren Reihen an die Bühne heran. Das Eis ist gebrochen. Endlich können sich die Fünfzig Plus Fans so richtig gehen lassen, ihren Helden feiern und zu den Hits von Roxy Music mit den Hüften wackeln. Die Songs “Love Is The Drug” und “Do The Strand” bringen das Publikum aus der Fassung. Auch ich finde mich dort vorne wieder, mache mit Hundert anderen Fotos mit dem Handy und frage mich, wie Ferry sich wohl dabei fühlt. Der, der noch ganz andere Zeiten kennt – nun begafft, geknipst und irgendwo hochgeladen, wie der Letzte einer fast ausgerotteten Art.

Er begeisterte mit seinen Gitarrensoli: Der Däne Jacob Quistgaard (Foto: Sandra Duvander)

Jealous Guy – der Abschied

Der letzte große Song des Abends: „Jealous Guy“ von John Lennons zweitem Studioalbum „Imagine“. Roxy Music spielte den Song erstmals als sie vom Tod John Lennons erfuhren auf einem Konzert 1980. Ein Jahr später interpretierten sie den Song neu und feierten in mehreren Ländern einen Nummer Eins Hit. Ein verzweifelt liebender Bryan Ferry taucht ein letztes Mal den Saal in Wehmut und Nostalgie. Er singt: “I was dreaming of the past, and my heart was beating fast…”. Sicher träumen an diesem Abend viele von der Jugend und Vergangenheit. Eine tiefe Dankbarkeit ist zu spüren, überträgt sich auf die Gesichter der Fans, die glücklich den Saal verlassen.

Bryan Ferry performing, rechts Bassist Jimmy Sims (Foto: Sandra Duvander)

Die Band v.l. Drums: Luke Bullen, Bass: Jimmy Sims, Sax/Keys: Jorja Chalmers, Violine: Lucy Wilkins, Gitarre: Jacob Quistgaard (Foto: Sandra Duvander)

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Der 39-jährige Håkan Hellström, live am 8. Juni in Göteborg (Foto: hakanfans/Instagram)

Das vergangene Wochenende in Göteborg glich eher einer Pilgerreise als einem Städtetrip. Sommerliche Temperaturen, strahlender Sonnenschein und das Event des Jahres liessen die Herzen der Göteborger und die, der uns Angereisten höher schlagen. Ich spreche nicht von Prinzessin Madeleines royaler Traumhochzeit, denn die Göteborger lieben ihren ganz eigenen Prinzen: Håkan Hellström.

Große Acts wie Bruce Springsteen oder Depeche Mode mögen die ausverkauften Göteborger Konzerthallen füllen, aber es ist unmöglich den Helden der Stadt zu toppen. Wohl auch im strömenden Regen hätten sich die 27.000 hingebungsvollen Fans am Samstag in der alten Arena im Slottsskogen versammelt. Ob junge Mädchen in Matrosenkostümen, die Håkan in den ersten Reihen mit verheulten Augen und verschmierter Wimperntusche anschmachten und sämtliche Texte ekstatisch, wie im Gebet mitsingen, oder ältere Damen, die mit ihren Ehemännern Hand in Hand auf den Rängen der Arena Platz nehmen und sich vertraut und glücklich anstrahlen: Der Håkan Hellström-Fan kennt kein Alter, kein Geschlecht und auch keine Landesgrenzen.

Junge Männer und Frauen stimmen sich schon in den knackig vollen Trams auf dem Weg in den Slottsskogen mit lauten Fangesängen ein (und ordentlich Alkohol, der in Schweden niemals fehlen darf) und geben dabei die ein oder andere Hellström-Hymne zum Besten. Fast wie junge, euphorische Pfadfinder auf dem Weg zum ersten großen Abenteuer. Beginnen sollte das Konzert um 20.00 Uhr. Dicht gedrängt stehen wir ungefähr 30 Meter von der Bühne entfernt und warten ungeduldig auf Håkan. Doch der Prinz nimmt sich Zeit. Nach 45 Minuten Wartezeit auf engstem Raum muss ich doch raus aus der Masse und wir ziehen uns zurück auf die Ränge. Wenig später entpuppt sich dies als weise Entscheidung.

Als Håkan ganz in schwarz gekleidet und mit Zylinderhut die Bühne betritt, flippen die Leute nahezu aus. Schon bei den ersten Takten des Openers „Det kommer aldrig va över för mig“ (Für mich wird es niemals vorbei sein) gehen die Fans, ausnahmslos, total ab. Sie hüpfen und klatschen im Takt mit und einige Jungs tanzen so aggressiv, dass man besser Abstand hält, um keinen Ellenbogen ins Gesicht zu bekommen oder gar einen Fuß. Hellström strotzt vor Kraft erobert sein Publikum im Sturm „…som en orkan kan jag svepa bort dig, jag tänker aldrig dö nej, det kommer aldrig va över för mig…“ (Wie ein Orkan kann ich dich wegfegen, ich denke, niemals sterben, nein, für mich wird es niemals vorbei sein).

Göteborg diente auch auf der Bühne als Kulisse. Im Hintergrund Sohn der Stadt Evert Taube auf der Parkbank (Foto: parabolfantast/Instagram)

Heimspiel für den Jungen aus der Stadt

Doch was macht diesen Göteborger Typen, der früher so gerne Matrosenanzüge trug und so ein herrlich verschmitztes Lächeln hat, so besonders und unwiderstehlich? Ganz einfach: Er ist ein Junge aus der Stadt, wie die Menschen, die vor ihm stehen. Man teilt die Straßen, die Sonne, und die Sehnsucht nach dem kurzen Sommer. Man kennt sich, die Gesichter der Häuser und die Geschichten der Menschen, die dahinter leben. Hellström hat die große Gabe sich in die Herzen seines Publikums zu singen und fühlt sich sichtlich wohl dabei. Ein jeder Göteborger kann sein Leben in seinen Texten wieder finden und sich mit Hellström verbrüdern. So viele sind mit seiner Musik groß geworden, verbinden ein halbes Leben damit. Nun können sie gemeinsam aus voller Brust aufsingen. Welch ein Gefühl von Freiheit in Verbundenheit.

Hellström weiß darum und begrüßt sein Publikum herzlich und aufrichtig mit „Kära vänner“ (Liebe Freunde) und „Gott folk“ (Liebe Leute). Er erzählt, dass er eine Woche lang gebangt und gebetet habe, dass das Wetter an diesem Abend mitspielt und die Sonne scheint. Man merkt, dass der Abend auch für ihn etwas Besonderes ist und dort nicht nur einfach das neue Album mit ein, zwei Zugaben runter gedudelt wird, (so wie es andere große schwedische Bands mitunter tun). Hellström schätzt jeden Blumenkranz, den die Mädchen ihm zuwerfen und jedes kleine Geschenk, das auf die Bühne fliegt.

Ein Rendezvous mit Evert Taube

Gleichermaßen schätzt er seine Band. Allesamt klasse Musiker – nicht nur auf den gängigen Instrumenten. Wir hören in „Klubbland“ eine grandiose Ska Trompete in „2 steg från paradise“ (zwei Schritte vom Paradis entfernt) eine zwitschernde Blockflöte. Herrlich rhythmische Congas geben den Songs einen Hauch Extra-Groove. (Der Trommler wird sich später noch als wahrer Künstler erweisen und Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ auf seinen Zähnen spielen). Auch Evert Taube, wahrlich ein Göteborger Komponist aus dem letzten Jahrhundert, ist auf der Bühne mit dabei – wenn auch nur als Pappmaché-Figur auf einer Parkbank. Håkan braucht eine Weile ihm zu erklären, dass neue Zeiten angebrochen sind.

Als echte Rock‘n Roller entpuppen sich die Musiker bei „Jag vet inte vem jag är men jag vet att jag är din“ (Ich weiß nicht wer ich bin, aber ich weiß, dass ich dir gehöre). Songs des neuen Albums wie „Du kan gå din egen väg“ (Du kannst deinen eigenen Weg gehen) und „När lyktorna tänds“ (Wenn die Laternen angezündet werden) zünden dabei genauso gut wie die Klassiker „Shelley“ und „Klubbland“.

Håkan Hellström und Thomas Öberg performen Sci Fi Skåne (Foto: hakanfans/Instagram)

Håkan kriegt uns alle rum

Håkans Stimme ist außerordentlich facettenreich, stark, soulig, aber auch sinnlich und zerbrechlich. Er kriegt und hat uns an diesem Abend alle, doch bewußt wird uns das erst bei dem Song „Nu kan du få mig so lätt“ (nun kannst du mich so leicht kriegen). Meine erste Glücksträne habe ich in diesem Moment verdrückt. Hach, dieses Gefühl. Das Herz so offen und aufgeweicht. Der folgende Song „Du måste dö några gånger innan man kan leva“ (Du musst ein paar mal sterben, um zu leben) sticht da nochmal richtig rein.

Eigentlich hätte Håkan Hellström keinerlei Unterstützung gebraucht die Temperaturen noch mehr zu erhöhen, springt da nicht der maskierte Thomas Öberg von Bob Hund auf die Bühne. Wir können kaum fassen was wir dort sehen, brauchen einen Moment um zu kapieren, dass dort tatsächlich Hellström und Öberg gemeinsam „Jag har aldrig bott vid en landsväg“ singen. Bei dem Songs von Sci-Fi Skåne handelt es sich wiederum um eine schwedische Coverversion des Songs „Going up the Country“ von Canned Heat. Nun, wessen Idee dieser Auftritt auch immer war, sie ist grandios.

So richtig Fahrtwind auf, nimmt die Show mit den soulig, rockigen Nummern ”Gårdakvarnar och skit” (irgendwas und Scheiße), ”Dom där jag kommer från” (von wo ich komme) und „Kom igen Lena!“ (Komm wieder Lena!). „Ramlar“ (Stürzen) – eine gute Portion verrückter Rock und gerade das elektronische „Pistol“ (Pistole) bilden vorerst den Abschluss den Konzertes. Nach dem sich der rote Vorhang schließt und das eigentliche Konzert beendet, ist es an der Zeit sentimental zu werden.

Auch mich hat Håkan an diesem Abend rumgekriegt. (Foto: laika_alfonsdottir/Instagram)

Dem Morgengrauen entgegen

Für die Zugabe wird die neue Ballade „Valborg“ (Walpurgisnacht) ausgepackt, die wie ein uraltes, schwedisches Volkslied klingt. Ganz zurecht kann man sich dabei vorstellen, an einem Lagerfeuer zu sitzen und sich hals über Kopf und leichtsinnig zu verlieben. Alle singen im Chor mit Håkan „…Ja, jag är din om du vill ha en idiot, lägg din hand i min, lägg din hand i min…“ (Ich bin dein, wenn du einen Idioten willst, leg deine Hand in meine).

Dann werden endlich die beiden großen Hits gespielt: „Känn ingen sorg för mig Göteborg“ (Sorge dich nicht um mich Göteborg), das Lied der Göteborger schlechthin, und „En Mittsommernattsdröm“ (Ein Mittsommernachtstraum). Welch eine Stimmung! Die Leute liegen sich zuhauf in den Armen, man ist tief gerührt und schon fast traurig, dass dieses Volksfest alsbald zu Ende gehen wird. „Du är snart där“ (Bald bist du da) ist der letzte Song an diesem Abend. In Göteborg geht die Sonne unter und der Abend wird mit einem gigantischen Feuerwerk gekrönt. Auf den großen Monitoren neben der Bühne laufen Bilder aus dem Stummfilm „Moderne Zeiten“. Charlie Chaplin und Paulette Goddard laufen Hand in Hand auf einer langen, einsamen Strasse dem Morgengrauen entgegen. The End.

Nun fahre ich wieder durch die Strassen Berlins, meine Kopfhörer auf den Ohren und höre das aktuelle Album „Det kommer aldrig va över för mig“. Dieser neue, wilde Hellström hat mir ganz schön den Kopf verdreht und imponiert mir wesentlich mehr als der Junge im Matrosenanzug. Ich träume mich in das Konzert hinein. Versuche diese Momente unvergesslich zu machen. Schreibe diesen Artikel, den ich in ein paar Jahren noch einmal lesen kann. Dann bin ich wieder da.

Lauschen: Tausende von Menschen singen mit Håkan Hellström - “Pistol” vom aktuellen Album Det kommer aldrig va över för mig”

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The Cardigans 2006 (Magnus, Bengt, Nina, Lasse, Peter v.l.)

Die Reise beginnt

Es war schon eigenartig The Cardigans nach so vielen Jahren wieder live zu sehen. So geschehen am vergangenen Freitag im Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen. Im Sommer treten dort jeden Freitag bekannte Bands vorwiegend aus dem Genre Rock auf und geben der Veranstaltung ihren Namen: Fredagsrock. Hier zwischen Zuckerwatte und Softeis soll sie nun beginnen die große Tour “Gran Turismo”, die für die Cardigans in Japan enden wird.

Unwirklich erscheint die Kulisse von Achterbahn, Karussell und orientalischem Märchenpalast aus Tausend und einer Nacht, während wir (ich war mit drei hartgesottenen Cardifans unterwegs) an der Absperrung vor der malerisch eingebetteten Bühne warten. Irgendwie unwirklich auch die Tatsache, dass Cardigans ihr Album „Gran Turismo“ von 1998 spielten.

Nach dem pfeifenden Intro startet die Band gegen 22 Uhr. Das Konzert beginnt mit dem bassintensiven „Paralyzed“. Bekannte Gesichter auf der Bühne. Magnus Svenningsson am knurrenden Bass, Bengt Lagerberg an den Drums, die Tasten drückt Lasse Johansson Ståle. Für Peter Svensson greift Moto Boy alias Oskar Humlebo in die Gitarrenseiten.

Doch alle warten in diesem Moment nur auf sie – Nina Persson. Mit langsamen Schritten schwebt sie auf die Bühne, sie lächelt nicht. Fast krankhaft dürr sieht sie aus in ihren schwarzen Röhrenjeans, dem schwarzen Cape und den Plateauschuhen. Gewollt oder nicht, sie wirkt irgendwie zu bis oben hin. Die schwarz geschminkten Augen und die hohlen Wangenknochen lassen sie verrucht aussehen. Und doch finde ich sie schön in all dieser Unwirklichkeit. „This is where your sanity gives in and love begins…“

Nina Persson

Nina Persson (Quelle: Undertoner)

Der Regen trägt Ninas Stimme

Ninas Stimme klingt gewaltig und rauchig. Sie singt diese alten Songs mit einer neuen Tiefe. Ihre Stimme ist tragfähiger, Ninas Ausdruck dramatischer. Die aufziehenden Regenwolken wirken wie eine melancholische Antwort auf ihren Gesang. Ich schaue Nina an, sehe wie sie über das Publikum hinweg schaut in eine andere Zeit. Ich höre diese alten Songs und habe die Texte nicht vergessen. Ganz automatisch singe ich Zeile für Zeile mit, lasse mich zurück katapultieren in die Neunziger. An diesem Abend stehen zwei Sandras dort vor der Bühne im Regen. Die Sandra, die damals vor fast 14 Jahren wie irre die “Gran Turismo” beim Autofahren in strahlendem Sonnenschein gehört und lauthals mitgesungen hat. Andererseits, die Sandra von heute, die nostalgisch in die Vergangenheit blickt in einem Regencape vorne im Publikum.

Beim Betrachten merkt man, dass die Band einander gut kennt, gibt es die Cardigans in diesem Jahr offiziell 20 Jahre. Doch haben sie mitunter Schwierigkeiten ein harmonisches Klangbild zu erzeugen. Es ist doch zu lange her, dass sie zusammen auf der Bühne standen. Die ersten fünf Songs der Gran Turismo „Paralyzed“, „Erase/Rewind“, „Explode“, „Starter“ und „Hanging Around“ spielt die Band solide. Lediglich Moto Boys Gitarre gibt bei „Hanging Around“ irgendwie den Geist auf und Magnus muss Peter Svenssons verrücktes Solo am Bass spielen. Nina verausgabt sich stimmlich, was der folgenden Ballade „Higher“ nicht unbedingt zugute kommt.

„Marvel Hill“ empfand ich immer als Höhepunkt der “Gran Turismo”. Auch an diesem Abend hat dieses Lied eine magische Wirkung auf mich. Ich kann nur die Augen schließen mich Bengts sattem Snare-schlag und Ninas weinerlichem Gesang hingeben „…I close my eyes, it‘s on the other side and what I‘ve worked so hard to gain, I‘d gladly give away…“

Bei der Rocknummer „My Favourite Game“ sind die Fans dann das erste mal so richtig außer Rand und Band. Ich muss ziemlich aufpassen, nicht umgeworfen zu werden, denn in meiner nostalgischen Stimmung habe ich so gar keine Lust wild umherzuspringen. „Do You Believe“ ist dann wieder ein Song der mich stark berührt, ebenso „Junk Of The Hearts“. „…when your faith is gone, and when you can‘t believe, I‘m on my hands and knees…“

Moto Boy, Nina & Magnus (Quelle: Undertoner)

Ein Lied aus dem 18. Jahrhundert

Während das Gran Turismo-Outro „Nil“ vom Band läuft, verschwinden Nina und Co. Backstage. Zeit das Album und das Outfit zu wechseln. Die erste Zugabe startet mit „For What It‘s Worth“ und Nina schmettert die schönsten Ah-ah-ah-ah-ah-ah-aaahs von sich, die es jemals gab. Die Kommunikation mit dem Publikum ist herzlich, soviel kann ich, trotz meines grottigen Schwedisch, mitbekommen. Nachdem Songs aus dem 20. und 19. Jahrhundert gespielt wurden, meint Nina sei es Zeit auch etwas aus dem 18.Jahrhundert zu spielen. „Lovefool“ wird angestimmt, kommt aber wider Erwarten nicht allzu gut an. Scheint als hätten sich auch die Fans von der alten, zuckersüßen Nina verabschiedet.

Die „You‘re The Storm“ B-Seite „Hold me“ kannte ich noch nicht und gefällt mir absolut. Das mitreißende „Live and Learn“ bringt mich zum Schmunzeln. Es zeigt mir doch mal wieder, dass man nur glaubt aus Fehlern zu lernen und letztendlich doch immer wieder die gleichen Fehler macht. Die einzige (Rock)Nummer der Super Extra Gravity „I need some fine wine and you, you need to be nicer“ ist ein gelungener Abschluss der ersten Zugabe. Doch so angefixt können die Cardigans die Cardifans nicht im Regen stehen lassen. „Wir spielen mehr Musik!“ ruft Nina als sie nach kurzen Verschwinden wieder auf die Bühne tritt.

„Oh mirror, mirror upon the wall, who is the fairest of them all, mirror, mirror made no reply, mirror went black and cracked from side to side…“ Die nächste beeindruckende, mir noch unbekannte Rocknummer beschall das Tivoli – „Give Me Your Eyes“. Es scheint als befänden sich auf den B-Seiten der Cardigans-Singles Perlen zauberhaften Schimmers. Wie auch Ninas Augen bei diesem Song voller Ernergie schimmern und blitzen, fast wie dämonisch besessen.

Enden wollen die Cardigans das Konzert dann doch mit einer Ballade von der Long Gone Before Daylight: „ Communication“. Diese haut gerade bei diesem wundervollen Song auf der Bühne nicht hin. Der Sound ist matschig, die Harmonien stimmen nicht und die arme Nina hat keine Ahnung, wo verdammt noch mal sie drauf singen soll.

Am Ende des Konzertes nimmt Magnus Nina in den Arm und flüstert ihr etwas zu. Was auch immer es ist, es beflügelt die Fantasie. Werden sie ein neues Album zusammen machen? Wird Peter dann wieder in die Band kommen? Gibt es ein ferne Zukunft für die Cardigans? Ich wünsche es mir. Denn ich würde auch in 10 Jahren wieder auf die Reise gehen, um vor dieser Band im Publikum stehen – ganz vorne.

Schauen: “Hold me”

Lauschen:

The Cardigans – Hold Me

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The Cardigans – Give Me Your Eyes

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Thåström live 2006

Der schwedische Rockmusiker Joakim Thåström gibt das erste Mal ein Konzert in Berlin. Am Mittwoch den 18. Juli spielt der Mann mit der rauchigen Stimme ab 21 Uhr im Postbahnhof am Ostbahnhof.

Als ich Thåström 2008 das erste Mal live in Göteborg gesehen habe, nahm ich ihn erst gar nicht wirklich wahr. Bis dieser eine Song kam „Fanfanfan“. Wow, diese Melodie, diese Melancholie brannte sich sofort in mein Herz ein. Ich wusste gar nicht was er dort singt, bis meine schwedische Begleitung mir den Text übersetzte. Das gab mir den Rest und machte diesen Song für ewig zu etwas Besonderem. Doch viele Leute im Publikum waren auch enttäuscht. Nicht weil Thåström so schlecht gespielt hat – er war grandios – sondern weil er im Vorprogramm von Kent spielte. Viele meinten es hätte genau umgekehrt sein müssen, und vielleicht ist das auch so. Joakim Thåström ist das Urgestein des schwedischen Rock, wird verehrt und geachtet. Er hat sich schon das Herz aus dem Leib gesungen als Joakim Berg sich fast noch in die Hosen geschissen hat.

Mitte bis Ende der Siebziger überschwemmte Punkrock Europa wie ein Tsunami. Auf einer Party in der Stockholmer Arbeiterklasse-Vorstadt Rågsved gründete Joakim Thåström (damals zwanzigjährig) im Dezember 1977 zusammen mit zwei Kumpels die Band The Haters. Kurze Zeit später wurde daraus Ebba Grön – Schwedens legendäre Punkband. Ebba Grön veröffentlichte bis 1982 drei Alben. Ihr Debut „We‘re only in it for the drugs“ ist eine Anspielung auf Frank Zappas Album „We‘re only in it for the money“. Auch Abba mussten unter Ebba Gröns Bissigkeit leiden. 1982 erschien der Film „EBBA – The Movie“.

Sozial- und systemkritisch ist Joakim Thåström auch nach seiner Zeit mit Ebba Grön geblieben. Mit einem modernerem Sound und für das Publikum leicht zugänglichen Texten, wurde seine Band Imperiet in den Achtzigern zu einer der wichtigsten Bands in Schweden. Eine weitere Schaffensperiode stellt seine Zeit in den Niederlanden dar. Er brauchte Abstand von seinem Heimatland Schweden und zog nach Amsterdam. Dort arbeitete er von 1992 bis 1997 an dem Projekt Peace Love & Pitbulls (PLP). PLP war stark von Industrial der Achtziger Jahre beeinflusst.

Das schwedische Publikum lechzte nach einem neuen Rockalbum. 1999 kehrte Thåström zurück zu seinen Wurzeln – Schweden und dem Rock. 2005 veröffentlicht er “Skebokvarnsv. 209″ – sein persönlichstes Album mit sehr sensiblen Texten. Er schlägt Kapitel aus seinem eigenen Leben auf und gewährt tiefe Einblicke in sein Selbst. Von diesem Album stammt auch der wundervolle Song „Fanfanfan“ (Verdammt, verdammt, verdammt). Dieses Album braucht nicht viel – nur eine Akustikgitarre und Thåströms markante, raue Stimme.

Thåström "Bevapna dig med vingar"

Cover des aktuellen Albums "Bevapna dig med vingar"

Kürzlich erschien sein bereits siebtes Soloalbum „Bevapna dig med vingar“ (Bewaffne dich mit Flügeln). In Schweden war er damit bereits auf Tour. Die Erlöse aus dem Merchandise wurden gespendet um Obdachlosen in Schweden zu helfen. Echt Klasse! Nun kommt Thåström das erste Mal nach Berlin und ich bin echt aufgeregt und freue mich sehr auf das Konzert. Habe ich mich doch jüngst und auch im letzten Jahr darüber geärgert, dass ich nicht zu einem seiner Konzerte fahren konnte. Sein Besuch hier in Berlin ist eine Ehre. Und es wird sicherlich ein Abend, den man nicht vergessen wird.

Der Titelsong vom aktuellen Album “Bevapna dig med vingar” live

Lauschen:

Thåström – Fanfanfan

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Ahoi! Mit Soda Fountain Rag geht es durch den Hamburger Hafen

Samstag Abend stechen die Jungs von Hit The North wieder in See. Nun zumindest fährt die MS Hedi die Elbe hoch und wieder runter und es darf geschunkelt werden. Ihr könnt euch auf eine feine Bootstour mit tollen Leuten und schönen Indiesongs freuen, zu denen ihr schon immer mal tanzen wolltet. Streifenpullies und die Marinekleidchen können für das passende Outfit also schon vorbereitet werden. Live an Bord ist die norwegische Lo-Fi-Indiepop-Band Soda Fountain Rag. Die kurzen, knackigen Songs werden von Ragnhild am Stehschlagzeug gesungen. Skandinavisch aufgelegt wird danach von den Hamburger Indie- und Tweepop-DJs. Abgelegt wird um 17.30 Uhr an den Landungsbrücken 10. Ahoi!

Einen ausführlichen Bericht über die Bootsfahrt gibt es am Sonntag.

Lauschen: Soda Fountain Rag – I Watch The Boats

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Cheri MacNeil von Dear Reader spielt für tape.tv auch auf Berlins Dächern

Gestern Abend auf dem Dach des Amano Hotels in Berlin musste man hochschauen. Dafür gab es tiefe Einblicke in neue melodramatische Songs von Dear Reader aus Südafrika. Lieblich wie eine Amsel im Licht der Abendröte trällerte Cherilyn “Cheri” MacNeil ihr kleines Akustikset. Die 28-Jährige kam ohne den Bassisten Darryl Torr und ohne Drummer Michael Wright und begleitete sich selbst auf der Gitarre. Mit dabei war die Kamera für die Sendung “auf den dächern” auf tape.tv. Wer am gestrigen, schönen Sommerabend nicht dabei war, kann dort demnächst die Aufzeichnung schauen. Und sonst kommen sie ja auch bald wieder, Dear Reader. Am 8.September spielen sie im Rahmen der radioeins-Nacht im Columbia Club. Anfang September wird auch das neue Album “Idealistic Animals” auf City Slang veröffentlicht. Alle Tracks haben tatsächlich Tiernamen und vorab gibt es als Gimmick beim Slang den Song “Monkey (You Can Go Home)” als kostenlosen Download.

Lauschen: Dear Reader – Monkey (You Can Go Home)

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Morrissey live am 18.Juli in der Zitadelle Spandau

Jaaa, wir standen weit weg. Es hieß es würde eine Vorband spielen, doch dann stand der Mozzer anscheinend doch schon Punkt Acht auf der Bühne. Wir waren also eine Viertelstunde zu spät. Publikum und Band waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Fahrt und kamen es in den knapp 70 Minuten Spielzeit inkl. Zugabe auch nicht mehr. Morrissey legte eine lahme Show hin mit dem frustrierten Charme eines alten Herren. Mit jedem gesungenen Song stieg seine Langeweile – und meine auch. Vor’m Ende “seines” Konzertes klagte Big M über Mc Donalds und Fastfoodramsch. Ganz ehrlich, wenn ich nicht schon Vegetarier wäre – er hätte mich nicht vom Gegenteil überzeugt. Der Hemdwechsel tat für die eine Zugabe auch nicht not. Da hätte er hinter der Bühne lieber doch noch mal einen Blick auf den Text von “First Of The Gang To Die” werfen sollen. Der angedeutete Hitlergruß am Ende von “Irish Blood, English Heart” war auch überflüssig.

Fazit: Es gibt Künstler, die sich daneben benehmen, jedoch mit Unterhaltungswert. Gestern Abend hat dieser gefehlt. Nie zuvor war ich auf einem Morrissey-Konzert und bin auch nicht mit seinem Werk vertraut, doch hatte ich mich sehr auf den Abend gefreut. Auf dem Heimweg tat es mir um die Fehlinvestion von 50 Euro leid und auch um mein angesäuertes Gesicht. Schade, dass er überhaupt gekommen ist, so wäre einem die Enttäuschung erspart geblieben.

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The Tamborines spielen heute auf der MS Claudia

Heute Abend wird wieder geschunkelt auf einer Bootstour, die ich Euch wirklich ans Herz legen kann. Ab 19.30 Uhr legt am Hamburger Hafen, an der Landungsbrücke 10, die MS Claudia ab und lässt sich von herrlichsten Shoegaze- und Dreampopklängen beschallen. Die britische Band The Tamborines wird mit an Bord sein, dort unter anderem ihr aktuelles Album “Camera & Tremor” spielen. Getanzt werden darf auch im Takt der Wogen der Elbe und zu den Songs, die vom Feedback Fever DJ-Team Benny und Jens aufgelegt werden.

Ab Mitternacht geht die Veranstaltung im Golem, in der Großen Elbstrasse 14 weiter. Ex-Ride Mark Gardener wird dort wieder seine Solosachen präsentieren und auch Platten auflegen. Also ein Abend für Neugierige und Nostalgiker.

Hören:
mp3:The Tamborines – What Took You So Long

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.