Singer-Songwriter Mark Linkous (Sparklehorse) wählte vor genau fünf Jahren den Freitod

„What’s the point of a heart when it has to beat so far from where it most wants to be?”

(The Bear Quartett)

Am 6. März 2010 wählte der amerikanische Singer-Songwriter Mark Linkous, bekannt als Sparklehorse, auf dem Grundstück eines Freundes in Knoxville Tennessee den Freitod. Der Multiinstrumentalist, Komponist und Sänger tötete sich im Alter von gerade mal 47 Jahren mit einem Schuss direkt ins Herz – dorthin wo es am meisten weh tat.

Mark Linkous hinterlässt uns vier wundervolle Sparklehorse-Alben. Arbeite mit zahlreichen Künstlern zusammen, u.a. seine Vielleicht-Muse Nina Persson, Polly Jean Harvey und Tom Waits. Kurz vor seinem Tod entstand 2009 noch das Album “Dark Night of a Soul” in Zusammenarbeit mit Danger Mouse und David Lynch mit Gastgesängen von Wayne Coyne von den Flaming Lips und Susanne Vega.

Geboren wurde Mark Linkous am 9. September 1962 in Virginia. Er stammt aus einer Familie von Bergleuten. Seine Eltern ließen sich früh scheiden und er lebte dann bei seinen Großeltern in Charlottesville. Sein melancholisches Herz schlug von je her für Musik. Als feingeistiger Mensch wusste er, dass körperliche Arbeit nichts für ihn ist. Später bezeichnete er sich selbst als Jugendstraftäter, da er bereits im Alter von 13 Jahren in Motorradgangs abhing.

Mark Linkous in seiner Heimat Tennessee mit offensichtlicher Leidenschaft für Motorräder

Nach der High School ging Linkous zunächst nach New York City und gründete dort Anfang der Achtziger Jahre seine erste Band Dancing Hoods. Nach Auflösung der Dancing Hoods zog es Linkous zurück in seine Heimat Virginia und er arbeitete dort anfangs als Roadie der amerikanischen Alternative Rockband Cracker. Sänger und Gitarrist David Lowery von Cracker produzierte wenig später das erste Sparklehorse-Album “Vivadixiesubmarinetransmissionplot”. Mark Linkous wirkte wiederum kompositorisch an Crackers Album “Kerosene Hat” von 1993 mit.

Der Öffentlichkeit sind die genauen Hintergründe des Freitodes von Mark Linkous nicht bekannt. Allerdings weiß man um die jahrelangen depressiven Episoden des Künstlers, der bereits 1996 versuchte sich das Leben in einem Londoner Hotelzimmer zu nehmen. Eine Überdosis Antidepressiva, Valium und Alkohol führten zu einem schweren Sturz, bei dem er so unglücklich auf die Beine gefallen ist, dass man diese nur knapp vor einer Amputation retten konnte. Danach musste er noch über ein halbes Jahr mit einem Rollstuhl leben.

Auch Nina Persson schien der Tod von Mark Linkous hart getroffen zu haben. Die beiden verband seit 2001 eine tiefe Freundschaft. Mark Linkous produzierte mit Nina Persson ihr erstes A Camp-Album. Im letzten Jahr veröffentlichte Nina ihr Solodebut “Animal Heart”. Der Song “Burning Bridges For Fuel” scheint den Verlust dieses guten Freundes aufzugreifen und auch das Unverständnis für seinen Suizid: “…to move into a cabin with a gun is not the right thing to do.”

Ich kann mich noch an diesen Tag vor fünf Jahren erinnern. Der Tod von Mark Linkous hat mich ziemlich erschüttert und ich produzierte unmittelbar eine Themensendung für meine Radiosendung Twilight Tunes auf Byte.FM. Seine Musik bewegt mich noch heute sehr stark und erzählt mehr über diesen sensiblen Künstler als Tausend Worte. Ich werde euch die Sendung in Kürze, sofern mein “technisch versierter” Verstand es zulässt die einstündige MP3 irgendwie zu komprimieren, hier auf Mittsommernachtsspitzen als Stream zur Verfügung stellen. Weiter habe ich hier ein paar schöne Stücke für euch:

Nina Persson “Burning Bridges For Fuel”

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Danger Mouse and Sparklehorse “Revenge” feat. Wayne Coyne

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Sparklehorse “Apple Bed” feat. Nina Persson

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Twilight Tunes vom 10. März 2010 auf Byte.FM zum Freitod von Mark Linkous

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Tracklist :
1. Sparklehorse / Gold Day/ It’s A Wonderful Life
2. Sparklehorse / Cow / Vivadixiesubmarinetransmissionplot
3. Cracker / Low / Kerosene Hat
4. Radiohead / Bullet Proof…I Wish I Was / The Bends
5. Sparklehorse / Some Sweet Day / Dreamt For Light Years In The Belly Of A Mountain
6. Sparklehorse / Hey, Joe / Good Morning Spider
7. Daniel Johnston / Walking The Cow
8. A Camp / Walking The Cow / A Camp
9. Sparklehorse / Apple Bed / It’s A Wonderful Life
10. Sparklehorse / Piano Fire / It’s A Wonderful Life
11. Sparklehorse / Don’t Take My Sunshine Away /Dreamt For Light Years In The Belly Of A Mountain
12. Danger Mouse & Sparklehorse / Revenge (Feat.Wayne Coyne)
Dark Night Of The Soul
13. Danger Mouse & Sparklehorse / The Man Who Played God (Feat.Suzanne Vega)
Dark Night Of The Soul

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gemacht für die Ewigkeit: Slowdives "Just For A Day"

Da ist es wieder: dieses kaum Aushalten können vor Schönheit. Das Engegefühl in der Brust, der Kloß im Hals, der die Luft zum Atmen so sehr abschnürt. Tränen suchen sich ihren Weg aus den Augen, fließen über Wangen, Mund, tropfen ins Dekolleté. Wie quälend schön sind diese Synthesizerteppiche, diese lieblich traurigen Gesänge. Dieses heiße Anschwellen der Gitarrensounds in “Catch The Breeze”: ”…hey are you feeling something new?…”

Einige Jahre ist es her, dass ich Slowdives Debutalbum “Just For A Day” das letzte Mal hörte. Heute stelle ich mit süßem Schmerz in der Brust fest, dass es nichts von seiner betörenden Wirkungskraft verloren hat. Der Schmerz wird nunmehr gefüttert von Erinnerungen. Erinnerungen, die mitunter 20 Jahre alt sind. Für wie viele Menschen war dieses Album ein Rettungsanker auf der stürmischen See der Gefühle, ein Licht in so manch dunkler Nacht? Eine tröstende, wenn auch schwere Decke? Wie Blei lag die Magie dieses Werkes oft auf unserer Seele. Doch spiegelte es nur unsere Melancholie – war und ist zuhause.

All das begann mit einem Trick. Slowdive tourte im Sommer 1991 mit den Songs ihrer 3 EPs. Neil Halstead – Sänger, Gitarrist und Songwriter der Shoegaze-Band aus Reading – erzählte Alan McGee von Creation Records Slowdive hätte genug Songs für ein Debutalbum. In Wirklichkeit war dies nicht der Fall. Die Band hatte nicht einen einzigen neuen Song, durfte jedoch auf Kosten von Creation ins Studio. Der ganze Prozess des Songwritings verlagerte sich auf mehrere Wochen Tonstudio inklusive harten Cannabiskonsums.

Das im Rausch von 6 Wochen produzierte Debut der Dreampopper wurde am 2.September 1991, vor genau 20 Jahren, veröffentlicht und rutschte tatsächlich in die Top10 der UK Indie Charts. Geliebt wurde das schwermütige Werk von den Kritikern trotzdem nicht. Es wurde als Gegenschlag zum aktuellen Shoegazetrend verrissen und als ideenlos und düster hingestellt. Ein Schicksal, welches sich alle Alben von Slowdive teilen mussten. Zu unrecht. „Just For A Day“ kann nur als gute Kinderstube ihres folgenden Werkes „Souvlaki“ gelten und findet in „Pygmalion“ seine Vollkommenheit.

Slowdive 1991 - das Girl ist Bassistin & Sängerin Rachel Goswell. Der Typ ganz rechts Frontmann Neil Halstead

Keinem Liebhaber des Dreampop bleibt der Zugang zu “Just For A Day” verwehrt. Wir glühen mit der schweren Hitze des Openers “Spanish Air”.“Celias Dream” ist der schönste Traum, den wir träumen können. “Waves” und “Brighter” lassen uns im blendenden Glitzern der Wellen auf das weite Meer hinaustreiben. Wir verirren uns – so gewollt. Werden immer kleiner, verlieren uns – so gewollt.

Hypnotisierend umkreist Rachel Goswells zarte Stimme, den knabenhaft reinen Gesang von Neil Halstead im letzten Song “Primal”. Wie unschuldig wird er zerdrückt, von einer Macht, die er nicht besiegen kann. “…I can’t believe, it scares me, can’t believe…” Niemals zuvor haben zwei Stimmen so gänzlich harmoniert, wie diese beiden, sowohl bei Slowdive als auch bei der aktuellen Band Mojave3. Als wären sie ein Liebespaar, dass nicht zueinander finden kann, voller Sehnsucht und Herzeleid.

Die Musik von Slowdive, so auch ihr Debut “Just For A Day” ist für Melancholiker gemacht. Kaum anders lassen sich diese von Schmalz triefenden, wehleidigen Songs ertragen. Leiden muss man lieben, weil Liebe Leid niemals ausschließt. Weil die Liebe nicht unendlich ist, wir uns im Moment des größten Glücks ihrer Vergänglichkeit bewusst sind. “Love, just for a day…”

Heute nach 20 Jahren kann ich mich nur für all die Momente, die ich mit dieser Platte und auch mit dieser Band verbinde, bedanken. “Just For A Day”, ein Album für die Ewigkeit gemacht. Nicht immer zu hören, doch all die Jahre immer wieder einmal.

Lauschen:

Slowdive – Primal

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Slowdive – Celia’s Dream

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Dean & Britta

durchgebrannt - Dean & Britta

Eine sanfte Stimme, eine warme, singende Gitarre und eine unglaubliche Gelassenheit – das sind sie wohl die Markenzeichen von Dean Wareham. In Sachen Sexappeal und Coolness ist Wareham kaum zu übertreffen – wäre an seiner Seite nicht seine attraktive Ehefrau – die Bassistin und Sängerin Britta Phillips. Kennen lernten sich die beiden vor elf Jahren in New York City – in Deans Band Luna.

Luna – das ist Wärme, Weite und Erdigkeit – doch auch die Enge der amerikanischen Großstadt. Alternative Country – schwer wie ein heißer Sommertag, und doch luftig und leicht, wie der Rock eines Mädchens, der vom heißen Wind leicht angehoben wird. Sinnlich und rund, wie die Kurven, die sich darunter verbergen. Aber auch kantig, wie die Gesichter der Häuser in der Fifth Avenue. „The greatest band you never heard of“ nennt das „Rolling Stone Magazin“ Luna noch heute. In der Tat kennen sie nur wenige. Dabei könnte die Band heute auf 20 Jahre Geschichte zurückblicken – wenn es sie denn noch gäbe.

Das Ende von Luna war der Anfang des Duos Dean & Britta. Der Anfang von Luna war das Ende eines Trios – Galaxie 500. 1977 zog der 1963 in Wellington in Neuseeland geborene Dean Wareham nach New York City. Wareham ging dort auf die Dalton Schule und lernte 1981 seine späteren Galaxie 500-Mitstreiter Damon Krukowski und Naomi Yang kennen. Viele Jahre waren die drei eng befreundet und besuchten auch die Harvard-Uni in Boston. Dean Wareham ist also kein typischer Rockstar – er ist ein typischer Rockstar mit Soziologie-Studium.

In heimischen Gefilden gründen Soziologen, die frisch von der Uni kommen ein Taxiunternehmen – soweit das Klischee. In Amerika hat man, sofern sich Gleichgesinnte finden, das Glück eine Band zu gründen. Wareham hatte viel Glück, denn Galaxie 500 war mit ihrem Slowcore beliebt und konnte Ende der Achtziger vor allem im shoegazeverrückten England punkten. Nach der Produktion von drei Alben „Today“, „On Fire“ und „This Is Our Music“ hatte Dean Wareham das Leben mit der Band jedoch schon ziemlich satt.

1990 stand eine große Japan-Tour als Vorband der Cocteau Twins an. Damon und Naomi wollten diese Tour unbedingt machen und riefen Dean an um zu fragen, ob er einverstanden sei, dass sie Tickets für den Flieger kaufen. Dean sagte am Telefon einfach: „Nein ich komme nicht mit!“ Er kündigte quasi aus heiterem Himmel – so kam es zumindest den beiden anderen vor. Er wollte einfach raus aus der Band – sich wieder frei fühlen. Die tiefe Freundschaft, des seit der Schulzeit eingeschweißten Teams, musste in den kommenden Jahren stark leiden. Doch für Wareham fiel mit dem Ausstieg aus Galaxie 500 ein großes Gewicht von seiner Seele. Es war Zeit für etwas Neues und Frisches – Zeit für Luna.

Luna

Luna: Sean Eden, Dean Wareham, Lee Wall und Britta Phillips (v.l.)

Klang Galaxie 500 wie eine alte Spieluhr in den letzten Atemzügen – hat Dean bei Luna ordentlich am Schlüssel gedreht. Das neue Tempo stand Luna gut. Mit der neuen Band ist es ihm gelungen sein Talent als Songwriter weiter auszubauen. Deans Gitarrenspiel wurde immer beseelter und subtiler, ging weite Wege, ja erzählte mehr und mehr die Geschichte eines jeden Liedes.

Luna habe ich zuletzt 2000 im Hamburger Logo zu ihrer „The Days Of Our Nights“ Tour gesehen. Dean sagt über Lunas fünftes Album „The Days Of Our Nights“, dass es mit Abstand das Schlechteste war, was die Band jemals produziert hat. Luna stand damals enorm unter Druck und musste für ihre Plattenfirma Elektra ein „Hitalbum“ produzieren – andererseits würden sie rausfliegen – was sie auch taten. „The Slow Song“ war der Lieblingssong des Produzenten, der meinte man solle die Qualität des Songs an den Rest von „The Days Of Our Nights” anpassen und einfach auf Deutsch singen – to fuck it up. Der Text ist tatsächlich ein eher amüsanter. (Hörprobe am Ende des Textes)

Britta Phillips ist damals frisch als Bassistin für Justin Harwood (früher The Chills) in die Band gekommen. Beim Hamburger Gig hat sie einen souveränen, verdammt groovigen Bass gespielt und sah in ihren Hot Pants so heiß aus, wie die junge Brigitte Bardot. Als Luna dann ihre Coverversion von Serge Gainsbourgs „Bonnie & Clyde“ spielten, und Dean und Britta gemeinsam sangen, ist mir das Knistern zwischen beiden nicht entgangen.

Dean war zu diesem Zeitpunkt bereits mit einer anderen Frau verheiratet – mit Claudia Silver. Er heiratete sie 1992 am Ende der ersten Tour zum Debut „Lunapark“. In seinem Buch „Black Postcards“ erzählt Dean Wareham, wie er sich sofort in Britta verknallt hatte und nur noch an sie denken konnte. Zunächst gab es eine jahrelange heimliche Affäre, die auch vor dem Luna-Gitarristen Sean Eden und dem Drummer Lee Wall verheimlicht wurde. Wareham wollte seine Frau Claudia und den kleinen Sohn Jack nicht verlassen. Doch die Affäre flog letzendlich auf und die Ehe zerbrach.

Wie sich Dean und Claudia auseinander lebten, lebte sich auch Luna auseinander. Nach 14 Jahren Höhen und Tiefen in der Band, die das Geheimnis um Deans Affäre mittragen musste, war einfach die Luft raus. Auch wurden die Alben nach dem Einstieg von Britta nicht unbedingt besser. Luna gab 2004 ihre Auflösung bekannt und verabschiedete sich 2005 mit einer großartigen Tournee, die in New York im Bowery Ballroom endete.

Luna kann stolz auf acht Studioalben zurückblicken, von denen drei wirklich herausragend sind: „Bewitched“, „Penthouse“ und „Pup Tent“. Ihr Album „Penthouse“ (1995) ist sicher ihr bestes Werk. Midtempo Gitarrenrock der träumt, nichts Böses ahnen lässt und doch Geheimnisse in sich trägt. Auf Amazon hat jemand „Penthouse“ so beschrieben: „[...]it sounds like lipstick traces on your cheek alone in a warm taxicab and the first snowflakes just getting flicked away by the windshield wipers. It sounds like one single light still softly on at 3 AM in the windows of an otherwise all dark building across Fifth Avenue from Central Park; awful things happening there perhaps, but you’re pretty sure not[...]“.

Black Postcards

Deans Memoiren "Black Postcards - A Rock & Roll Romance" (Penguin, 2008)

Wenn Ihr mehr über Dean Wareham und Luna wissen wollt, empfehle ich seine Autobiografie „Black Postcards“ – A Rock‘n Roll Romance“. Dean plaudert dort über seine Erfahrungen mit der Musikindustrie und über das Bandleben.

Diskografie / Alben:

  • Lunapark (1992)
  • Bewitched (1994)
  • Penthouse (1995)
  • Pup Tent (1997)
  • The Days Of Our Nights (1999)
  • Luna Live [live] (2001)
  • Romantica (2002)
  • Rendevous (2004)
  • Best of Luna (2006)
  • Lunafield (nur als Download)

Hier könnt ihr einige Songs von Luna hören. Der Song “Bonnie & Clyde” ist ein Duett mit Laeticia Sadier (Stereolab):
mp3:Luna – Bonnie & Clyde (Penthouse)
mp3:Luna – Beautiful View (Pup Tent)
mp3:Luna – Lost In Space (Penthouse)
mp3:Luna – The Slow Song (The Days Of Our Nights)

“Slide” von Debut “Lunapark”

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Dean Garcia & Toni Halliday on the way of Curve

Zugegeben – der Begriff „Dreampop“ klingt wesentlich schmeichelhafter als „Shoegaze“ oder „Goth“. Bands wie Slowdive, Cocteau Twins oder Cranes sind hervorragende Künstler aus diesem Genre. Curve – ein Duo aus London wurde Anfang der Neunziger zum Albtraum des Dreampop. Ihre Musik wies starke Elemente aus der Elektronik und dem Industrial auf, was ihren Songs einen aggressiven, dreckigen – aber avantgardistischen Sound verlieh. Allzu lange konnte man diesem Rauschen nicht lauschen. Der Nervfaktor war hoch und Kopfschmerz vorprogrammiert.

Oft konnte ich jedoch gar nicht aufhören Curve zu hören, auch wenn sich in meinem Kopf schon alles drehte. Ihre Musik zog mich in einen magischen Bann. Deans coole meditative Basslinie und der spooky-Gitarrensound stellte den Körper auf Dauerwippen ein. Doch der wahre Magnet war Toni Halliday. Ihre klare – ja fast eiskalte – sinnliche, sirenenhafte Stimme wirkte auf mich wie die Loreley auf Rheinschiffer – einfach sinnbetäubend.

Als die beiden Songwriter Dean Garcia und Toni Halliday 1990 mit Curve loslegten, hatten beide schon eine längere, interessante Musikkarriere durchlebt. Halliday war bereits 27 und Garcia 33 Jahre alt. Toni meinte in einem Inteview – welches sie einst mit dem Hamburger Radio-DJ Paul Baskerville führte – dass zeitgenössische Bands wie Slowdive oder Ride ihr damals wie Babies vorkamen, denn die waren noch Teenies oder bestenfalls Anfang 20. Dean Garcia tourte Mitte Achtziger bereits als Bassist mit Eurythmics. Über deren Frontmann Dave Stewart lernten sich Garcia und Halliday backstage während einer Tour kennen. Toni Halliday war damals als Solokünstlerin bei Stewarts Label Anxious Records unter Vertag, konnte jedoch mit ihren Popsongs à la Madonna nicht wirklich die Musikwelt erobern.

Die coole Toni Halliday in sommerlicher Hitze (Texas, 1992)

Curve veröffentlichten 1991 drei hervorragende EPs – „Blindfold“,  „Frozen“, „The Cherry“ – die in Großbritannien enorm erfolgreich waren. Nicht zuletzt dank des hervorragenden “Coast Is Clear” – ein Song dessen Hookline einfach Gänsehaut erzeugt. Ein erstes Studioalbum ließ nicht lange auf sich warten. Ihr Debutalbum „Doppelgänger“ schaffte es bis auf Platz 11 der UK-Albumcharts.

1992 war für Curve ein heißes Tourjahr. Mit den Genregefährten The Jesus and Mary Chain und Spiritualized bespielten sie auch das Shoegaze-fanatische Amerika. Curve hatten dabei zwei zusätzliche Gitarristen im Gepäck, Alex Mitchell und Debbie Smith, die später bei Echobelly einstieg. Interessant: Toni Halliday war während der Tour wohl besessen von Debbies Brüsten, so steht es im US-Tour Bericht auf Curves Homepage. Mit dabei war auch Hallidays Ehemann Alan Moulder, der sich zu jener Zeit mit der Co-Produktion von The Jesus and Mary Chains „Honey‘s Dead“ und Curves „Doppelgänger“ in der Musikindustrie einen unvergesslichen Namen machte.

„Doppelgänger“ brachte Curves beste Stücke hervor. Die Singles „Fait Accompli“ und „Horrorhead“ haben einen unbeschreiblichen Sexappeal. Niemals wieder hat man Toni so betörend erlebt wie im Video zu „Horrorhead“ – einfach atemraubend. Als ich den Clip damals bei MTVs „120 Minutes“ gesehen habe, hatte ich das Gefühl ins Bodenlose zu fallen.

Federführend bei Curve war jedoch der unheimlich wirkende, stets im Background bleibende, Dean Garcia. Sein Markenzeichen war es sich bei Auftritten mit dem Bass wie ein Brummkreisel zu drehen, so dass einem schon beim Zusehen schwindelig wurde. Garcias Genie kreierte Curves eigenwilligen Sound. Damals seiner Zeit weit voraus, findet man später Garcias typisch treibende Hooklines und Basslinien in Songs von Garbage oder sogar U2 wieder. Doch lasse man es Zufall sein.

Die folgenden Alben verzeichneten leider schwindenden Erfolg. Nach Curves 93er Album „Cuckoo“ gab es eine fünfjährige Pause. Das Comeback „Come Clean“ war in der Tat ernüchternd und das Album „Gift“ von 2001 floppte gleich vollends. Mit den Jahren klangen Curve dabei immer  elektronischer und verabschiedeten sich vom ursprünglichen Shoegazesound.

Ende Januar 2005 verkündete Toni Halliday auf Curves Homepage dann die Auflösung der Band. Sie meinte sie sei über die Jahre immer unzufriedener mit Curve geworden und wolle sich fortan auf kleinere Projekte konzentrieren. Als Chatelaine arbeitete Toni in den vergangenen Jahren mit dem Gatten Alan Moulder an ihrem aktuellen Soloalbum „Take A Line For A Walk“.  Auch Garcia war zur Entstehungszeit von Curve bereits verheiratet und hatte schon zwei Kinder mit seiner Frau. Heute ist Dean in mehreren Bands wie z.B. SPC ECO aktiv. Auch und unterstützt seine talentierte Tochter Rose Berlin musikalisch.

Curve auf dem Cover des Melody Makers 1991

Curve auf dem Cover des Melody Maker vom 26.Oktober 1991

Diskografie / Alben:

  • Doppelgänger (1992, Anxious Records)
  • Cuckoo (1993, Anxious Records)
  • Come Clean (1998, Universal UK)
  • Gift (2001, Universal)
  • The New Adventures Of Curve (2002, Internetveröffentlichung)

Compilations:

  • Public Fruit (1992, Anxious Records, EP-Collection)
  • The Way Of Curve (2004, Anxious Records)

Hörproben – Tracks von Curve, die ich besonders mag, inkl. dem Hit “Coast Is Clear”:
Curve – Already Yours (Doppelgänger)
Curve – Super Blaster (Cuckoo)
Curve – Coast Is Clear (Frozen EP)

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Es ist soweit

12 Feb 2011

Lange habe ich nach einem geeigneten Einstiegsthema für meine neue Blogrubrik „Retrospektive“ gesucht. Da ich mir letztens den Melody Maker von 26.Oktober 1991 gekauft habe – mit Curve als Leitartikel – war es sofort wieder um mich geschehen und das Thema endlich klar. Curve haben mich immer stark fasziniert. Sie sind eine meiner ersten großen musikalischen Lieben. Der Artikel über Curve folgt unmittelbar und ist „Already Yours“

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Retrospektive

03 Jan 2011
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Kleiner Rabauke - damals 12 - freut sich über die Wende und endlich schöne Musik - Shoegaze.

Neulich beim Sonntagsspaziergang sinnte ich über Leben, Vergangenheit und Zukunft. Mit Cocteau Twins auf den Ohren stapfte ich durch den Schnee, der vom Tauwetter noch übrig geblieben. Liz Frasers Stimme glitzerte wie ein Schneekristall in der Sonne. Ein Funkeln. Das Funkeln vergangener Jahre – prägender Jahre. Warum nicht über diese wichtigen Jahre und ihre Musik schreiben? Die Entdeckung des Dreampop war für mich so fundamental, wie der Schatz von Troja für Heinrich Schliemann. Das Stockholmer Musikmagazin “Sonic” führt seit längerem die Rubrik “Retro”. Eine solche wird es ab nun auch auf Mittsommernachtsspitzen geben. Ich werde in regelmäßigen Abständen vorzugsweise Bands und Künstler aus dem Umfeld des Post Punk/New Wave, Shoegaze/Dreampop und Slowcore portraitieren. Wie regelmäßig das sein wird, kann ich jetzt noch nicht wissen, aber ein Rhythmus wird sich finden. Den ersten Beitrag gibt es bald – ich freu mich drauf!

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.