Hej Då The Ark

28 Feb 2011
Arkeology

Das Best-Of Album "Arkeology" erschien am 25.Februar

Wenn so eine große Band, wie The Ark, sich dazu entscheidet aufzuhören, reißt es ein Loch in die schwedische Musiklandschaft – kometengroß und tief wie der Baikalsee. Schwedens Glamrocker vom Herrn verabschieden sich im März mit einer großen Skandinavien-Tournee und einem Best-Of Album. Mit ihrem Werk „Arkeology“ haben sie sich selbst ein Denkmal gesetzt und überschütten uns ein letztes Mal dankbar mit 20 großen Hymnen. „It Takes A Fool To Remain Sane“, Calleth I, Cometh You“, „One Of Us Is Gonna Die Young“ – Fans können andächtig den größten Hits lauschen. Die Compilation enthält alle Singles von The Ark – aber auch einige Überraschungen. „Deliver Us From Free Will“ wurde nur als Promo in einigen europäischen Ländern veröffentlicht. Weiter startet und endet das Album mit den brandneuen Songs „Breaking Up With God“ und „The Apocalypse Is Over“. Der erstere ist mitreißender Mitsing-Pop, in dem Frontmann Ola Salo, der als Sohn eines Pfarrers in der Nähe von Växjo aufwuchs, mit der Institution Kirche bricht. Der finale Song ist ein wahrhaft triumphierender Abgesang auf 20 Jahre Bandgeschichte. Da wird einem schon schwer um‘s Herz.

Wer sich gebührend von dieser großen Band verabschieden möchte, kann hier Tickets kaufen.

The Ark

sagen Tschüß nach 20 Jahren - die schwedischen Glampopper The Ark

Eine der beiden letzten Singles von The Ark:
mp3:The Ark – Breaking Up With God

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Dean & Britta

durchgebrannt - Dean & Britta

Eine sanfte Stimme, eine warme, singende Gitarre und eine unglaubliche Gelassenheit – das sind sie wohl die Markenzeichen von Dean Wareham. In Sachen Sexappeal und Coolness ist Wareham kaum zu übertreffen – wäre an seiner Seite nicht seine attraktive Ehefrau – die Bassistin und Sängerin Britta Phillips. Kennen lernten sich die beiden vor elf Jahren in New York City – in Deans Band Luna.

Luna – das ist Wärme, Weite und Erdigkeit – doch auch die Enge der amerikanischen Großstadt. Alternative Country – schwer wie ein heißer Sommertag, und doch luftig und leicht, wie der Rock eines Mädchens, der vom heißen Wind leicht angehoben wird. Sinnlich und rund, wie die Kurven, die sich darunter verbergen. Aber auch kantig, wie die Gesichter der Häuser in der Fifth Avenue. „The greatest band you never heard of“ nennt das „Rolling Stone Magazin“ Luna noch heute. In der Tat kennen sie nur wenige. Dabei könnte die Band heute auf 20 Jahre Geschichte zurückblicken – wenn es sie denn noch gäbe.

Das Ende von Luna war der Anfang des Duos Dean & Britta. Der Anfang von Luna war das Ende eines Trios – Galaxie 500. 1977 zog der 1963 in Wellington in Neuseeland geborene Dean Wareham nach New York City. Wareham ging dort auf die Dalton Schule und lernte 1981 seine späteren Galaxie 500-Mitstreiter Damon Krukowski und Naomi Yang kennen. Viele Jahre waren die drei eng befreundet und besuchten auch die Harvard-Uni in Boston. Dean Wareham ist also kein typischer Rockstar – er ist ein typischer Rockstar mit Soziologie-Studium.

In heimischen Gefilden gründen Soziologen, die frisch von der Uni kommen ein Taxiunternehmen – soweit das Klischee. In Amerika hat man, sofern sich Gleichgesinnte finden, das Glück eine Band zu gründen. Wareham hatte viel Glück, denn Galaxie 500 war mit ihrem Slowcore beliebt und konnte Ende der Achtziger vor allem im shoegazeverrückten England punkten. Nach der Produktion von drei Alben „Today“, „On Fire“ und „This Is Our Music“ hatte Dean Wareham das Leben mit der Band jedoch schon ziemlich satt.

1990 stand eine große Japan-Tour als Vorband der Cocteau Twins an. Damon und Naomi wollten diese Tour unbedingt machen und riefen Dean an um zu fragen, ob er einverstanden sei, dass sie Tickets für den Flieger kaufen. Dean sagte am Telefon einfach: „Nein ich komme nicht mit!“ Er kündigte quasi aus heiterem Himmel – so kam es zumindest den beiden anderen vor. Er wollte einfach raus aus der Band – sich wieder frei fühlen. Die tiefe Freundschaft, des seit der Schulzeit eingeschweißten Teams, musste in den kommenden Jahren stark leiden. Doch für Wareham fiel mit dem Ausstieg aus Galaxie 500 ein großes Gewicht von seiner Seele. Es war Zeit für etwas Neues und Frisches – Zeit für Luna.

Luna

Luna: Sean Eden, Dean Wareham, Lee Wall und Britta Phillips (v.l.)

Klang Galaxie 500 wie eine alte Spieluhr in den letzten Atemzügen – hat Dean bei Luna ordentlich am Schlüssel gedreht. Das neue Tempo stand Luna gut. Mit der neuen Band ist es ihm gelungen sein Talent als Songwriter weiter auszubauen. Deans Gitarrenspiel wurde immer beseelter und subtiler, ging weite Wege, ja erzählte mehr und mehr die Geschichte eines jeden Liedes.

Luna habe ich zuletzt 2000 im Hamburger Logo zu ihrer „The Days Of Our Nights“ Tour gesehen. Dean sagt über Lunas fünftes Album „The Days Of Our Nights“, dass es mit Abstand das Schlechteste war, was die Band jemals produziert hat. Luna stand damals enorm unter Druck und musste für ihre Plattenfirma Elektra ein „Hitalbum“ produzieren – andererseits würden sie rausfliegen – was sie auch taten. „The Slow Song“ war der Lieblingssong des Produzenten, der meinte man solle die Qualität des Songs an den Rest von „The Days Of Our Nights” anpassen und einfach auf Deutsch singen – to fuck it up. Der Text ist tatsächlich ein eher amüsanter. (Hörprobe am Ende des Textes)

Britta Phillips ist damals frisch als Bassistin für Justin Harwood (früher The Chills) in die Band gekommen. Beim Hamburger Gig hat sie einen souveränen, verdammt groovigen Bass gespielt und sah in ihren Hot Pants so heiß aus, wie die junge Brigitte Bardot. Als Luna dann ihre Coverversion von Serge Gainsbourgs „Bonnie & Clyde“ spielten, und Dean und Britta gemeinsam sangen, ist mir das Knistern zwischen beiden nicht entgangen.

Dean war zu diesem Zeitpunkt bereits mit einer anderen Frau verheiratet – mit Claudia Silver. Er heiratete sie 1992 am Ende der ersten Tour zum Debut „Lunapark“. In seinem Buch „Black Postcards“ erzählt Dean Wareham, wie er sich sofort in Britta verknallt hatte und nur noch an sie denken konnte. Zunächst gab es eine jahrelange heimliche Affäre, die auch vor dem Luna-Gitarristen Sean Eden und dem Drummer Lee Wall verheimlicht wurde. Wareham wollte seine Frau Claudia und den kleinen Sohn Jack nicht verlassen. Doch die Affäre flog letzendlich auf und die Ehe zerbrach.

Wie sich Dean und Claudia auseinander lebten, lebte sich auch Luna auseinander. Nach 14 Jahren Höhen und Tiefen in der Band, die das Geheimnis um Deans Affäre mittragen musste, war einfach die Luft raus. Auch wurden die Alben nach dem Einstieg von Britta nicht unbedingt besser. Luna gab 2004 ihre Auflösung bekannt und verabschiedete sich 2005 mit einer großartigen Tournee, die in New York im Bowery Ballroom endete.

Luna kann stolz auf acht Studioalben zurückblicken, von denen drei wirklich herausragend sind: „Bewitched“, „Penthouse“ und „Pup Tent“. Ihr Album „Penthouse“ (1995) ist sicher ihr bestes Werk. Midtempo Gitarrenrock der träumt, nichts Böses ahnen lässt und doch Geheimnisse in sich trägt. Auf Amazon hat jemand „Penthouse“ so beschrieben: „[...]it sounds like lipstick traces on your cheek alone in a warm taxicab and the first snowflakes just getting flicked away by the windshield wipers. It sounds like one single light still softly on at 3 AM in the windows of an otherwise all dark building across Fifth Avenue from Central Park; awful things happening there perhaps, but you’re pretty sure not[...]“.

Black Postcards

Deans Memoiren "Black Postcards - A Rock & Roll Romance" (Penguin, 2008)

Wenn Ihr mehr über Dean Wareham und Luna wissen wollt, empfehle ich seine Autobiografie „Black Postcards“ – A Rock‘n Roll Romance“. Dean plaudert dort über seine Erfahrungen mit der Musikindustrie und über das Bandleben.

Diskografie / Alben:

  • Lunapark (1992)
  • Bewitched (1994)
  • Penthouse (1995)
  • Pup Tent (1997)
  • The Days Of Our Nights (1999)
  • Luna Live [live] (2001)
  • Romantica (2002)
  • Rendevous (2004)
  • Best of Luna (2006)
  • Lunafield (nur als Download)

Hier könnt ihr einige Songs von Luna hören. Der Song “Bonnie & Clyde” ist ein Duett mit Laeticia Sadier (Stereolab):
mp3:Luna – Bonnie & Clyde (Penthouse)
mp3:Luna – Beautiful View (Pup Tent)
mp3:Luna – Lost In Space (Penthouse)
mp3:Luna – The Slow Song (The Days Of Our Nights)

“Slide” von Debut “Lunapark”

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Ólöf Arnalds

sieht aus und klingt wie eine Elfe - die isländische Sängerin Ólöf Arnalds

„Schick!“ – habe ich gedacht, als ich dieses Foto von Ólöf Arnalds gesehen habe. „Überirdsich!“ – habe ich gedacht, als ich ihre Single „Surrender“ gehört habe. So eine Fragilität wurde zuletzt auf Björks Album „Vespertine“ hörbar gemacht. Zwar fließt Björk in Form ihrer unverkennbaren, stimmlichen Glut in den Song mit ein – doch ist es der glöckchenhafte Sopran von Ólöf Arnalds, der hier in eine andere Welt entführt.

„Innundir Skinni“ – Unter der Haut – heißt das aktuelle Album. Isländische Folklore und ein Hauch Melancholie. Melodien und eine Stimme, die mich den entscheidenden Schritt vom Alltag zurücktreten lassen und mir die Chance geben am Kern der eigenen Emotionen zu kratzen. Heute Abend ist das möglich – Ólöf Arnalds spielt ab 21 Uhr in Berlin im Comet Club.

Ólöf Arnalds und Björk gemeinsam im Song “Surrender”
mp3:Ólöf Arnalds – Surrender

“Innundir Skinni”

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Thomas Öberg – Sänger und Songwriter der schwedischen Band Bob Hund – scheint einfach nicht zu bekommen, was er will. Jetzt muss er schon gegen seinen Willen Popsongs schreiben. Seine Bandkollegen scheinen ihn dazu gezwungen zu haben. Oh man, der Arme! Was machen die bloß mit ihm? Im Video zur neuen Single “Popsång (mot min vilja)” ( Popsong – gegen meinen Willen) kann man genau sehen, dass Öberg in einer Zwangsjacke fixiert wurde. Wahrscheinlich war er auch mit der Veröffentlichung des neuen Liedes – am heutigen Tage – alles andere als einverstanden?

Popsong – gegen meinen Willen. Doch ist überhaupt der eigene Song damit gemeint? Was ist, wenn Bob Hund einfach bloß keine Lust mehr hat ständig Lady Gagas Visage irgendwo zu sehen? Oder eben die teuren überproduzierten 08/15 Melodien von Katie Perry und Justin X oder Y aus dem Radio dröhnen zu hören? Oder wenn es sie sogar – verständlicherweise – wahnsinnig macht? Popsong wider Willen. Da kann ich mich nur anschließen.

Gut, dass sich endlich jemand dagegen wehrt. Ich schließe mich der Protestbewegung an. Bob Hunds neue Single hat auf jeden Fall das Potenzial ein Hit zum Mitgrölen zu werden. Die Basslinie à la White Stripes‘ „Seven Nation Army“ bringt mich sofort dazu, mit meinem zur Verfügung stehenden Bein im Takt zu wippen. Den Refrain hat man – im Gegensatz zum Whites Stripes Song – auch ganz schnell drauf. Wenn mein Gips bis Ende März weg ist, kann ich vielleicht schon mitspringen – auf dem Konzert im Malmöer Kulturbolaget. Bob Hunds neuer Song „ Popsång (mot min vilja)“ wird mich dann ganz schwach machen. Ich werde inmitten von Fans stehen und singen: „Nu står jag här, lurad och förälskad, mitt i en popsång till“ – Nun stehe ich hier, verführt und verliebt, mitten in noch einem weiteren Poplied.

Das neue Album “Det Överexponerade Gömstället” von Bob Hund erscheint am 16. März auf ihrem eigenen Label Bob Hund Förlag.

Die Single bei KlickTrack kaufen

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Labradors Herrchen

18 Feb 2011
Would You Say Stop?

So sieht es aus - das Cover zur neuen Single

Vor sechs Jahren gab es zuletzt ein Lebenszeichen der schwedischen Süßholzraspler Acid House Kings. Nun melden sich die Labrador Labelchefs Johan und Niklas Angergård, inklusive der reizenden Sängerin Julia Lannerheim, mit schon der zweiten Single zum kommenden Album zurück. Die Angergårds hatten sich wohl in den letzten Jahren mehr auf die Labelgeschäfte konzentriert und man hing mit der eigenen Arbeit ein wenig hinterher. Umso mehr kann sich jetzt ihre neue Single “Would You Say Stop?” hören lassen. Gestern gab die Band das neue Stück als Free Download auf ihrer Homepage frei. Physisch erscheint die Single am 1.März. Auch das neue Album der honigsüßen Twee-Popper lässt nicht lange auf sich warten. Freut euch auf “Music Sounds Better With You” – und wenn ihr eine der 1000 Kopien, der am 22.März erscheinenden Scheibe bekommt, könnt ihr euch direkt angesprochen fühlen. So, und nun Pfote auf’s Herz und dem neuen Liedchen lauschen.

mp3:Acid House Kings – Would you say stop?

“Music Sounds Better With You” bei Labrador Records vorbestellen

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Demons Die kanadische Geschwisterband Cowboy Junkies veröffentlichte am Dienstag Vol.2 ihrer „The Nomad Series“ – Demons. Das Album ist dem amerikanischem Songwriter Vic Chesnutt gewidmet und besteht aus elf seiner Songs. Ich finde das Werk grandios. Die Timmins’ haben die Chesnutt-Songs nicht einfach gecovert. Sie haben ihnen neues Leben und Kraft eingehaucht – Kraft, die Vic Chenutt am Ende seines Lebens fehlte.

Über ein Jahr ist es nun her, dass Vic Chesnett am Weihnachtsabend 2009 an den Folgen eines Suizidversuches starb. Das Leben war für ihn nicht erträglich. 1964 wurde Chesnutt in Jacksonville (Florida) geboren und wuchs bei Adoptiveltern in einer Kleinstadt in Georgia auf. Schon als kleiner Junge schrieb er erste weltschmerzlerische Songs. Er begann früh mit dem Alkoholkonsum. Im Alter von 19 Jahren kam er in betrunkenem Zustand mit dem Auto von der Straße ab und war fortan an den Rollstuhl gefesselt.

Der vestorbene - aus Georgia stammende - Songwriter Vic Chesnutt

Um sein Künstlerdasein mit all seinen Lastern auszuleben, zog Chesnutt nach seinem Unfall in eine größere Stadt – Athens in Georgia. Den nötigen Motivationsarschtritt seine Solokarriere anzutreiben, bekam er von Micheal Stipe (R.E.M.). 1990 nahm Chesnutt sein spärliches Debutalbum „Little“ auf. Es folgte „West Of Rome“ (1991), dann „Drunk“ (1993), das aller Wahscheinlichkeit nach im Vollrausch aufgenommen wurde.

„West Of Rome“ ist eines der Glanzstücke auf Cowboy Junkies neuem Album „Demons“. Laut Spin Magazine wollte Margo Timmins – Sängerin der Junkies – den Song schon vor 15 Jahren interpretieren, traute sich dann aber doch nicht ran. Sie befürchtete den Charakter, die  Kernaussage des Songs nicht wiedergeben zu können. Über die Jahre entstand dann doch aber eine große Vertrautheit zwischen Vic Chesnutt und den Cowboy Junkies, sogar eine tiefe Freundschaft. Auch wurde gemeinsam getourt.

Im letzten Jahr teilten Cowboy Junkies mit, dass sie sich vorgenommen hätten 18 Monate an einem Projekt zu arbeiten, welches vier Alben hervorbringen soll – die „Nomad Series“. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass eines der Alben ein Coveralbum wird. Eigentlich wurden Songs von Townes Van Zandt favorisiert, doch Chesnutt toppte den 1997 verstorbenen Country Musiker. Sicher wollte man ihm die letzte Ehre erweisen.

Die Songs auf “Demons” klingen warm und homogen – aus einem Guss und nicht überproduziert. Eben „Supernatural“ – wie es auch in einem der Songs heißt. Margos Stimme ist dabei gefühlvoll und rauchig, wie man es von ihr gewohnt ist. So muss eine Folkstimme klingen. Das Album beginnt mit den bluesigen Songs „Wrong Piano“ und „Flirted With You All My Life“ und wird zum Ende hin gediegener. Die Ballade „When The Bottom Fell Out“ schließt „Demons“ ab.

„Demons“ beinhaltet eine gelungene Auswahl aus allen 17 Alben Vic Chesnutts. Cowboy Junkies Songwriter Micheal Timmins ist stolz auf das Werk und hofft, dass so viele Hörer auf die brillianten Songs Chesnutts, die vor seinem Tod wenig Beachtung fanden, aufmerksam werden. Bei mir ist diese Hoffnung aufgegangen.

Cowboy Junkies

Die kanadische Alternative-Country Band Cowboy Junkies

Cowboy Junkies “Demons” erschien am 15.Februar über Latent Recordings.

Free Downloads von Cowboy Junkies Album “Demons”:
mp3:Cowboy Junkies – Wrong Piano
mp3:Cowboy Junkies – Flirted With You All My Life

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The Tallest Two - Christoffer Englund und Kajsa Pehrsson

Eigentlich hatte ich es mir ja zur Lebensaufgabe gemacht vier Jungs aus Stockholm groß raus zu bringen. Doch irgendwie zeigen die Long Distance Runners nicht wirklich Durchhaltevermögen. Weiß nicht, ob mir das schwer im Magen liegt oder die Spaghetti mit Tomatensoße, die ich gerade verdrückt habe. Jeder aus der Truppe zieht es anscheinend vor seine Energie in Nebenprojekte zu stecken, so auch Gitarrist und Sänger Christoffer Englund.

The Tallest Two heißt das Duo in dem Englund seit 2009 mit der aus Umeå stammenden Sängerin Kajsa Pehrsson musiziert. Zumindest haben die beiden im vergangenen Herbst einen Videoclip zum Song „Let‘s Pretend“ abgedreht, in dem sie sich gegenseitig ansingen. Ich muss sagen das Stück geht unter die Haut. Seichte Gitarrenklänge und diese perfekte Zweistimmigkeit – ein Genuss. Aber schaut doch selbst!

Hinter der Kamera war übrigens auch einer der Langstreckenläufer – der Drummer und Sänger Erik Östholm.

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Erik Hassle & Jocke Berg

Schwedens Export-Jungspund Erik Hassle kollaborierte für seine neue EP „Mariefred Sessions“ mit Schwedens größter Rockband Kent. So nennen sie sich immernoch – die Stadionrocker um Jocke Berg. Das Ergebnis ist feinster Pop, der die Ohren streichelt. Morgen erscheint im Mittsommerland die erste Single zur EP – „Are You Leaving“.

Letzten Sommer verkündete Jocke Berg auf der „En Plats I Solen“-Tour, dass Kent sich nun eine längere Pause gönnen werden. Doch Berg – noch heiß entflammt von der Produktion der beiden letzten Studioalben „Röd“ und „En Plats I Solen“ und im Tourfieber – brauchte diese Pause nicht. Beeindruckt von Erik Hassles eindringlicher Stimme, konnte Berg nicht anders als den jungen Stockholmer zu kontaktieren, um eine Zusammenarbeit anzubieten. Die beiden entschieden sich einige Songs zusammen aufzunehmen und luden auch Kents Bassisten Martin Sköld ein, an der Produktion teilzuhaben – nicht ohne Grund. Aufgenommen wurden die sechs Tracks der kommenden EP in Skölds Studio in Mariefred, eine kleine Stadt in der Provinz Södermanlands Län, nördlich von Stockholm.

Wenn ihr den Link unterhalb des Textes anklickt, könnt ihr hören, wie die kommende Single klingt. Der Song ist eine gute Mischung aus Beidem – Hassle und Kent. Im Refrain überwiegt Kents Einfluß jedoch gewaltig. Eigentlich bräuchte man nur Eriks Gesang durch Jockes ersetzen. Typische Kent-Akkorde und dynanisches Elektrogefrickel sind tonangebend. In der Strophe ist das Songwriting von Erik Hassle dominierend.

Mich macht die Single ziemlich an. Daher freue ich mich schon auf die EP von Erik Hassle und werde mich bis zum Erscheinen von „Mariefred Sessions“ am 23.März, noch genauer mit ihm und seinen bisherigen Alben auseinandersetzen. Dann gibt es Nachschlag!

Link zum “Are You Leaving”-Stream auf www.aftonbladet.se

Für Schwedischkönner:
Erik Hassle und Kent im Interview mit Per Sinding-Larsen (PSL)

kaufen:
Hier könnt ihr Erik Hassles EP “Mariefred Sessions” in Bengans Skivbutik vorbestellen

mp3 von Erik Hassle hören:
Erik Hassle – Family Affair

Viedeo zu Erik Hassles erster internationaler Single “Don’t Bring Flowers” vom Album Pieces (2009)


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Herzschlag

Wenn man, wie ich mit Liegegips „Das Fenster zum Hof“ spielt, und gegenüber immer nur den gleichen langweiligen Typen aus dem Fenster rauchen sieht – bietet es sich derweilen an ein paar Horrorfilme aus dem Regal zu fischen. Um die Besonderheit des heutigen Tages zu unterstreichen, nehme man „My Bloody Valentine“ aus dem Jahre 1981 an – Splatter pur. Dort werden wenigstens echte Herzen verschickt und ein bisschen Kannibalismus gibt es auch – man kann sich also zum Fressen gern haben. Okay, die Story um die verschütteten Bergleute ist etwas platt, führt sie doch aber zu einer der besten und prägendsten Shoegaze-Bands aller Zeiten.

Die Urmitglieder von My Bloody Valentine – Gitarrist und Sänger Kevin Shields und der Drummer Colm Ó Ciosóig – kannten sich schon aus frühester Dubliner Kindheit. Die Beiden spielten schon zu Schulzeiten in verschiedenen Bands miteinander. Nach der Schule wurden da wohl heimllich Splatter-Movies geschaut, die anscheinend derart reinhauten, dass sie hilfreich bei der Suche nach einem geeigneten Bandnamen waren.

Ungewöhnlich, wie der Bandname, war auch My Bloody Valentines Musik. Fette Gitarrenwände, der Einsatz von Rückkopplungen und sphärische Gesänge im Hintergrund, machten ihren Sound unverwechselbar und waren richtungsweisend für die Entwicklung der britischen Musikszene Ende Achtziger/ Anfang Neunziger. Klaus Lage beschrieb ihre Musik als „Engel fahren Achterbahn“ – anders ist es nicht.

Ihre wichtigen EPs und Alben produzierten My Bloody Valentine auf Alan McGees Label Creation. Die Produktion ihres verführerisch pulsierenden Albums „Loveless“ führte das Indielabel 1991 in finanzielle Schwierigkeiten – das ist wahre Leidenschaft. Die Band musste jedoch zwangswechseln zu Island Records. Auch dort gab es Ärger. My Bloody Valentine hatte 500.000 Pfund für unverwertbare Studioaufnahmen ausgegeben und wurde daraufhin rausgeschmissen. Das war das Beziehungsaus.

Das Fenster zum Hof

Wer hat die bessere Aussicht?

„Loveless“ – eigentlich das schönere, erotischere Geschenk zum Valentinstag. Klänge, die das Blut ins Wallen und den Körper zum Beben bringen. Ein Album zum Träumen. Schmeißt die Pralinen und Blumen in die Tonne und legt dieses Album auf. Auch ich lausche gerade – diesem Highlight des Tages. Derweil schaue ich aus dem Fenster. Vielleicht kommt Grace Kelly ja noch vorbei und zaubert mir ein perfektes Dinner. Vegetarisch bitte.

Musik für das perfekte Valentinsdinner von My Bloody Valentines Album “Loveless”  & Lambs “Between Darkness And Wonder”:
My Bloody Valentine – Blown A Wish
My Bloody Valentine – Only Shallow
Lamb – Hearts And Flowers

Besser als der Slasher-Movie:

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Dean Garcia & Toni Halliday on the way of Curve

Zugegeben – der Begriff „Dreampop“ klingt wesentlich schmeichelhafter als „Shoegaze“ oder „Goth“. Bands wie Slowdive, Cocteau Twins oder Cranes sind hervorragende Künstler aus diesem Genre. Curve – ein Duo aus London wurde Anfang der Neunziger zum Albtraum des Dreampop. Ihre Musik wies starke Elemente aus der Elektronik und dem Industrial auf, was ihren Songs einen aggressiven, dreckigen – aber avantgardistischen Sound verlieh. Allzu lange konnte man diesem Rauschen nicht lauschen. Der Nervfaktor war hoch und Kopfschmerz vorprogrammiert.

Oft konnte ich jedoch gar nicht aufhören Curve zu hören, auch wenn sich in meinem Kopf schon alles drehte. Ihre Musik zog mich in einen magischen Bann. Deans coole meditative Basslinie und der spooky-Gitarrensound stellte den Körper auf Dauerwippen ein. Doch der wahre Magnet war Toni Halliday. Ihre klare – ja fast eiskalte – sinnliche, sirenenhafte Stimme wirkte auf mich wie die Loreley auf Rheinschiffer – einfach sinnbetäubend.

Als die beiden Songwriter Dean Garcia und Toni Halliday 1990 mit Curve loslegten, hatten beide schon eine längere, interessante Musikkarriere durchlebt. Halliday war bereits 27 und Garcia 33 Jahre alt. Toni meinte in einem Inteview – welches sie einst mit dem Hamburger Radio-DJ Paul Baskerville führte – dass zeitgenössische Bands wie Slowdive oder Ride ihr damals wie Babies vorkamen, denn die waren noch Teenies oder bestenfalls Anfang 20. Dean Garcia tourte Mitte Achtziger bereits als Bassist mit Eurythmics. Über deren Frontmann Dave Stewart lernten sich Garcia und Halliday backstage während einer Tour kennen. Toni Halliday war damals als Solokünstlerin bei Stewarts Label Anxious Records unter Vertag, konnte jedoch mit ihren Popsongs à la Madonna nicht wirklich die Musikwelt erobern.

Die coole Toni Halliday in sommerlicher Hitze (Texas, 1992)

Curve veröffentlichten 1991 drei hervorragende EPs – „Blindfold“,  „Frozen“, „The Cherry“ – die in Großbritannien enorm erfolgreich waren. Nicht zuletzt dank des hervorragenden “Coast Is Clear” – ein Song dessen Hookline einfach Gänsehaut erzeugt. Ein erstes Studioalbum ließ nicht lange auf sich warten. Ihr Debutalbum „Doppelgänger“ schaffte es bis auf Platz 11 der UK-Albumcharts.

1992 war für Curve ein heißes Tourjahr. Mit den Genregefährten The Jesus and Mary Chain und Spiritualized bespielten sie auch das Shoegaze-fanatische Amerika. Curve hatten dabei zwei zusätzliche Gitarristen im Gepäck, Alex Mitchell und Debbie Smith, die später bei Echobelly einstieg. Interessant: Toni Halliday war während der Tour wohl besessen von Debbies Brüsten, so steht es im US-Tour Bericht auf Curves Homepage. Mit dabei war auch Hallidays Ehemann Alan Moulder, der sich zu jener Zeit mit der Co-Produktion von The Jesus and Mary Chains „Honey‘s Dead“ und Curves „Doppelgänger“ in der Musikindustrie einen unvergesslichen Namen machte.

„Doppelgänger“ brachte Curves beste Stücke hervor. Die Singles „Fait Accompli“ und „Horrorhead“ haben einen unbeschreiblichen Sexappeal. Niemals wieder hat man Toni so betörend erlebt wie im Video zu „Horrorhead“ – einfach atemraubend. Als ich den Clip damals bei MTVs „120 Minutes“ gesehen habe, hatte ich das Gefühl ins Bodenlose zu fallen.

Federführend bei Curve war jedoch der unheimlich wirkende, stets im Background bleibende, Dean Garcia. Sein Markenzeichen war es sich bei Auftritten mit dem Bass wie ein Brummkreisel zu drehen, so dass einem schon beim Zusehen schwindelig wurde. Garcias Genie kreierte Curves eigenwilligen Sound. Damals seiner Zeit weit voraus, findet man später Garcias typisch treibende Hooklines und Basslinien in Songs von Garbage oder sogar U2 wieder. Doch lasse man es Zufall sein.

Die folgenden Alben verzeichneten leider schwindenden Erfolg. Nach Curves 93er Album „Cuckoo“ gab es eine fünfjährige Pause. Das Comeback „Come Clean“ war in der Tat ernüchternd und das Album „Gift“ von 2001 floppte gleich vollends. Mit den Jahren klangen Curve dabei immer  elektronischer und verabschiedeten sich vom ursprünglichen Shoegazesound.

Ende Januar 2005 verkündete Toni Halliday auf Curves Homepage dann die Auflösung der Band. Sie meinte sie sei über die Jahre immer unzufriedener mit Curve geworden und wolle sich fortan auf kleinere Projekte konzentrieren. Als Chatelaine arbeitete Toni in den vergangenen Jahren mit dem Gatten Alan Moulder an ihrem aktuellen Soloalbum „Take A Line For A Walk“.  Auch Garcia war zur Entstehungszeit von Curve bereits verheiratet und hatte schon zwei Kinder mit seiner Frau. Heute ist Dean in mehreren Bands wie z.B. SPC ECO aktiv. Auch und unterstützt seine talentierte Tochter Rose Berlin musikalisch.

Curve auf dem Cover des Melody Makers 1991

Curve auf dem Cover des Melody Maker vom 26.Oktober 1991

Diskografie / Alben:

  • Doppelgänger (1992, Anxious Records)
  • Cuckoo (1993, Anxious Records)
  • Come Clean (1998, Universal UK)
  • Gift (2001, Universal)
  • The New Adventures Of Curve (2002, Internetveröffentlichung)

Compilations:

  • Public Fruit (1992, Anxious Records, EP-Collection)
  • The Way Of Curve (2004, Anxious Records)

Hörproben – Tracks von Curve, die ich besonders mag, inkl. dem Hit “Coast Is Clear”:
Curve – Already Yours (Doppelgänger)
Curve – Super Blaster (Cuckoo)
Curve – Coast Is Clear (Frozen EP)

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.