Blazing Jenny

25 Mrz 2011

Jenny Wilson geht auf Tour mit dem neuen Doppelalbum "Blazing"

Schwedens R&B Queen Jenny Wilson lässt den Frühling hell erleuchten mit ihrem kommenden Doppelalbum „Blazing“. Blazing I enthält Aufnahmen, die Jenny zusammen mit ihrer Liveband – zu der auch ihr Schwesterherz Sara Wilson gehört und sechs Mitglieder des Tensta Gospel Chors – aufgenommen hat. Tensta ist eine Plattenbausiedlung im Norden Stockholms, doch wie ein Vorstadtchor klingen die Mädels um Jenny nun wirklich nicht. Schon live zur „Hardships!“-Tour gaben sie den Songs eine neue Frische und Tiefe und katapultierten sie mit den exzellenten Satzgesängen in eine neue Sphäre. Hauptsächlich finden sich auf „Blazing I“ nämlich neue Versionen der Songs von Jennys letztem Studioalbum, jedoch auch eine Coverversionen von Bob Marleys „Work“ und eine Interpretation des Volksliedes „Coming ’round the mountain“. Grandios!

Blazing II ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Stockholmer Sänger und Multiinstrumentalisten Daniel Fagerström. Die Musik entstand für die Tanz-Performance „I‘m Not Looking Back“ von Helena Franzén. Zunächst sollten auch Songs vom Album „Hardships!“ neu interpretiert werden oder Remixe entstehen. Doch jetzt startet das Album mit vier neuen, mystisch anmutenden Stücken und endet mit vier exotischen Remixen vom Album „Hardships“.  Magnetisch!

Das doppelte Leuchtchen erscheint am 4.April zunächst in Schweden auf Jennys eigenem Label Gold Medal Recordings. Ihr könnt es über Bengans bestellen.

Live gibt es Jenny Wilson mit Band und Tensta Gospelchor auch zu bestaunen. Wer für Ende April/ Anfang Mai einem Kurztrip nach Skandinavien plant, sollte die Chance also nutzen.

29. April – Det Stora Kalaset, Kalmar
30. April – Filadefiakyrkan, Stockholm
06. Mai – KB, Malmö
07. Mai – Trädgår’n, Göteborg
26. Mai – Vega, Köpenhamn
27. Mai – Spotfestivalen, Århus

So könnte es aussehen:

Jenny Wilson live mit Schwesterherz Sara und Tensta Gospel Chor

So könnte es klingen:

mp3:Jenny Wilson – Like A Fading Rainbow
mp3:Jenny Wilson – Anchor Made Of Gold

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Sakura

Sakura, die japanische Kirschblüte - Symbol für Neuanfang

Die Welt blieb für mich stehen in den letzten zwei Wochen. Durch meinen gebrochenen Fuß ans Sofa gefesselt, konnte ich macht- und energielos die tragischen Geschehnisse in Japan verfolgen. Das Erdbeben und der Tsunami haben mich bis ins Mark erschüttert, hinzu kommt die drohende atomare Katastrophe. Fast ist es noch immer so, als würde man in Zeitlupe zusehen, wie ein ganzes Land zugrunde geht. Tausende von Menschen haben ihr Leben und ihre Liebsten verloren und werden es vielleicht noch infolge der radioaktiven Strahlung. All das hat mich so paralysiert und mit Trauer und Sorge gefüllt, dass ich mit dem Herzen absolut bei den Menschen in Japan war. So betroffen von den Ereignissen gab es in mir einfach keinen Platz für Musik und folglich nicht für neue Posts in den Mittsommernachtsspitzen. Nun melde ich mich zurück nach dieser Zeit des Innehaltens.

Ich bete für die Menschen in Japan und hoffe, dass der Supergau in Fukushima abgewendet werden kann und all die Menschen, die Heim und Familie verloren haben einen neuen Platz im Leben finden werden. Diese Katastrophe hat alles verändert, aber hoffentlich kommt das Glück zurück in dieses Land mit seiner wundervollen Kultur und Schönheit. Ende März beginnt dort die Zeit der Kirschblüte (Sakura) – ein Symbol für Vergänglichkeit und Neuanfang. Ich hoffe sie bringt Hoffnung und Kraft für alle Japaner.

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Staatsbesuch

11 Mrz 2011
The Embassy

Fredrik und Torbjörn: etwa Gesandte der Schwedischen Botschaft?

Seltenen hohen Besuch erwartet Berlin heute Abend aus Göteborg. Das schwedische Synthiepop-Duo The Embassy geglückt uns mit einem seiner raren Auftritte – umso mehr sollte man sich ihren Auftritt heute im „Backyard“ nicht durch die Lappen gehen lassen. Immerhin liegt ihr letztes Album  „Tracking“ schon ein halbes Jahrzehnt zurück und die letzte Single „State’ 08“ (der Name sagt alles) kriegt auch schon Junge.

Es dürfte ein eher beschaulicher Abend dort im Rahmen der „Awesome By Nature“ Party werden – ist doch das „Backyard“ ein Club der kleineren Sorte.
Also Staatsbesuch in Wohnzimmeratmosphäre.

Ein Vorgeschmack
mp3:The Embassy – Time’s Tight
mp3:The Embassy – Hurt

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This Year's Model: klassisch und extravagant

Ich vermisse sie – die gemütliche, familiäre Atmosphäre der Hit The North Parties in Hamburg. So viele junge, frische Indiebands haben die HTN-Jungs nach Hamburg geholt und uns im Grünen Jäger, der Astra Stube und neuerdings in der Prinzenbar glückliche Abende beschert. Heute habe ich mich sehr gefreut über eine Email von Niklas und Ylva von der schwedischen Band This Year‘s Model. Sie schrieben, sie hätten mich vermisst bei ihrem letzten Gig in Hamburg in der Astra Stube. Dort stellten sie ihr neues Album „We Walk Like Ghosts“ vor. In der Tat schade, dass ich ihren neuen Songs nicht lauschen konnte, ist doch Hamburg – seit ich in Berlin lebe – nur noch das Zuhause in meinem Herzen.

Seit Jahren schon hat auch This Year‘s Model ihr Zuhause in Hamburg – zumindest was das Label betrifft.  Indie-Urgestein Marsh Marigold nahm den Sänger und Songwriter Niklas Gustafsson 2005 zunächst mit einem Solovertrag unter seine Fittiche. Doch schon während der Aufnahmen zur ersten EP „Greetings From This Year’s Model“ kamen seine Freunde – der Bassist Mattias Svensson, der Drummer Henric Strömberg und die Keyboarderin und Sängerin Ylva Lindberg – hinzu. Ylva traf ich im Winter 2009 und interviewte sie für meine Radiosendung „Twilight Tunes“ – unterwegs war sie zu jener Zeit jedoch mit dem Elektropop-Duo Friday Bridge, dessen andere Hälfte niemand anderes ist als Niklas Gustafsson. Ylva beeindruckt sowohl auf der Bühne als im persönlichlichen Gespräch mit ihrer bescheidenen, natürlichen Art. Zudem ist sie eine klassische Schönheit, die es einem leicht macht, sich in sie zu verlieben. So ist es denn auch um Niklas geschehen, als sich die beiden 2003 begegneten und anfingen gemeinsam zu musizieren.

„We Walk Like Ghosts“ ist das dritte Album von This Year‘s Model. Benannt hat sich die Band nach einem Album von Elvis Costello. Seine Größe will die Band erreichen, auch wenn es schwer ist Singles wie „Alison“ oder „Lip Service“ zu toppen, wie Niklas scherzhaft in einem Interview mit SleepWalKing erzählt. Die Band zieht es sogar in Erwägung einige Costello-Songs live zu performern – warum eigentlich nicht. Noch ist es mit der Größe und dem Ruhm weit hergeholt. Ein Freund, der nach dem Konzert in der Astra Stube auflegte, schrieb mir, dass This Year‘s Model eine fabelhafte Live-Band mit ungeheuer viel Energie sei. Im Vergleich zum neuen Album klang sie beim Hamburger Gig rockiger – wie eine Gitarrenpopversion der Godfathers – kein schlechter Vergleich. Kann sein, dass er recht in der Annahme hat, dass die Band für Indiepopper zu hart, zu wenig Twee sei und in einer anderen Szene nicht richtig wahrgenommen werde. Er meinte sie hätte definitiv mehr Zuschauer als in der dreiviertelgefüllten – ziemlich kleinen – Astra-Stube verdient gehabt.

Bei weitem nicht so öde wie das Cover - This Year's Models drittes Album "We Walk Like Ghosts"

Ein Album für Schnarchnasen ist „We Walk Like Ghosts“ also nicht – was mir imponiert. Von zuviel Twee habe ich eh stets Karies bekommen. Der Opener „No Miracles“ erinnert an einen triumphierenden Marsch – leicht großkotzig – doch animiert zum Weiterhören. Ich muss sagen die jugendliche Frische von This Year‘s Model und auch der Gesang von Niklas Gustafsson entsprechen nicht so wirklich ihrem äußerlich piekfeinem Image. Unter den spießig wirkenden Models scheinen sich echte Rebellen zu verbergen. Sieht Gustafsson selbst wie ein braver, täglicher Nutzer der Stockholmer Staatsbibliothek aus – richtet sich der ungemütliche Gesang in „The Librarian“ an seinen Nebenbuhler – eben einen aufgeblasenen Bibliotheksfutzi. Doch auch dem Protagonisten fehlt es nicht an Weltschmerzlerei besingt er sie doch – „The Lost Days Of  My Life“. Schwelgerischer geht es in „I Swear I Was There“ und in „It Spells…“ zu. Der Titelsong „We Walk Like Ghosts“ öffnet am Ende des Album noch eine andere Tür, könnte der Track auch als Soundtrack eines Tarantino-Films bestehen.

Es war also gut heute von Niklas und Ylva diesen Anstupser bekommen zu haben – hätte ich es doch glatt versäumt ins neue Album reinzuhören. Nur das Konzert kann ich nicht nachholen. Doch ich weiß This Year‘s Model kommen wieder – in ihre Labelheimat Hamburg. Vielleicht macht ihre Musik dann das, was sie eigentlich kann und sollte – den Tanzboden füllen.

Den Opener des neues Albums “We Walk Like Ghosts” verschenkt This Years Model auf ihrer Homepage:
mp3:This Years Model – No Miracles

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Lilla Anna

04 Mrz 2011
Anna Järvinen

Wovon träumst du, lilla Anna?

Ende März erscheint das dritte Album der Finnlandschwedin Anna Järvinen„Anna Själv Tredje“ (Anna Selbst die Dritte). Auf PSL gibt es heute und morgen eine Geschmacksprobe – ihr könnt das neue Video zu ihrer ersten  Single „Lilla Anna“ (Kleine Anna) sehen.

„Lilla Anna“ – ein luftig leichter Song, der Lust darauf macht mit dem Fahrrad durch blühende Landschaft zu fahren und den lauen Fahrtwind auf der Haut zu spüren – oder in einem großen Garten in einer Hängematte zu liegen und von einem niemals endenden Sommer zu träumen. Doch der Sommer kommt erst und mit ihm das neue Album von Anna Järvinen – davon träum ich.

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America

Last Days Of Aprils Hommage an ihr Lieblingsland

„Was treiben die Jungs eigentlich so?“ – habe ich mich gefragt als ich heute das brandneue Video zu Last Days Of Aprils letzter Single „America“ bei It‘s a Trap! gesehen habe. Diese streichelnde Slide-Gitarre und die sanfte Melancholie umgeben von XXXL-Fastfood – sofort war ich gefangen im „I can’t come back to you America, ‘cos it hurts too much to leave(…)“. Ich war noch nie da drüben, aber wenn Amerika nur ein bisschen so ist, wie sich dieser Song anfühlt, packe ich sogleich meine Koffer.

Ich hab sie immer mehr als gemocht, die Stockholmer Last Days Of April – ihren frischen, einfachen, ja so unschuldigen Pop, der äußerlich den blauen Himmel braucht und innerlich den grauen vertreibt. Vielleicht ist es mir deshalb entgangen – ihr aktuelles Studioalbum „Gooey“. Es erschien im Dezember letzten Jahres. Für Last Days Of Aprils quälend heitere Melancholie im Surf-Rock Gewand ein ungewöhnlicher Zeitpunkt – doch vielleicht genau richtig für alle, die Weihnachten am liebsten an kalifornischen Stränden verbringen wollen. Doch ungewöhnlich waren Last Days Of April von jeher. Sie pfeifen auf Trends und unbedingte Andersartigkeit – wie sympathisch.

Nicht nur der Song „America“ ist eine Hommage an das Lieblingsland der Band. Countryelemente, wie Slide-Gitarre und Banjo ziehen sich wie ein roter Faden durch „Gooey“. Auch gibt es Gastgesang von Evan Dando (Lemonheads) im Song „All The Same“ und Tegan Quin (Tegan And Sara) in „If (Don’t ever blame yourself)“. Wer die Stimmung von Last Days Of April mag und das Gequake von Karl Larsson aushält, braucht keine Angst vor „Gooey“ haben.  Die Strukturen sind altbacken und bekannt, doch hält es wach und hebt die Laune. Kann das schlecht sein an einem Tag wie heute?

Das neue Video zu Last Days Of Aprils Single “America”

Songs, die die Laune heben:
mp3:Last Days Of April – Hanging High (Might As Well Live, 2007)
mp3:Last Days Of April – Aspirins And Alcohol (Angel Youth, 2000)
mp3:Last Days Of April – All The Same (feat. Evan Dando) (Gooey, 2010)

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I took a knife and a wheelchair
‘Cause I won’t be back home for a while.
You said I’d want to be a doctor
But I don’t and I need to know why

Oh my God
Just folded and burnt like a parchment oh
Engraved like a star on the pavement oh
I believe in the past I believe in ghosts
In the songs I can write in the problems solved

I started bleeding in the desert
I’ve been shot in the back the night before
I’ll be lying on the railway
I’ll be saved when the city awakes

Oh my God
Just folded and burnt like a parchment oh
Engraved like a star on the pavement oh
I believe in the past I believe in ghosts
In the songs I can write in the problems solved
I just don’t remember what I say or do
And I almost forgot that you were here too

What I say or do
What I say or do
Oh you were here too

Das Album des französischen Duos Cocoon – “Where The Oceans End” – erscheint am 18.März auf Cooperative Music.

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Der Februar

01 Mrz 2011

Das war er nun – mein erster Monat bei Flattr – und die Ausbeute ist keine schlechte. Ich würde sogar behaupten, das sind die besten Euro 1,10, die ich bisher verdient habe. Von insgesamt 14 Artikeln habt ihr sechs gemocht und drei mal die ganze Seite “Mittsommernachtsspitzen”. Also, vielen Dank an alle, die mich im Februar geflattert haben! Oh je, klingt das unanständig?

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.