Gastbeitrag von Laika:

Als ich im März dieses Jahres in Malmö das erste Mal ein Bob Hund Konzert besuchte, war ich hingerissen. Es war das erste Mal, dass ich meine Helden live sah, das erste Mal diese Lieder gemeinsam mit hunderten von Menschen hörte und sang und mich noch mehr in jedes einzelne Lied verliebte. Da war es auch das erste Mal, dass ich “Stanna Klocka Stanna” (“Bleib stehen Uhr, bleib”) hörte, die erste Single von Bob Hunds im kommenden Februar erscheinenden Album.

Es klingt wie Bob Hunds Lieder klingen. Und es berührte mich beim ersten Hören und es berührt mich auch noch nach dem zwanzigsten. Wie immer. Gerne, gerne soll da die Uhr stehen bleiben und mich im Lied halten. Ich will da gar nicht weg, ich will gar nicht, dass das Lied aufhört. Das Video, ebenfalls im unverkennbaren Bob Hund Stil, konnte ich noch nicht in voller Schönheit genießen, denn, wie ärgerlich, ich habe gerade keine 3D-Brille zur Hand. Ja! Es hat einen 3D Special-Effect! Die Brille besorg ich mir aber noch, um mich wie beim Konzert im März zu fühlen, mit einem mitreißenden Thomas Öberg der mir sein Mikro ins Gesicht hält und zum Mitsingen auffordert (nein, so weit vorne stand ich dann doch nicht…leider).

Single und Video erschienen am 21. September. Die Single kann man bei den üblichen Verdächtigen digital erwerben.


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Letztens sah ich im TV mal wieder den Jack Wolfskin Werbespot. Schon länger störe ich mich daran, dass dort nicht mehr das Original des Songs „Devil In The Details“ von The Walkabouts läuft, sondern eine Coverversion. Was ist geschehen? Haben The Walkabouts die Rechte an dem Song an Jack Wolfskin abgetreten? Ein fehlender Musikquellenverweis im Spot lässt zumindest darauf schließen.

Meine Recherche im Internet führte mich nicht zu den neuen Interpreten von „Devil In The Details“, doch zu dem zauberhaften Duett zweier begnadeter Sänger: „Travelling Light“. Die reifen, sinnlichen Stimmen der Walkabouts-Sängerin Carla Torgerson und des Tindersticks-Frontmann Stuart A. Staples können hier nicht schöner harmonieren.

Länger schon wollte ich mich mit Tindersticks auseinander setzen. Wenn immer ich sie irgendwo höre oder gar live sehe, bereue ich es sie nicht besser zu kennen. Diese Musik und diese Stimme muss man einfach aufsaugen. Die Single „Travelling Light“ erschien auf Tindersticks zweitem, selbstbetitelten Album von 1995.

Schauen:


Tindersticks – Travelling Light von lukassette

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gemacht für die Ewigkeit: Slowdives "Just For A Day"

Da ist es wieder: dieses kaum Aushalten können vor Schönheit. Das Engegefühl in der Brust, der Kloß im Hals, der die Luft zum Atmen so sehr abschnürt. Tränen suchen sich ihren Weg aus den Augen, fließen über Wangen, Mund, tropfen ins Dekolleté. Wie quälend schön sind diese Synthesizerteppiche, diese lieblich traurigen Gesänge. Dieses heiße Anschwellen der Gitarrensounds in “Catch The Breeze”: ”…hey are you feeling something new?…”

Einige Jahre ist es her, dass ich Slowdives Debutalbum “Just For A Day” das letzte Mal hörte. Heute stelle ich mit süßem Schmerz in der Brust fest, dass es nichts von seiner betörenden Wirkungskraft verloren hat. Der Schmerz wird nunmehr gefüttert von Erinnerungen. Erinnerungen, die mitunter 20 Jahre alt sind. Für wie viele Menschen war dieses Album ein Rettungsanker auf der stürmischen See der Gefühle, ein Licht in so manch dunkler Nacht? Eine tröstende, wenn auch schwere Decke? Wie Blei lag die Magie dieses Werkes oft auf unserer Seele. Doch spiegelte es nur unsere Melancholie – war und ist zuhause.

All das begann mit einem Trick. Slowdive tourte im Sommer 1991 mit den Songs ihrer 3 EPs. Neil Halstead – Sänger, Gitarrist und Songwriter der Shoegaze-Band aus Reading – erzählte Alan McGee von Creation Records Slowdive hätte genug Songs für ein Debutalbum. In Wirklichkeit war dies nicht der Fall. Die Band hatte nicht einen einzigen neuen Song, durfte jedoch auf Kosten von Creation ins Studio. Der ganze Prozess des Songwritings verlagerte sich auf mehrere Wochen Tonstudio inklusive harten Cannabiskonsums.

Das im Rausch von 6 Wochen produzierte Debut der Dreampopper wurde am 2.September 1991, vor genau 20 Jahren, veröffentlicht und rutschte tatsächlich in die Top10 der UK Indie Charts. Geliebt wurde das schwermütige Werk von den Kritikern trotzdem nicht. Es wurde als Gegenschlag zum aktuellen Shoegazetrend verrissen und als ideenlos und düster hingestellt. Ein Schicksal, welches sich alle Alben von Slowdive teilen mussten. Zu unrecht. „Just For A Day“ kann nur als gute Kinderstube ihres folgenden Werkes „Souvlaki“ gelten und findet in „Pygmalion“ seine Vollkommenheit.

Slowdive 1991 - das Girl ist Bassistin & Sängerin Rachel Goswell. Der Typ ganz rechts Frontmann Neil Halstead

Keinem Liebhaber des Dreampop bleibt der Zugang zu “Just For A Day” verwehrt. Wir glühen mit der schweren Hitze des Openers “Spanish Air”.“Celias Dream” ist der schönste Traum, den wir träumen können. “Waves” und “Brighter” lassen uns im blendenden Glitzern der Wellen auf das weite Meer hinaustreiben. Wir verirren uns – so gewollt. Werden immer kleiner, verlieren uns – so gewollt.

Hypnotisierend umkreist Rachel Goswells zarte Stimme, den knabenhaft reinen Gesang von Neil Halstead im letzten Song “Primal”. Wie unschuldig wird er zerdrückt, von einer Macht, die er nicht besiegen kann. “…I can’t believe, it scares me, can’t believe…” Niemals zuvor haben zwei Stimmen so gänzlich harmoniert, wie diese beiden, sowohl bei Slowdive als auch bei der aktuellen Band Mojave3. Als wären sie ein Liebespaar, dass nicht zueinander finden kann, voller Sehnsucht und Herzeleid.

Die Musik von Slowdive, so auch ihr Debut “Just For A Day” ist für Melancholiker gemacht. Kaum anders lassen sich diese von Schmalz triefenden, wehleidigen Songs ertragen. Leiden muss man lieben, weil Liebe Leid niemals ausschließt. Weil die Liebe nicht unendlich ist, wir uns im Moment des größten Glücks ihrer Vergänglichkeit bewusst sind. “Love, just for a day…”

Heute nach 20 Jahren kann ich mich nur für all die Momente, die ich mit dieser Platte und auch mit dieser Band verbinde, bedanken. “Just For A Day”, ein Album für die Ewigkeit gemacht. Nicht immer zu hören, doch all die Jahre immer wieder einmal.

Lauschen:

Slowdive – Primal

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Slowdive – Celia’s Dream

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.