Thåström live 2006

Der schwedische Rockmusiker Joakim Thåström gibt das erste Mal ein Konzert in Berlin. Am Mittwoch den 18. Juli spielt der Mann mit der rauchigen Stimme ab 21 Uhr im Postbahnhof am Ostbahnhof.

Als ich Thåström 2008 das erste Mal live in Göteborg gesehen habe, nahm ich ihn erst gar nicht wirklich wahr. Bis dieser eine Song kam „Fanfanfan“. Wow, diese Melodie, diese Melancholie brannte sich sofort in mein Herz ein. Ich wusste gar nicht was er dort singt, bis meine schwedische Begleitung mir den Text übersetzte. Das gab mir den Rest und machte diesen Song für ewig zu etwas Besonderem. Doch viele Leute im Publikum waren auch enttäuscht. Nicht weil Thåström so schlecht gespielt hat – er war grandios – sondern weil er im Vorprogramm von Kent spielte. Viele meinten es hätte genau umgekehrt sein müssen, und vielleicht ist das auch so. Joakim Thåström ist das Urgestein des schwedischen Rock, wird verehrt und geachtet. Er hat sich schon das Herz aus dem Leib gesungen als Joakim Berg sich fast noch in die Hosen geschissen hat.

Mitte bis Ende der Siebziger überschwemmte Punkrock Europa wie ein Tsunami. Auf einer Party in der Stockholmer Arbeiterklasse-Vorstadt Rågsved gründete Joakim Thåström (damals zwanzigjährig) im Dezember 1977 zusammen mit zwei Kumpels die Band The Haters. Kurze Zeit später wurde daraus Ebba Grön – Schwedens legendäre Punkband. Ebba Grön veröffentlichte bis 1982 drei Alben. Ihr Debut „We‘re only in it for the drugs“ ist eine Anspielung auf Frank Zappas Album „We‘re only in it for the money“. Auch Abba mussten unter Ebba Gröns Bissigkeit leiden. 1982 erschien der Film „EBBA – The Movie“.

Sozial- und systemkritisch ist Joakim Thåström auch nach seiner Zeit mit Ebba Grön geblieben. Mit einem modernerem Sound und für das Publikum leicht zugänglichen Texten, wurde seine Band Imperiet in den Achtzigern zu einer der wichtigsten Bands in Schweden. Eine weitere Schaffensperiode stellt seine Zeit in den Niederlanden dar. Er brauchte Abstand von seinem Heimatland Schweden und zog nach Amsterdam. Dort arbeitete er von 1992 bis 1997 an dem Projekt Peace Love & Pitbulls (PLP). PLP war stark von Industrial der Achtziger Jahre beeinflusst.

Das schwedische Publikum lechzte nach einem neuen Rockalbum. 1999 kehrte Thåström zurück zu seinen Wurzeln – Schweden und dem Rock. 2005 veröffentlicht er “Skebokvarnsv. 209″ – sein persönlichstes Album mit sehr sensiblen Texten. Er schlägt Kapitel aus seinem eigenen Leben auf und gewährt tiefe Einblicke in sein Selbst. Von diesem Album stammt auch der wundervolle Song „Fanfanfan“ (Verdammt, verdammt, verdammt). Dieses Album braucht nicht viel – nur eine Akustikgitarre und Thåströms markante, raue Stimme.

Thåström "Bevapna dig med vingar"

Cover des aktuellen Albums "Bevapna dig med vingar"

Kürzlich erschien sein bereits siebtes Soloalbum „Bevapna dig med vingar“ (Bewaffne dich mit Flügeln). In Schweden war er damit bereits auf Tour. Die Erlöse aus dem Merchandise wurden gespendet um Obdachlosen in Schweden zu helfen. Echt Klasse! Nun kommt Thåström das erste Mal nach Berlin und ich bin echt aufgeregt und freue mich sehr auf das Konzert. Habe ich mich doch jüngst und auch im letzten Jahr darüber geärgert, dass ich nicht zu einem seiner Konzerte fahren konnte. Sein Besuch hier in Berlin ist eine Ehre. Und es wird sicherlich ein Abend, den man nicht vergessen wird.

Der Titelsong vom aktuellen Album “Bevapna dig med vingar” live

Lauschen:

Thåström – Fanfanfan

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