Slowdive live in Singapur, Juli 2014 (Foto: Maria Clare Khoo)

In genau einem Monat habe ich Geburtstag. Dann bin ich schon in New York City, genieße meinen Tag und freue mich auf den nächsten. Dann kann ich endlich nicht mehr meinen Lieblingsspruch anbringen: „Bei den wichtigsten Ereignissen in meinem Leben, war ich nie dabei!“ Nein, dann werde ich sie endlich sehen, meine Band feiern. Slowdive. Vor fast 20 Jahren haben sie sich aufgelöst, nachdem ihr Album „Pygmalion“ scheiterte. Mein Album, das ganz oben, unantastbar, auf einem himmlischen Sockel steht. Die “Just For A Day” habe ich das erste Mal gehört, als ich den ersten schlimmen Liebeskummer in meinem Leben hatte. Ich würde heute behaupten, dass diese Platte damals mein Leben gerettet hat. Sicher auch das vieler anderer. Ihr da draußen, ihr wisst, was ich meine. Neu verliebt habe ich mich dann in Neils Stimme. “Alison”, der erste Song der “Souvlaki”. Niemals sang ein Mann schöner! Meine kindliche Vorfreude auf diesen Tag ist unbeschreiblich. Ein langersehnter Traum, den ich nach Slowdives Auflösung niemals zu träumen gewagt hätte, wird wahr. Vergleichbar ist sie fast nur mit meiner gespannten Erwartung auf Weihnachten 1987. Da habe ich mein erstes Paar schneeweißer Schlittschuhe geschenkt bekommen. Wunderbar war dieser Advent.

Die wunderbare Rachel Goswell mit Tamburin / Primavera Sound, Barcelona 2014

Ich habe mich ein wenig geärgert, dass ich Slowdive nicht, wie einige Freunde von mir, auf dem Primavera Sound Festival in Barcelona sehen konnte. Laut Erzählungen war es ganz fantastisch, was dieser Konzertmittschnitt von ARTE auch beweißt. Neil Halstead singt den alten Slowdive-Song „When The Sun Hits“ so erdig, als würde er ein Stück von seinen Soloalben spielen. Rachel Goswell sieht noch schöner aus als zu alten Slowdive-Tagen. Was habe ich euch vermisst. Ein paar Tränen kullern mir über die Wangen, wenn ich die süße Rachel, dort lächelnd auf der Bühne eine Coverversion von Syd Barretts “Golden Hair” singen sehe, während die Jungs dazu diesen flirrenden Teppich aus Gitarrensounds weben. Meine Begleitung wird mir beim Konzert nach jedem Song ein Papiertaschentuch reichen müssen, denn ich werde tausend kleine Tode sterben. “Catch me if I fall…” Danach werde ich aussehen, wie Alice Cooper. Aber egal. Slowdive, from now on I‘m counting down the days! Bis bald im Terminal 5! Shoegazergirl wird ihr schönstes Kleid anziehen, einen Old Fashioned trinken und euch zuprosten!

Auch diesen ganz wundervollen Konzertmitschnitt müsst ihr euch anhören und ansehen:

SLOWDIVE – FESTIVAL LA ROUTE DU ROCK 2014

Neils Effektboard bringt mich noch immer zum Staunen

Schauen: Auf dem Reeperbahn Festival habe ich ein Mädel kennen gelernt, dass dieses Video von “Machine Gun” auf dem Primavera aufgenommen hat. Ganz gut für mit Mobile.

Lauschen:

Slowdive – Some Velvet Morning

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Slowdive – Blue Skied An’ Clear

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Amazing Blazing Jenny Wilson / Hamburg Reeperbahn Festival

Sara Wilson spielt auf ihrer Guild /Hamburg Reeperbahn Festival Knust 19.09.2014

Die Schwestern, die zaubern - Sara Wilson und Jenny Wilson

Vom Oktoberfest geflohen, habe ich am Wochenende mein wunderschönes Hamburg besucht. Es war herrlich, alte Freunde zu treffen und wir hatten Spaß auf der Reeperbahn. Nach langer Zeit des Satthabens von Musik überhaupt und back to the roots, habe ich mich am meisten darüber gefreut, die schwedische Singer-Songwriterin Jenny Wilson zu sehen. Doch offensichtlich hielt sich die Vorfreude der Reeperbahn Festival-Besucher in Grenzen. Als wir im Knust ankamen, waren wir nahezu die einzigen, die dort auf Jenny warteten. Nach einem Jägermeister auf die Liebe, war es kein großer Akt, sich durch die Luft in die erste Reihe vorzukämpfen. Punkt Mitternacht ging es los und Jennys Schwester Sara Wilson spielte die ersten warmen Akkorde auf ihrer Guild-Gitarre. Hab mich gefreut, dass sie mich erkannt, angegrinst und mir zugewunken hat.

Als Jenny raus kam, sah sie in ihrem wirklich coolen Outfit aus, wie eine schwarze Hip-Hop-Sängerin aus der Bronx. Ihre Songs enthielten eine Menge politische Statements, die sie gebetshaft vorgetragen hat, halb im Gesang, halb rufend. Ihre Musik klingt exotisch. Unverwechselbar eigensinnig. Trotz des kleinen Publikums, lieferten die beiden Wilson-Schwestern eine souveräne Show ab und hatten sichtlich Spaß an ihrer Musik. Jenny war ganz zauberhaft, hat sich entschuldigt, dass ihre Stimme etwas angeschlagen ist, wegen einer Erkältung, aber sie glücklich sei, hier zu spielen. Zu danken haben wir! Die Interaktion mit dem Publikum war schwierig für Jenny. Die trägen Leute kamen nicht wirklich in die Gänge und sie musste jede Regung aus ihnen heraus kitzeln. Aber Jenny ist da ganz Profi: Demand The Impossible!

"Pickelface is back in Town" oder "Wenn Jean-Luc Godard ein iPhone hätte"

Schauen: Jenny Wilson – Pyramids (live Nyhetsmorgon)

Jenny Wilsons letztes Album “Demand The Impossible!” erschien am 6. November 2013. Das Album entstand 2012 während Jennys Krebsbehandlung. Eine echte Powerfrau! Es ist ihr drittes Studioalbum. Jenny und Sara Wilson spielten früher in der gemeinsamen Band First Floor Power.

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Die neue Scheibe von Interpol: "El Pintor"

Anfang der 2000er Jahre schossen gitarrenlastige Neo Post-Punk Bands in New York City wie Pilze aus dem Boden. Eine der erfolgreichsten und charismatischsten unter ihnen ist Interpol. Ihr eigenwilliger Sound erinnerte nur anfänglich an die nordenglische New Wave Formation Joy Divison, ist in der gut fünfzehnjährigen Schaffenszeit jedoch zu etwas unverwechselbar Coolem avanciert. Das neue, fünfte Studioalbum „El Pintor”, ein Anagramm zu Interpol, hört sich an, wie am Polarkreis aufgenommen, malt eisige und zugleich feurige Landschaften. Paul Banks Stimme klirrt frostig, als hätte ihn seine Muse, die Schneekönigin, jüngst geküsst – einen Dolch aus Eis ins Herz gerammt.

„El Pintor“ auf den MP3-Player gepackt, laufe ich beim ersten Hören des Albums durch die polnische Ostseestadt Danzig. Über den treibenden, süchtig machenden Eröffnungstrack „All The Rage Back Home“ habe ich mich neulich schon ausgiebig ausgelassen, daher starte gleich mit Track 2: „My Desire“. Dieser beginnt mit einer scharfen, bohrenden Gitarre, die sich in die Gehörgänge fräst. Sie erinnert mich unweigerlich an eine orientalische, üppige Tänzerin, die im Takt geschmeidig ihre Hüften bewegt, Begierden weckt. „In my desire, I‘m a frustrated man…“, singt Paul Banks jammerig, meckert vertraut, wie eine Bergziege, die es nicht schafft auf den nächsten Fels zu springen. „Gott, kann ich ihn erlösen!“, denke ich. Der blubbernde Bass rollt, wie die kleinen Wellen, den Fluss hinab, bringt mich vorbei an alten, zerfallenen Speichern und Fabriken, in Fließrichtung gen Meer. Die Stadt lichtet sich. Im Refrain kämpft Banks Gesang gegen scharfen, eisig schneidenden Wind an, bald erschöpft, als würde er, wie einst Roald Amundsen, auf dem Weg zum Südpol sein.

Danzig/ Gdansk Polen (Foto: Kevlarseele/Instagram)

Der nächste Track „Anywhere“ geht so richtig ab. Daniel Kesslers Gitarre überrascht uns mit einer erstaunlich frischen Hookline, führt uns in eine poppige Strophe, die zum Tanzen einlädt. Der Refrain ist jedoch nichts für Zartbesaitete. Hier entblösst sich unbeherrscht die widersprüchliche Gier nach Freiheit und Besitz. „The Ocean, I could go anywhere, I could go anywhere, so free, it‘s my nature to want, I could go anywhere…“ Sam Fogarinos straff gespieltes Schlagzeug peitscht einen fast brutal durch den Rest des Liedes, fordernd, aber auf ästhetischste Weise, mit ganz wundervollen Wirbeln. Schon hier verlangt das Album nach der Geschwindigkeit und Anonymität einer Metropole und ich wünschte, ich würde die Madison Avenue entlang laufen. Schnell, im Takt dieser bis ins Mark erschütternden Snaredrum, will ich mich beeindrucken lassen. Die gleiche Stadt, eine neue Geschichte.

„Same Town, New Story“ hätte auch gut als Opener des Albums funktioniert, nimmt uns sofort mit auf eine imaginäre Reise. Als Start für eines der kommenden Interpol-Konzerte sollte es aber seinen Platz ganz vorn finden. Alle einzelnen Signale sind klar und für sich wahrzunehmen. Banks prägnanter Gesang, die einzelne, blinkende E-Gitarre, der pochende Bass, der mich warm umschließt, das schwere Schlagzeug. Ein Geschenk für den Regelschieber am Mischpult. Interpols Texte konnte ich nie in ihrer Gesamtheit begreifen. Doch mag ich es, wenn Banks Geschichten über Männer und Frauen erzählt und die Abgründe, in die sie sich begeben. „How many bones were lost? he just had to play his hand, what is a womans duty? she was always tougher than… she said: Who‘s gonna save that from you? who‘s gonna save that from you?“, ruft Banks klagend. Schon läuft ein eiskalter Schauer über meinen Rücken. Während des innehaltenden C-Teils haben “El Pintor” und ich unsere erste erotische Begegnung. Er pulsiert warm und klar, schärft das Bewusstsein in einem Moment der Innigkeit für das, was man will….“and then she’ll sulk slowly…”

„My Blue Supreme“ ist ja wohl der genialste Song den Interpol jemals geschrieben haben, meiner Meinung nach ihr Meisterstück. Er ist knackig mit knapp drei Minuten, folgt keiner klassischen Songstruktur. Die Stimmungen wechseln rasch. Oft sind es Fragmente, die etwas in mir berühren, eine Brücke ins eigene Leben schlagen. Hier ist es in der Tat die Brigde, die mir kleine Nadeln ins Herz sticht: „When love comes, honey, take it, only one in a hundred make it, we fake until there‘s nothing to fake… When love comes, honey, show it, so many of us growling, this kind of shit don‘t heal in a week…“ Wie heilsam wirkt da der Refrain, der so breit wie das blaue Himmelszelt über allem steht, hineinstrahlt ins Herz, trotz all der melodischen Melancholie. Wird Paul Banks heller Kopfstimmengesang in der Strophe noch durch die zischende Hi-Hat zerhackt, reißt sein eindringlicher Gesang den Refrain gewaltsam auf, wird unterstützt durch den Chor der Boys in Anzügen: „Cruising in my blue supreme, cruising in my blue supreme, is someone there I‘m dying to be, nothing ever comes for free, cruising in my blue supreme…“ Ja! Man kann sich ruhig eine Weile baden in diesen romantisch traurigen Gitarrensphären.

Folgen einem strikten Dresscode: Interpol v.l. Daniel Kessler, Sam Fogarino und Paul Banks.

Dann kommt die Diskopop-Nummer schlechthin, ich will tanzen! Mein Herz freut sich. Oh ja! „Everything Is Wrong“? – nicht an diesem Track. Dieser groovige Basslauf ist einfach Wahnsinn, versetzt den Körper in magische Schwingung. Wer greift jetzt eigentlich für Carlos D. in die dicken vier Seiten? Ich vermisse ihn zumindest bei diesem Floorfiller kein bisschen. Und erst diese schimmernde Gitarre. Sie glitzert als würden kleine Eiskristalle den Sonnenstrahl reflektieren. Brilliant, und sexy. Das darf man nicht unterschlagen. Diesen Refrain kann man bis zur Ekstase hören: „Everything is wrong, wrong, everything is wrong, all we have is time, but my heart is going wrong…“

„Breaker 1“ ist das geheimnisvollste Stück des Albums. Es wirkt meditativ, fast beschwörerisch. „Come back, come back, I‘m the warning, come back, come back, breaker one“ – wie psychedelisch. Grandioserweise gibt es sogar einen Hauch Shoegaze auf „El Pintor“. „Ancient Ways“ hat genau mein Tempo. Das schnelle Raveschlagzeug erinnert an Nummern von Ride, Kitchens Of Distiction und Curve. Da schlägt auch mein Herz gleich wieder so, wie es soll: Schneller, stolpert, bekommt Rhythmusstörungen. Die schrammeligen, lauten Gitarren imponieren mir. Hier hört man ganz deutlich, dass Alan Moulder gezaubert hat. Die Richtung, die Interpol hier einschlagen, gefällt mir ausgesprochen gut. „Uuuuhuuuh, fuck the ancient ways!“

Jeder Song eine absolute Granate, spricht ausgerechnet der letzte Track des Albums „Twice As Hard“ mich so gar nicht an und ist, nun ja, hart zu nehmen. Er hat eine Schwere und Dramatik, die mich nicht berührt, wirkt viel zu getragen und aufgeblasen. Er fängt sogar nach zwei Minuten, extrem an zu nerven. Es ist nicht so, dass ich ihm keine Chance gegeben habe. Ich muss sogar feststellen – es waren zu viele. Das malerische „Tidal Wave“ wäre ein gelungener Abschluss gewesen. Es bringt endlich die langersehnte Erschöpfung. Man sitzt am Meeresrand, schaut auf den Horizont, beobachtet, wie die Gischt des Meeres näher und näher kommt, die steigende Flut uns überschwemmt, mitreißt in die Unendlichkeit. Aber es hindert mich ja nichts daran, an dieser Stelle auf Stop zu drücken – außer mein Rausch.

Schauen: Interpol sprechen über die Entstehung von “El Pintor”

Fazit: Interpols Musik hat von je her eine hohe erotische Ausstrahlung auf mich gehabt. Auch wenn die Songs wenig Sanftes, Zärtliches, nichts Weibliches besitzen, konnte und kann ich meinen Reiz in all dem Testosteronüberschuss finden. „El Pintor“ besitzt ein sexuelles Feuer, dessen Strahlkraft an Unbeschreiblichkeit grenzt und mir restlos den Kopf verdreht, mich in den erwarteten Langzeitrausch versetzt. Diese fantasievollen, üppigen Gitarrenklänge, gepaart mit einer hohen Dynamik – sei es Banks Gesang oder die unerschöpflich gespielten Drums – wirken wie ein Kraftspender in Zeiten des Umbruchs, wecken Bewegungsbereitschaft und sei es nur „for a night out“, um so richtig einen drauf zu machen. Die Bassläufe sind, trotz des Ausstiegs von Carlos D., energetisch und homogen – wärmen von innen. Es brodelt Lava unter all dem Eis. Ehrlich gesagt, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass „El Pintor“ wirklich so gut ist. Kann sein, dass Interpol hier sogar ihren Zenit erreichen. Ich spüre es fast. Genialer kann ein Album nicht sein. Dank sei auch Alan Moulder, meinem Lieblingsklangkünstler und Ehemann von Toni Halliday (Curve), der all den Tracks einen so herrlich unwirklichen Sound verleiht. Ich kann mich nur noch restlos auf das Konzert am 4. Februar in Berlin freuen. Bald, bald!

Schauen: Interpol – Anywhere ( live at Glastenbury 2014)

“El Pintor” erschien am 5. September 2014 auf dem Label Soft Limit. Aufgenommen wurden die Songs in den Electric Lady Studios sowie im Atomic Sound in NYC. Geschrieben und produziert wurde das Album von Interpol. Gemixt hat Alan Moulder.

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Video still Nina Persson "Heat"

Gestern Abend habe ich mich mit Laptop, Kopfhörern, Zigarette und einem guten Schluck Roséwein auf der Dachterasse positioniert. Ich wollte die passende Atmosphäre schaffen, um diesen Song „Heat“ der schwedischen Band Brothers Of End zu hören. Es war mir von Vornherein klar, dass er Platz braucht zum Atmen. Weite, Zwielicht. Ein Duett ist immer ein Dialog zweier Liebenden. Und ich möchte genau lauschen, offen sein für jedes ausgehauchte Gefühl.

Ich zünde die Zigarette an, drücke auf Play, und mit den ersten warmen Akkorden einer Orgel mit hammondähnlichem Sound, schaue ich auf den großen, klaren, wachsenden Mond. Erika Roséns zarte Gitarrenklänge vereinen sich mit Lars-Olof Johanssons (Lasse) zerbrechlicher Stimme. „You taught me how to kiss, when we where kids, now you come knocking at my door, after all these years…“ Das sitzt.

Dann bricht Nina Perssons herzzereißender Gesang herein. Kleine, eiskalte Ameisen laufen über meinen Rücken. Es prickelt wie Champagner auf meiner Haut. Ich habe darauf gewartet. „Just beneath the bridge, where we used to dance, we got drunk on cheap champagne, then I gave you head…“ So sinnlich und romantisch kann nur Nina eine Vulgarität singen. Das wissen wir spätestens seit: „Come be my man, baby bang with me..“ (Animal Heart)

„You say I‘m destined to be lonely, but I say free, maybe the heat is leaking out, but the sun is shining in…“ antwortet Lasse. Dann ergiesst sich wundersam mystisch – schwelgerisch – der ganze Orgasmus auf das nächtliche Kleid aus schwarzblauem Samt. Schimmernd im Lichte des weißen Mondes. Wunderschönste, zarte, aus Lungen über Kehlköpfe ausströmende Uuuuuhuuuuuhuuuuuuhs. Organisch – frisch aus dem heißen Blutkreislauf. Nina, Lasse, Erika, Mattias, Bengt – sie alle stimmen mit ein.

Lasses unheilvoll trauriger Blick - Video still "Heat"

Nina: „You came inside of me, and then you lied, about how much I meant to you and how you cried“ Es gewittert. Die Hitze trifft auf kalte Luft. Während ich mich in diese paralysierenden Klänge reinknie, wirbelt Bengt Lagerbergs federleichtes Schlagzeugspiel die Luft auf. Die kleinen Härchen auf meinen Armen richten sich auf, als würde man sie sanft anpusten. Die Zeit läuft langsamer als mein Herzschlag.

Hier begegnen sich zwei Menschen nach langer Zeit wieder. Hier muss noch etwas erledigt werden. Sei es der wieder vereinigende Liebesakt oder der gemeinsame Suizid, sinnbildlich gemeint oder tatsächlich vollzogen. Lasse singt: „I kept the gun you asked me to throw away, and every minute since you left, I have awaited this“

„You say I was destined to be lonely, but now I‘m free, and as the heat is leaking out, the sun is shining in…“ Ich habe Ninas Stimme selten so klar und ehrlich wahrgenommen. Etwas Altes scheint zu vergehen und etwas Neues scheint zu beginnen. Doch es ist gibt keinen Anfang und auch kein Ende. Hier hat sich eine Zwillingsseele gefunden, die jetzt frei sein kann. In der Liebe und im Tod. Im Clip wird dies verdeutlicht durch die beiden identischen Kleider, die Nina und Lasse tragen. Auch singen sie dort die jeweiligen Parts des anderen. Sie wirken wie versteinert, all sei dies der Moment in dem die Wärme des Lebens aus ihren Körpern schwindet – das Licht der anderen Seite von ihnen Besitz ergreift.

Während Nina ihre letzten Worte ausgesungen hat, bekomme ich in der Tat noch einen kleinen Schwächeanfall ob all dieser Schönheit. Dieses einzelne ausgestoßene  „Uuuuuuuuuuuh“ von Erika haut mich total um. Sie singt engelsgleich. Alles ergiesst sich erneut in einen ungeahnten Kosmos. Gleitet davon, wie das Leben. Manchmal. Dann ertränkt Regen die schwarzblaue Nacht.

Brothers of End – featuring Nina Persson – Heat from Brothers of End on Vimeo.

Das Video stammt, wie auch Nina Perssons “Food For The Beast”, vom Malmöer Kreativbüro Top Dollar. Tomas Melinder hatte hier wieder sein magisches Auge eingesetzt. Herrlich.

“Heat” ist die zweite Single von Brothers Of Ends neuem Album “Shakers Love”. Dazu schreibe ich noch was, doch erst mal muss ich diesen Song verdauen.

Ach und bevor ich es vergesse: Alles Liebe zum 40. Geburtstag Nina! Stort Grattis!

Lauschen:

Brothers Of End – “Heat”

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.