Kom och möt mig på vänstra stranden, en vit ros i din hand (Komm und treff mich am Strand auf der linken Seite, eine weisse Rose in deiner Hand)

Als ich die „Då som nu för alltid“ das erste mal gehört habe, musste ich „Den vänstra stranden“ nach der ersten Strophe skippen. So schmalzig und langweilig kommt dieser Song daher. Für die Rezension musste ich mich sehr bemühen bis zum Ende durchzuhalten und echt überlegen, ob es überhaupt was gutes an dem Track gibt. Der Text ist zumindest wunderschön romantisch. Handelt von einer sehr alten vergangenen Liebe, der man scheinbar noch immer hinterher hängt und hätte eine angemessenere Einbettung verdient.

Der C-Teil ist in der Tat ganz groovig und macht Spaß, passt aber so gar nicht zum Rest der Komposition. In Strophe und Refrain treffen Enya, Michael Cretu und besternfalls Take That aufeinander und da kann ich mich so gar nicht drin wieder finden. An meiner Wand hing nie ein New Age Poster. Wirklich die schlechteste Komposition und der Tiefpunkt des Albums. Kann also nur bergauf gehen.

Fortsetzung folgt…

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Kent (v.l. Jocke Berg, Martin Sköld, Sami Sirviö und Markus Mustonen)

Der dritte Track eines Albums hat häufig eine Schlüsselfunktion. Ist etwas besonderes für die Band. „Vi är för alltid“ ist hier der Titelsong des Albums und wird dem nicht unbedingt gerecht. Die Melodie ist fad, der Gesang wenig prägnant und der Refrain zu ironisch. Hier kann man irgendwie nichts und niemand Ernst nehmen und soll man glaube ich auch nicht.

„Dom kommer sjunga sånger om oss, Vi är för alltid, Dom kommer göra filmer om oss, Vi är för alltid…“ (Sie werden Lieder über uns singen, Wir sind für immer, Sie werden Filme über uns machen, Wir sind für immer…) Hier spiegelt sich das schwedische Nationaltrauma wieder, etwas darzustellen, von Bedeutung zu sein, einen wichtigen Platz in der Welt zu haben. Doch Jocke Berg weiß zu gut, dass sein Land sich in Gewöhnlichkeit und Tristheit verliert, dem Konformitätsdruck unterliegt.

Find ich persönlich schade, denn den Albumtitel an sich finde ich nicht ironisch. Kent wollen sich schon gebührend von uns verabschieden und das gelingt ihnen auch. Es gibt Songs auf der „Då som nu för alltid“, die einem Denkmal gleich kommen, jedoch man muss sich vorerst durch die erste Hälfte des Albums kämpfen.

Sparen können hätte man sich in „Vi är för alltid“ auch den anschwellenden C-Teil, der zu nichts hinführt außer, dass an seinem Ende ein Sack Kartoffeln auf der Snaredrum ausgeschüttelt wird. Ganz hübsch ist jedoch Sami Sirviös sommerliche Gitarre. Sie gibt dem Song eine gewisse Leichtigkeit und Erträglichkeit und erinnert an das hitzige Gefühl von „En plats i solen“.

Fortsetzung folgt…

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Zinnsoldaten zierten einst Kents Single "Töntarna" vom Album "Röd" (2009)

In „Tennsoldater“ (Zinnsoldaten), dem zweiten Track der „Då som nu för alltid“, setzen Kent ihren gewohnten, tanzbaren Elektropop der letzten Jahre fort, der mit der „Tillbaka till Samtiden“ vor neun Jahren so schön begann. Die ersten Takte und Beats klingen alles andere als kalt, sondern pulsieren synchron mit meinem eigenen Herzschlag.

Jockes Stimme hingegen klingt kühl, durch den minimalen Vocoder sogar distanziert. Resigniert. Hier wird nicht mehr gekämpft. Es liegen nur noch Verletzte auf dem Schlachtfeld. Und doch schwingt niemand die weiße Flagge. Die Schlacht muss weiter gehen, bis keine Zinnsoldaten mehr stehen.

Die Liebe war einst groß – offen die Herzen. Offen für Verletzungen. Doch waren diese zu groß? Was hat uns zu Monstern gemacht? Was hat uns den Hass gebracht? „Vi hukar oss och väntar på slaget, (och du säger) ”men det är bara ord”, Men hat är hat, Vem som än håller i vapnet…“ (Wir ducken uns und warten auf den Schlag, (und du sagst) “Aber es sind doch nur Worte“, Aber Hass ist Hass, Wer auch immer die Waffe hält…)

Oder kämpft hier alleine die Liebe gegen den Verstand? Fühlt es was es nicht fühlen soll? Für etwas, für jemand, das, der, die mir nicht gut tut? Begierde? Leidenschaft? „Jag kan inte lura mitt hjärta, Hur gärna jag än vill, Kan jag inte lura mitt hjärta…“ (Ich kann mein Herz nicht täuschen, Wie gerne ich es auch möchte, Kann ich mein Herz nicht täuschen…) Dieser Refrain ist so ehrlich, hat eine bei Kent erstmals hörbare erotische Spannung. Wer oder was kann hier nicht von wem lassen? (rör mig! Berör mig!) – Ich muss mich bewegen, muss tanzen! HA! Mein Herz, es hat mich erwischt.

Fortsetzung folgt…

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Andromeda

01 Jun 2016

Kent benannten den Opener von „Då som nu för alltid“ nach "Andromeda" aus der griechischen Mythologie, die sich heute als Galaxie und Sternbild am nächtlichen Himmel findet.

„Då som nu för alltid“ beginnt seltsamerweise ähnlich wie die „Tillbaka till Samtiden“ (2008) mit einem kurzen, elektronischen Sample. Kurz darauf folgt Heimat: Jockes vertraute, so sanfte, erzählende Stimme. „Hjärtat blir aldrig fullt, En livstid ska få plats där…“ (Das Herz wird nie voll, Eine Lebenszeit bekommt dort Platz…) Das sitzt schon mal, ist so fühlbar. Auch mein Herz wird niemals voll, wird es auch in tausend Stücke zerrissen. Es wird weiter gefüllt werden, mit Glück, Abschied, Schmerz und Trauer, bis es draussen in der kühlen Nacht von der Unendlichkeit verschlungen wird – vom Lichte Andromedas.

Jocke Berg in “Andromeda”, bereits im Auftakt eines Albums, über seine Kindheit reflektieren zu hören, hinterlässt einen besonderen Eindruck in mir. Schafft bereits mit den ersten Takten und Worten einen Moment starker Verbundenheit. Das gesamte Arrangement strahlt eine kosmische Klarheit aus. „Mitt hjärta är ditt land nu, Inget är förbjudet här, Inga gränser ingen mur, Ser du ljuset från Andromeda…“ (Mein Herz ist nun dein Land, Nichts ist hier verboten, Keine Grenzen, keine Mauer, Siehst du das Licht Andromedas…) Ob Jocke weiß, wie unendlich viel größer diese Zeilen für jemanden wie mich sein müssen? Aufgewachsen in einem Land umgeben von Stacheldraht, welches nur noch in Geschichtsbüchern existiert und in den Erinnerungen meiner Kindheit.

Ein Donnerschlag. Schlagzeug, Gitarre und Bass bilden eine bedrohliche Einheit. Und plötzlich. Da ist er endlich wieder – der Kinderchor (Jockes alter Ego, unser Alter Ego) – zerrt an der Seele, erinnert Jocke, mich, uns daran, wer wir damals waren, wer wir heute sind. Wie wir aufgewachsen sind und heute leben. „Vi var kids (just kids), Vi var småbarn, Vi var kids (just kids), I en spökstad…“ (Wir waren Kids (just Kids), Wir waren Kleinkinder, Wir waren Kids (just Kids), In einer Geisterstadt…) Erinnerungen spielen sich vor meinem geistigen Auge ab, wunderbare – grausame. Aber ich bereue nichts von dem, was ich getan habe – nicht mehr.

Im C-Teil säuselt Jocke mir ganz leise ins Ohr. „Säg vad tänker du på? Jag vet hur långt du kan gå, Som ljuset från Andromeda…“ (Sag an was denkst du? Ich weiß wie weit du gehen kannst, wie das Licht von Andromeda…) Komm mit! Komm mit in die Vergangenheit! Und so gehe ich in Gedanken dorthin zurück, Hand in Hand mit der kleinen Sandra. Eine neue Art Frieden mit mir zu schließen, mich selbst zu umarmen. Wir wussten es nicht besser…

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.