Sonntag 17. August 2014

von Sandra Duvander

Cover von Kents aktueller Single "Var är vi nu?"

In genau dieser Nacht vor drei Jahren hatte ich einen Traum. Ich sah meine Tante in ihrer alten Wohnung zusammen mit ihrem Sohn gemeinsam auf dem Sofa sitzen. Ein Ausdruck von Innigkeit und Zufriedenheit lag auf den Gesichtern der beiden. Ich wusste: Alles ist gut. Sie haben sich wieder gefunden.

In dieser Nacht, vor genau drei Jahren, starb meine Tante. Lange litt sie an Krebs. Kämpfe hart, von Operation zu Operation, Chemotherapie zu Chemotherapie, viele Jahre um ihr Leben. Doch es hatte nicht sollen sein. Zu groß war der Schmerz, der sie zermürbt und so krank gemacht hat. Ein paar Tage zuvor hatte ich sie noch besucht im Hospiz. Doch zu dem Zeitpunkt lag dort schon nicht mehr der Mensch, den ich von früher kannte. Nicht mehr die Mutter von Olli, meinem Cousin. Dieser Mensch hatte uns schon lange verlassen, Jahre zuvor, als mein Cousin an einem Autounfall mit gerade mal 18 Jahren starb.

Als ich ging, blickten wir einander in die Augen. Ich sah nur Leere, Leere und Sehnsucht. Sehnsucht nach Erlösung, nach dem Ende, nach ihrem Sohn. Ich sagte „Mach es gut!“. Meine Tränen konnte ich kaum halten, alles in mir bebte. Ich wusste, es war das letzte Mal, dass ich sie sah.

Heute höre ich diesen Song von Kent „Den andra sidan“ (Die andere Seite) vom aktuellen Album “Tigerdrottningen”. Denke an meine Tante Marianne. Denke an das bisschen Zeit was wir alle hier auf Erden haben und an das was danach kommt. „…Jag vet vad tiden är värd, och tiden rinner iväg, en gång var jag miljonär, när vi hade all tid i världen…“ (…Ich weiß, was die Zeit wert ist, und Zeit läuft uns davon, einmal war ich Millionär, als wir alle Zeit der Welt hatten…)

Aber wir haben sie niemals: Alle Zeit der Welt. Jocke Berg weiß das. Denn die Welt ist nicht unsere, ebenso wenig wie die Nacht, die uns die Träume bringt. “Natten är inte vår” Warte nicht zu lange den Menschen, die du liebst zu sagen und zu zeigen, dass sie wunderbar sind und wichtig für dich. Denn die Zeit bis man sich auf der anderen Seite wieder sieht, kann lange sein, zu lange für ein Leben. Ja, wir verlieren Menschen. Menschen, die Wände aus Eis in unseren Herzen zerbrochen haben, eine Lawine ausgelöst haben. Aber auch dann, wenn der Schmerz unheilbar, die Leere unauffüllbar scheint, dürfen wir uns selbst nicht verlieren. Niemals.

Det fanns en värld av is i hjärtat mitt.
Du startade en lavin när du gav mig ditt.
Det känns som om vi möttes i ett helt annat liv.
Och jag vet att vi ses på den andra sidan.

(Es existierte eine Welt aus Eis in meinem Herzen.
Du hast eine Lawine ausgelöst, als du mir deins gegeben hast.
Ich habe das Gefühl, wir würden uns in einem ganz anderen Leben treffen.
Und ich weiß, dass wir uns auf der anderen Seite sehen.)

Lauschen:

Kent – “Den andra sidan”

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