Mittwoch 1. Juni 2016

von Sandra Duvander

Kent benannten den Opener von „Då som nu för alltid“ nach "Andromeda" aus der griechischen Mythologie, die sich heute als Galaxie und Sternbild am nächtlichen Himmel findet.

„Då som nu för alltid“ beginnt seltsamerweise ähnlich wie die „Tillbaka till Samtiden“ (2008) mit einem kurzen, elektronischen Sample. Kurz darauf folgt Heimat: Jockes vertraute, so sanfte, erzählende Stimme. „Hjärtat blir aldrig fullt, En livstid ska få plats där…“ (Das Herz wird nie voll, Eine Lebenszeit bekommt dort Platz…) Das sitzt schon mal, ist so fühlbar. Auch mein Herz wird niemals voll, wird es auch in tausend Stücke zerrissen. Es wird weiter gefüllt werden, mit Glück, Abschied, Schmerz und Trauer, bis es draussen in der kühlen Nacht von der Unendlichkeit verschlungen wird – vom Lichte Andromedas.

Jocke Berg in “Andromeda”, bereits im Auftakt eines Albums, über seine Kindheit reflektieren zu hören, hinterlässt einen besonderen Eindruck in mir. Schafft bereits mit den ersten Takten und Worten einen Moment starker Verbundenheit. Das gesamte Arrangement strahlt eine kosmische Klarheit aus. „Mitt hjärta är ditt land nu, Inget är förbjudet här, Inga gränser ingen mur, Ser du ljuset från Andromeda…“ (Mein Herz ist nun dein Land, Nichts ist hier verboten, Keine Grenzen, keine Mauer, Siehst du das Licht Andromedas…) Ob Jocke weiß, wie unendlich viel größer diese Zeilen für jemanden wie mich sein müssen? Aufgewachsen in einem Land umgeben von Stacheldraht, welches nur noch in Geschichtsbüchern existiert und in den Erinnerungen meiner Kindheit.

Ein Donnerschlag. Schlagzeug, Gitarre und Bass bilden eine bedrohliche Einheit. Und plötzlich. Da ist er endlich wieder – der Kinderchor (Jockes alter Ego, unser Alter Ego) – zerrt an der Seele, erinnert Jocke, mich, uns daran, wer wir damals waren, wer wir heute sind. Wie wir aufgewachsen sind und heute leben. „Vi var kids (just kids), Vi var småbarn, Vi var kids (just kids), I en spökstad…“ (Wir waren Kids (just Kids), Wir waren Kleinkinder, Wir waren Kids (just Kids), In einer Geisterstadt…) Erinnerungen spielen sich vor meinem geistigen Auge ab, wunderbare – grausame. Aber ich bereue nichts von dem, was ich getan habe – nicht mehr.

Im C-Teil säuselt Jocke mir ganz leise ins Ohr. „Säg vad tänker du på? Jag vet hur långt du kan gå, Som ljuset från Andromeda…“ (Sag an was denkst du? Ich weiß wie weit du gehen kannst, wie das Licht von Andromeda…) Komm mit! Komm mit in die Vergangenheit! Und so gehe ich in Gedanken dorthin zurück, Hand in Hand mit der kleinen Sandra. Eine neue Art Frieden mit mir zu schließen, mich selbst zu umarmen. Wir wussten es nicht besser…

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.