Mittsommernachtsspitzen - das bin ich, Sandra (Hütchen: Toto by Frollein von Sofa)

Es gibt Leute, die erschleichen sich den Studienabschluss durch geistigen Diebstahl. Ich bin erst gar nicht so weit gekommen, von irgendwem etwas abzuschreiben. Natürlich wäre es weit cooler zu sagen: Es gibt Leute, die brechen ein Studium ab – ich habe erst gar keins angefangen. Aber so cool bin ich nicht. Eigentlich möchte ich erzählen, wie ich zum Bloggen gekommen bin, und der Abbruch meines damaligen Studiums der Anglistik war ausschlaggebend dafür. Ob die Geschichte spannend ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber vielleicht ist es ja gerade für dich interessant, wie „Mittsommernachtsspitzen“ entstand.

Vielleicht ist es erst daran zu klären, warum ich dieses Studienfach ausgewählt habe. Ohne dass es abgedroschen klingt – Musik war von jeher meine große Leidenschaft. Nach der Wende war endlich Schluss mit langweiligem Depeche Mode und The Cure hören. Die medialen Grenzen wurden geöffnet. Es gab MTVs „120 Minutes“ und vor der Glotze wurde mit dem Kasettenrecorder immer schön mitgeschnitten. Da entdeckte ich sie – meine Bands – Curve, Lush, Slowdive, Ride. All die tollen Dreampopper. Und auch ich fing an zu träumen – von einer Karriere als Sängerin.

Nach der Schule habe ich oft Stunden damit verbracht, mich mit Musik zu beschäftigen. Ich übersetzte Texte und versuchte die Songs, die mich gerade begeisterten, bis ins kleinste Detail zu analysieren. Dann fing ich an meine eigenen Texte und Melodien zu schreiben. Doch im kleinen Dorf in der Mecklenburger Schweiz fanden sich nicht so wirklich Gleichgesinnte. Die Suche dauerte lange und führte mich dann doch „bloß“ in die nächstgrößere Stadt.

Mit schlechtem Englisch ließ es sich jedoch nicht gut texten. Da das Studienfach neben der Beschäftigung mit der englischen Sprache, auch reichlich Seminarthemen über britische Popkultur bot, war die Sache für mich klar. Zwei Jahre war ich dort unten im schönen Elbflorenz. Als Nordlicht unter Sachsen. Dann ging es nach Hamburg.

Im Hamburger Nachtleben – genauer gesagt auf einem Konzert der dänischen Band Figurines – lernte ich den heute guten Freund und Radio-Dj Paul Baskerville kennen. Seine Sendung hatte ich seit 1999 gehört und es war aufregend die Person kennen zu lernen, die meinen Musikgeschmack entscheidend mitprägte. Baskerville brachte mich dazu, mich bei dem Hamburger Internetradio Byte.FM zu bewerben, da er meinte ich würde mich sehr kompetent und leidenschaftlich über Musik äußern und hätte zudem eine markante Stimme, gemacht für’s Radio. Das meinten auch andere und so kam ich zu meiner eigenen Radioshow „Twilight Tunes“. Es folgten journalistische Praktika im Hörfunk, in den Printmedien und eine Autorensendung beim Hamburger Sender Tide96.0.

Sandra Reiher, ist ja nicht wirklich ein cooler Name für eine Late Night Sendung. “Ihr hört Twilight Tunes auf Byte.Fm. Am Mikrofon für euch ist Sandra Reiher.” Ne! Da schalte ich jawohl gleich mal aus, da kann die Alte noch so geil klingen. Lange gegrübelt, habe ich mich dazu entschieden unter dem Pseudonym Sandra Duvander zu moderieren. Aber mal ehrlich: Silberreiher, wäre schon fetzig gewesen, oder?

Audiostream zu Twilight Tunes vom 30. September 2009 – Skåne Special*
(Dauer: 60 Minuten)

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Die „Twilight Tunes“ für Byte.FM habe ich zweieinhalb Jahre gerne und mit viel Engagement und Hingabe produziert. Die Motivation wurde jedoch immer geringer, zumal ich bei dem Sender nur ehrenamtlich gearbeitet habe, und der Wunsch immer größer wurde, finanziell mal zu Potte zu kommen. Und allein mit kurzen Hörfunkbeiträgen für Öffentlich Rechtliche, kann man sich nicht wirklich über Wasser halten. Außerdem hatte ich große Lust nicht mehr nur für’s Hören zu schreiben, sondern mich noch tiefer mit Musik auseinander zu setzen. Zunächst zur Unterstützung der Sendung habe ich im Sommer 2010 diesen Blog „Mittsommernachtsspitzen“ gegründet. Der Titel stammt von meiner Themensendung zu Mittsommer, die auch im Rahmen der „Twilight Tunes“ lief.

Einer der "Für immer" Lieblingsfilme: "The Wizard Of Oz" 1939

Warum sich die Vorliebe für skandinavische bzw. schwedische Popmusik während der Jahre herauskristallisiert hat, kann ich gar nicht genau sagen. Doch ist es so, dass ich darin meine eigene Melancholie wiederfinde. Ab Anfang der Neunziger faszinierten mich Sugarcubes und Björk. Dann hörte ich 1999 in Baskervilles Sendung Sigur Rós – der Wahnsinn – ich dachte die neuen My Bloody Valentine sind geboren, nur klingen sie noch außerirdischer. Außerirdisch wie die isländische Landschaft.

Aus Schweden beeindruckten mich später The Cardigans, Bob Hund, Eskobar und Kent. Meine Liebe zu Kent war Auslöser, Schwedisch zu lernen. Ohne dass ich jemals wußte worüber sich Jocke Berg das Herz aus dem Leibe singt, habe ich mich in seinem Gesang immer zuhause gefühlt. Jeder Atemzug wurde gefühlt und verstanden. So ist Schweden so etwas wie die zweite Heimat geworden. Ich fühle mich einfach glücklich wenn ich dort bin, so glücklich, dass ich bleiben möchte. Glücklich in der Weite und Schönheit der Natur – glücklich in meiner Stadt Göteborg.

Mein Musikblog “Mittsommernachtsspitzen” soll nun Musik aus Skandinavien und Anderswo vom emotionalen Standpunkt aus beschreiben und sich vom trockenen Musikjournalismus, der reine Infos gibt, wegentwickeln. Jedes verfasste Thema wird von mir ausführlich recherchiert und mit viel Leidenschaft und Liebe zur Musik aufgearbeitet. Dabei werden persönliche Erlebnisse und Emotionen in Bezug auf eine bestimmte Musik geschildert. Es soll Nähe geschaffen werden, die die oberflächliche Betrachtung von Musik vertreibt, zum Träumen einlädt. Ich hoffe dies wird mir im Laufe der Zeit mehr und mehr gelingen.

Toto, ich glaube wir nicht nicht mehr in Kansas!

*
Playlist zur Sendung
1. Familjen / Kom Säger Dom/ Det Snurrar I Min Skalle / Adrian Recordings
2. Andreas Tilliander / Arlanda feat. Jocke Berg (Familjen Remix)/ Show / Adrian Recordings
3. Bob Hund / Düsseldorf/ Omslag: Martin Kann / Silence
4. Conny Nimmersjö / Dum I Huvudet/ Skörheten Och Oljudet / Dust Music
5. The Lovekevins /
The Love Of Little Things/ Vs. The Snow / Songs I Wish I Had Written
6. Small Flowers Crack Concrete / Do Not Dare, I’m On Your Mind/ Build Me A Brand New Sky / First Take Recordings
7. Erika Rosén / My Love/ Something To Destroy / Margit Music
8. Righteous Boy / All My Evils/ I Sing Because Of You / Stockholm
9. The Animal Five / I Love Myself For Hating You/ The Animal Five EP / Universal
10. Logh / The Contractor And The Assassin/ The Contractor And The Assassin / Bad Taste
11. The Radio Dept./ Against The Tide/ Svensk Indie 1988-2006: En Kärleks Historia / Nons
12. Eggstone / Wrong Heaven/ In San Diego / Koch International
13. Moto Boy / U/ Moto Boy / Songs I Wish I Had Written
14. Conny Nimmersjö / Om Du Vill Gå Med Mig/ Skörheten Och Oljudet / Dust Music


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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.