Video still Nina Persson "Heat"

Gestern Abend habe ich mich mit Laptop, Kopfhörern, Zigarette und einem guten Schluck Roséwein auf der Dachterasse positioniert. Ich wollte die passende Atmosphäre schaffen, um diesen Song „Heat“ der schwedischen Band Brothers Of End zu hören. Es war mir von Vornherein klar, dass er Platz braucht zum Atmen. Weite, Zwielicht. Ein Duett ist immer ein Dialog zweier Liebenden. Und ich möchte genau lauschen, offen sein für jedes ausgehauchte Gefühl.

Ich zünde die Zigarette an, drücke auf Play, und mit den ersten warmen Akkorden einer Orgel mit hammondähnlichem Sound, schaue ich auf den großen, klaren, wachsenden Mond. Erika Roséns zarte Gitarrenklänge vereinen sich mit Lars-Olof Johanssons (Lasse) zerbrechlicher Stimme. „You taught me how to kiss, when we where kids, now you come knocking at my door, after all these years…“ Das sitzt.

Dann bricht Nina Perssons herzzereißender Gesang herein. Kleine, eiskalte Ameisen laufen über meinen Rücken. Es prickelt wie Champagner auf meiner Haut. Ich habe darauf gewartet. „Just beneath the bridge, where we used to dance, we got drunk on cheap champagne, then I gave you head…“ So sinnlich und romantisch kann nur Nina eine Vulgarität singen. Das wissen wir spätestens seit: „Come be my man, baby bang with me..“ (Animal Heart)

„You say I‘m destined to be lonely, but I say free, maybe the heat is leaking out, but the sun is shining in…“ antwortet Lasse. Dann ergiesst sich wundersam mystisch – schwelgerisch – der ganze Orgasmus auf das nächtliche Kleid aus schwarzblauem Samt. Schimmernd im Lichte des weißen Mondes. Wunderschönste, zarte, aus Lungen über Kehlköpfe ausströmende Uuuuuhuuuuuhuuuuuuhs. Organisch – frisch aus dem heißen Blutkreislauf. Nina, Lasse, Erika, Mattias, Bengt – sie alle stimmen mit ein.

Lasses unheilvoll trauriger Blick - Video still "Heat"

Nina: „You came inside of me, and then you lied, about how much I meant to you and how you cried“ Es gewittert. Die Hitze trifft auf kalte Luft. Während ich mich in diese paralysierenden Klänge reinknie, wirbelt Bengt Lagerbergs federleichtes Schlagzeugspiel die Luft auf. Die kleinen Härchen auf meinen Armen richten sich auf, als würde man sie sanft anpusten. Die Zeit läuft langsamer als mein Herzschlag.

Hier begegnen sich zwei Menschen nach langer Zeit wieder. Hier muss noch etwas erledigt werden. Sei es der wieder vereinigende Liebesakt oder der gemeinsame Suizid, sinnbildlich gemeint oder tatsächlich vollzogen. Lasse singt: „I kept the gun you asked me to throw away, and every minute since you left, I have awaited this“

„You say I was destined to be lonely, but now I‘m free, and as the heat is leaking out, the sun is shining in…“ Ich habe Ninas Stimme selten so klar und ehrlich wahrgenommen. Etwas Altes scheint zu vergehen und etwas Neues scheint zu beginnen. Doch es ist gibt keinen Anfang und auch kein Ende. Hier hat sich eine Zwillingsseele gefunden, die jetzt frei sein kann. In der Liebe und im Tod. Im Clip wird dies verdeutlicht durch die beiden identischen Kleider, die Nina und Lasse tragen. Auch singen sie dort die jeweiligen Parts des anderen. Sie wirken wie versteinert, all sei dies der Moment in dem die Wärme des Lebens aus ihren Körpern schwindet – das Licht der anderen Seite von ihnen Besitz ergreift.

Während Nina ihre letzten Worte ausgesungen hat, bekomme ich in der Tat noch einen kleinen Schwächeanfall ob all dieser Schönheit. Dieses einzelne ausgestoßene  „Uuuuuuuuuuuh“ von Erika haut mich total um. Sie singt engelsgleich. Alles ergiesst sich erneut in einen ungeahnten Kosmos. Gleitet davon, wie das Leben. Manchmal. Dann ertränkt Regen die schwarzblaue Nacht.

Brothers of End – featuring Nina Persson – Heat from Brothers of End on Vimeo.

Das Video stammt, wie auch Nina Perssons “Food For The Beast”, vom Malmöer Kreativbüro Top Dollar. Tomas Melinder hatte hier wieder sein magisches Auge eingesetzt. Herrlich.

“Heat” ist die zweite Single von Brothers Of Ends neuem Album “Shakers Love”. Dazu schreibe ich noch was, doch erst mal muss ich diesen Song verdauen.

Ach und bevor ich es vergesse: Alles Liebe zum 40. Geburtstag Nina! Stort Grattis!

Lauschen:

Brothers Of End – “Heat”

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Tags: , , , , , , , , , , ,

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Ein geheinmisvoller Blick und den Hauch eines Lächelns auf den Lippen, wie einst Mona Lisa - Nina Persson (Foto: www.josefinmirsch.com)

Ein leichtes, wissendes Lächeln umspielt ihre Lippen, sei es auf der Bühne oder auf Fotos. Die zerbrechlich wirkende Frau mit den bevorzugt dunklen Kleidungsstücken wirkt als Kunstwerk an sich. Delphisch, wie die Mona Lisa, als könnte sie Jahrhunderte überdauern. Nina Persson, Sängerin von A Camp und der schwedischen Popband The Cardigans, folgt ihrem Herzen, ganz instinktiv. Sei es Angst, Liebe oder der pure Drang zu überleben. Die Auferstehung nach einem Kampf. „Animal Heart“ ist nach fünf Jahren Schaffenspause, überstandener Krebserkrankung und der glücklichen Geburt ihres Sohnes Nils ihr erstes Soloalbum.

Für Ninas Stimme wurde auf „Animal Heart“ ordentlich viel Platz geschafft. Percussions, Synthesizer, Vibraphone sind bis ins kleinste Detail, liebevoll arrangiert und arbeiten in jeder Hinsicht für den Gesang. Hier wird das Lied nicht durch diesen perfektioniert, sondern eine ausdrucksvolle Stimme durch die außergewöhnliche Komposition beseelt. Nina klingt älter, fast weise, wie eine reife Diva, rauer, taffer. Manchmal frage ich mich mit einem Schmunzeln wie viele Zigaretten sie eigentlich am Tag raucht, um so zu klingen. Und dann denke ich beim Zuhören wieder, ach so viele können es doch nicht sein.

Den Ozean ausschöpfen

Der Titelsong eröffnet das Album wie ein knackiges, buntes Bonbon: Reichlich elektronisch, frisch, sexy. Vielleicht ein bisschen zu überoffensiv, weil ich anstatt „Come be my man, baby bail with me…“ dazu tendiere „Baby, bang with me“ zu verstehen. Aber ich vermute Nina meint das Gleiche, nur eben etwas poetischer. Man fragt sich zumindest, ob Nina hält, was sie verspricht. Am Ende zieht sich der Titel ganz schön in die Länge und ich hätte mir, anstelle des Endlosrefrains, einen prägnanteren Schluss gewünscht. Brilliant ist jedoch der C-Teil. Man taucht tatsächlich tief ein in diesen besungenen Ozean, und mitunter sehe ich den einen oder anderen Delphin aus dem sternenglänzenden Wasser auftauchen. Ganz freundlich.

Das Video zu „Animal Heart“ hat mich ehrlich gesagt etwas irritiert. Der kleine Film wirkt von Studenten gemacht. Die Tänzerinnen, die Nina Persson auf dem kleinen Streifzug durch ihr „Swedisch Harlem“ begleiten, scheinen, wie von der nächsten Tanzschule abgegriffen. Dabei geht sie doch nur mal kurz um die Ecke nen Saft holen. Aber sie geht ihren Weg. Pluspunkt ist, dass der Clip komplett ohne Schnitt auskommt. So ist es ist durchaus amüsant – vor allem Ninas süffisantes Augenzwinkern am Ende des Songs. “Na willste mit rauf kommen?” Man kann fast dankbar sein für dieses Video. Es ist kein neuer Fakt, dass Musikvideos in der heutigen Zeit, gerade für Indiepopmusiker, kaum mehr eine Einnahmequelle darstellen, sondern lediglich einen zusätzlichen finanziellen Posten.

Den eigenen Weg pflastern

Wie anfänglich erwartet, ist die musikalische Entfernung des Albums zu A Camp gar nicht so groß, da neben Eric D Johnson (The Shins) auch Ehemann Nathan Larson Nina beim Schreiben unterstützte und viele Instrumente einspielte. Die Songs auf „Animal Heart“ könnten also auch alte Bekannte sein. In “Burning Bridges For Fuel” zeigt Nina, dass sie es so richtig drauf hat und keinen Peter Svensson braucht. Nina bahnt sich ihren Weg und pflastert ihn mit Steinen für die Zukunft. Lange Zeit kümmerte sich Nina hauptsächlich um ihren Sohn Nils und tourte zwischenzeitlich mit The Cardigans (ohne Peter). Sie wusste nicht, ob es überhaupt möglich ist, den Weg zum Songschreiben zurück zu finden. Doch als sie anfing zu schreiben, kam alles schnell in Fluss. Nina selbst sagt, wie wichtig es für sie ist, ihre eigenen Ideen umzusetzen und nicht The Cardigans zu repräsentieren. Dass die Musik, die sie geschaffen hat, absolut sie selbst ist – und nur sie. (Quelle: Bedford & Bowery)

„Dreaming Of Houses“ wirkt nur beim ersten Hören naiv und unschuldig. Man träumt von einem Haus in ländlicher Idylle mit Hund und Garten, möchte es sich schön machen. Plant im Kopf alles bis ins kleinste Detail, vom Tischchen bis zu den Vorhängen. Doch machmal flüchten wir uns in eine Welt von Ablenkungen, um unseren Schmerz zu vergessen, nicht grübeln zu müssen, das eigene Ich zu retten. „And maybe dreaming of houses can save me, give me a place where it‘s quiet and my head can rest…“ Doch dann lassen sich Gedanken, lässt sich die Realität, nicht vertreiben. „Oh baby, why did you leave me? Didn‘t you need me?“ Diese Zeilen brechen völlig unerwartet schmerzvoll aus Nina heraus, lösen die Illusion, den lieblichen Gesang des Refrains, in dem Nina fast so zuckersüß klingt wie auf der „First Band On Moon“, völlig auf.

Ninas persönlicher Lieblingstrack, und ich muss gestehen auch meiner, ist „Clip Your Wings“. Ninas rauer Gesang klingt durch den langen Hall und das Delay so herrlich bestimmt und paralysierend, dass jetzt bestimmt keiner mehr die Platte ausmacht. „You can go if you want to go, but I don‘t think that‘d be wise…“ Wow, das sitzt! Hätte für mich optimal als Opener des Albums funktioniert. Beim Konzert im Heimathafen in Berlin, war es zumindest der beste Auftakt. Hör mir zu, oder hör mir nicht zu, es liegt bei dir. Ich denke du wirst was verpassen, wenn du jetzt gehst. Mich erinnert der Song daran, zu meinen Entscheidungen zu stehen, die ich getroffen habe und nicht weg zu laufen. Stark zu bleiben und an meinen Zielen zu arbeiten, auch wenn es schwer ist, manchmal.

Nein, Nina hat keine dicke Spinne auf dem Kopf, zum Glück nur einen Origami-Kranich - Nina Persson live im Heimathafen Berlin, Animal Heart Tour (Foto: Jana Legler für Rockzoom)

Das Biest in Uns

„Jungle“ ist ein Song, der live sehr opulent und offen klingt. Grenzenlos. Die Studioaufnahme wirkt jedoch eher geschlossen und zieht sich in sich zurück, wie sich auch alle frei lebenden Tiere in unserer Welt mehr und mehr zurück ziehen müssen, denn es wird eng auf unserem Planeten. Ich sehe einen bengalischen Tiger, vielleicht den letzten seiner Art, gejagt, sich im Dschungel verkriechend, aus Angst vor Wilderern und Menschen, die Raubbau betreiben und seinen Wald bis auf den letzten Baum abholzen. „It‘s getting kind of hard to hide in the jungle…to the ground, to the ground, they cut it down…“

Aber sollten wir uns nicht vielmehr vor dem Tier in uns selbst fürchten? Sein wir mal ehrlich, so ein kleines Biest tragen wir doch alle ins uns herum, und manchmal ist es ganz schön hungrig und wird erschreckend laut. Dann braucht es sein Futter, sei es die lang ersehnte Zigarette, Bewunderung, oder wenn einen die Eitelkeit noch mehr bei den Eiern packt, auch was Drastischeres. „Food For The Beast“ ist ein ordentlicher Diskoknaller, kommt mit ausgereiften elektronischen Beats daher und führt uns mit einer spacigen Bridge in den Refrain mit einem knackigen Tempo, bei dem man sich auf der Tanzfläche so richtig gehen lassen kann. Der dazugehörige Absacker schließt sich nahtlos an: „Digestif“

Es gibt dunkle Biester, die lange an uns gezerrt und genagt haben. Biester aus der Vergangenheit, die wir lange ausdiskutiert haben, die wir endlich aussperren müssen und dann irgendwo ablegen, ganz bewußt, mit Leichtigkeit. Wie das Trinkgeld auf dem Tisch eines Cafés, an dessen Namen man sich morgen nicht mehr erinnern wird, geschweige denn daran, wo es ist. „Forgot To Tell You“ lässt uns, mit seinen hellen, perligen Gitarrenklängen, Platz nehmen auf einer großen Wiese. Wir legen unseren Kopf ins Gras, schauen in den Himmel und lassen die schlechten, alten Gedanken, wie einen Luftballon hinauf zu den kleinen, fluffigen Wolken steigen. “Forgot to tell you about something, Don’t know what, don’t know what…” Der folgende Track, “Catch me crying”, wird nicht geskippt, aber “Forgot To Tell You” gleich nochmal angehört.

Ein schönes Ritual: Dinge, die man zurück lassen möchte, einfach mit einem Ballon ziehen lassen.

Silber, Gold und Heavy Metal

Ich habe lange überlegt, an welchen Song mich die Strophe von „The Grand Destruction Game“ erinnert und dann viel es mir heute blitzartig ein und ich hatte die charismatische Gitarre von The Smiths „How Soon Is Now?“ im Kopf, die sich wie eine scharfe, silbern glänzende Säge in die Gehörgange schneidet. „The Grand Destruction Game“ ist einer der wenigen Songs, bei denen vermehrt zu Instrumenten gegriffen wurde, auch spielte Bengt Lagerberg (The Cardigans, Brothers Of End) ein richtiges, warmes Schlagzeug ein, um dem kalten Spiel mit der Liebe die Stirn zu bieten. Ja, manche spielen ein zerstörerisches Spiel, aber nur so lange bis jemand mit ihnen spielt. Dann ist Schluss.

Gegen Ende des Albums legt Nina uns regelrecht schlafen, bereitet uns ein warmes, weiches Bett. „Silver“ ist Wiegenlied und Liebeslied. Warmherzig mütterlich und bedingungslos liebend. „If you ever get lost, honey I‘ll find you, I‘ll follow the line of your tracks in the snow…If you ever get blue, baby I‘ll paint you, yellow and rose, silver and green…Silver like the moon…“ Zweite Stimmen sind auf “Animal Heart” eher sparsam eingesetzt. Doch in „Silver“ zeigen sie ihre ganze Schönheit. Ein Piano und Ninas sensibelster Gesang runden das Album klassisch ab. Hell. Dankbar. Goldenes Licht durchflutet auch die kleinste und verborgenste Zelle unseres Körpers. „This is heavy metal, the dust is going to settle, the sun will find its way down the mine…Mine…Mine.“

Elfen-Style: So sieht es aus, Nina Perssons "Animal Heart" Cover

NIna Perssons “Animal Heart” erschien am 10. Februar 2014 auf dem Label Lojinx.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , ,

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

The Cardigans - Coverausschnitt des Erfolgsalbums "Gran Turismo" von 1998

Es ist vielleicht die größte Überraschung dieses Jahres – The Cardigans spielen Ihr Erfolgsalbum “Gran Turismo” von 1998 exklusiv auf dem Hultsfredsfestival in Schweden. Gunnar Lagerman, Kreativchef des Festivals, ist absolut begeistert The Cardigans für das Event vom 14. bis 16. Juni gewonnen zu haben. Nicht weniger ambitioniert äußert sich die Band selbst zu dieser wirklich einmaligen Gelegenheit, die Vergangenheit für einen Moment zurück in die Gegenwart zu holen. Sie konnten gar nicht anders und mussten das Angebot des Festivalbetreibers einfach annehmen.

Seit 2006 haben The Cardigans nicht mehr in ihrem Heimatland gespielt und die Bandmitglieder Nina Persson, Magnus Sveningsson und Bengt Lagerberg und Lasse Johansson haben sich in den letzten Jahren in verschiedenen, eigenen Musikprojekten wie A Camp, Brothers Of End und DunDun, ausgetobt und selbstverwirklicht.

Eine der fünf Strickjacken wird jedoch bei diesem einzigen Gig in Schweden nicht dabei sein – Gitarrist Peter Svensson. Glamrocker und Mädchenschwarm Moto Boy Aka. Oskar Humlebo wird für Svensson in die Seiten greifen und mit seiner Falsetto-Stimme Nina sicher auch mit Backing Vocals supporten.

Moto Boy greift für The Cardigans in die Seiten

Weitere relevante Tourneedaten der Cardigans sind:

8. Juni 2012 – Kopenhagen, Tivoli

7. Juli 2012 – Turku, Ruisrock Festival (Finnland)

Tags: , , , , , , ,

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·

Alles hat ein Ende - auch The Cardigans. Die Ex-Strickjacken sind die ewigen Beginner Brothers Of End

Jedes Ende ist ein Anfang. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Also wozu die Endzeitstimmung? Nach dem inoffiziellem Ende der Cardigans haben sich Ex-Strickjacken-Drummer Bengt Lagerberg und Keyborder Lars-Olof “Lasse” Johansson Ståle mit Musikjournalist Mattias Areskog zu den Brothers Of End vereint. Sollte deren erstes Album “The End” vielleicht schon ihr letztes sein oder verkündete es gar das Ende der heiligen Cardigans? Oder wollen sie nur eines nicht – das Gefühl verlieren zu beginnen?

Die drei Endzeitbrüder kennen sich bereits seit sie 15 Jahre als sind. Sie wuchsen zusammen in der schwedischen Stadt Jönköping auf und brachten sich gegenseitig das Spielen von Instrumenten und Komponieren bei. Vor fünf Jahren trafen sich Bengt, Lasse und Mattias Backstage nach einer Show der Cardigans während des schwedischen “Storsjöyran” Festivals. Sie fühlten und wussten es war an der Zeit zurück zu ihren eigenen Vostellungen von Musik zu kommen, ihre eigenen Wünsche umzusetzen. Mit Brothers Of Ends erdigen, warmen Debut “The End” konnten sie sich im Oktober 2009 diesem Ziel annähern.

Das neue Brothers Of End Album "Mount Inside"

Mit ihrem brandneuen Album “Mount Inside” sind Brothers Of End noch mehr in ihr eigenes Territorium vorgedrungen, haben sich in ungeahnte Tiefen ihrer selbst vorgegraben – schön was sich dort findet, klingt es doch wie zwischen Himmel und Erde. Das Intro “Vallinge Träsk” führt mit spitzen Banjoklängen und Besen gespielten Drums sanft in das Album. Sphärische, harmonische Chöre tragen uns zum ersten Song “Until Then” – bereits dann eine Offenbarung. “Try to keep my eyes on the road but my head keeps turning, something that’s passing me by, now it feels like I’m burning…” Der Gesang von Mattias Areskog brennt sich alsbald in unser Gemüt, nimmt von ihm Besitz.

Basslinie und trockenes Schlagzeug treiben den dritten Song von “Mount Inside” an – “Soon the day will break”. Haben uns Brothers Of End bis zum Morgengrauen schwungvoll durch die Nacht gejagt, folgt die Belohnung im nächsten Song – wir erblicken die strahlende Sonne. Finden heim – so wohlig stimmt der Song. In “Stare At The Sun” klappt der Refrain weit auf, lässt uns finden wonach wir suchen – Sehnsucht. Doch Vorsicht: “Darkness comes for those who stare at the sun…”

Mit dem Gesang von Nina Persson hätte “Mount Inside” gut der verlängerte Arm von The Cardigans Meisterwerk “Long Gone Before Daylight” sein können. Beide Alben wurden in Malmös Tamborine Studios aufgenommen. Wir entdecken eine ähnliche Stimmung, Sphäre und Weisheit. Doch auch Bengt und Lasse zeigen sich neben Mattias Areskogs vielseitigem Gesang, während des gesamten neuen Albums, als exzellente Backgroundsänger. Ihre Satzgesänge und Chöre geben der Wohnzimmerräumlichkeit die Weite eines ganzen Universums. Eine bosonders dezente, deshalb so schöne, Zweistimmigkeit findet sich in “How Come People Fall”. Ein Song der mich jedoch mit seinem schrägen Gitarrensolo an das Gitarrenspiel von Dean Wareham erinnert. Rau und ungeschliffen.

“Don’t mess it up with words” – für Brothers Of End ist Schweigen Gold. “Let Silence Speak” ist ein weiterer gelungener Song, dessen warme Klangfarbe um uns herum wirklich eine Stille erzeugt. Wir tauchen in den Song ein, in uns selbst ein – wir hören nicht auf das Gesagte, doch auf unsere innere Stimme.

Dass auch Männer wie eine melancholische Diva klingen können, beweißt Areskog in “Replica Of Love”. Der musikalische Höhepunkt der Platte folgt unmittelbar mit “The Story”, dessen Shaker und Orgelklänge uns eine relaxte Rückenlage einnehmen lassen. Die Geschichte erzählt ein kristallklares Gitarrensolo. “So the story begins with a happy end…” – doch wie endet sie?

Den Abschluss bildet die mit Streichern garnierte kurze Ballade “Desert Mind” – sie lässt unseren soeben erworbenen Optimismus wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Denn “Feels Like Coming Home”, der vorletzte Track, wäre vielleicht auch ein guter Opener gewesen, oder noch besser – ein brilliantes Finale. Ebenso könnte der Titel für das ganze Album stehen. Denn wir kommen tatsächlich an. Der Song trifft ins Mark. Wer zuvor nicht wußte, wo er hingehört findet sein Zuhause spätenstens jetzt in diesem Song – in diesem Album.

“Mount Inside” erschien am 11.April auf Brothers Of Ends eigenem Label Konjaga in Kooperation mit Playground Music.

Brothers Of End lauschen:
mp3:Brothers Of End – Until Then
mp3:Brothers Of End – The Story

Schauen:

Tags: , , , , , ,

· · · ◊ ◊ ◊ · · ·
Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.