Cover des Debutalbums von Wintergatan (Milchstrasse), VÖ 23. April 2013, Sommarfågel Records

Martin Molin bereist die Milchstrasse

Hast du ihn auch vermisst? Den durchgeknallten Kirmespunk des schwedischen Duos Detektivbyrån? Dann kannst du dich über einen himmlischen Ersatz freuen: Herzlich Willkommen in der Musikgalaxie Wintergatan. Wintergatan, steht im Schwedischen für Milchstrasse. Wer allerdings sphärische Synthesizerklänge und außerirdisches, unverständliches Textgejaule ala Sigur Rós erwartet, wird wenig auf seine Kosten kommen. Aus dem Sandmann in seinem Plastikraumschiff wird da eher was. Ex-Detektiv Martin Molin hat die Kosmonauten David, Evelina und Marcus um sich versammelt, um nach bekannter Manier musikalischen Sternenstaub erster Güte in die Gehörgänge zu streuen.

Wie im Video zur Single „Starmachine2000“ herrlich zu sehen, entlocken Wintergatan einer Menge von Alltagsgegenständen und MacGyver-artig präparierten Instrumenten ungeahnte Klangweiten. Wir hören Dias durch den Projektor laufen, das Ablaufen einer alten Spieluhr und elektronisches Bleepen, das auch gut aus einem Achtziger Jahre Video Game tönen könnte. In „Valentine“ kommt eine alte Schreibmaschine zum Einsatz, die mit ihrem Klackern den The Knife-lastigen, furzigen Beats noch mehr einheizt.

Eine Prise französischer Charme

Das erfrischende Glockenspiel Martin Molins darf bei Wintergatan nicht fehlen und verschafft den Songs die nötige Klarheit. Ein wunderbar gespieltes Akkordion bringt eine große Prise französischen Charme in die Kompositionen. Schon vor fünf Jahren schwärmte Martin Molin in einem Interview, das ich im Rahmen der Promotion-Tour für das Album „Wermland“ mit der Band Detektivbyrån führte, ungehalten von der Musik Yann Tiersens und dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Diese Faszination scheint sich nicht geschmälert zu haben.

Wie Tiersen sind Wintergatan wahre Virtuosen an ihren Instrumenten. Da klingt es live nicht nur niedlich und süß, wie im Miniaturmärchenland. Das derbe Schlagzeug haut ordentlich rein und die knurrigen Elektrorhythmen gehen gut ab. Der Sound ist üppig und ausgefeilt. Wenn man im Norden auf einem der großen Musikfestivals, wie Roskilde, Emmaboda oder Hultsfred verweilt, sollte man in diesem Sommer eines ihrer galaktischen Konzerte unbedingt besuchen. Es macht sogar richtig Spaß, den Jungs (und dem Mädel) beim Verausgaben zu zusehen. Martin Molin und seine Kollegen geben sich live ihrer Musik ganz hin, verlieren sich in Raum und Zeit. Unendlich.

Das selbstbetitelte Debutalbum von Wintergatan erschien am 23. April 2013 auf dem Label Sommarfågel Records. Auf jeden Fall ein Album, dass beim nächsten Besuch in Bengans Skivbutik in den Einkaufskorb kommt.

Schauen: Die Videoclips zur Doppelsingle “Starmachine2000″ und “Sommarfågel”

Wintergatan in den unendlichen Weiten des Internets:

Durchstöbert die Galaxie Wintergatan auf ihrer Homepage www.wintergatan.net
Findet Wintergatan im Kosmos facebook: www.facebook.com/pages/Wintergatan

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Der Singer-Songwriter Neil Halstead (Mojave 3)

Verdammte, lange zehn Jahre ist es nun her, dass Neil Halstead vor mir saß und seine einfachen, doch beseelten Songs auf der Akustikgitarre in der Hamburger Prinzenbar spielte. Im Dezember bietet sich endlich eine neue Chance den britischen Singer-Songwriter zu erleben. Er kommt auf Tournee mit seinem dritten Soloalbum „Palindrome Hunches“.

Damals wie heute sind es eher Anhänger der Dreampop-Band Slowdive, die Halsteads Kunst zu schätzen wissen. In den letzten 25 Jahren vollzog er eine musikalische Entwicklung, die ihres Gleichen vergeblich sucht. Nach dem düster-sphärischen Dreampop versuchte sich der leidenschaftliche Surfer auch musikalisch an der perfekten Welle und näherte sich mit dem üppigen Sound seiner Country-Folk-Band Mojave 3, diesem Ideal zunehmend an.

Cover des neuen Albums "Palindrome Hunches" von Neil Halstead VÖ:09.11.2012

Neil Halstead weiß mittlerweile ziemlich genau worauf es in seiner Musik ankommt. Weniger ist oft mehr. So schafft es sein neues Album „Palindrome Hunches“, mit seiner schlichten und auf das Wesentliche reduzierten Erscheinung, eine Schneise durch die musikalische Herbstlandschaft zu ziehen.

Neben dem beliebten Banjo, folkloristischen Violinen und dem Piano gesellt sich mitunter auch, wie z.B. im Bonustrack  „Traveling Light“, eine weibliche Stimme an Neils Seite. Überladen wirken die Songs allerdings nicht, sie strahlen eher eine andächtige Stille aus.

In Halsteads anmutige, doch fragile, niemals affektierte Stimme verliebte ich mich schon bei Slowdives „Dagger“. In den letzten Jahren erinnerte sie mich an Nick Drake, den ich gleichermaßen schätze und dessen Songs mich stark berühren. „Tied To You“ ist so ein Song, der dem hypnotischen Charakter von Drakes Compositionen sehr nahe kommt.

Ich will die Songs hier gar nicht auseinander rupfen. Sie sind in ihrer Einfachheit bestechend schön. Um die natürliche Wirkung nicht zu verfälschen, machte Halstead um‘s Aufnehmen nicht viel Wirbel. Die Songs entstanden inmitten von Triangeln, Glockenspielen und Klanghölzern im Musikraum einer Grundschule. Eine unschuldige und kindliche Leichtigkeit versprühen seine Lieder in der Tat. Video und Song „Hey Daydreamer“ wecken unweigerlich Erinnerungen an unbeschwerte, vergangene Tage. Tage des Träumens und der Jugend.

"Hey Daydreamer" Videoshot mit Model Nastassia “Staz” Lindes

Neil Halstead: Hey Daydreamer on Nowness.com.

Und schon sehe ich ihn wieder vor mir, zupfend an seiner Gitarre, die Augen geschlossen und mit dem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Ich bin so gespannt auf das Konzert hier am 14.Dezember in Berlin. Ich wünsche mir für diesen Abend viele neue Herzen, die Neil Halstead im Sturm erobern wird. Bis bald!

Schauen:

Neil Halstead Tied To You WEB from Brushfire Records on Vimeo.

Neil Halstead auf Tour

13.12.12 MÜNSTER – GLEIS 22
14.12.12 BERLIN – COMET CLUB
16.12.12 (CH) ZÜRICH – PAPIERSAAL
17.12.12 STUTTGART – SCHOCKEN
18.12.12 ERLANGEN – E-WERK
19.12.12 KÖLN – KING GEORG
20.12.12 FRANKFURT – BROTFABRIK

Lauschen:

Neil Halstead – Palindrome Hunches by Brushfire Records

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Martin Ekman - Songwriter und Sänger bei Long Distance Runners

Es gibt neues von meinen Boys aus Stockholm, den Long Distance Runners. Der Singer-Songwriter Martin Ekman bastelt nebenher schon seit etlicher Zeit an seiner Solokarriere als schwedischer Folksänger. Jetzt gibt es ein neues, eindrucksvolles Video zur Single “24 kvadrat”. Im kommenden Jahr können wir sein sicher gefühlvolles und melancholisches zweites Album erwarten: ””Tills lusten skiljer oss åt”. (Bis die Lust uns trennt)

Aus alt mach neu: die Long Distance Runners sind endlich soweit ihre EP “San Francisco Says Hello” im schwedischen iTunes in bei Amazon zu verkaufen. Yay!

Schauen: Martins neues Video “24 kvadrat”

Schauen: “Live Today” von den LDR

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Klak Tik

Ganz hübsch, was ich gestern im Mailfach hatte. Das Album “We Must Find A Winner” der Band Klak Tik ist wirklich kein gewöhnlicher Indiepop. Der dänische Singer-Songwriter Søren Bonke, Mastermind der Band schlägt eine Brücke zu experimentellem, orchestralem Folk. Die Platte hat einen natürlichen Charme und klingt wie hingehaucht, trotz der mitunter vorhandenen Fülligkeit an Instrumenten.

Wenn ein Däne, ein Brite und ein Kiwi aufeinander treffen führt das offensichtlich zu einer dramatischen Mischung, der es nicht an Gelassenheit mangelt. Søren Bonke verliess Dänemark 2000 und gründete Klak Tik 2009 gemeinsam mit Jonathan Beyer und dem Neuseeländer Matthew Mitchinson in London. Live zeigt sich die Band aufgrund ihrer instrumentellen Vielfalt sogar zu acht.

We Must Find A Winner“ ist nicht mehr ganz neu – es erschien vor ziemlich genau einem Jahr in Großbritannien -  eine Entdeckung ist es jedoch wert. Experimentelle Rhythmen und harmonische Melodien werden gekrönt von bildstarken Lyrics – ein Gewinn für jedes sensible Ohr und jede empfindsame Seele.

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Lauschen:
mp3:Klak Tik – The 2nd Wave Is Sometimes Bigger
mp3:Klak Tik – I Am Your Memory

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Alles hat ein Ende - auch The Cardigans. Die Ex-Strickjacken sind die ewigen Beginner Brothers Of End

Jedes Ende ist ein Anfang. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Also wozu die Endzeitstimmung? Nach dem inoffiziellem Ende der Cardigans haben sich Ex-Strickjacken-Drummer Bengt Lagerberg und Keyborder Lars-Olof “Lasse” Johansson Ståle mit Musikjournalist Mattias Areskog zu den Brothers Of End vereint. Sollte deren erstes Album “The End” vielleicht schon ihr letztes sein oder verkündete es gar das Ende der heiligen Cardigans? Oder wollen sie nur eines nicht – das Gefühl verlieren zu beginnen?

Die drei Endzeitbrüder kennen sich bereits seit sie 15 Jahre als sind. Sie wuchsen zusammen in der schwedischen Stadt Jönköping auf und brachten sich gegenseitig das Spielen von Instrumenten und Komponieren bei. Vor fünf Jahren trafen sich Bengt, Lasse und Mattias Backstage nach einer Show der Cardigans während des schwedischen “Storsjöyran” Festivals. Sie fühlten und wussten es war an der Zeit zurück zu ihren eigenen Vostellungen von Musik zu kommen, ihre eigenen Wünsche umzusetzen. Mit Brothers Of Ends erdigen, warmen Debut “The End” konnten sie sich im Oktober 2009 diesem Ziel annähern.

Das neue Brothers Of End Album "Mount Inside"

Mit ihrem brandneuen Album “Mount Inside” sind Brothers Of End noch mehr in ihr eigenes Territorium vorgedrungen, haben sich in ungeahnte Tiefen ihrer selbst vorgegraben – schön was sich dort findet, klingt es doch wie zwischen Himmel und Erde. Das Intro “Vallinge Träsk” führt mit spitzen Banjoklängen und Besen gespielten Drums sanft in das Album. Sphärische, harmonische Chöre tragen uns zum ersten Song “Until Then” – bereits dann eine Offenbarung. “Try to keep my eyes on the road but my head keeps turning, something that’s passing me by, now it feels like I’m burning…” Der Gesang von Mattias Areskog brennt sich alsbald in unser Gemüt, nimmt von ihm Besitz.

Basslinie und trockenes Schlagzeug treiben den dritten Song von “Mount Inside” an – “Soon the day will break”. Haben uns Brothers Of End bis zum Morgengrauen schwungvoll durch die Nacht gejagt, folgt die Belohnung im nächsten Song – wir erblicken die strahlende Sonne. Finden heim – so wohlig stimmt der Song. In “Stare At The Sun” klappt der Refrain weit auf, lässt uns finden wonach wir suchen – Sehnsucht. Doch Vorsicht: “Darkness comes for those who stare at the sun…”

Mit dem Gesang von Nina Persson hätte “Mount Inside” gut der verlängerte Arm von The Cardigans Meisterwerk “Long Gone Before Daylight” sein können. Beide Alben wurden in Malmös Tamborine Studios aufgenommen. Wir entdecken eine ähnliche Stimmung, Sphäre und Weisheit. Doch auch Bengt und Lasse zeigen sich neben Mattias Areskogs vielseitigem Gesang, während des gesamten neuen Albums, als exzellente Backgroundsänger. Ihre Satzgesänge und Chöre geben der Wohnzimmerräumlichkeit die Weite eines ganzen Universums. Eine bosonders dezente, deshalb so schöne, Zweistimmigkeit findet sich in “How Come People Fall”. Ein Song der mich jedoch mit seinem schrägen Gitarrensolo an das Gitarrenspiel von Dean Wareham erinnert. Rau und ungeschliffen.

“Don’t mess it up with words” – für Brothers Of End ist Schweigen Gold. “Let Silence Speak” ist ein weiterer gelungener Song, dessen warme Klangfarbe um uns herum wirklich eine Stille erzeugt. Wir tauchen in den Song ein, in uns selbst ein – wir hören nicht auf das Gesagte, doch auf unsere innere Stimme.

Dass auch Männer wie eine melancholische Diva klingen können, beweißt Areskog in “Replica Of Love”. Der musikalische Höhepunkt der Platte folgt unmittelbar mit “The Story”, dessen Shaker und Orgelklänge uns eine relaxte Rückenlage einnehmen lassen. Die Geschichte erzählt ein kristallklares Gitarrensolo. “So the story begins with a happy end…” – doch wie endet sie?

Den Abschluss bildet die mit Streichern garnierte kurze Ballade “Desert Mind” – sie lässt unseren soeben erworbenen Optimismus wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Denn “Feels Like Coming Home”, der vorletzte Track, wäre vielleicht auch ein guter Opener gewesen, oder noch besser – ein brilliantes Finale. Ebenso könnte der Titel für das ganze Album stehen. Denn wir kommen tatsächlich an. Der Song trifft ins Mark. Wer zuvor nicht wußte, wo er hingehört findet sein Zuhause spätenstens jetzt in diesem Song – in diesem Album.

“Mount Inside” erschien am 11.April auf Brothers Of Ends eigenem Label Konjaga in Kooperation mit Playground Music.

Brothers Of End lauschen:
mp3:Brothers Of End – Until Then
mp3:Brothers Of End – The Story

Schauen:

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I took a knife and a wheelchair
‘Cause I won’t be back home for a while.
You said I’d want to be a doctor
But I don’t and I need to know why

Oh my God
Just folded and burnt like a parchment oh
Engraved like a star on the pavement oh
I believe in the past I believe in ghosts
In the songs I can write in the problems solved

I started bleeding in the desert
I’ve been shot in the back the night before
I’ll be lying on the railway
I’ll be saved when the city awakes

Oh my God
Just folded and burnt like a parchment oh
Engraved like a star on the pavement oh
I believe in the past I believe in ghosts
In the songs I can write in the problems solved
I just don’t remember what I say or do
And I almost forgot that you were here too

What I say or do
What I say or do
Oh you were here too

Das Album des französischen Duos Cocoon – “Where The Oceans End” – erscheint am 18.März auf Cooperative Music.

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Ólöf Arnalds

sieht aus und klingt wie eine Elfe - die isländische Sängerin Ólöf Arnalds

„Schick!“ – habe ich gedacht, als ich dieses Foto von Ólöf Arnalds gesehen habe. „Überirdsich!“ – habe ich gedacht, als ich ihre Single „Surrender“ gehört habe. So eine Fragilität wurde zuletzt auf Björks Album „Vespertine“ hörbar gemacht. Zwar fließt Björk in Form ihrer unverkennbaren, stimmlichen Glut in den Song mit ein – doch ist es der glöckchenhafte Sopran von Ólöf Arnalds, der hier in eine andere Welt entführt.

„Innundir Skinni“ – Unter der Haut – heißt das aktuelle Album. Isländische Folklore und ein Hauch Melancholie. Melodien und eine Stimme, die mich den entscheidenden Schritt vom Alltag zurücktreten lassen und mir die Chance geben am Kern der eigenen Emotionen zu kratzen. Heute Abend ist das möglich – Ólöf Arnalds spielt ab 21 Uhr in Berlin im Comet Club.

Ólöf Arnalds und Björk gemeinsam im Song “Surrender”
mp3:Ólöf Arnalds – Surrender

“Innundir Skinni”

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Demons Die kanadische Geschwisterband Cowboy Junkies veröffentlichte am Dienstag Vol.2 ihrer „The Nomad Series“ – Demons. Das Album ist dem amerikanischem Songwriter Vic Chesnutt gewidmet und besteht aus elf seiner Songs. Ich finde das Werk grandios. Die Timmins’ haben die Chesnutt-Songs nicht einfach gecovert. Sie haben ihnen neues Leben und Kraft eingehaucht – Kraft, die Vic Chenutt am Ende seines Lebens fehlte.

Über ein Jahr ist es nun her, dass Vic Chesnett am Weihnachtsabend 2009 an den Folgen eines Suizidversuches starb. Das Leben war für ihn nicht erträglich. 1964 wurde Chesnutt in Jacksonville (Florida) geboren und wuchs bei Adoptiveltern in einer Kleinstadt in Georgia auf. Schon als kleiner Junge schrieb er erste weltschmerzlerische Songs. Er begann früh mit dem Alkoholkonsum. Im Alter von 19 Jahren kam er in betrunkenem Zustand mit dem Auto von der Straße ab und war fortan an den Rollstuhl gefesselt.

Der vestorbene - aus Georgia stammende - Songwriter Vic Chesnutt

Um sein Künstlerdasein mit all seinen Lastern auszuleben, zog Chesnutt nach seinem Unfall in eine größere Stadt – Athens in Georgia. Den nötigen Motivationsarschtritt seine Solokarriere anzutreiben, bekam er von Micheal Stipe (R.E.M.). 1990 nahm Chesnutt sein spärliches Debutalbum „Little“ auf. Es folgte „West Of Rome“ (1991), dann „Drunk“ (1993), das aller Wahscheinlichkeit nach im Vollrausch aufgenommen wurde.

„West Of Rome“ ist eines der Glanzstücke auf Cowboy Junkies neuem Album „Demons“. Laut Spin Magazine wollte Margo Timmins – Sängerin der Junkies – den Song schon vor 15 Jahren interpretieren, traute sich dann aber doch nicht ran. Sie befürchtete den Charakter, die  Kernaussage des Songs nicht wiedergeben zu können. Über die Jahre entstand dann doch aber eine große Vertrautheit zwischen Vic Chesnutt und den Cowboy Junkies, sogar eine tiefe Freundschaft. Auch wurde gemeinsam getourt.

Im letzten Jahr teilten Cowboy Junkies mit, dass sie sich vorgenommen hätten 18 Monate an einem Projekt zu arbeiten, welches vier Alben hervorbringen soll – die „Nomad Series“. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass eines der Alben ein Coveralbum wird. Eigentlich wurden Songs von Townes Van Zandt favorisiert, doch Chesnutt toppte den 1997 verstorbenen Country Musiker. Sicher wollte man ihm die letzte Ehre erweisen.

Die Songs auf “Demons” klingen warm und homogen – aus einem Guss und nicht überproduziert. Eben „Supernatural“ – wie es auch in einem der Songs heißt. Margos Stimme ist dabei gefühlvoll und rauchig, wie man es von ihr gewohnt ist. So muss eine Folkstimme klingen. Das Album beginnt mit den bluesigen Songs „Wrong Piano“ und „Flirted With You All My Life“ und wird zum Ende hin gediegener. Die Ballade „When The Bottom Fell Out“ schließt „Demons“ ab.

„Demons“ beinhaltet eine gelungene Auswahl aus allen 17 Alben Vic Chesnutts. Cowboy Junkies Songwriter Micheal Timmins ist stolz auf das Werk und hofft, dass so viele Hörer auf die brillianten Songs Chesnutts, die vor seinem Tod wenig Beachtung fanden, aufmerksam werden. Bei mir ist diese Hoffnung aufgegangen.

Cowboy Junkies

Die kanadische Alternative-Country Band Cowboy Junkies

Cowboy Junkies “Demons” erschien am 15.Februar über Latent Recordings.

Free Downloads von Cowboy Junkies Album “Demons”:
mp3:Cowboy Junkies – Wrong Piano
mp3:Cowboy Junkies – Flirted With You All My Life

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The Tallest Two - Christoffer Englund und Kajsa Pehrsson

Eigentlich hatte ich es mir ja zur Lebensaufgabe gemacht vier Jungs aus Stockholm groß raus zu bringen. Doch irgendwie zeigen die Long Distance Runners nicht wirklich Durchhaltevermögen. Weiß nicht, ob mir das schwer im Magen liegt oder die Spaghetti mit Tomatensoße, die ich gerade verdrückt habe. Jeder aus der Truppe zieht es anscheinend vor seine Energie in Nebenprojekte zu stecken, so auch Gitarrist und Sänger Christoffer Englund.

The Tallest Two heißt das Duo in dem Englund seit 2009 mit der aus Umeå stammenden Sängerin Kajsa Pehrsson musiziert. Zumindest haben die beiden im vergangenen Herbst einen Videoclip zum Song „Let‘s Pretend“ abgedreht, in dem sie sich gegenseitig ansingen. Ich muss sagen das Stück geht unter die Haut. Seichte Gitarrenklänge und diese perfekte Zweistimmigkeit – ein Genuss. Aber schaut doch selbst!

Hinter der Kamera war übrigens auch einer der Langstreckenläufer – der Drummer und Sänger Erik Östholm.

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Die englische Sängerin Lou Rhodes, die bessere Hälfte des Manchester Trip-Hop-Duos Lamb, gab kürzlich über Facebook bekannt, dass sie mit dem Bandkollegen Andy Barlow an einem neuen Album arbeite. Da geht mir doch just zu Weihnachten das Herz auf. Hieß es doch 2004 die beiden müssen wegen zu vieler Differenzen und kreativer Spannungen eine „künstlerische Pause“ einlegen.

Auch privat war 2004 für Lou Rhodes eine Zeit des Umbruchs. Nach der Trennung von ihrem Ehemann verlässt die heute 46-jährige die Heimat Manchester und zieht mit den beiden Söhnen zunächst mit einem Wohnmobil durch Großbritannien. In der Kommune „Ridge Farm“ in der englischen Grafschaft Surrey, in der Nähe von London, finden die Drei ein neues Zuhause. Heute leben sie auf einem Anwesen in Wiltshire. Abseits vom Großstadttrubel findet sich Ruhe. Körper und Geist können entschleunigen, sich selbst neu erfahren. Lou Rhodes kann tief in sich selbst eindringen – jede Zelle des Körpers mit Spiritualität tränken.

Geerdet und besinnlich klingt fortan auch Lou Rhodes’ Musik. 2006 gründet sie ihr eigenes Label „Infinite Bloom“, verfeinert ihr Gitarrenspiel, komponiert neue Songs und singt beeindruckender als jemals zuvor. Dabei tritt sie mit einer jugendlichen Frische und  Natürlichkeit auf, die ihr verdammt gut steht und ihr fast etwas Überirdisches verleiht.

Wenn Lou Rhodes die Bühne betritt, braucht sie keinen modischen Fummel wie Robyn, kein Gala Make-up und Federschmuck im Haar wie etwa Nina Persson, keine dramatischen, affektierten Gesten. Sie braucht nur einen Stuhl, ihre Gitarre und den direkten Draht zu etwas, das wir vielleicht nicht begreifen können.

Am 6.Mai dieses Jahres sah ich Lou Rhodes zum zweiten mal live. Ein bestuhltes Konzert im Lido in Berlin. Sie strahlt etwas Magisches aus, wenn sie dort sitzt, in sich versunken die Gitarre zupft und eine Stimme aus ihrer Kehle strömt, die Eisberge schmelzen lässt und mir einen heißkalten Schauer über den ganzen Körper jagt. Ein süßer Schmerz breitet sich in der Brust aus und nimmt so viel Platz ein, dass es mir fast die Luft zum Atmen raubt.

Sie stellte ihr bereits drittes Soloalbum „One Good Thing“ vor und spielte auch hauptsächlich Songs von diesem. „One Good Thing“ – vielleicht sogar die beste Sache in diesem Jahr. So ein Album voller Schmerz, und doch voller Kraft und Zuversicht. Denn durch den plötzlichen Tod ihrer Schwester Janey gab es für Lou Rhodes viel Schmerz und Trauer zu bewältigen in den vergangenen Jahren.

Aufrichtig klang Lou Rhodes stets auf ihren Soloalben. Eine Aufrichtigkeit die dem Gesang bei Lamb fehlte, jedoch schindete jener nicht weniger Eindruck. Bei Lamb‘s Trip Hop standen Rhythmik und Sound definitiv im Vordergrund. Lou Rhodes Gesang setzte den Tracks lediglich die Krone auf und sorgte für den nötigen Gänsehaut-Effekt. Wir werden sehen inwiefern Lou Rhodes Solokarriere als Folkmusikerin Einfluss auf die neuen Songs von Lamb hat. Das neue, fünfte Werk wird übrigens “5″ heißen. Ich freue mich drauf. Ich freue mich auf das kommende Frühjahr – denn dann gibt es ganz sicher das neue Album von Lamb. Am 5.Mai.

Diskografie

Lamb

  • Lamb (1996, Fontana Records)
  • Fear Of Fours (1999, Polygram Records)
  • What Sound (2001, Mercury Records)
  • Between Darkness And Wonder (2003, Mercury Records)

Lou Rhodes

  • Beloved One (2006, Fullfill)
  • Bloom (2008, A&G Records)
  • One Good Thing (2010, Motion Audio)

Neue Songs von Lamb könnt ihr auf deren Myspacepage hören:
www.myspace.com/lambofficial

Hier könnt ihr genaues über Lou Rhodes Beweggründe zum neuen Album lesen und es auch vorbestellen:
lambofficial.com/home

mp3: Lou Rhodes – Janey
mp3: Lou Rhodes – There For The Taking
mp3: Lamb – Gorecki

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.