Die Jungs das letzte Mal auf der Bühne v.l. Sami Sirviö, Joakim Berg, Markus Mustonen und Martin Sköld (Foto: rockfoto.nu)

Es ist 20 Uhr am 17. Dezember 2016. Kent betreten ein letztes Mal die Bühne in der Tele2 Arena in Stockholm. Der Abschied vom Abschied beginnt. Knapp drei Monate Tournee liegen hinter den coolen Jungs in schwarzer Lederkluft. 28 Konzerte in ganz Skandinavien. Schon in ein paar Stunden wird Schwedens größte Rockband Geschichte sein. Sie hinterlassen uns nach 26 Jahren Karriere zwölf Studioalben und unzählige Erinnerungen.

Vor einigen Tagen habe auch ich Abschied genommen. War auf dem ersten Konzert der letzten drei ins Schwedens Hauptstadt. Schon zeitig haben wir uns auf den Weg gemacht. Warten in nordischer Eiseskälte eine gute Stunde vor den Toren der riesigen Arena, um einen guten Platz vor der Bühne zu bekommen. Der Beginn der Show wird mit einem dreißig Minuten Countdown eingeläutet – auf der riesigen Videoleinwand.

Ein visuelles Spektakel - Filmemacher Adam Berg kreierte eine geniale Videoshow für Kents Abschieds-turne. (Foto: instagram)

Ein visuelles Spektakel der Meisterklasse

Von der ersten Sekunde an begegnen wir Magie auf dieser Videoleinwand. Aus dem Dunklen läuft sie auf uns zu – die uns bekannte Trommlerin mit den blonden Zöpfen, kommt näher und näher bis wir in ihre großen, wasserblauen Augen schauen. Zuerst kommen die drei Backgroundsängerinnen Daniela Sörensen, Carolina Wallin Pérez und Malin Brudellauf die Bühne. Dann Sami Sirviö, Markus Mustonen, Martin Sköld und zuletzt Joakim Berg. Ich stehe weit vorn an der Bühne, Joakim vor mir und ich kann es kaum glauben, dass dies nun das letzte Mal sein soll, dass wir einander sehen.

Opener ist eine Kurzversion von „GIGI“ vom aktuellen Album „Då som nu för alltid“. Es folgt die Hymne „999“ (Jag är inte rädd för mörkret) und eine neue, poppige Version der Ballade „Lilla Ego“ (Hagnesta Hill) aus dem Jahre 1999. Die Kent-Fans sind von Anfang an gut drauf, grölen alle Songs lauthals mit. „Romeo återväder ensam” (Du & Jag Döden) bringt mich das erste Mal so richtig zum Tanzen und ich fühle einen süßen Schmerz in meiner Brust.

Kent-Frontmann und Songwriter Joakim Berg spielt Gitarre (Foto: instagram/@sandrafotar)

Är du lycklig nu? – Bist du jetzt glücklich?

Auf den Playlists der vorigen Konzerte konnte ich bereits sehen, dass Kent „Vinter02“, einen meiner absoluten Lieblingssongs, neu in die Setlist aufgenommen haben. Der Grund dafür war mir nicht ganz klar, doch hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass sich dahinter noch etwas Anderes verbirgt, gab es doch während der gesamten Tour keine signifikanten Veränderungen an der Setlist. Dies ist aufgrund des minutiös geplanten, visuellen Erlebnisses auch nicht möglich. Videokünstler Adam Berg (Joakims Bruder) liefert wundervolle, naturgewaltige Bilder, die sich wie ein roter Faden durch das Konzert ziehen und Kents Geschichte neu erzählen. Bei „Var är vi nu“ (Tigerdrottningen) schauen wir den fallenden Schneeflocken zu und spüren dabei, wie die Erde sich dreht. Zu „Hjärta“ (Röd) bewundern wir den anmutigen, weißen Andalusier-Hengst, der auf den Punkt genau, zu Beginn des Refrains in Slow-Motion die Vorderhufe in die Höhe reißt.

Mit „Andromeda“, „Egoiste“ und „Vi är för alltid“ liefern Kent ordentlich ihre aktuellen Songs ab und lassen sich gebührend feiern. Dann zeigt sich auf der Leinwand eine nächtliche, winterliche Landschaft und ein weißer Tiger läuft durch den Schnee. Majestätisch und friedlich. Ich weiß nun wird es hart für mich. Jocke singt warm und getragen „Är du lycklig nu, är du lycklig nu? Har vi tid innan allting tar slut? (Bist du glücklich nun, bist du glücklich nun? Haben wir Zeit bevor alles ein Ende nimmt?) – Wie kann ich glücklich sein, wo es nun zu Ende geht? Wie kann ich? Und doch bin ich unendlich dankbar für all die Jahre mit Kent und lasse dieses Lied „Innan allting tar slut“ (Isola) in mein Herz strömen und die Tränen nehmen ihren Lauf. Dieses Gefühl werde ich niemals vergessen.

* “Innan allting tar slut” live in Stockholm 16. Dezember 2016 *

Die Überraschung des Abends: “Vinter17″

Eine weitere große Hitsingel folgt nach „La Belle Epoque“ (Tigerdrottningen) und „Ingenting“ (Tillbaka till samtiden) – „Kärleken väntar“ (Vapen & Ammunition). Dann gibt es die wirkliche Überraschung des Abends. Jocke erzählt, dass er während der Tour einen weiteren Song geschrieben hat, den die Band erst drei Mal geprobt hat und sie diesen nun das erste Mal live spielen werden „Vinter17“ – der Kreis schließt sich. Der neue Song ist eine gute Rocknummer und man denkt „Hey, das könnte auch ein alter Song sein, der ist cool!“

Trotzdem fand ich, dass die Band im Vergleich zu dem Konzert, welches ich am 12. November in Malmö erlebte, nicht gut drauf war. Joakim hatte kaum Lust zu reden und auch die Band machte einen müden Eindruck. Sicher werden die Jungs unglaublich erschöpft sein und sind vielleicht wirklich froh, wenn die Tour nun zum Ende kommt. Dies äußerte sich auch darin, dass die Band nicht wie sonst nach dem Konzert zu den Fans kam, um Rosen zu verteilen. Wir warteten sicher fünfzehn Minuten. Kein Jocke, kein anderes Bandmitglied ließ sich blicken. Ich hätte gern, extra aus Berlin angereist und auch Kent-Fan seit vielen vielen Jahren, eine Rose bekommen und meine Dankbarkeit persönlich geäußert. Einige junge Mädchen, die vor der Bühne lauerten, mussten bitterlich weinen, als die Security Leute verkündeten, dass heute niemand raus käme zu ihnen. Die Enttäuschung war groß. Gerade eben habe ich auf facebook ein Video mit der heutigen Bandverstellung gesehen. Joakim und die Band sind sichtlich berührt, ringen selbst mit den Tränen, bringen vor Rührung kaum ein Wort raus. Am heutigen Tag ist Kent bewusst, dass es das nun war. Mir stockt der Atem bei diesem Anblick.

Auch Kent sind vom Abschied sichtlich berührt und verteilen Luftküsse für die Fans (Foto: Instagram/@lovisaantonsson)

Im Refrain zu „Jag ser dig“ (Jag är inte rädd för mörkret) kann sich das Publikum selbst auf der Leinwand sehen. Sich erkennen, winken, sich freuen. „Musik non Stop“ (Hagnesta Hill) wird eine richtige Popnummer und das schwedische Hochzeitstanzlied Nummer Eins „Utan dina andetag“ bricht auf diesem Konzert wirklich jedem das Herz. Ich muss sagen, dass mich Joakims Gesang an diesem Abend wirklich beeindruckt, berührt hat. Ich habe ihn noch niemals so warm, gefühlvoll und klar singen hören. Chapeau!

„Välkommen, välkommen hit! Vem du än är, vad du än är.“ In den Neunzigern holte man zum Schunkeln die Feuerzeuge raus, heute gibt es die passende App, um bei „Sverige“ (Vapen & Ammunition) Stimmung zu erzeugen. Es ist so schön, all die tausenden Lichter zu sehen, die die Arena hell erstrahlen lassen und so ein Gefühl von Gemeinsamkeit erschaffen. Du gehörst dazu, wir alle sind willkommen und gehen diesen Weg gemeinsam. „747“ (Isola) war stets der letzte Song auf allen Kent-Konzerten. Ein Song, welcher mir persönlich sehr viel bedeutet. Nun tanzte ich ein letztes Mal dazu. Ein letztes Mal sind tausende Arme in der Luft und winken im Takt nach links und rechts.

* ich habe mich sichtlich über den Konfettiregen gefreut *

Den sista sången – Das letzte Lied

Dann die erste Zugabe: “Förlatelsen”. Über mein Lied habe ich in meinem letzten Blogeintrag schon ausführlich geschrieben. Es folgt das ultrapoppige „Dom andra“ eine Singel von Kents Hitalbum „Vapen & Ammunition“ (2002). Dann ist es an der Zeit: „Vi ska alla en gang dö…“ (wir werden alle einmal sterben…) „Mannen i den vita hatten“ (Du & Jag Döden) ist bombastisch, strahlend, explosiv. Jeder im Saal weiß, dass sich gleich der Himmel öffnet und es buntes Kent-Konfetti regnet. Doch das ist nur der kleine Tod. Denn er kommt erst – “Den sista sången”.

Die Masse tobt, ruft laut: „En gång till, en gång till, en gång till…“, voller Erschöpfung vom Singen, Applaudieren, Tanzen, Jubeln, Weinen, nach bereits zwei ein halb Stunden Spielzeit und 24 Liedern. Auf der schwarzen Videoleinwand läuft eine Gestalt auf uns zu, wie schon zu Anfang des Konzertes. Ein Kind, doch das Bild sieht aus wie ein Foto-Negativ. Dann kommen zuerst die Mädchen zurück auf die Bühne, lassen sich feiern und dann die Jungs. Alle ganz in weiß gekleidet. Markus haut schwer in die Trommeln seines Schlagzeuges und es ertönen wundervollste sphärische Gitarren. Jocke singt die ersten Zeilen, als würden warme Sonnenstrahlen aus ihm heraus fließen “Dina solvarma händer, svala stillahavsvindar lekte i ditt hår…” Nur vor ein paar Wochen bin ich noch mit einem Freund in der kalifornischen Sonne durch Malibu gecruist und wir hörten dieses Lied. „…jag minns det som om det var igår, vi körde genom Malibu när det äntligen blivit vår…” wir sehen uns an und müssen lachen.

Nun zieht sich der alte, weiße Tiger zum Sterben in sein dunkles Versteck zurück. Vielleicht ruht er sich aber auch nur aus und wagt sich in ein paar Jahren wieder zurück ins seine alte Welt. Vi har en mikroskopisk chans att bli gamla tillsammans.

* Kents Abschiedsvideo “Den sista sången” erschien am 19. Dezember 2016 als Dank an die treuen Fans *

Kent verbeugen sich vor ihrem Publikum (Foto: instagram/@nilscarmel)

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Kleines Lichtspiel in unsrer Küche - Hashtag des Tages #Kent

Nun sind es nur noch wenige Tage bis meine Jungs ihren Abschied einreichen. Ich werde von Tag zu Tag melancholischer, erinnere mich an meine Jahre mit Kent, die vielen Konzerte. Momente. Wie ich 2008 in Göteborg in einer lauen Sommernacht, barfuß und verliebt durch die Stadt nach ihrem Konzert in Slottskogen gelaufen bin. Ich später, mit gebrochenem Herzen, weinend, schluchzend unzählige Male “747″ hörend, auf dem Oberdeck der Fähre nach Kiel gesessen habe und auf die Stadt zurück blickte, die immer kleiner wurde am Horizont.

1999 habe ich Kent das erste Mal im Radio gehört, als ich von der Abendschule in Rostock mit dem Auto nach Hause fuhr. Es lief “Kungen är död” (Der König ist tot) von der “Hagnesta Hill”. Ich war so berührt von Joakims weinerlicher, getragener Stimme. Fühlte mich sofort zuhause, obwohl ich kein Wort verstand, von dem was er dort sang. Dort begann sie, meine Reise mit euch – Joakim, Sami, Martin und Markus. Eine Reise, die 16 Jahre lang andauerte und nun endet.

Kommenden Donnerstag werden wir uns das letzte Mal in Stockholm sehen. Sista gången vi ses. Und der Abschied wird so schwer. Ich werde hoffentlich das letzte Mal dort in der ersten Reihe stehen, versuchen eine Rose von Joakim oder Sami zu bekommen. Dann werdet ihr es schon gespielt haben, mein Lied “Förlåtelsen” (Die Vergebung) vom aktuellen Album “Då Som Nu För Alltid”. Ich werde jedes Wort Zeile für Zeile mitsingen, denn ihr habt es eigens für mich geschrieben, um mich zu erlösen, nach all den Jahren.

Impressionen aus dem Musikzimmer

Ich sehe mich dort stehen, atme jede einzelne Textzeile ein und aus, als fließe sie direkt aus meiner Seele. Erinnerungen werden reanimiert, die längst begraben schienen, doch nagen sie unaufhörlich an mir, zerren an meinem Herzen. Mein Herz, welches ich mir selbst gebrochen habe. Dinge, die ich gesagt, getan, verschwiegen habe. Verletzungen, die ich anderen zugeführt habe. Menschen, die ich sehr liebte. Wie dicke graue Schleier legen sich Taten und Worte auf meine Seele und es gibt kein Entkommen, keine Vergebung. Und Joakim, du nimmst mich an die Hand, denn wir sind noch weit entfernt vom Ziel. “Nu är vi så långt långt långt långt långt från målet, från förlåtelsen…”

Ja, ich war einst so jung und stolz, elitär und idealistisch. Und dann habe ich alles verloren. Meinen Halt in der Wirklichkeit, meine Tatkraft, mein Suchlicht, mich selbst und am Ende habe ich “Dich” verloren. Doch macht es Sinn jahrelang mit einem Geist Hand in Hand durch einen Park in einer namenlosen Geisterstadt zu laufen? Ich will nicht dort sein, wo die Verdammten und Vergessenen sich tummeln. Ich will nicht verloren sein. Ich will am Leben sein.

Så finns där någon mening i att vänta på förlåtelsen? (Macht es irgendeinen Sinn auf Vergebung zu warten?) singt Joakim fragend im Refrain. Nein, wir müssen uns am Ende selbst vergeben. Kan du förlata? Jag kan förlata! Die Dinge fortan besser machen, verantwortungsvoller mit uns selbst und vor allem mit anderen Leben umgehen, Mensch oder Tier. Und Joakim, du hast mich auf den richtigen Weg geführt, den Weg, welcher uns nach Hause führt. Så, där finns en väg som leder oss hem. Und dieses Zuhause ist wunderschön, es ist Glück und Leben. Wir müssen nur alle genau hinschauen und es erkennen. So, ich werde nun Lussekatter backen. Morgen ist Lucia.

Då som nu för alltid - Dieses Bild vom meinem Tattoo enstand an meinem Hochzeitstag. Nicht perfekt, aber für immer da.

Första gången jag såg dig
Ögonblick då allt vänder
I minnet en målning
Som aldrig förändras
Vad som än händer
Minns hur vi pratade
Ögonblicken som dödade mig
Och allt det jag saknat
Blev plötsligt en fördel
Jag hade en fördel
Vi ändrade planerna vi haft
Byggde upp nya ifrån scratch
Och du var som ingenting jag känt
Jag var förlorad
Allt var förlorat
Allt var förlorat
Jag var förlorad
Den här staden är namnlös
Alla gator är öde
Alla hus i ruiner
Här hamnar de glömda
De på förhand dömda
Jag går genom parken
Hand i hand med ett spöke
Där allting har vuxit över igen
Utanför ligger öknen
Jag ser bara öknen
Planer vi gjorde upp en gång
är som minnet av drömmen när
morgonen kommer
Nu är vi så långt långt långt långt
Från målet
Från förlåtelsen
Allt var förlorat
Jag var förlorad
Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?
Jag tappade takten
Släppte greppet om verkligheten
Jag var så stolt en gång
Jag var elitistisk
Idealistisk
Förlorade mitt sökljus
Högt upp i ett sekelskifteshus
Jag glömde min drivkraft
Det finns inget hjärta
Om du inte har kul
Jag förlorade mig själv
Allting i min värld gick sönder
Och nu till slut så förlorar jag dig
Jag har förlorat
Allt är förlorat
Allt är förlorat
Jag har förlorat
Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?
Vi ärvde vår synd
Vår eviga synd
Vi äger vår synd
Vår eviga synd
Vår verkliga synd
Är att vi tillåter oss att tro…

Första gången jag såg dig
Ögonblick då allt vänder
I minnet en målning
Som aldrig förändras
Vad som än händer
Minns hur vi pratade
Ögonblicken som dödade mig
Och allt det jag saknat
Blev plötsligt en fördel
Jag hade en fördel

Vi ändrade planerna vi haft
Byggde upp nya ifrån scratch
Och du var som ingenting jag känt
Jag var förlorad
Allt var förlorat
Allt var förlorat
Jag var förlorad

Den här staden är namnlös
Alla gator är öde
Alla hus i ruiner
Här hamnar de glömda
De på förhand dömda

Jag går genom parken
Hand i hand med ett spöke
Där allting har vuxit över igen
Utanför ligger öknen
Jag ser bara öknen

Planer vi gjorde upp en gång
är som minnet av drömmen när
morgonen kommer
Nu är vi så långt långt långt långt
Från målet
Från förlåtelsen

Allt var förlorat
Jag var förlorad

Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?

Jag tappade takten
Släppte greppet om verkligheten
Jag var så stolt en gång
Jag var elitistisk
Idealistisk

Förlorade mitt sökljus
Högt upp i ett sekelskifteshus
Jag glömde min drivkraft
Det finns inget hjärta
Om du inte har kul
Jag förlorade mig själv
Allting i min värld gick sönder
Och nu till slut så förlorar jag dig
Jag har förlorat
Allt är förlorat

Allt är förlorat
Jag har förlorat

Så finns det någon mening i att säga förlåt
Finns det någon väg som leder oss hem
Finns det ens ett hem där vägen tar slut
Kan du förlåta?
Jag kan förlåta
Jag har bara alla mina jävla ord
Alla de där stora tomma orden
Finns det någon mening i att vänta på
Förlåtelsen förlåtelsen?

Vi ärvde vår synd
Vår eviga synd
Vi äger vår synd
Vår eviga synd
Vår verkliga synd
Är att vi tillåter oss att tro…

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Kom och möt mig på vänstra stranden, en vit ros i din hand (Komm und treff mich am Strand auf der linken Seite, eine weisse Rose in deiner Hand)

Als ich die „Då som nu för alltid“ das erste mal gehört habe, musste ich „Den vänstra stranden“ nach der ersten Strophe skippen. So schmalzig und langweilig kommt dieser Song daher. Für die Rezension musste ich mich sehr bemühen bis zum Ende durchzuhalten und echt überlegen, ob es überhaupt was gutes an dem Track gibt. Der Text ist zumindest wunderschön romantisch. Handelt von einer sehr alten vergangenen Liebe, der man scheinbar noch immer hinterher hängt und hätte eine angemessenere Einbettung verdient.

Der C-Teil ist in der Tat ganz groovig und macht Spaß, passt aber so gar nicht zum Rest der Komposition. In Strophe und Refrain treffen Enya, Michael Cretu und besternfalls Take That aufeinander und da kann ich mich so gar nicht drin wieder finden. An meiner Wand hing nie ein New Age Poster. Wirklich die schlechteste Komposition und der Tiefpunkt des Albums. Kann also nur bergauf gehen.

Fortsetzung folgt…

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Kent (v.l. Jocke Berg, Martin Sköld, Sami Sirviö und Markus Mustonen)

Der dritte Track eines Albums hat häufig eine Schlüsselfunktion. Ist etwas besonderes für die Band. „Vi är för alltid“ ist hier der Titelsong des Albums und wird dem nicht unbedingt gerecht. Die Melodie ist fad, der Gesang wenig prägnant und der Refrain zu ironisch. Hier kann man irgendwie nichts und niemand Ernst nehmen und soll man glaube ich auch nicht.

„Dom kommer sjunga sånger om oss, Vi är för alltid, Dom kommer göra filmer om oss, Vi är för alltid…“ (Sie werden Lieder über uns singen, Wir sind für immer, Sie werden Filme über uns machen, Wir sind für immer…) Hier spiegelt sich das schwedische Nationaltrauma wieder, etwas darzustellen, von Bedeutung zu sein, einen wichtigen Platz in der Welt zu haben. Doch Jocke Berg weiß zu gut, dass sein Land sich in Gewöhnlichkeit und Tristheit verliert, dem Konformitätsdruck unterliegt.

Find ich persönlich schade, denn den Albumtitel an sich finde ich nicht ironisch. Kent wollen sich schon gebührend von uns verabschieden und das gelingt ihnen auch. Es gibt Songs auf der „Då som nu för alltid“, die einem Denkmal gleich kommen, jedoch man muss sich vorerst durch die erste Hälfte des Albums kämpfen.

Sparen können hätte man sich in „Vi är för alltid“ auch den anschwellenden C-Teil, der zu nichts hinführt außer, dass an seinem Ende ein Sack Kartoffeln auf der Snaredrum ausgeschüttelt wird. Ganz hübsch ist jedoch Sami Sirviös sommerliche Gitarre. Sie gibt dem Song eine gewisse Leichtigkeit und Erträglichkeit und erinnert an das hitzige Gefühl von „En plats i solen“.

Fortsetzung folgt…

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Zinnsoldaten zierten einst Kents Single "Töntarna" vom Album "Röd" (2009)

In „Tennsoldater“ (Zinnsoldaten), dem zweiten Track der „Då som nu för alltid“, setzen Kent ihren gewohnten, tanzbaren Elektropop der letzten Jahre fort, der mit der „Tillbaka till Samtiden“ vor neun Jahren so schön begann. Die ersten Takte und Beats klingen alles andere als kalt, sondern pulsieren synchron mit meinem eigenen Herzschlag.

Jockes Stimme hingegen klingt kühl, durch den minimalen Vocoder sogar distanziert. Resigniert. Hier wird nicht mehr gekämpft. Es liegen nur noch Verletzte auf dem Schlachtfeld. Und doch schwingt niemand die weiße Flagge. Die Schlacht muss weiter gehen, bis keine Zinnsoldaten mehr stehen.

Die Liebe war einst groß – offen die Herzen. Offen für Verletzungen. Doch waren diese zu groß? Was hat uns zu Monstern gemacht? Was hat uns den Hass gebracht? „Vi hukar oss och väntar på slaget, (och du säger) ”men det är bara ord”, Men hat är hat, Vem som än håller i vapnet…“ (Wir ducken uns und warten auf den Schlag, (und du sagst) “Aber es sind doch nur Worte“, Aber Hass ist Hass, Wer auch immer die Waffe hält…)

Oder kämpft hier alleine die Liebe gegen den Verstand? Fühlt es was es nicht fühlen soll? Für etwas, für jemand, das, der, die mir nicht gut tut? Begierde? Leidenschaft? „Jag kan inte lura mitt hjärta, Hur gärna jag än vill, Kan jag inte lura mitt hjärta…“ (Ich kann mein Herz nicht täuschen, Wie gerne ich es auch möchte, Kann ich mein Herz nicht täuschen…) Dieser Refrain ist so ehrlich, hat eine bei Kent erstmals hörbare erotische Spannung. Wer oder was kann hier nicht von wem lassen? (rör mig! Berör mig!) – Ich muss mich bewegen, muss tanzen! HA! Mein Herz, es hat mich erwischt.

Fortsetzung folgt…

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Andromeda

01 Jun 2016

Kent benannten den Opener von „Då som nu för alltid“ nach "Andromeda" aus der griechischen Mythologie, die sich heute als Galaxie und Sternbild am nächtlichen Himmel findet.

„Då som nu för alltid“ beginnt seltsamerweise ähnlich wie die „Tillbaka till Samtiden“ (2008) mit einem kurzen, elektronischen Sample. Kurz darauf folgt Heimat: Jockes vertraute, so sanfte, erzählende Stimme. „Hjärtat blir aldrig fullt, En livstid ska få plats där…“ (Das Herz wird nie voll, Eine Lebenszeit bekommt dort Platz…) Das sitzt schon mal, ist so fühlbar. Auch mein Herz wird niemals voll, wird es auch in tausend Stücke zerrissen. Es wird weiter gefüllt werden, mit Glück, Abschied, Schmerz und Trauer, bis es draussen in der kühlen Nacht von der Unendlichkeit verschlungen wird – vom Lichte Andromedas.

Jocke Berg in “Andromeda”, bereits im Auftakt eines Albums, über seine Kindheit reflektieren zu hören, hinterlässt einen besonderen Eindruck in mir. Schafft bereits mit den ersten Takten und Worten einen Moment starker Verbundenheit. Das gesamte Arrangement strahlt eine kosmische Klarheit aus. „Mitt hjärta är ditt land nu, Inget är förbjudet här, Inga gränser ingen mur, Ser du ljuset från Andromeda…“ (Mein Herz ist nun dein Land, Nichts ist hier verboten, Keine Grenzen, keine Mauer, Siehst du das Licht Andromedas…) Ob Jocke weiß, wie unendlich viel größer diese Zeilen für jemanden wie mich sein müssen? Aufgewachsen in einem Land umgeben von Stacheldraht, welches nur noch in Geschichtsbüchern existiert und in den Erinnerungen meiner Kindheit.

Ein Donnerschlag. Schlagzeug, Gitarre und Bass bilden eine bedrohliche Einheit. Und plötzlich. Da ist er endlich wieder – der Kinderchor (Jockes alter Ego, unser Alter Ego) – zerrt an der Seele, erinnert Jocke, mich, uns daran, wer wir damals waren, wer wir heute sind. Wie wir aufgewachsen sind und heute leben. „Vi var kids (just kids), Vi var småbarn, Vi var kids (just kids), I en spökstad…“ (Wir waren Kids (just Kids), Wir waren Kleinkinder, Wir waren Kids (just Kids), In einer Geisterstadt…) Erinnerungen spielen sich vor meinem geistigen Auge ab, wunderbare – grausame. Aber ich bereue nichts von dem, was ich getan habe – nicht mehr.

Im C-Teil säuselt Jocke mir ganz leise ins Ohr. „Säg vad tänker du på? Jag vet hur långt du kan gå, Som ljuset från Andromeda…“ (Sag an was denkst du? Ich weiß wie weit du gehen kannst, wie das Licht von Andromeda…) Komm mit! Komm mit in die Vergangenheit! Und so gehe ich in Gedanken dorthin zurück, Hand in Hand mit der kleinen Sandra. Eine neue Art Frieden mit mir zu schließen, mich selbst zu umarmen. Wir wussten es nicht besser…

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Das Cover "Då som nu för alltid" 2016 (v.L. ....)

Ich habe diesen Tag stets gefürchtet. Den Tag, an dem ich beginnen muss, Abschied zu nehmen. Den Tag, an dem das Ende einer Ära eingeläutet wird. An dem sich der müde, weiße Tiger ins Dunkle zurückzieht – sich schlafen legt – für immer.

Nach 26 Jahren verlassen Kent die große Arena des schwedischen Popbusiness. Bereits im Trailer zum neuen Album und zu Kents Abschiedstournee trommelt das totenkopfgeschminkte Mädchen alle zum großen Begräbnis zusammen. Zur letzten andächtigen Feier. Auf dem Weg zur letzten Ruhestätte, vergegenwärtigt sich ein ganzes musikalisches Leben. Finden Kent im Marsch zurück zu ihren Anfängen, zu einer lange verschollenen Sensibilität und Kreativität. Schinden das letzte mal Eindruck – einen bleibenden – „Då som nu för alltid“ (Damals wie heute für immer).

Seit der Veröffentlichung am 20. Mai, habe ich dieses Album bereits sehr oft gehört. Es hat mich paralysiert, meine Tränen fließen lassen, mein Herz brennen lassen und meine Füße beim Tanzen im Wohnzimmer. Ich gab ihm Zeit, sodass es wachsen konnte. Lasse auch Milde walten, ist es doch der letzte Gruß. Für mich hat das Schreiben über Kents letztes Werk eine große Wichtigkeit. „It’s the story of my life…“ Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, die Rezension des Albums nicht in einem einzigen, großen Text zu veröffentlichen, sondern Lied für Lied in chronologischer Reihenfolge. Für mich und alle anderen Kent-Fans endet mit den letzten Konzerten im Dezember ein wichtiger Lebensabschnitt und ein neuer beginnt. Doch erst werden wir es geniessen – unser letztes Album – unser letztes Jahr mit Kent.

Ein sanftes, doch forderndes Trommeln, ruft die Kent-Jünger zusammen, entfacht einen Marsch gleich einer Symfonie aus Gitarren, Bläsern und Chören. Doch hält dieser opulente Sound was er verspricht?

Fortsetzung folgt…

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Cover von Kents aktueller Single "Var är vi nu?"

In genau dieser Nacht vor drei Jahren hatte ich einen Traum. Ich sah meine Tante in ihrer alten Wohnung zusammen mit ihrem Sohn gemeinsam auf dem Sofa sitzen. Ein Ausdruck von Innigkeit und Zufriedenheit lag auf den Gesichtern der beiden. Ich wusste: Alles ist gut. Sie haben sich wieder gefunden.

In dieser Nacht, vor genau drei Jahren, starb meine Tante. Lange litt sie an Krebs. Kämpfe hart, von Operation zu Operation, Chemotherapie zu Chemotherapie, viele Jahre um ihr Leben. Doch es hatte nicht sollen sein. Zu groß war der Schmerz, der sie zermürbt und so krank gemacht hat. Ein paar Tage zuvor hatte ich sie noch besucht im Hospiz. Doch zu dem Zeitpunkt lag dort schon nicht mehr der Mensch, den ich von früher kannte. Nicht mehr die Mutter von Olli, meinem Cousin. Dieser Mensch hatte uns schon lange verlassen, Jahre zuvor, als mein Cousin an einem Autounfall mit gerade mal 18 Jahren starb.

Als ich ging, blickten wir einander in die Augen. Ich sah nur Leere, Leere und Sehnsucht. Sehnsucht nach Erlösung, nach dem Ende, nach ihrem Sohn. Ich sagte „Mach es gut!“. Meine Tränen konnte ich kaum halten, alles in mir bebte. Ich wusste, es war das letzte Mal, dass ich sie sah.

Heute höre ich diesen Song von Kent „Den andra sidan“ (Die andere Seite) vom aktuellen Album “Tigerdrottningen”. Denke an meine Tante Marianne. Denke an das bisschen Zeit was wir alle hier auf Erden haben und an das was danach kommt. „…Jag vet vad tiden är värd, och tiden rinner iväg, en gång var jag miljonär, när vi hade all tid i världen…“ (…Ich weiß, was die Zeit wert ist, und Zeit läuft uns davon, einmal war ich Millionär, als wir alle Zeit der Welt hatten…)

Aber wir haben sie niemals: Alle Zeit der Welt. Jocke Berg weiß das. Denn die Welt ist nicht unsere, ebenso wenig wie die Nacht, die uns die Träume bringt. “Natten är inte vår” Warte nicht zu lange den Menschen, die du liebst zu sagen und zu zeigen, dass sie wunderbar sind und wichtig für dich. Denn die Zeit bis man sich auf der anderen Seite wieder sieht, kann lange sein, zu lange für ein Leben. Ja, wir verlieren Menschen. Menschen, die Wände aus Eis in unseren Herzen zerbrochen haben, eine Lawine ausgelöst haben. Aber auch dann, wenn der Schmerz unheilbar, die Leere unauffüllbar scheint, dürfen wir uns selbst nicht verlieren. Niemals.

Det fanns en värld av is i hjärtat mitt.
Du startade en lavin när du gav mig ditt.
Det känns som om vi möttes i ett helt annat liv.
Och jag vet att vi ses på den andra sidan.

(Es existierte eine Welt aus Eis in meinem Herzen.
Du hast eine Lawine ausgelöst, als du mir deins gegeben hast.
Ich habe das Gefühl, wir würden uns in einem ganz anderen Leben treffen.
Und ich weiß, dass wir uns auf der anderen Seite sehen.)

Lauschen:

Kent – “Den andra sidan”

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

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Manchmal müssen wir sie beleuchten - unsere dunkle, schöne Seite / Moto Boy 2014

Ich muss gestehen, dass ich von jeher einen ausgeprägten Hang zum Androgynen hatte. Es ist beunruhigend und verführerisch, fremdartig und einnehmend. Doch Moto Boy ist mehr als das: Er selbst wirkt wie ein scheues, doch schillerndes Fabelwesen aus Hopeland mit engelsgleicher Chorknabenstimme, die uns mit ungeahnten Klängen und Melodien  verzaubert, und dem Gesicht einer Venus. Moto Boy lädt uns auf seinem neuen Album “Keep Your Darkness Secret” ein, in sein dunkles Geheimnis, doch gibt er es nicht vollständig Preis. Wir müssen tief graben in seiner Dreampop-Welt aus Dramatik und Verletzlichkeit. Tief eintauchen in sein dunkles, schäumendes Meer aus Sphären und lockenden Sirenen.

In den letzten drei Jahren kehrte Moto Boy, alias Oskar Humlebo, seiner Heimat Schweden den Rücken zu. Die Städte Malmö, Göteborg und Stockholm hatte er vorerst satt und er zog ins, für die Schweden so hippe, Berlin. Dort mietete ein Zimmer, richtete ein Studio ein und suchte Inspiration. Erste Songs für das neue Album nahm er dort auf. Nur ergab es sich so, dass Humlebo im Sommer 2012 auf Tour war mit The Cardigans und eines Abends in Jakarta im Hotelzimmer saß, während besagtes Zimmer in Berlin, wegen des Nachbarn über ihm, der in der Badewanne eingeschlafen war und vergaß den Wasserhahn zu zu drehen, komplett überflutet wurde und sein sämtliches Hab und Gut sowie alle bisherigen Aufnahmen, wie vom Tsunami vernichtet wurden. Alle Stücke mussten neu aufgearbeitet werden und wurden, nun, noch besser.

“Keep Your Darkness Secret” ist Moto Boys drittes Studioalbum und meiner Meinung nach auch sein bestes. Seine Songs klingen noch mutiger und außerirdischer. Dunkler. Nicht vielleicht auch deshalb, weil diese im Berliner Birthmark Studio aufgenommen wurden – im beeindruckenden, alten DDR-Funkhaus, einem gigantischen, architektonischen Hingucker, mit einer interessanten Geschichte. Produziert hat Moto Boy die Stücke zusammen mit dem österreichischen Produzenten Niko Stössl, der auch an Dave Gahans (Depeche Mode) Soloalbum als Gitarrist mitwirkte. Seine Idee war es auch in den Songs mehr und mehr von der klassischen Bassgitarre weg zu gehen, überflüssige Gitarrenspuren raus zu nehmen, um diese durch 70-er Jahre Yamaha Piano-Sounds zu ersetzen.

Der Opener des Albums, “Midnight Rain”, beginnt mit einem dramatischen, präpariert klingenden Klavier, das so bedrohend klingt, wie ich es bisher nur von Cranes’ “Forever” kannte. Die anfängliche Beklemmung durch das Klavier, löst sich jedoch in einem Refrain voller schmerzverzerrtem Sexappeal und einer gleichsam unendlichen Liebesgeschichte auf: “…nothing’s gonna change my love for you…you’re everything I wanted you to be, I wanted you to be, I wanted you to be…”

Der Albumtitel und das Titelstück “Keep Your Darkness Secret” ist an Depeche Mode angelehnt, doch soll er nicht so verzweifelt und jammerig wirken. Oskar meint: „Alle Menschen haben eine dunkle Seite. Doch nicht jeder kann sich den Luxus leisten, diese zu zeigen, wie eventuell Popstars, von denen man das sogar erwartet. Ein Lehrer zum Beispiel muss diese Seite geheim halten“. Unsere strahlenden Profilbilder und Fotos auf Facebook und Instagram stehen dafür, wie sehr auch wir unsere dunkle Seite geheim halten. Wer postet schon Fotos, weinend, wütend, neidisch – in tiefer Verzweiflung, Trauer oder gar Hass. Ist es nicht auch so, dass wir uns dadurch angreifbar und verletzbar machen würden. Dieser perlige, himmlisch klingende Titelsong hält uns auf jeden Fall davon ab, unsere Geheimnisse leichtfertig preis zu geben.

Moto Boy klingt auf diesem Album so verbindlich wie nie, schafft eine unglaubliche Intimität. Eines der schönsten Stücke ist vielleicht „This Is Love“. Mehr als nur eine Ballade. „…this is all we can get, no memorse, no regret, this is love. breathe it out, breathe it in, it takes an end to begin, this is love…“ Ganz automatisch sieht man sich eng umschlungen, mit dem Menschen seines Herzens, wippend in einem romantischen Tanz, sich tief in Augen und Seele blickend. „A Dance Like We Used To“ schließt magisch an diesen Song an und erhält die sinnliche, prickelnde, ja erotische Zweisamkeit.

Schauen: die aktuelle, zweite Single “Too Young To Know”

Trotzdem fehlt das obligatorische, romantisch unschuldige Stück zum Popowackeln auf der Tanzfläche nicht. Zu dem sich die jungen Mädchen drehen können bis ihnen schwindelig wird, während sie von diesem schönen, gefühlvollen Moto Boy träumen: “Too Young To Know”. Dieser Song greift die aktuelle Welle des elektronischen Tanzpops in Schweden, mit dem auch die Band Kent Album für Album und Single für Single sicher fährt, aber auch den Dreampop Ende der Achtziger, wie wir ihn von Cocteau Twins kennen, voll auf. Grandioses Stück und aktuelle Single.

“Nothing Shatters Like A Heart” überrollt uns nahezu mit einer dramatischen Orgel und herrlichen weiblichen Chorgesängen, die an- und abschwellen, wie pazifische Wellen. Sie übermannen uns, machen uns wehrlos. Wir versinken. “It hits me like the dark…baby when you fall apart, fall into my arms…nothing shatters like a heart…” Völlig aufgelöst und willenlos überrascht Moto Boy uns am Ende des Albums noch mit einem opulenten Meisterstück: “It Was Always You” Sirrende Streicher, treibende Trommelwirbel, ekstatische Chöre, ein wahrer musikalischer Orgasmus, der sich mit einem sanften Gitarrenakkord verabschiedet und uns völlig fertig einfach liegen lässt. Danke und Tschüss. Ich habe bekommen was ich wollte. Zum Glück kann ich nochmal auf Repeat drücken.

Geheimnisvoll - Cover des Albums "Keep Your Darkness Secret"

Fazit: Dieses Album ist wirklich außerordentlich liebevoll arrangiert. Streicher, Glöckchen, Sphären, beeindruckende Satzgesänge. Alles an den richtigen Stellen, ohne in die Pathosfalle zu tappen. Die reduzierten Gitarren, im Vergleich zu den Vorgängern “Moto Boy” und “Lost In The Call”, stehen Oskar Humlebo außerordentlich gut. “Keep Your Darkness Secret” beweist, dass es noch wahre musikalische Popkunst gibt. Seine dunkle Stimmung erinnert mich an Songs von This Mortal Coil, Cocteau Twins, Cranes und auch Slowdive. Was auch immer in Moto Boy gfahren ist, he was touched by the hand of god. Es freut mich sehr, dass ich am 8. Mai in Stockholm sein werde und Moto Boy ein Konzert im Södra Teatern gibt. In kleines Highlight im Kurzurlaub. Dann wird er sicher nur da stehen mit seiner Gitarre, wie ein Junge. Seinen Lippenstift raus holen und fragen: “Läppstift eller läppstift?”

Moto Boys drittes Studioalbum “Keep Your Darkness Secret” erschien am 26. März auf dem schwedischen Label Songs I Wish I Had Written.

Schauen: Moto Boy mit der ersten Single “Someday” vom aktuellen Album. Am Schlagzeug seht ihr Bengt von The Cardigans/ Brothers Of End

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Cover der neuen Single "La Belle Epoque" von Kent, die heute in Schweden veröffentlicht wird

Läuten Kent da etwa ein neues Zeitalter ein? - “La Belle Epoque” Oder wollen sie mit diesem bissigen Text ihrer neuen Single nur unsere egoistische Gesellschaft wachrütteln? Unsere kleine, heile Welt ein bisschen kaputt hauen, wie der kleine Junge die Sandburg im Sandkasten, die er seinem Spielkameraden nicht gönnt. Es ist erst ein paar Tage her, da habe ich mir gewünscht, dass Musiker weniger über Herzeleid und Liebesschmerz trällern würden, sich ein Stück von sich selbst entfernen, und ihr Augenmerk mehr nach Außen richten, auf unsere angeschlagene Welt, und das was in ihr geschieht.

Joakim Bergs Texte werden kränker und kränker, wie unsere Gesellschaft. Schon in der ersten Textzeile spielt Berg auf Nationalsozialismus an, der auch in Schweden Anhänger zu verzeichnen hat. “Jag är handen som håller flaggan” (Ich bin die Hand, die die Flagge hält) Auf Terrorismus, der überall lauert, sei er von Medien gemacht, Ideologien oder von Staatsapparaten, nichts mehr als ein Machtinstrument: “Jag är bomben på terminalerna i väskan som lämnats kvar” (Ich bin die Bombe in der Tasche, die im Terminal abgestellt wurde) Böse. Jaa, alles ist ganz nah und auch in dir?! So ein bisschen vielleicht?!

Ich hab da mal ins Textbuch von meinem Kumpel Jocke geschaut: Lyrics "La Belle Epoque"

Okay, Jocke Berg unterscheidet sich sich mit seinem Text nicht unbedingt von der Tagesschau oder Explosiv, oder anderem “Alles ist so schlecht TV”. Aber: Er prangert sich selbst an, uns alle, er zieht uns alle rein und packt uns beim Schlawittchen. In irgendeiner Textzeile aus Identifikationen vom Grausamsten finden wir uns wieder, und seien wir auch nur der misstrauische Nachbar oder mobben Kollegen am Arbeitsplatz. Wir verabscheuen diese Welt, in der wir leben. Hassen die Menschen, die in ihr leben. “Ich habe nichts gegen Menschen als solche, meine besten Freunde sind welche.” (Lieblingsblumfeldtextzeile, musste sein)

Dennoch klingt der Song optimistisch. Da ist eine Chance, wenn wir uns auf unser Menschsein besinnen. Alle zusammen. Der Chorus auf Jockes Gesang und die vielen über- und unterlegten zweiten Stimmen unterstützen das ganz eindeutig. Der Refrain klappt nach typischer Kent-Manier herrlich auf und strahlt. Ein Hoffnungsschimmer. Es gibt noch immer Schönes. Sonne, Frühling, Menschen, die wir lieben. Alle für alle. Doch sind wir letztendlich doch uns selbst am nächsten und verschwinden in der grauen Welt? Alle für Alle, Einer für Einen? “Alla för alla, en för en”

Bin gespannt was das Album uns bringen mag. Dieser Song ist zumindest einer der besseren, wenn ich die beiden letzten Alben “En plats i solen” und “Jäg är inte rädd för mörkret” in die meine Einschätzung einbeziehe. Kent haben mich enttäuscht in den letzten Jahren, haben Ihre Seele nach und nach verkauft. “Jag är staten & kapitalet” (Ich bin der Staat und das Kapital), singt Jocke in “La Belle Epoque”. Vielleicht hat er dies erkannt und holt sein Herz beim Holländermichel wieder ab – Mit irgendeinem Trick.

Hören und Text mitlesen:

Kents elftes Studioalbum erscheint am 30.April im Land der Schweden.

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.