Cover der neuen Single "La Belle Epoque" von Kent, die heute in Schweden veröffentlicht wird

Läuten Kent da etwa ein neues Zeitalter ein? - “La Belle Epoque” Oder wollen sie mit diesem bissigen Text ihrer neuen Single nur unsere egoistische Gesellschaft wachrütteln? Unsere kleine, heile Welt ein bisschen kaputt hauen, wie der kleine Junge die Sandburg im Sandkasten, die er seinem Spielkameraden nicht gönnt. Es ist erst ein paar Tage her, da habe ich mir gewünscht, dass Musiker weniger über Herzeleid und Liebesschmerz trällern würden, sich ein Stück von sich selbst entfernen, und ihr Augenmerk mehr nach Außen richten, auf unsere angeschlagene Welt, und das was in ihr geschieht.

Joakim Bergs Texte werden kränker und kränker, wie unsere Gesellschaft. Schon in der ersten Textzeile spielt Berg auf Nationalsozialismus an, der auch in Schweden Anhänger zu verzeichnen hat. “Jag är handen som håller flaggan” (Ich bin die Hand, die die Flagge hält) Auf Terrorismus, der überall lauert, sei er von Medien gemacht, Ideologien oder von Staatsapparaten, nichts mehr als ein Machtinstrument: “Jag är bomben på terminalerna i väskan som lämnats kvar” (Ich bin die Bombe in der Tasche, die im Terminal abgestellt wurde) Böse. Jaa, alles ist ganz nah und auch in dir?! So ein bisschen vielleicht?!

Ich hab da mal ins Textbuch von meinem Kumpel Jocke geschaut: Lyrics "La Belle Epoque"

Okay, Jocke Berg unterscheidet sich sich mit seinem Text nicht unbedingt von der Tagesschau oder Explosiv, oder anderem “Alles ist so schlecht TV”. Aber: Er prangert sich selbst an, uns alle, er zieht uns alle rein und packt uns beim Schlawittchen. In irgendeiner Textzeile aus Identifikationen vom Grausamsten finden wir uns wieder, und seien wir auch nur der misstrauische Nachbar oder mobben Kollegen am Arbeitsplatz. Wir verabscheuen diese Welt, in der wir leben. Hassen die Menschen, die in ihr leben. “Ich habe nichts gegen Menschen als solche, meine besten Freunde sind welche.” (Lieblingsblumfeldtextzeile, musste sein)

Dennoch klingt der Song optimistisch. Da ist eine Chance, wenn wir uns auf unser Menschsein besinnen. Alle zusammen. Der Chorus auf Jockes Gesang und die vielen über- und unterlegten zweiten Stimmen unterstützen das ganz eindeutig. Der Refrain klappt nach typischer Kent-Manier herrlich auf und strahlt. Ein Hoffnungsschimmer. Es gibt noch immer Schönes. Sonne, Frühling, Menschen, die wir lieben. Alle für alle. Doch sind wir letztendlich doch uns selbst am nächsten und verschwinden in der grauen Welt? Alle für Alle, Einer für Einen? “Alla för alla, en för en”

Bin gespannt was das Album uns bringen mag. Dieser Song ist zumindest einer der besseren, wenn ich die beiden letzten Alben “En plats i solen” und “Jäg är inte rädd för mörkret” in die meine Einschätzung einbeziehe. Kent haben mich enttäuscht in den letzten Jahren, haben Ihre Seele nach und nach verkauft. “Jag är staten & kapitalet” (Ich bin der Staat und das Kapital), singt Jocke in “La Belle Epoque”. Vielleicht hat er dies erkannt und holt sein Herz beim Holländermichel wieder ab – Mit irgendeinem Trick.

Hören und Text mitlesen:

Kents elftes Studioalbum erscheint am 30.April im Land der Schweden.

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