Lamb

Lou Rhodes & Andy Barlow sind wieder Lamb - und genialer als zuvor

Lange war ich in ein Album nicht mehr so verliebt. Perfekt harmonieren Andy Barlows geniale Elektronik und Lou Rhodes‘  überirdische Stimme. Diese Fügung geht unter die Haut wie nichts anderes. Welch Glück, dass die beiden einander einst in Manchester begegnet sind und uns nach langer Lamb-Pause mit ihrem fünften Album “5” beschenken. Dort treffen düster schwere Beats und feinstes Gefrickel auf eine Lou Rhodes, die nie sensibler, dichter, lieblicher, dramatischer, erotischer und weiser klang. Eine Offenbarung.

Seit ich 1999 das erste mal Lambs “Gorecki” gehört habe, war es um mich geschehen. Ich konnte nicht genug bekommen vom Charisma dieser Band, dieser treibenden Melancholie. Ich konnte nicht umhin Album für Album aufzusaugen um festzustellen, wie jedes Signal liebevoll arrangiert und der Sound bis zum Optimum ausgefeilt wird, ja sie dabei immer nur besser wurden. Ich ärgere mich, dass ich “5” derzeit nur als matschige iTunes mp3 hören kann. Wie ärgerlich, dass ich mir die limitierte Cd nicht bestellt habe, um über meine Anlage in den vollen Genuß dieses Werkes kommen kann. Doch meine heiligen Boxen schlafen noch gut verschweißt in Plastikhüllen, und die gesamte Anlage muss nach den vielen Umzügen erst aufgebaut werden.

Am liebsten möchte ich alle zum Hören dieses Albums verdonnern. Jedes einzelne Stück ist ein Spektakel. Vom säuseligen Opener “Another Language” bis hin zum finalen, phänomenalen Duett “Back To Beginning” von Lou Rhodes und Damien Rice, findet sich die ganze Vielfalt von Lamb.  Das mysteriöse “Butterfly Effect” – in welches ich richtig vernarrt bin -  sowie “Strong The Root” liefern derbe Beats und wir hören eine coole, nein die coolste Lou Rhodes.

“Build A Fire” ist eine wahre Rockhymne und wenn man im Refrain richtig mitgeht, findet man sich im Stadion in einer springenden, triumphierenden Masse wieder, die die Hände hochreißt, wie man selbst auch. Nachdenklich werden wir in “Wise Enough”. Jeder Moment unseres so kurzen Lebens wird gewertschätzt, unser Dasein hinterfragt. Lieblichkeit und Leichtigkeit erfahren wir in “Rounds” – wow, dieser Gesang geht so unter die Haut und die Sphäre trägt davon. Ich muss gleich noch mal anschalten “…ever going round and round, the circle game we’re in…”

Lauschen:
mp3:Lamb – Rounds

5” erschien am 5.Mai auf Strata Music. Bei gibt es das Album ab 1.Juli.

Lambs “Gorecki”

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Herzschlag

Wenn man, wie ich mit Liegegips „Das Fenster zum Hof“ spielt, und gegenüber immer nur den gleichen langweiligen Typen aus dem Fenster rauchen sieht – bietet es sich derweilen an ein paar Horrorfilme aus dem Regal zu fischen. Um die Besonderheit des heutigen Tages zu unterstreichen, nehme man „My Bloody Valentine“ aus dem Jahre 1981 an – Splatter pur. Dort werden wenigstens echte Herzen verschickt und ein bisschen Kannibalismus gibt es auch – man kann sich also zum Fressen gern haben. Okay, die Story um die verschütteten Bergleute ist etwas platt, führt sie doch aber zu einer der besten und prägendsten Shoegaze-Bands aller Zeiten.

Die Urmitglieder von My Bloody Valentine – Gitarrist und Sänger Kevin Shields und der Drummer Colm Ó Ciosóig – kannten sich schon aus frühester Dubliner Kindheit. Die Beiden spielten schon zu Schulzeiten in verschiedenen Bands miteinander. Nach der Schule wurden da wohl heimllich Splatter-Movies geschaut, die anscheinend derart reinhauten, dass sie hilfreich bei der Suche nach einem geeigneten Bandnamen waren.

Ungewöhnlich, wie der Bandname, war auch My Bloody Valentines Musik. Fette Gitarrenwände, der Einsatz von Rückkopplungen und sphärische Gesänge im Hintergrund, machten ihren Sound unverwechselbar und waren richtungsweisend für die Entwicklung der britischen Musikszene Ende Achtziger/ Anfang Neunziger. Klaus Lage beschrieb ihre Musik als „Engel fahren Achterbahn“ – anders ist es nicht.

Ihre wichtigen EPs und Alben produzierten My Bloody Valentine auf Alan McGees Label Creation. Die Produktion ihres verführerisch pulsierenden Albums „Loveless“ führte das Indielabel 1991 in finanzielle Schwierigkeiten – das ist wahre Leidenschaft. Die Band musste jedoch zwangswechseln zu Island Records. Auch dort gab es Ärger. My Bloody Valentine hatte 500.000 Pfund für unverwertbare Studioaufnahmen ausgegeben und wurde daraufhin rausgeschmissen. Das war das Beziehungsaus.

Das Fenster zum Hof

Wer hat die bessere Aussicht?

„Loveless“ – eigentlich das schönere, erotischere Geschenk zum Valentinstag. Klänge, die das Blut ins Wallen und den Körper zum Beben bringen. Ein Album zum Träumen. Schmeißt die Pralinen und Blumen in die Tonne und legt dieses Album auf. Auch ich lausche gerade – diesem Highlight des Tages. Derweil schaue ich aus dem Fenster. Vielleicht kommt Grace Kelly ja noch vorbei und zaubert mir ein perfektes Dinner. Vegetarisch bitte.

Musik für das perfekte Valentinsdinner von My Bloody Valentines Album “Loveless”  & Lambs “Between Darkness And Wonder”:
My Bloody Valentine – Blown A Wish
My Bloody Valentine – Only Shallow
Lamb – Hearts And Flowers

Besser als der Slasher-Movie:

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Die englische Sängerin Lou Rhodes, die bessere Hälfte des Manchester Trip-Hop-Duos Lamb, gab kürzlich über Facebook bekannt, dass sie mit dem Bandkollegen Andy Barlow an einem neuen Album arbeite. Da geht mir doch just zu Weihnachten das Herz auf. Hieß es doch 2004 die beiden müssen wegen zu vieler Differenzen und kreativer Spannungen eine „künstlerische Pause“ einlegen.

Auch privat war 2004 für Lou Rhodes eine Zeit des Umbruchs. Nach der Trennung von ihrem Ehemann verlässt die heute 46-jährige die Heimat Manchester und zieht mit den beiden Söhnen zunächst mit einem Wohnmobil durch Großbritannien. In der Kommune „Ridge Farm“ in der englischen Grafschaft Surrey, in der Nähe von London, finden die Drei ein neues Zuhause. Heute leben sie auf einem Anwesen in Wiltshire. Abseits vom Großstadttrubel findet sich Ruhe. Körper und Geist können entschleunigen, sich selbst neu erfahren. Lou Rhodes kann tief in sich selbst eindringen – jede Zelle des Körpers mit Spiritualität tränken.

Geerdet und besinnlich klingt fortan auch Lou Rhodes’ Musik. 2006 gründet sie ihr eigenes Label „Infinite Bloom“, verfeinert ihr Gitarrenspiel, komponiert neue Songs und singt beeindruckender als jemals zuvor. Dabei tritt sie mit einer jugendlichen Frische und  Natürlichkeit auf, die ihr verdammt gut steht und ihr fast etwas Überirdisches verleiht.

Wenn Lou Rhodes die Bühne betritt, braucht sie keinen modischen Fummel wie Robyn, kein Gala Make-up und Federschmuck im Haar wie etwa Nina Persson, keine dramatischen, affektierten Gesten. Sie braucht nur einen Stuhl, ihre Gitarre und den direkten Draht zu etwas, das wir vielleicht nicht begreifen können.

Am 6.Mai dieses Jahres sah ich Lou Rhodes zum zweiten mal live. Ein bestuhltes Konzert im Lido in Berlin. Sie strahlt etwas Magisches aus, wenn sie dort sitzt, in sich versunken die Gitarre zupft und eine Stimme aus ihrer Kehle strömt, die Eisberge schmelzen lässt und mir einen heißkalten Schauer über den ganzen Körper jagt. Ein süßer Schmerz breitet sich in der Brust aus und nimmt so viel Platz ein, dass es mir fast die Luft zum Atmen raubt.

Sie stellte ihr bereits drittes Soloalbum „One Good Thing“ vor und spielte auch hauptsächlich Songs von diesem. „One Good Thing“ – vielleicht sogar die beste Sache in diesem Jahr. So ein Album voller Schmerz, und doch voller Kraft und Zuversicht. Denn durch den plötzlichen Tod ihrer Schwester Janey gab es für Lou Rhodes viel Schmerz und Trauer zu bewältigen in den vergangenen Jahren.

Aufrichtig klang Lou Rhodes stets auf ihren Soloalben. Eine Aufrichtigkeit die dem Gesang bei Lamb fehlte, jedoch schindete jener nicht weniger Eindruck. Bei Lamb‘s Trip Hop standen Rhythmik und Sound definitiv im Vordergrund. Lou Rhodes Gesang setzte den Tracks lediglich die Krone auf und sorgte für den nötigen Gänsehaut-Effekt. Wir werden sehen inwiefern Lou Rhodes Solokarriere als Folkmusikerin Einfluss auf die neuen Songs von Lamb hat. Das neue, fünfte Werk wird übrigens “5″ heißen. Ich freue mich drauf. Ich freue mich auf das kommende Frühjahr – denn dann gibt es ganz sicher das neue Album von Lamb. Am 5.Mai.

Diskografie

Lamb

  • Lamb (1996, Fontana Records)
  • Fear Of Fours (1999, Polygram Records)
  • What Sound (2001, Mercury Records)
  • Between Darkness And Wonder (2003, Mercury Records)

Lou Rhodes

  • Beloved One (2006, Fullfill)
  • Bloom (2008, A&G Records)
  • One Good Thing (2010, Motion Audio)

Neue Songs von Lamb könnt ihr auf deren Myspacepage hören:
www.myspace.com/lambofficial

Hier könnt ihr genaues über Lou Rhodes Beweggründe zum neuen Album lesen und es auch vorbestellen:
lambofficial.com/home

mp3: Lou Rhodes – Janey
mp3: Lou Rhodes – There For The Taking
mp3: Lamb – Gorecki

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.