Justine (Kirsten Dunst) treibt wie John Everett Millais "Ophelia" dem Untergang entgegen

Lars von Trier polarisiert. Man liebt ihn, man verabscheut ihn, oder registriert einfach, dass er einen Knall hat. Vor keinem menschlichen Abgrund schreckt der Melancholiker zurück, denn darin erkennt er die Schönheit und Faszination der erbarmungswürdigen Kreatur. Selma, gespielt von Björk im dramatischen Musical „Dancer in the Dark“, tötet aus purer Verzweiflung, damit ihrem Sohn nicht ihr Schicksal droht – die Erblindung. Die fragile Grace (Nicole Kidman) lässt sich in “Dogville” von sämtlichen Bewohnern peinigen, nur um ihrem Vater, mit dem sie lediglich eine kleine Meinungsverschiedenheit hatte, zu entkommen. Doch in von Triers kosmischem Endzeitspektakel „Melancholia“ gibt es kein Entkommen.

Melancholie, dieses Gefühl, dass in mir wohnt, dem auch ich nicht entkommen kann. Schon beim Titel, war für mich klar, dass kein Weg am Kinosaal vorbei führt. Im zehnminütigen Vorspann des Films schaue ich in die leeren, müden Augen einer Frau, die lange gekämpft hat und es ist so als würde ich in einen Spiegel schauen. In Form von dicken, staubigen Spinnweben und modrigen Schlingpflanzen, die an ihren Beinen haften, zieht sie sinnbildlich das Leben hinter sich her – angestrengt und in Slow Motion. Anmutig wie John Everett Millais „Ophelia“ (der Figur aus Shakespeares „Hamlet“) treibt sie im Brautkleid im strömenden Gewässer, wohlwissend und bereit den Tod zu umarmen. Im Angesicht des Untergangs scheint für Justine, gespielt von der herrlich unheimlichen Kirsten Dunst, all der Weltschmerz begründet. Die eingefrorenen, hypnotischen Bilder werden von Wagners Ouvertüre von „Tristan und Isolde“ untermalt, die in der ekstatischen Kollision der Erde mit dem so schön blau schimmernden Planeten Melancholia ihren Höhepunkt findet.

Ihre Ehe ist eine trügerische Illusion: Michael (Alexander Skarsgard) & Justine

Justine

Dabei fing es so vielversprechend an und von Trier gibt sich in „Melancholia” durchaus humorvoll. Die frisch getraute Justine ist mit ihrem Ehemann Michael auf dem Weg zu ihrer Hochzeitsfeier. Die Strechlimousine ist jedoch zu sperrig für den Waldweg. Unbeschwert und strahlend vor Glück übernimmt Justine das Steuer. Die überschätzt an diesem Tag nicht nur ihre Fahrkünste und setzt die Karre Michael vor‘s Schienbein, auch das straffe Abendprogramm wird sie überfordern. Viel zu spät erscheinen die beiden auf dem prunkvollen Landsitz des Schwagers John (Kiefer Sutherland). Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) lässt dort ein opulentes Fest ausrichten.

Wie eine reife Orange presst sich Justine in die gesellschaftliche Rolle der Ehefrau und ihr Saft beginnt in der Hochzeitsnacht schon heftig zu gären. Schwarze Galle legt sich über ihre Seele und Justine entzieht sich mehr und mehr den Feierlichkeiten. Die Braut geistert durch die Räume des Anwesens. Gedankenversunken nimmt sie ein Bad, heizt mit dem Golfcart über den Platz, pieselt in eines der 18 Löcher, verweigert sich dem Ehemann, der sich liebsam sorgt. Noch vor dem Morgengrauen wird sie ihn, den Vater und den Job verlieren. Am Ende dieses ersten Teiles verheisst ein Blick in den Himmel nichts Gutes. Der rot leuchtende Antares fehlt im Verderbnis bringenden Sternbild des Skorpion. Für Justine nimmt das Unheil seinen Lauf.

Claire will sich und Leo retten, doch es führt kein Weg aus der Katastrophe

Claire

Die optimistische Claire, nach der der zweite Teil benannt ist, klammert sich ganz an ihren Gatten John. Der will der über die Menschheit hereingebrochenen Melancholie mit Wissenschaft beikommen und glaubt an den „Vorbeiflug“ des Planeten. Dementsprechend wird er das Ereignis mit Teleskop und Champagner zelebrieren. Doch Melancholia kommt zurück. Wie sich alle väterlichen Figuren nach und nach aus dem Staub machen, wird John später feige mit Tabletten abdanken und seiner Frau den Boden unter den Füßen wegreißen. Mütterlich, wie die Erde, hat Claire viel zu verlieren – ihren geliebten Sohn Leo, als Allegorie für die Menschheit: “Aber wo soll Leo denn nun aufwachsen?” Leo nennt Justine liebevoll „Tante Stahlbrecher“, er sieht mit dem reinen Blick eines Kindes in die dunkle, einsame Seele von Justine – weiß was sie zu tragen hat und weiß um ihre Kraft: „Tante Stahlbrecher kann das.“

Während die depressive Justine mehr und mehr aufblüht, wird Claire zunehmend panischer. Nachts beobachtet sie, wie sich ihre ungleiche Schwester nackt im blauen Lichte des melancholischen Planeten räkelt, sich dabei zärtlich berührt, die kosmische Energie des neuen Verbündeten empfängt. Das die Welt untergeht ist nicht Justines Problem – es ist ihre Erlösung: „Die Erde ist schlecht. Keiner wird sie je vermissen“. Claires sentimentalem Begehren, dem Ende gemeinsam mit einem Glas Wein auf der Terrasse entgegen zu sehen, kann Justine nur Verachtung entgegen bringen. “Warum nicht gleich auf der Scheiß-Toilette?” Am Ende wird sie ihrer Schwester die Hand reichen, sie liebevoll umarmen, wie Melancholia die Erde.

Justine räkelt sich im Lichte des blauen Planeten Melancholia

Die magische Höhle

Justines mythische Entwicklung findet im Wigwam aus Ästen, den sie für ihren Neffen baut, ihre Vollendung. Nur in der Vorstellungskraft eines Kindes kann diese „magische Höhle“ vor dem Zusammenstoß der Planeten schützen. Wie Leo, wollte irgendwie auch ich einen Moment glauben, dass das fragile Konstrukt – dieses überoffensichtliche Versteck – der Melancholie standhält. Der Planet und Justine „Tante Stahlbrecher“ sind die Symbolfiguren, die sich den Regeln des Systems, in dem sie sich befinden, nicht mehr unterwerfen. Sie brechen diese und sind somit – in all der Melancholie, die sie verbindet – auch die Hoffnung. Der Funke Hoffnung, den ein Szenario des Untergangs dramaturgisch erkennen lassen kann. Die Depression muss nicht mehr versteckt werden, wie sich auch Melancholia nicht mehr hinter der Sonne verstecken muss. Solange bis die einschlagende Wucht nichts als den schwarzen, stillen Abspann hinterlässt.

Lars von Trier scheut den großen Knall nicht. Die Übertragung der menschlichen Ebene auf das Kosmische ist als Provokation gegenüber dem europäischen Autorenkino zu werten. Gleichzeitig ist sie von Triers ironische Antwort auf Erwartungen, die ein Publikum an einen großen Regisseur stellen kann. Doch dem amerikanischen Blockbuster-Kino wird hier garantiert nicht die Aufwartung gemacht. „Melancholia“ verweist eher auf eine Ahnenreihe von europäischen Filmemachern, um diesen im gleichen Atemzug zu widersprechen. Die in all ihrer Dekadenz üppig ausstaffierte Hochzeit Justines, erinnert nicht zufällig an Thomas Vinterbergs Dogma-Film „Festen“ (1998), sondern ist seine filmische Nachfolge, die Weiterentwicklung des eigenen Werkes. Wie Andrej Tarkowskis „Opfer“ (1987) wurde auch „Melancholia“ auf der schwedischen Insel Gotland gedreht. War von Triers kontrovers diskutierter Film „Antichrist“ noch dem russischen Filmemacher gewidmet, läuft die Spur hier im Endzeitdrama ins Leere. Eine Anspielung auf Tarkowskis “Nostalghia” stellt lediglich der Titel dar.

„Antichrist“ und auch „Melancholia“ sind sicher die persönlichsten Werke Lars von Triers, da sie viel mit seiner eigenen Krankengeschichte zu tun haben. In seinen Werken sucht er stets nach Wegen seine intellektuellen und emotionalen Verfassungen in Bilder einzufangen. Von seiner Dogma-Zeit bis heute sind Eindringlichkeit und Radikälitat, die Dimensionen in denen sich der Filmemacher dabei bewegt. Mit „Melancholia“ hat von Trier ein virtuoses Drama geschaffen, dessen prozesshafte Struktur in der Tat wie ein symbolischer Exorzismus wirkt. Es soll ihn von seiner Depression befreit haben, betonte von Trier in Interviews. „Melancholia“ befreit vielleicht nicht unbedingt von einer Depression, jedoch von Angst. Das Wissen am Ende nichts zurück zu lassen, wirkt wie ein Befreiungsschlag und wie Justine würde ich meinen Frieden in der kosmischen Bestimmung finden.

Justine baut für ihren Neffen Leo "die magische Höhle"

Seit zwei Wochen arbeite ich nun schon an diesem Text. Der Film lag mir nach dem ersten Mal schauen mehrere Tage stark auf. Erst beim erneuten Kinobesuch haben sich die Allegorien für mich konkretisiert. Alle Gedanken zum Film kann ich hier gar nicht anbringen, doch bin neugierig auf eure Eindrücke. Wie findet ihr den Film? Was berührt euch besonders?

“Melancholia” (DK/SWE/FR/D 2011)
Regie: Lars von Trier
Fotos: Christian Geisnaes

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gemacht für die Ewigkeit: Slowdives "Just For A Day"

Da ist es wieder: dieses kaum Aushalten können vor Schönheit. Das Engegefühl in der Brust, der Kloß im Hals, der die Luft zum Atmen so sehr abschnürt. Tränen suchen sich ihren Weg aus den Augen, fließen über Wangen, Mund, tropfen ins Dekolleté. Wie quälend schön sind diese Synthesizerteppiche, diese lieblich traurigen Gesänge. Dieses heiße Anschwellen der Gitarrensounds in “Catch The Breeze”: ”…hey are you feeling something new?…”

Einige Jahre ist es her, dass ich Slowdives Debutalbum “Just For A Day” das letzte Mal hörte. Heute stelle ich mit süßem Schmerz in der Brust fest, dass es nichts von seiner betörenden Wirkungskraft verloren hat. Der Schmerz wird nunmehr gefüttert von Erinnerungen. Erinnerungen, die mitunter 20 Jahre alt sind. Für wie viele Menschen war dieses Album ein Rettungsanker auf der stürmischen See der Gefühle, ein Licht in so manch dunkler Nacht? Eine tröstende, wenn auch schwere Decke? Wie Blei lag die Magie dieses Werkes oft auf unserer Seele. Doch spiegelte es nur unsere Melancholie – war und ist zuhause.

All das begann mit einem Trick. Slowdive tourte im Sommer 1991 mit den Songs ihrer 3 EPs. Neil Halstead – Sänger, Gitarrist und Songwriter der Shoegaze-Band aus Reading – erzählte Alan McGee von Creation Records Slowdive hätte genug Songs für ein Debutalbum. In Wirklichkeit war dies nicht der Fall. Die Band hatte nicht einen einzigen neuen Song, durfte jedoch auf Kosten von Creation ins Studio. Der ganze Prozess des Songwritings verlagerte sich auf mehrere Wochen Tonstudio inklusive harten Cannabiskonsums.

Das im Rausch von 6 Wochen produzierte Debut der Dreampopper wurde am 2.September 1991, vor genau 20 Jahren, veröffentlicht und rutschte tatsächlich in die Top10 der UK Indie Charts. Geliebt wurde das schwermütige Werk von den Kritikern trotzdem nicht. Es wurde als Gegenschlag zum aktuellen Shoegazetrend verrissen und als ideenlos und düster hingestellt. Ein Schicksal, welches sich alle Alben von Slowdive teilen mussten. Zu unrecht. „Just For A Day“ kann nur als gute Kinderstube ihres folgenden Werkes „Souvlaki“ gelten und findet in „Pygmalion“ seine Vollkommenheit.

Slowdive 1991 - das Girl ist Bassistin & Sängerin Rachel Goswell. Der Typ ganz rechts Frontmann Neil Halstead

Keinem Liebhaber des Dreampop bleibt der Zugang zu “Just For A Day” verwehrt. Wir glühen mit der schweren Hitze des Openers “Spanish Air”.“Celias Dream” ist der schönste Traum, den wir träumen können. “Waves” und “Brighter” lassen uns im blendenden Glitzern der Wellen auf das weite Meer hinaustreiben. Wir verirren uns – so gewollt. Werden immer kleiner, verlieren uns – so gewollt.

Hypnotisierend umkreist Rachel Goswells zarte Stimme, den knabenhaft reinen Gesang von Neil Halstead im letzten Song “Primal”. Wie unschuldig wird er zerdrückt, von einer Macht, die er nicht besiegen kann. “…I can’t believe, it scares me, can’t believe…” Niemals zuvor haben zwei Stimmen so gänzlich harmoniert, wie diese beiden, sowohl bei Slowdive als auch bei der aktuellen Band Mojave3. Als wären sie ein Liebespaar, dass nicht zueinander finden kann, voller Sehnsucht und Herzeleid.

Die Musik von Slowdive, so auch ihr Debut “Just For A Day” ist für Melancholiker gemacht. Kaum anders lassen sich diese von Schmalz triefenden, wehleidigen Songs ertragen. Leiden muss man lieben, weil Liebe Leid niemals ausschließt. Weil die Liebe nicht unendlich ist, wir uns im Moment des größten Glücks ihrer Vergänglichkeit bewusst sind. “Love, just for a day…”

Heute nach 20 Jahren kann ich mich nur für all die Momente, die ich mit dieser Platte und auch mit dieser Band verbinde, bedanken. “Just For A Day”, ein Album für die Ewigkeit gemacht. Nicht immer zu hören, doch all die Jahre immer wieder einmal.

Lauschen:

Slowdive – Primal

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Slowdive – Celia’s Dream

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Bezaubernd - Rebekkas Mixtape "Sounds Of The Enchanted Forest"

Ein hübsches Mixtape habe ich letzte Woche von Rebekka aka Beam bekommen – “Sounds Of The Enchanted Forest“. Da ich es selbst so liebe Mixtapes zu basteln, war ich ganz angetan als Julien von Der Impuls vor einigen Wochen die Mixtape-Tauschrunde unter uns Musikbloggern ins Leben rief.  Ich war ganz schön gespannt, wer mich wohl gewichtelt hat und auf die Cd, die in meinem Briefkasten gelandet ist. Gewollt oder nicht, Rebekkas Mixtape trifft meinen Geschmack. Ein Hauch Mystik, Melancholie und der rote Faden, der mich quer durch den Wald jagt – einen verzauberten.

Lucky Elephants lockende Glöckchen im Opener “When You Fall To Earth” schallen aus dem Wald und führen uns leichten Fußes und mit einem Lächeln in diese magische Welt. Dort geht es lebhaft zu – links und rechts meines Ohres klickt und klackert es, hin und wieder ein Knarren, wie von einer alten Eiche. Eine holzige und erdige Akustik bestimmt den Mix. Unruhige Percussions wie in Patrick Watsons “Where The Wild Things Are” stören die äußerliche Anmut des Waldes nur insofern, als dass sie all das Leben in ihm wiederspiegeln.

Auch elfenhafte Gesänge begegnen uns des Weges – von Victoria Bergsman von Taken By Trees und der Girlscombo Warpaint. Besonders angesprochen haben mich das experimentelle Shoegazestück “Fall Down Slow” von Sin Fang. Sing Fang ist das Soloprojekt des isländischen Sängers Sindri Már Sigfússon von Seabear. Auch der katzenhafte Gesang der ausstralischen Sängerin Sia ist beeindruckend und der Song “Moon” lässt den Wald erglitzern.

Sindri von der isländischen Band Seabear

Hier könnt ihr einigen Songs von Rebekkas “Sounds Of The Enchanted Forest lauschen:
mp3:Sia – Moon
mp3:Warpaint – Lissie’s Heart Murmur
mp3:Sin Fang – Fall Down Slow

Vielen Dank an Rebekka und ihre tolle Zusammenstellung. Schaut gern auf ihren Blog der noch im Aufbau ist – The World According To Beam.

Das Mixtape zu den Mittsommernachtsspitzen hat Alexander von freeQnet erhalten.

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Lamb

Lou Rhodes & Andy Barlow sind wieder Lamb - und genialer als zuvor

Lange war ich in ein Album nicht mehr so verliebt. Perfekt harmonieren Andy Barlows geniale Elektronik und Lou Rhodes‘  überirdische Stimme. Diese Fügung geht unter die Haut wie nichts anderes. Welch Glück, dass die beiden einander einst in Manchester begegnet sind und uns nach langer Lamb-Pause mit ihrem fünften Album “5” beschenken. Dort treffen düster schwere Beats und feinstes Gefrickel auf eine Lou Rhodes, die nie sensibler, dichter, lieblicher, dramatischer, erotischer und weiser klang. Eine Offenbarung.

Seit ich 1999 das erste mal Lambs “Gorecki” gehört habe, war es um mich geschehen. Ich konnte nicht genug bekommen vom Charisma dieser Band, dieser treibenden Melancholie. Ich konnte nicht umhin Album für Album aufzusaugen um festzustellen, wie jedes Signal liebevoll arrangiert und der Sound bis zum Optimum ausgefeilt wird, ja sie dabei immer nur besser wurden. Ich ärgere mich, dass ich “5” derzeit nur als matschige iTunes mp3 hören kann. Wie ärgerlich, dass ich mir die limitierte Cd nicht bestellt habe, um über meine Anlage in den vollen Genuß dieses Werkes kommen kann. Doch meine heiligen Boxen schlafen noch gut verschweißt in Plastikhüllen, und die gesamte Anlage muss nach den vielen Umzügen erst aufgebaut werden.

Am liebsten möchte ich alle zum Hören dieses Albums verdonnern. Jedes einzelne Stück ist ein Spektakel. Vom säuseligen Opener “Another Language” bis hin zum finalen, phänomenalen Duett “Back To Beginning” von Lou Rhodes und Damien Rice, findet sich die ganze Vielfalt von Lamb.  Das mysteriöse “Butterfly Effect” – in welches ich richtig vernarrt bin -  sowie “Strong The Root” liefern derbe Beats und wir hören eine coole, nein die coolste Lou Rhodes.

“Build A Fire” ist eine wahre Rockhymne und wenn man im Refrain richtig mitgeht, findet man sich im Stadion in einer springenden, triumphierenden Masse wieder, die die Hände hochreißt, wie man selbst auch. Nachdenklich werden wir in “Wise Enough”. Jeder Moment unseres so kurzen Lebens wird gewertschätzt, unser Dasein hinterfragt. Lieblichkeit und Leichtigkeit erfahren wir in “Rounds” – wow, dieser Gesang geht so unter die Haut und die Sphäre trägt davon. Ich muss gleich noch mal anschalten “…ever going round and round, the circle game we’re in…”

Lauschen:
mp3:Lamb – Rounds

5” erschien am 5.Mai auf Strata Music. Bei gibt es das Album ab 1.Juli.

Lambs “Gorecki”

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Die Göteborger Ef live 2008

Wenn diese Jungs aus Göteborg ihre heiligen Instrumente in unser Land schleppen, sollte man ihnen die Ehre erweisen ihren wahrhaft grandiosen Sounds zu lauschen. Ändächtig erinnere ich mich an Ef’s Gig im Hamburger Grünen Jäger 2008. Mehr zufällig war ich dort – um zufällig überrascht zu werden – von einem eindringlichen, melancholisch akustischem Film. Ef brauchen keinen Gesang. Mit ihren experimentellen Gitarrensounds erzeugen sie faszinierende Klanglandschaften, die in unseren Köpfen ganz eigene Geschichten entstehen lassen – einen Bilderrausch.

Ef bezeichnet sich selbst als die europäische Band, die am härtesten an ihrer Karriere arbeitet. Nun behaupten wird das jede Band von sich – doch hat sie es als Instrumentalband, die seit 2003 in die Fußstapfen von Mogwai tritt, um etliches schwerer. Im Oktober 2009 beschlossen die drei Mitglieder von EF sich für den kreativen Prozess in ihren Proberaum einzuschließen. Wie lange? – keine Ahnung. Doch dass dies gut gelingen kann, haben einst schon My Bloody Valentine bewiesen.

Hören lassen kann sich insofern Ef’s dritter Longplayer “Mourning Golden Morning”. Aufgenommen wurde das Goldstück von Magnus Lindberg aus Schwedens legendärer Metalband Cult Of Luna in deren Studio Music-A-Matic. Immerhin das erste mal, dass die Band jemand anderes an ihre Songs rangelassen hat. 

Schauen, Lauschen, Genießen:

Ef sind im Juni auf einer kleinen Deutschlandtour:
07.Juni – Schaubude Kiel
08.Juni – Hafenklang Hamburg
10.Juni – Drucklufthaus Oberhausen
11.Juni – Schaubühne Leipzig

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Jonathan Johansson "Blommorna"

Herrlich melancholisch ist die neue Single von Jonathan Johansson„Blommorna“ (Blumen). Seit gestern Abend schwirrt mir der Track im Kopf rum und hat mit seinem elektronischem Groove und der perligen Hookline gute Chancen mein Sommerhit zu werden. Die Stimmung einer Sommerparty trifft auf „Blommorna“ genau so gut zu, wie eine einsame Autofahrt durch eine laue Nacht.

Besonders berührend ist dabei der aspirierte Gesang von Johansson, der mit einer hohen Falsettostimme gedoppelt wird und so besonders fragil wirkt. Dabei ist der Song so eingängig, dass er selbst Hörer, die des Schwedischen nicht mächtig sind beeindruckt.

Der aus Malmö stammende Jonathan Johansson begann seine musikalische  Karriere 2005 mit seiner Band Jonathan Och Hjältar (Jonathan und Helden). Er zog nach Stockholm und entwickelte sich musikalisch stetig weiter. 2008 zeichnete er beim schwedischen Label Hybris, welches auch Künstler wie Vapnet, Juvelen und Familjen unter Vertrag hat. Ein Jahr später  erschien sein gefälliges Album „En Hand I Himlen“ (Eine Hand im Himmel). „Blommorna“ ist nun der erste Song des langerwarteten zweiten Albums – es erscheint jedoch erst im September. Dafür gibt es vom Stockholmer Wunderkind NIVA einen exzellenten Remix.

Schauen:

Der Remix von Niva:
mp3:Blommorna Niva Remix

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.