Cheri MacNeil von Dear Reader spielt für tape.tv auch auf Berlins Dächern

Gestern Abend auf dem Dach des Amano Hotels in Berlin musste man hochschauen. Dafür gab es tiefe Einblicke in neue melodramatische Songs von Dear Reader aus Südafrika. Lieblich wie eine Amsel im Licht der Abendröte trällerte Cherilyn “Cheri” MacNeil ihr kleines Akustikset. Die 28-Jährige kam ohne den Bassisten Darryl Torr und ohne Drummer Michael Wright und begleitete sich selbst auf der Gitarre. Mit dabei war die Kamera für die Sendung “auf den dächern” auf tape.tv. Wer am gestrigen, schönen Sommerabend nicht dabei war, kann dort demnächst die Aufzeichnung schauen. Und sonst kommen sie ja auch bald wieder, Dear Reader. Am 8.September spielen sie im Rahmen der radioeins-Nacht im Columbia Club. Anfang September wird auch das neue Album “Idealistic Animals” auf City Slang veröffentlicht. Alle Tracks haben tatsächlich Tiernamen und vorab gibt es als Gimmick beim Slang den Song “Monkey (You Can Go Home)” als kostenlosen Download.

Lauschen: Dear Reader – Monkey (You Can Go Home)

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Martin Ekman - Songwriter und Sänger bei Long Distance Runners

Es gibt neues von meinen Boys aus Stockholm, den Long Distance Runners. Der Singer-Songwriter Martin Ekman bastelt nebenher schon seit etlicher Zeit an seiner Solokarriere als schwedischer Folksänger. Jetzt gibt es ein neues, eindrucksvolles Video zur Single “24 kvadrat”. Im kommenden Jahr können wir sein sicher gefühlvolles und melancholisches zweites Album erwarten: ””Tills lusten skiljer oss åt”. (Bis die Lust uns trennt)

Aus alt mach neu: die Long Distance Runners sind endlich soweit ihre EP “San Francisco Says Hello” im schwedischen iTunes in bei Amazon zu verkaufen. Yay!

Schauen: Martins neues Video “24 kvadrat”

Schauen: “Live Today” von den LDR

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Alles hat ein Ende - auch The Cardigans. Die Ex-Strickjacken sind die ewigen Beginner Brothers Of End

Jedes Ende ist ein Anfang. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Also wozu die Endzeitstimmung? Nach dem inoffiziellem Ende der Cardigans haben sich Ex-Strickjacken-Drummer Bengt Lagerberg und Keyborder Lars-Olof “Lasse” Johansson Ståle mit Musikjournalist Mattias Areskog zu den Brothers Of End vereint. Sollte deren erstes Album “The End” vielleicht schon ihr letztes sein oder verkündete es gar das Ende der heiligen Cardigans? Oder wollen sie nur eines nicht – das Gefühl verlieren zu beginnen?

Die drei Endzeitbrüder kennen sich bereits seit sie 15 Jahre als sind. Sie wuchsen zusammen in der schwedischen Stadt Jönköping auf und brachten sich gegenseitig das Spielen von Instrumenten und Komponieren bei. Vor fünf Jahren trafen sich Bengt, Lasse und Mattias Backstage nach einer Show der Cardigans während des schwedischen “Storsjöyran” Festivals. Sie fühlten und wussten es war an der Zeit zurück zu ihren eigenen Vostellungen von Musik zu kommen, ihre eigenen Wünsche umzusetzen. Mit Brothers Of Ends erdigen, warmen Debut “The End” konnten sie sich im Oktober 2009 diesem Ziel annähern.

Das neue Brothers Of End Album "Mount Inside"

Mit ihrem brandneuen Album “Mount Inside” sind Brothers Of End noch mehr in ihr eigenes Territorium vorgedrungen, haben sich in ungeahnte Tiefen ihrer selbst vorgegraben – schön was sich dort findet, klingt es doch wie zwischen Himmel und Erde. Das Intro “Vallinge Träsk” führt mit spitzen Banjoklängen und Besen gespielten Drums sanft in das Album. Sphärische, harmonische Chöre tragen uns zum ersten Song “Until Then” – bereits dann eine Offenbarung. “Try to keep my eyes on the road but my head keeps turning, something that’s passing me by, now it feels like I’m burning…” Der Gesang von Mattias Areskog brennt sich alsbald in unser Gemüt, nimmt von ihm Besitz.

Basslinie und trockenes Schlagzeug treiben den dritten Song von “Mount Inside” an – “Soon the day will break”. Haben uns Brothers Of End bis zum Morgengrauen schwungvoll durch die Nacht gejagt, folgt die Belohnung im nächsten Song – wir erblicken die strahlende Sonne. Finden heim – so wohlig stimmt der Song. In “Stare At The Sun” klappt der Refrain weit auf, lässt uns finden wonach wir suchen – Sehnsucht. Doch Vorsicht: “Darkness comes for those who stare at the sun…”

Mit dem Gesang von Nina Persson hätte “Mount Inside” gut der verlängerte Arm von The Cardigans Meisterwerk “Long Gone Before Daylight” sein können. Beide Alben wurden in Malmös Tamborine Studios aufgenommen. Wir entdecken eine ähnliche Stimmung, Sphäre und Weisheit. Doch auch Bengt und Lasse zeigen sich neben Mattias Areskogs vielseitigem Gesang, während des gesamten neuen Albums, als exzellente Backgroundsänger. Ihre Satzgesänge und Chöre geben der Wohnzimmerräumlichkeit die Weite eines ganzen Universums. Eine bosonders dezente, deshalb so schöne, Zweistimmigkeit findet sich in “How Come People Fall”. Ein Song der mich jedoch mit seinem schrägen Gitarrensolo an das Gitarrenspiel von Dean Wareham erinnert. Rau und ungeschliffen.

“Don’t mess it up with words” – für Brothers Of End ist Schweigen Gold. “Let Silence Speak” ist ein weiterer gelungener Song, dessen warme Klangfarbe um uns herum wirklich eine Stille erzeugt. Wir tauchen in den Song ein, in uns selbst ein – wir hören nicht auf das Gesagte, doch auf unsere innere Stimme.

Dass auch Männer wie eine melancholische Diva klingen können, beweißt Areskog in “Replica Of Love”. Der musikalische Höhepunkt der Platte folgt unmittelbar mit “The Story”, dessen Shaker und Orgelklänge uns eine relaxte Rückenlage einnehmen lassen. Die Geschichte erzählt ein kristallklares Gitarrensolo. “So the story begins with a happy end…” – doch wie endet sie?

Den Abschluss bildet die mit Streichern garnierte kurze Ballade “Desert Mind” – sie lässt unseren soeben erworbenen Optimismus wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Denn “Feels Like Coming Home”, der vorletzte Track, wäre vielleicht auch ein guter Opener gewesen, oder noch besser – ein brilliantes Finale. Ebenso könnte der Titel für das ganze Album stehen. Denn wir kommen tatsächlich an. Der Song trifft ins Mark. Wer zuvor nicht wußte, wo er hingehört findet sein Zuhause spätenstens jetzt in diesem Song – in diesem Album.

“Mount Inside” erschien am 11.April auf Brothers Of Ends eigenem Label Konjaga in Kooperation mit Playground Music.

Brothers Of End lauschen:
mp3:Brothers Of End – Until Then
mp3:Brothers Of End – The Story

Schauen:

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Chapel Club

Die Shoegaze Band Chapel Club probt im Schatten der St.Luke's Church in London

Paul Baskervilles “Nachtclub” hat mir schon etliche schöne musikalische Momente beschert. Heute Nacht war es wieder einmal so weit, so lauschte ich andächtig Chapel Clubs “The Shore”. Sinnlich dringen das Rauschen der Wellen und das sanfte Schreien der Möwen in mein Ohr, schalten den Körper einen Gang runter – machen ihn bereit für einen Snareschlag, den man in jeder Zelle des Körpers spürt und eine Slidegitarre so voller Erotik, dass wir empfangend jeden Kanal öffen – für diesen Gesang.

Lewis Bowmans Stimme erinnert mich stark an Ian McCulloch von Echo And The Bunnymen, den ich von je her verehrt habe. Eine Stimme, so voll und weich, melancholisch und doch voller Kraft und Dynamik. So sitze ich mit geschlossenen Augen im Garten, lausche zum – keine Ahnung wievieltem Mal – diesem Song,  spüre den leichten Windhauch und die wärmende Sonne auf meinem Gesicht und sehe inmitten von rauschenden Gitarrenwänden, im wirklich grandiosen Finale dieses Songs, die Wellen auf mich zuschäumen - “Golden-shadowed one, you are your own god”.

Ende Januar erschien Chapel Clubs Debutalbum “Palace”, welches beim ersten Durchhören schon wie eine mittelstarke Droge wirkt, also muss ich mir so schnell wie möglich die Platte besorgen und erst recht am Dienstag ins Hamburger Logo gehen. Zwar muss ich halb drei raus zum Frühdienst, aber egal – die Droge wirkt und die Dosis muss dringend erhöht werden.

Dem Rauschen lauschen:
mp3:Chapel Club – The Shore

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Von X-Mas zu X♥

26 Dez 2010

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester effektiv zu nutzen weiß Exploding Heart – eine junge Band aus Stockholm, die mir wirklich besonders am Herzen liegt. Das Herz der sechsköpfigen Band bilden Gudmundur Mogensen und seine Verlobte Æsa Saga Otrsdottir Ardal – beides hervorragende Sänger und Musiker. In den vergangenen drei Jahren waren die beiden fleißig und arbeiteten an ihrem Debutalbum, welches sie ab heute im Göteborger „Svenska Grammofonstudion“ aufnehmen. Wer verträumten, sphärischen Dreampop und Slowcore mag – wird Exploding Heart lieben. Beeindruckend war in diesem Jahr ihre „Young Love EP“ mit den beiden rührenden Songs „Echoes“ und „90s“. Vielleicht findet man diese auch auf dem kommenden Album.

X♥ hören:

mp3: Exploding Heart – 90s
mp3: Exploding Heart – Echoes

X♥ sehen:

X♥ auf Myspace:
www.myspace.com/explodingheart

X♥ auf facebook
www.facebook.com/pages/Exploding-Heart

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Stars “The Five Ghosts”

Wenn es eine Band gibt, die meine Erwartungshaltung an ein neues Album nicht enttäuscht, dann ist es die kanadische Band Stars − glaubte ich. Von Geisterhand geschrieben ist es nicht, das fünfte Studioalbum „The Five Ghosts“. Es erschien bereits im Sommer, doch entfaltet es seine eigentliche Schönheit und seinen Tiefsinn erst jetzt − zur Winter-Weihnachtszeit. Eine Zeit in der man empfänglicher scheint für lieblich anmutende Klänge.

Vielleicht war es der falsche Zeitpunkt so ein melodramatisches, feierlich klingendes Album wie “The Five Ghosts” in der heißen Jahreszeit zu veröffentlichen. Der Hörer hat in sommerlicher Hitze keine Lust auf Schwere, keine Lust auf Botschaften aus dem Jenseits und schon gar nicht darauf Séancen abzuhalten. Doch in winterlicher Idylle öffnen sich die Herzen − und vielleicht auch spirituelle Kanäle?

Schon der Opener “Dead Hearts” imponiert mit seiner Schlichtheit und doch bitterlichen Süße. Ein Frage-Antwort-Spiel bestimmt die Strophe. Kaum ein anderer Boy-Girl Gesang hat so viel natürlichen, fast naiven Charme wie jener von Amy Millan und Torquil Campbell. “It’s hard to know they’re out there…dead hearts are everywhere” − wenn man genau hinschaut sieht man sie, die toten Herzen. Sie begegnen uns jeden Tag in den Straßen und Läden. Der emotionale Ausverkauf hat begonnen und findet zum Jahresende seinen Höhepunkt.

Hochgefühle erzeugt wiederum der engelsgleiche Gesang von Amy Millan. Man muss diese mädchenhaft leichte Stimme einfach lieben, wenn sie wie ein Heiligenschein auf dem elektronischen 80er Jahre Diskosound liegt. Nie zuvor hat sich das Quintett aus Toronto so sehr von den 80ern inspirieren lassen.”Wasted Daylight” und “We Don’t Want Your Body” sind wahre Tanzstücke.

“Fixed” ist vielleicht der gelungenste Popsong des Albums. Nicht umsonst war es die erste ausgekoppelte Single und demzufolge vielversprechend. Zu vielversprechend, denn die Dynamik und Frische des Songs kann durch die übrigen Stücke des Albums nicht getoppt werden. Dennoch gibt es einige wundervolle Balladen. Für diese hochemotionalen, jedoch bescheiden wirkenden Momente werden Stars geliebt. Für das schwelgerische „Changes“ möchte man Amy Millan direkt zu Füßen fallen. Wie die Heilige Jungfrau Maria strahlt ihr Gesang voller Klarheit und ist doch zuckersüß wie ein kandierter Apfel.

Wie eine winterliche, sternenklare Nacht verzaubert „Winter Bones“. Weltschmerzlerisch singt Amy Millan „can I come to your house?, I’m caught in the ropes and the wires, the sun settles hard in the south, winter lives in my bones, it’s all I’ve ever known“.

Trotz all des wunderlichen Ohrenglitzerns gelingt es Stars mit „The Five Ghosts“ nicht in neue Sphären und Tiefen vorzustoßen. Es fehlt die absolute emotionale Entladung, wie man sie von „Set Yourself On fire“ und „In Our Bedroom After The War“ kennt. Aber es ist mein Winteralbum und die perfekte akustische Ergänzung für das Schneetreiben dort draußen. Und vielleicht gibt es morgen Abend, am heiligen Abend eine kühle, frische, klare Nacht voller Stars.

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Die Band

Seit langen zählen Stars aus Toronto zu den Geheimtipps der kanadischen Musikszene. Gegründet hat sich das Quintett vor zehn Jahren in Montreal, dabei bestand von je her eine enge Verbindung zur Band Broken Social Scene, bei der alle fünf Sterne auch Mitglieder sind und mit denen sie einst das Label Arts & Crafts teilten. Die beiden Frontleute Amy Millan und Torquil Campbell arbeiten auch jeweils an einer Solokarriere. Amy Millan veröffentlichte im letzten Jahr ihr bereits zweites Soloalbum „Masters Of The Burial“. Vocalist Torquil Campbell ist bisher mit seinem Nebenprojekt Dead Child Star weniger erfolgreich. Ihr meist gelobtes Album ist „Set Yourself On Fire“ aus dem Jahre 2004.

Hörproben:

mp3: Stars – Winter Bones
mp3: Stars – Changes
mp3: Amy Millan – Towers

winterlich ❄

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.