Manchmal müssen wir sie beleuchten - unsere dunkle, schöne Seite / Moto Boy 2014

Ich muss gestehen, dass ich von jeher einen ausgeprägten Hang zum Androgynen hatte. Es ist beunruhigend und verführerisch, fremdartig und einnehmend. Doch Moto Boy ist mehr als das: Er selbst wirkt wie ein scheues, doch schillerndes Fabelwesen aus Hopeland mit engelsgleicher Chorknabenstimme, die uns mit ungeahnten Klängen und Melodien  verzaubert, und dem Gesicht einer Venus. Moto Boy lädt uns auf seinem neuen Album “Keep Your Darkness Secret” ein, in sein dunkles Geheimnis, doch gibt er es nicht vollständig Preis. Wir müssen tief graben in seiner Dreampop-Welt aus Dramatik und Verletzlichkeit. Tief eintauchen in sein dunkles, schäumendes Meer aus Sphären und lockenden Sirenen.

In den letzten drei Jahren kehrte Moto Boy, alias Oskar Humlebo, seiner Heimat Schweden den Rücken zu. Die Städte Malmö, Göteborg und Stockholm hatte er vorerst satt und er zog ins, für die Schweden so hippe, Berlin. Dort mietete ein Zimmer, richtete ein Studio ein und suchte Inspiration. Erste Songs für das neue Album nahm er dort auf. Nur ergab es sich so, dass Humlebo im Sommer 2012 auf Tour war mit The Cardigans und eines Abends in Jakarta im Hotelzimmer saß, während besagtes Zimmer in Berlin, wegen des Nachbarn über ihm, der in der Badewanne eingeschlafen war und vergaß den Wasserhahn zu zu drehen, komplett überflutet wurde und sein sämtliches Hab und Gut sowie alle bisherigen Aufnahmen, wie vom Tsunami vernichtet wurden. (Quelle: Sydsvenskan) Alle Stücke mussten neu aufgearbeitet werden und wurden, nun, noch besser.

“Keep Your Darkness Secret” ist Moto Boys drittes Studioalbum und meiner Meinung nach auch sein bestes. Seine Songs klingen noch mutiger und außerirdischer. Dunkler. Nicht vielleicht auch deshalb, weil diese im Berliner Birthmark Studio aufgenommen wurden – im beeindruckenden, alten DDR-Funkhaus, einem gigantischen, architektonischen Hingucker, mit einer interessanten Geschichte. Produziert hat Moto Boy die Stücke zusammen mit dem österreichischen Produzenten Niko Stössl, der auch an Dave Gahans (Depeche Mode) Soloalbum als Gitarrist mitwirkte. Seine Idee war es auch in den Songs mehr und mehr von der klassischen Bassgitarre weg zu gehen, überflüssige Gitarrenspuren raus zu nehmen, um diese durch 70-er Jahre Yamaha Piano-Sounds zu ersetzen.

Der Opener des Albums, “Midnight Rain”, beginnt mit einem dramatischen, präpariert klingenden Klavier, das so bedrohend klingt, wie ich es bisher nur von Cranes’ “Forever” kannte. Die anfängliche Beklemmung durch das Klavier, löst sich jedoch in einem Refrain voller schmerzverzerrtem Sexappeal und einer gleichsam unendlichen Liebesgeschichte auf: “…nothing’s gonna change my love for you…you’re everything I wanted you to be, I wanted you to be, I wanted you to be…”

Der Albumtitel und das Titelstück “Keep Your Darkness Secret” ist an Depeche Mode angelehnt, doch soll er nicht so verzweifelt und jammerig wirken. Moto Boy meint: „Alle Menschen haben eine dunkle Seite. Doch nicht jeder kann sich den Luxus leisten, diese zu zeigen, wie eventuell Popstars, von denen man das sogar erwartet. Ein Lehrer zum Beispiel muss diese Seite geheim halten“ (Quelle: Sydsvenkan) Unsere strahlenden Profilbilder und Fotos auf Facebook und Instagram stehen dafür, wie sehr auch wir unsere dunkle Seite geheim halten. Wer postet schon Fotos, weinend, wütend, neidisch – in tiefer Verzweiflung, Trauer oder gar Hass. Ist es nicht auch so, dass wir uns dadurch angreifbar und verletzbar machen würden. Dieser perlige, himmlisch klingende Titelsong hält uns auf jeden Fall davon ab, unsere Geheimnisse leichtfertig preis zu geben.

Moto Boy klingt auf diesem Album so verbindlich wie nie, schafft eine unglaubliche Intimität. Eines der schönsten Stücke ist vielleicht „This Is Love“. Mehr als nur eine Ballade. „…this is all we can get, no memorse, no regret, this is love. breathe it out, breathe it in, it takes an end to begin, this is love…“ Ganz automatisch sieht man sich eng umschlungen, mit dem Menschen seines Herzens, wippend in einem romantischen Tanz, sich tief in Augen und Seele blickend. „A Dance Like We Used To“ schließt magisch an diesen Song an und erhält die sinnliche, prickelnde, beinahe erotische Zweisamkeit.

Schauen: die aktuelle, zweite Single “Too Young To Know”

Trotzdem fehlt das obligatorische, romantisch unschuldige Stück zum Popowackeln auf der Tanzfläche nicht. Zu dem sich die jungen Mädchen drehen können bis ihnen schwindelig wird, während sie von diesem schönen, gefühlvollen Moto Boy träumen: “Too Young To Know”. Dieser Song greift die aktuelle Welle des elektronischen Tanzpops in Schweden, mit dem auch die Band Kent Album für Album und Single für Single sicher fährt, aber auch den Dreampop Ende der Achtziger, wie wir ihn von Cocteau Twins kennen, voll auf. Grandioses Stück und aktuelle Single.

“Nothing Shatters Like A Heart” überrollt uns nahezu mit einer dramatischen Orgel und herrlichen weiblichen Chorgesängen, die an- und abschwellen, wie pazifische Wellen. Sie übermannen uns, machen uns wehrlos. Wir versinken. “It hits me like the dark…baby when you fall apart, fall into my arms…nothing shatters like a heart…” Völlig aufgelöst und willenlos überrascht Moto Boy uns am Ende des Albums noch mit einem opulenten Meisterstück: “It Was Always You” Sirrende Streicher, treibende Trommelwirbel, ekstatische Chorgesänge, ein wahrer musikalischer Orgasmus, der sich mit einem sanften Gitarrenakkord verabschiedet und uns völlig fertig einfach liegen lässt. Danke und Tschüss. Ich habe bekommen was ich wollte. Zum Glück kann ich nochmal auf Repeat drücken.

Geheimnisvoll - Cover des Albums "Keep Your Darkness Secret"

Fazit: Dieses Album ist wirklich außerordentlich liebevoll arrangiert. Streicher, Glöckchen, Sphären, beeindruckende Satzgesänge. Alles an den richtigen Stellen, ohne in die Pathosfalle zu tappen. Die reduzierten Gitarren, im Vergleich zu den Vorgängern “Moto Boy” und “Lost In The Call”, stehen Oskar Humlebo außerordentlich gut. “Keep Your Darkness Secret” beweist, dass es noch wahre musikalische Popkunst gibt. Seine dunkle Stimmung erinnert mich an Songs von This Mortal Coil, Cocteau Twins, Cranes und auch Slowdive. Was auch immer in Moto Boy gfahren ist, he was touched by the hand of god. Es freut mich sehr, dass ich am 8. Mai in Stockholm sein werde und Moto Boy ein Konzert im Södra Teatern gibt. In kleines Highlight im Kurzurlaub. Dann wird er sicher nur da stehen mit seiner Gitarre, wie ein Junge.

Moto Boys drittes Studioalbum “Keep Your Darkness Secret” erschien am 26. März auf dem schwedischen Label Songs I Wish I Had Written.

Schauen: Moto Boy mit der ersten Single “Someday” vom aktuellen Album. Am Schlagzeug seht ihr Bengt von The Cardigans/ Brothers Of End

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The Cardigans 2006 (Magnus, Bengt, Nina, Lasse, Peter v.l.)

Die Reise beginnt

Es war schon eigenartig The Cardigans nach so vielen Jahren wieder live zu sehen. So geschehen am vergangenen Freitag im Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen. Im Sommer treten dort jeden Freitag bekannte Bands vorwiegend aus dem Genre Rock auf und geben der Veranstaltung ihren Namen: Fredagsrock. Hier zwischen Zuckerwatte und Softeis soll sie nun beginnen die große Tour “Gran Turismo”, die für die Cardigans in Japan enden wird.

Unwirklich erscheint die Kulisse von Achterbahn, Karussell und orientalischem Märchenpalast aus Tausend und einer Nacht, während wir (ich war mit drei hartgesottenen Cardifans unterwegs) an der Absperrung vor der malerisch eingebetteten Bühne warten. Irgendwie unwirklich auch die Tatsache, dass Cardigans ihr Album „Gran Turismo“ von 1998 spielten.

Nach dem pfeifenden Intro startet die Band gegen 22 Uhr. Das Konzert beginnt mit dem bassintensiven „Paralyzed“. Bekannte Gesichter auf der Bühne. Magnus Svenningsson am knurrenden Bass, Bengt Lagerberg an den Drums, die Tasten drückt Lasse Johansson Ståle. Für Peter Svensson greift Moto Boy alias Oskar Humlebo in die Gitarrenseiten.

Doch alle warten in diesem Moment nur auf sie – Nina Persson. Mit langsamen Schritten schwebt sie auf die Bühne, sie lächelt nicht. Fast krankhaft dürr sieht sie aus in ihren schwarzen Röhrenjeans, dem schwarzen Cape und den Plateauschuhen. Gewollt oder nicht, sie wirkt irgendwie zu bis oben hin. Die schwarz geschminkten Augen und die hohlen Wangenknochen lassen sie verrucht aussehen. Und doch finde ich sie schön in all dieser Unwirklichkeit. „This is where your sanity gives in and love begins…“

Nina Persson

Nina Persson (Quelle: Undertoner)

Der Regen trägt Ninas Stimme

Ninas Stimme klingt gewaltig und rauchig. Sie singt diese alten Songs mit einer neuen Tiefe. Ihre Stimme ist tragfähiger, Ninas Ausdruck dramatischer. Die aufziehenden Regenwolken wirken wie eine melancholische Antwort auf ihren Gesang. Ich schaue Nina an, sehe wie sie über das Publikum hinweg schaut in eine andere Zeit. Ich höre diese alten Songs und habe die Texte nicht vergessen. Ganz automatisch singe ich Zeile für Zeile mit, lasse mich zurück katapultieren in die Neunziger. An diesem Abend stehen zwei Sandras dort vor der Bühne im Regen. Die Sandra, die damals vor fast 14 Jahren wie irre die “Gran Turismo” beim Autofahren in strahlendem Sonnenschein gehört und lauthals mitgesungen hat. Andererseits, die Sandra von heute, die nostalgisch in die Vergangenheit blickt in einem Regencape vorne im Publikum.

Beim Betrachten merkt man, dass die Band einander gut kennt, gibt es die Cardigans in diesem Jahr offiziell 20 Jahre. Doch haben sie mitunter Schwierigkeiten ein harmonisches Klangbild zu erzeugen. Es ist doch zu lange her, dass sie zusammen auf der Bühne standen. Die ersten fünf Songs der Gran Turismo „Paralyzed“, „Erase/Rewind“, „Explode“, „Starter“ und „Hanging Around“ spielt die Band solide. Lediglich Moto Boys Gitarre gibt bei „Hanging Around“ irgendwie den Geist auf und Magnus muss Peter Svenssons verrücktes Solo am Bass spielen. Nina verausgabt sich stimmlich, was der folgenden Ballade „Higher“ nicht unbedingt zugute kommt.

„Marvel Hill“ empfand ich immer als Höhepunkt der “Gran Turismo”. Auch an diesem Abend hat dieses Lied eine magische Wirkung auf mich. Ich kann nur die Augen schließen mich Bengts sattem Snare-schlag und Ninas weinerlichem Gesang hingeben „…I close my eyes, it‘s on the other side and what I‘ve worked so hard to gain, I‘d gladly give away…“

Bei der Rocknummer „My Favourite Game“ sind die Fans dann das erste mal so richtig außer Rand und Band. Ich muss ziemlich aufpassen, nicht umgeworfen zu werden, denn in meiner nostalgischen Stimmung habe ich so gar keine Lust wild umherzuspringen. „Do You Believe“ ist dann wieder ein Song der mich stark berührt, ebenso „Junk Of The Hearts“. „…when your faith is gone, and when you can‘t believe, I‘m on my hands and knees…“

Moto Boy, Nina & Magnus (Quelle: Undertoner)

Ein Lied aus dem 18. Jahrhundert

Während das Gran Turismo-Outro „Nil“ vom Band läuft, verschwinden Nina und Co. Backstage. Zeit das Album und das Outfit zu wechseln. Die erste Zugabe startet mit „For What It‘s Worth“ und Nina schmettert die schönsten Ah-ah-ah-ah-ah-ah-aaahs von sich, die es jemals gab. Die Kommunikation mit dem Publikum ist herzlich, soviel kann ich, trotz meines grottigen Schwedisch, mitbekommen. Nachdem Songs aus dem 20. und 19. Jahrhundert gespielt wurden, meint Nina sei es Zeit auch etwas aus dem 18.Jahrhundert zu spielen. „Lovefool“ wird angestimmt, kommt aber wider Erwarten nicht allzu gut an. Scheint als hätten sich auch die Fans von der alten, zuckersüßen Nina verabschiedet.

Die „You‘re The Storm“ B-Seite „Hold me“ kannte ich noch nicht und gefällt mir absolut. Das mitreißende „Live and Learn“ bringt mich zum Schmunzeln. Es zeigt mir doch mal wieder, dass man nur glaubt aus Fehlern zu lernen und letztendlich doch immer wieder die gleichen Fehler macht. Die einzige (Rock)Nummer der Super Extra Gravity „I need some fine wine and you, you need to be nicer“ ist ein gelungener Abschluss der ersten Zugabe. Doch so angefixt können die Cardigans die Cardifans nicht im Regen stehen lassen. „Wir spielen mehr Musik!“ ruft Nina als sie nach kurzen Verschwinden wieder auf die Bühne tritt.

„Oh mirror, mirror upon the wall, who is the fairest of them all, mirror, mirror made no reply, mirror went black and cracked from side to side…“ Die nächste beeindruckende, mir noch unbekannte Rocknummer beschall das Tivoli – „Give Me Your Eyes“. Es scheint als befänden sich auf den B-Seiten der Cardigans-Singles Perlen zauberhaften Schimmers. Wie auch Ninas Augen bei diesem Song voller Ernergie schimmern und blitzen, fast wie dämonisch besessen.

Enden wollen die Cardigans das Konzert dann doch mit einer Ballade von der Long Gone Before Daylight: „ Communication“. Diese haut gerade bei diesem wundervollen Song auf der Bühne nicht hin. Der Sound ist matschig, die Harmonien stimmen nicht und die arme Nina hat keine Ahnung, wo verdammt noch mal sie drauf singen soll.

Am Ende des Konzertes nimmt Magnus Nina in den Arm und flüstert ihr etwas zu. Was auch immer es ist, es beflügelt die Fantasie. Werden sie ein neues Album zusammen machen? Wird Peter dann wieder in die Band kommen? Gibt es ein ferne Zukunft für die Cardigans? Ich wünsche es mir. Denn ich würde auch in 10 Jahren wieder auf die Reise gehen, um vor dieser Band im Publikum stehen – ganz vorne.

Schauen: “Hold me”

Lauschen:

The Cardigans – Hold Me

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The Cardigans – Give Me Your Eyes

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The Cardigans - Coverausschnitt des Erfolgsalbums "Gran Turismo" von 1998

Es ist vielleicht die größte Überraschung dieses Jahres – The Cardigans spielen Ihr Erfolgsalbum “Gran Turismo” von 1998 exklusiv auf dem Hultsfredsfestival in Schweden. Gunnar Lagerman, Kreativchef des Festivals, ist absolut begeistert The Cardigans für das Event vom 14. bis 16. Juni gewonnen zu haben. Nicht weniger ambitioniert äußert sich die Band selbst zu dieser wirklich einmaligen Gelegenheit, die Vergangenheit für einen Moment zurück in die Gegenwart zu holen. Sie konnten gar nicht anders und mussten das Angebot des Festivalbetreibers einfach annehmen.

Seit 2006 haben The Cardigans nicht mehr in ihrem Heimatland gespielt und die Bandmitglieder Nina Persson, Magnus Sveningsson und Bengt Lagerberg und Lasse Johansson haben sich in den letzten Jahren in verschiedenen, eigenen Musikprojekten wie A Camp, Brothers Of End und DunDun, ausgetobt und selbstverwirklicht.

Eine der fünf Strickjacken wird jedoch bei diesem einzigen Gig in Schweden nicht dabei sein – Gitarrist Peter Svensson. Glamrocker und Mädchenschwarm Moto Boy Aka. Oskar Humlebo wird für Svensson in die Seiten greifen und mit seiner Falsetto-Stimme Nina sicher auch mit Backing Vocals supporten.

Moto Boy greift für The Cardigans in die Seiten

Weitere relevante Tourneedaten der Cardigans sind:

8. Juni 2012 – Kopenhagen, Tivoli

7. Juli 2012 – Turku, Ruisrock Festival (Finnland)

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Ein frohes neues Jahr 2011 wünsche ich Euch!

Den Neujahrstag habe ich heute zur Rückschau genutzt, so habe ich denn meine drei Alben 2010 gewählt.

Die Ausbeute an guten Alben war nicht groß im vergangenen Jahr. Kaum kitzelte etwas Interessantes die Gehörgange. Gerade die Alben einflussreicher Bands wie Interpol, Band Of Horses oder Arcade Fire waren mittelmäßig und hinterließen wenig Eindruck. In gewisser Weise war das letzte Jahr für mich ein Jahr der Singer-SongwriterInnen. Besonders Künstlerinnen aus England wie Lou Rhodes, Lonelady und Chatelaine haben solide Alben produziert.

Bronze, Silber und Gold für die eindrucksvollsten Alben von 2010 werden an zwei schwedische Boys verliehen in deren Mitte sich eine amerikanische Sängerin wiederfindet.

Gold : Håkan Hellström “Två Steg Från Paradise”

Håkan Hellström "Två Steg Från Paradise"

Das Cover wurde auf dem Göteborger Risåsberg aufgenommen. Im Hintergrund sieht man den Vergnügungspark Liseberg.

Zwei Schritte vom Paradies entfernt – kein Titel der reinhaut. Auch der Titelsong haut nicht rein – aber der Rest, der hat es in sich. Göteborgs Held Hellström beschenkt uns mit einem frischen, optimistisch klingenden, sechsten Studioalbum. “Det Här Är Min Tid” (Opener) wäre ein besserer Name für dieses Werk gewesen, denn Hellström klingt so als wäre genau jetzt seine Zeit – seine Glanzzeit. Weitere herausragende Stücke sind “Saknade Te Havs” (Verloren auf dem Meer), “Du Är Snart Där” (Bald bist du dort) und “Man Måste Dö Några Gånger Innan Man Kan Leva” (Man muss einige Male sterben, bevor man leben kann).

mp3 von Hellström hören: Håkon Hellström – Saknade Te Havs

Silber : Holly Miranda “The Magician’s Private Library”

Holly Miranda "The Magician's Private Library"

Beschützt von Zauberhand geschieht diesem Mädchen nichts im Schlaf. Die Zeit vergeht im Traum.

Wundersam und zauberhaft, wie auch der Albumtitel, ist das zweite Album der amerikanischen Singer-Songwriterin Holly Miranda. In sensibel gestalteten Songs erzählt die 27-jährige Geschichten über Gauner und Ganoven, Schlaf und Traum. Ein funkelndes musikalisches Spektakel, bei dem der Sound beeindruckender ist, als Mirandas Stimme. Der eigentliche “Magier” der Platte ist der Produzent – TV On The Radio’s Dave Sitek. Er mischt Bläser, Streicher, Synthies, Glöckchen und Hall zu einem Liebes-Trunktrank. Er schickt den Hörer auf eine mystische Reise vom eigenwilligen Opener “Forest Green Oh Forest Green” über das schwelgerische “Waves” bis wir uns am Ende in “Sleep On Fire” erschöpft auf einem Flammenbett niederlassen.

mp3 von Holly Miranda hören: Holly Miranda – Slow Burn Treason

Bronze : Moto Boy “Lost In The Call”

Moto Boy "Lost In The Call"

Der androgyne Männer- und Frauenschwarm Oskar Humlebo (Moto Boy)

Schweden’s Dream - Moto Boy knüpft mit “Lost In The Call” quasi nahtlos an sein wirklich gelungenes Debut von 2008 an. Die Songs sind ähnlich strukturiert und Motos glasklare Falsettostimme schwebt auf seiner E-Gitarre. Eingerahmt wird das Ganze von E-Drums und himmlischen Chören. Herausragende Stücke sind “The Heart Is A Rebel”, das verträumte “When My Heart Was High” und die Ballade “If Only Your Bed Could Cry”. Dieser Song erschien ursprünglich im Duett mit der schwedischen Sängerin Titiyo auf ihrem Album “Hidden” (2009). Schmacht!

mp3 von Moto Boy hören: Moto Boy – Lids

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.