Woodlands Cover zum Debutalbum

Eigene Schatten werfen

Es ist da! Das Album, dass mich in diesem Jahr endlich vom Hocker haut. Faszinierend ehrlich und erdig präsentiert sich Woodlands, das neue Trio von First Floor Power Mitglied Sara Wilson. Stimmlich gereift, unverfälscht und kraftvoll kann Sara aus dem Schatten ihrer großen Schwester Jenny Wilson heraustreten, ins musikalische Spotlight einer begnadeten Band rücken, und zu dem stehen was sie schafft: bewegende, authentische und warme Songs.

Neben Saras dynamischem Gitarrenspiel, beeindrucken mich Marcus Holmbergs sinnliche, holzige Bassläufe. Einige von Euch werden ihn vielleicht von der schwedischen Indiepop-Band Komeda aus Umeå kennen. Das Trommeln übernimmt Saras Lebenspartner Niklas Korssell, der im Bereich Jazz und Pop angesiedelt ist und auch mit First Floor Power auf Tournee war.

v.l. Marcus Holmberg, Niklas Korssell und Sara Wilson sind Woodlands © Magnus Åström

Sound wie frisch aus dem Proberaum

Die Bandmitglieder leben in Stockholm, aufgenommen wurden die Songs jedoch innerhalb von fünf Tagen in den Tambourine Studios in Malmö von Per Sunding: ein alter Bekannter. Der Sänger und Bassist von Eggstone war auch Produzent von den Bands Bob Hund, The Ark und The Cardigans. Vielleicht ist es aber doch nur Zufall, dass Woodlands erste Single “River Running Wild” mit seinem fluffigem, verspieltem Gitarrensound und dem wippenden Blubberbass mich an The Cardigans Single “For What It’s Worth” erinnert.

Das Woodlands-Album ist jedoch kein produzierter Hochglanzpop. Vielmehr klingen die Songs wie frisch im Proberaum mit dem 8-Spur-Gerät aufgenommen, was durchaus im Sinne der Band ist. “River Running Wild” positioniert sich in der Mitte des Albums und stellt den poppigen Höhepunkt des Debuts dar. Die Lyrics bilden für mich jedoch einen starken Kontrat, handeln sie vom Verlust und Tod eines geliebten Menschen und dem was danach kommt. Ebenso beeindruckend finde ich den schwelgerischen Opener “Move Forward”. Ganz sanft fügen sich Schlagzeug, Gitarre und Bass, streicheln einander ganz warm. Wunderbar herrlich klappt der Refrain mit seinen zweiten Stimmen auf, verkündet Aufbruch und wird wundersam doch durch die Traurigkeit und Klarheit der gesungenen Worte auf der Stelle gehalten. „The streets we walk were buildt to fast, I could feel it under my feet, it wouldn‘t last…“

Wir alle kennen das Gefühl, wenn der Traum die Liebe zurückbringt und die Realität einem die Wahrheit, beim Erwachen, wie ein nasses Handtuch ins Gesicht klatscht. „Housebuilding“ ist ein Song der vom Zerbrechen der Liebe handelt, die Veränderung realisiert. Sich quält aber auch festhält und einen Neuanfang will. „I can‘t realize that this is happen to us [...] I wanna build a house where you stand, I wanna grow some flowers in your hand…“ Der Song beginnt seicht, verführt mich als Hörer und rüttelt mich wach mit einem überraschenden, knirschenden, dreiminütigen Gitarrensolo, das wie ein Aufschrei all den nicht in Worte fassbaren Schmerz aber auch alle Hoffnung ausdrückt.

Sara an der Gitarre, Woodlands live am 20.10.12 in Göteborg © Christer Hedberg

Ein erlösender Schrei

„I Wanna Know“ ist einer der Songs, an denen ich mich kaum satt hören kann, und der mit seinem poppigen Drive und dem knackigem Refrain durchaus auch auf der Tanzfläche Spaß macht. Der darauf folgende Song „Lazy Days“ und „Cheap Cigarettes“ sind schon bessere Rocknummern. Erinnern mich auch ein wenig an den Rock ’n’ Roll und die Surfmusik der Siebziger Jahre. Die Satzgesänge der Jungs unterstützen diesen Eindruck stark. Wesentlich schwerer kommt dagegen „Kids“ daher. Ein knurrender Bass, eine fette Gitarrenwand und ein schweres, schleppendes Schlagzeug dominieren den Sound, in dem Saras federleichte Stimme tänzelt.

Wie simpel und aufrichtig und trotzdem ergreifend Lyrics doch sein können, denke ich beim letzten Song des Albums: „I didn‘t have no one till I met you, I didn‘t have the strength to make it through, Oh I felt safe, we put your arms around me, and I got the strength to make it through“. Aufrichtige Emotionalität und ein natürlicher, unaufdringlicher Lo-Fi-Sound runden das Album in „Make It Through“ ab.  Ich kann mir vorstellen wie unglaublich fetzig es sein muss diesen Song live zu spielen. Saras Gitarrenriff führt die Instrumente durch ein meditatives, nahezu orgiastisches Zusammenspiel, welches mit einem erlösenden Schrei der drei Musiker endet. Wie genial und nie gehört.

Es ist nicht einfach, so schöne Worte für Woodlands wie Peter Morén vom Label Ingrid zu finden, aber ich kann nur, wie er, zutiefst dankbar sein, dass diese drei Musiker sich gefunden haben. Ich hoffe ich habe euch soweit angefixt, dass ihr neugierig geworden seid – auf Woodlands und ihr tolles Album. Ein Album mit dem Potenzial für immer.

Schauen:

WOODLANDS- RIVER RUNNING WILD from WOODLANDS on Vimeo.

Lauschen:

Woodlands – Housebuilding by INGRID

Kaufen:

Woodlands startete 2011 mit dem gemeinsamen Musizieren. Das selbstbetitelte Debut wurde am 31.Oktober 2012 auf dem schwedsichen Label INGRID veröffentlicht.

* Eine von 300 Platten könnt ihr im Ingrid-Labelshop bestellen *

* Auf iTunes könnt Ihr Woodlands auch erwerben *

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Tobias Isaksson (Irene, Laurel Music) ist nun Azure Blue

Ein Leser machte mich auf das neue Projekt von Tobias Isaksson aufmerksam. Kein unbekannter in der schwedischen Popszene. Wenn die Musik seiner früheren Band Laurel Music, wie die verlorene erste Liebe klingt und seine Band Irene, wie der Traum von einem niemals endenden Sommer, wird dieser mit Azure Blue nun wahr. Für Isaksson ein Neuanfang. Um seinen Horizont zu erweitern zog er von der schwedischen Westküste an die Ostküste. Kurzum: von Göteborg nach Stockholm.

Azure Blue ist eine Anlehnung an „Pacific Ocean Blue“: das erste Soloalbum von Beach Boys Drummer Dennis Wilson. Es erschien 1977. Der Titel von Azure Blues erster Single „The Catcher In The Rye“ ganz klar eine Anspielung auf Salingers Roman. Wie der Romanheld sucht auch Isaksson die menschliche Nähe. Seine Musik soll nicht nur an der Oberfläche kratzen – sondern in die Herzen der Menschen eindringen.

„The Catcher In The Rye“ ist ein azurblauer, catchy Song. Wie sicher auch Azure Blues kommendes Debutalbum „Rule Of Thirds“. Es wird im September über Hybris veröffentlicht.

Schauen:

Azure Blue – The Catcher in the Rye [Official video] from Jonas Börjesson on Vimeo.

Lauschen: Azure Blue – The Catcher In The Rye

The Catcher in the Rye by Azure Blue

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Johan Angergård hat viele Projekte - eines davon: Pallers, feiner Elekro-Shoegaze

Alles muss er ausprobieren, wie ein junger Hund  – Johan Angergård, Labelchef von Labrador Records. Als wären seine Twee-Indie-Pop Bands The Legends, Club 8 und Acid House Kings nicht genug, muss er jetzt auch noch mit einer Mischung aus Shoegaze und Elektro aufwarten – Pallers. Man könnte meinen der Mann übernimmt sich mit seinen Bands, wäre dieser Elektro-Dreampop von Pallers nicht so verdammt gut. Gestern erschien eine neue Single “Come Rain, Come Sunshine”. Wie passend – wechseln sich Regen und Sonne doch heute an Mittsommer im Halbstundentakt ab.

Die neue Single stellt die Band als Free Download zur Verfügung:
mp3:Pallers – Come Rain

Wer Lust hat mehr über die Entstehung von Labrador Records und ihren tollen Band zu erfahren, kann gerne mein Twilight Tunes Labrador-Special auf ByteFM nachhören.

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Für’s Mittsommerfeeling zu Hause und, oder unterwegs auf dem Mp3-Player gibt es heute wie angekündigt das moderierte Mixtape mit schwedischen Popperlen. Aufgenommen am längsten und hellsten Abend des Jahres im idylischen Mecklenburg hoffe ich aber auch Entschleunigung und ländliche Sommerlichkeit eingefangen zu haben, um Euch für morgen einzustimmen. Viel Spaß beim Hören!

Lauschen:
Mittsommernachtsspitzen Teil 1
Mittsommernachtsspitzen Teil 2

Wir haben gehalten in der langweiligsten Landschaft der Welt. Wir haben uns unterhalten und festgestellt, dass es uns hier gefällt...(Tocotronic)

Playlist Mittsommernachtsspitzen 2011

01. Jonathan Johansson/ Blommorna/ Blommorna/ Hybris
02. Erik Hassle/ Are You Leaving/ Mariefred Sessions/ Roxy
03. Kent/ Skisser För Sommaren/ En Plats I Solen/ Sony BMG Sweden
04. The Ark/ One Of Us Is Gonna Die Young/ Arkeology/ EMI
05. Moto Boy/ When My Heart Was High/ Lost In The Call/ Songs I Wish I Had Written
6. Det Vakra Livet/ Viljan/ Det Vakra Livet/ Labrador
07. Amanda Mair/ House/ House/ Labrador
08. Bob Hund/ Det Överexponerade Gömstället/ Det Överexponerade Gömstallet/ Bob Hund Förlag
09. Håkan Hellström/ Saknade Te Havs/ 2 Steg Från Paradise/ Universal
10. Burning Hearts/ Into The Wilderness/ Into The Wilderness/ Shelflife
11. Figurines/ Lucky To Love/ Figurines/ Cargo
12. Peter Morén/ Oh, Jag Älskar Dig!/ I Spåren Av Tåren/
13. Thåström/ FanFanFan/ Skebokvarnsv. 209/ Universal

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Nächsten Freitag ist es wieder soweit – wir feiern die kürzeste und hellste Nacht des Jahres. In den letzten drei Jahren hatte ich das Glück für ByteFM in Rahmen der Twilight Tunes jeweils zwei Stunden Musik zu diesem Highlight des Jahres spielen zu können – die Mittsommernachsspitzen. Auch in diesem Jahr sollt ihr auf einen “Blå- Gul-Mix” zu Mittsommer nicht verzichten – schon allein weil auch ich es nicht mag und das Radiomachen vermisse. In den kommenden Tagen werde ich für Euch ein einstündiges, moderiertes Mixtape aufnehmen – mit schwedischen Popperlen. Wer dabei sein wird, wird natürlich noch nicht verraten. Doch ich freue mich mit Euch auf eine kleine Mittsommernachtsreise gehen zu können, und die beginnt hier nächsten Donnerstag.

Der vielleicht schönste Song zu Mittsommer:
mp3:Kent – Sverige

Schauen: En Midsommernattsdröm

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Erik Hassle & Jocke Berg

Schwedens Export-Jungspund Erik Hassle kollaborierte für seine neue EP „Mariefred Sessions“ mit Schwedens größter Rockband Kent. So nennen sie sich immernoch – die Stadionrocker um Jocke Berg. Das Ergebnis ist feinster Pop, der die Ohren streichelt. Morgen erscheint im Mittsommerland die erste Single zur EP – „Are You Leaving“.

Letzten Sommer verkündete Jocke Berg auf der „En Plats I Solen“-Tour, dass Kent sich nun eine längere Pause gönnen werden. Doch Berg – noch heiß entflammt von der Produktion der beiden letzten Studioalben „Röd“ und „En Plats I Solen“ und im Tourfieber – brauchte diese Pause nicht. Beeindruckt von Erik Hassles eindringlicher Stimme, konnte Berg nicht anders als den jungen Stockholmer zu kontaktieren, um eine Zusammenarbeit anzubieten. Die beiden entschieden sich einige Songs zusammen aufzunehmen und luden auch Kents Bassisten Martin Sköld ein, an der Produktion teilzuhaben – nicht ohne Grund. Aufgenommen wurden die sechs Tracks der kommenden EP in Skölds Studio in Mariefred, eine kleine Stadt in der Provinz Södermanlands Län, nördlich von Stockholm.

Wenn ihr den Link unterhalb des Textes anklickt, könnt ihr hören, wie die kommende Single klingt. Der Song ist eine gute Mischung aus Beidem – Hassle und Kent. Im Refrain überwiegt Kents Einfluß jedoch gewaltig. Eigentlich bräuchte man nur Eriks Gesang durch Jockes ersetzen. Typische Kent-Akkorde und dynanisches Elektrogefrickel sind tonangebend. In der Strophe ist das Songwriting von Erik Hassle dominierend.

Mich macht die Single ziemlich an. Daher freue ich mich schon auf die EP von Erik Hassle und werde mich bis zum Erscheinen von „Mariefred Sessions“ am 23.März, noch genauer mit ihm und seinen bisherigen Alben auseinandersetzen. Dann gibt es Nachschlag!

Link zum “Are You Leaving”-Stream auf www.aftonbladet.se

Für Schwedischkönner:
Erik Hassle und Kent im Interview mit Per Sinding-Larsen (PSL)

kaufen:
Hier könnt ihr Erik Hassles EP “Mariefred Sessions” in Bengans Skivbutik vorbestellen

mp3 von Erik Hassle hören:
Erik Hassle – Family Affair

Viedeo zu Erik Hassles erster internationaler Single “Don’t Bring Flowers” vom Album Pieces (2009)


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Det Vackra Livet

Die beiden Brüder Philip und Henrik Eckström (The Mary Onettes) sind Det Vackra Livet

Sie klingen so unverkennbar “80er” als wären sie Zeitgenossen von The Cure oder Clan Of Xymox – The Mary Onettes. Nach zwei hinreißenden Studioalben, dem selbstbetitelten Debut und “Islands”, veröffentlicht auf dem Stockholmer Label Labrador, gibt es nun auch eine schwedischsprachige Version von The Mary Onettes. Det Vackra Livet (Das schöne Leben) heißt das neue Projekt und findet seinen Platz natürlich ebenso auf dem Label mit der Hundetatze. Wenn es nach mir ginge, hätten die beiden Brüder Philip und Henrik Eckström – um sich gesanglich auf Schwedisch auszutoben – nicht unbedingt Det Vackra Livet benötigt. Die Stimmung der neuen Songs unterscheidet sich in keinster Weise vom Liedwerk der Mary Onettes. Synthieteppiche und Unmengen von Hall umlagern den fast weinerlichen Gesang und die vollen Akkorde der melodischen Gitarre. Typisch Achtziger ist aber nicht nur der Sound im Xymox-Gewand – vermutlich ist der Name des Duos “Det Vackra Livet” eine Anspielung auf den bekannten Song der schwedischen Postpunker Reeperbahn. 1983 veröffentlichten diese ihre Single “Det Vackra Livet” – eine Auskopplung aus dem Album “Peep Show”.

“Viljan” (Wille) heißt nun der erste Streich von Det Vackra Livet. Die Debutsingle, in Form einer schwelgerischen Synthie-Popschnulze, erschien am 2.Februar, obwohl “Schnulze” hier nicht negativ besetzt sein soll. Zu dem Song kann man in der Küche einfach super Diskofox tanzen – wenn man sich nicht gerade das Bein gebrochen hat.

Det Vackra Livet hören:
mp3:Det Vackra Livet – Viljan

Det Vackra Livet “Kristallen” – live im schwedischen Frühstücksfernsehen “Nyhetsmorgon” auf TV4

Xymox-Pop

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.