Der Singer-Songwriter Neil Halstead (Mojave 3)

Verdammte, lange zehn Jahre ist es nun her, dass Neil Halstead vor mir saß und seine einfachen, doch beseelten Songs auf der Akustikgitarre in der Hamburger Prinzenbar spielte. Im Dezember bietet sich endlich eine neue Chance den britischen Singer-Songwriter zu erleben. Er kommt auf Tournee mit seinem dritten Soloalbum „Palindrome Hunches“.

Damals wie heute sind es eher Anhänger der Dreampop-Band Slowdive, die Halsteads Kunst zu schätzen wissen. In den letzten 25 Jahren vollzog er eine musikalische Entwicklung, die ihres Gleichen vergeblich sucht. Nach dem düster-sphärischen Dreampop versuchte sich der leidenschaftliche Surfer auch musikalisch an der perfekten Welle und näherte sich mit dem üppigen Sound seiner Country-Folk-Band Mojave 3, diesem Ideal zunehmend an.

Cover des neuen Albums "Palindrome Hunches" von Neil Halstead VÖ:09.11.2012

Neil Halstead weiß mittlerweile ziemlich genau worauf es in seiner Musik ankommt. Weniger ist oft mehr. So schafft es sein neues Album „Palindrome Hunches“, mit seiner schlichten und auf das Wesentliche reduzierten Erscheinung, eine Schneise durch die musikalische Herbstlandschaft zu ziehen.

Neben dem beliebten Banjo, folkloristischen Violinen und dem Piano gesellt sich mitunter auch, wie z.B. im Bonustrack  „Traveling Light“, eine weibliche Stimme an Neils Seite. Überladen wirken die Songs allerdings nicht, sie strahlen eher eine andächtige Stille aus.

In Halsteads anmutige, doch fragile, niemals affektierte Stimme verliebte ich mich schon bei Slowdives „Dagger“. In den letzten Jahren erinnerte sie mich an Nick Drake, den ich gleichermaßen schätze und dessen Songs mich stark berühren. „Tied To You“ ist so ein Song, der dem hypnotischen Charakter von Drakes Compositionen sehr nahe kommt.

Ich will die Songs hier gar nicht auseinander rupfen. Sie sind in ihrer Einfachheit bestechend schön. Um die natürliche Wirkung nicht zu verfälschen, machte Halstead um‘s Aufnehmen nicht viel Wirbel. Die Songs entstanden inmitten von Triangeln, Glockenspielen und Klanghölzern im Musikraum einer Grundschule. Eine unschuldige und kindliche Leichtigkeit versprühen seine Lieder in der Tat. Video und Song „Hey Daydreamer“ wecken unweigerlich Erinnerungen an unbeschwerte, vergangene Tage. Tage des Träumens und der Jugend.

"Hey Daydreamer" Videoshot mit Model Nastassia “Staz” Lindes

Neil Halstead: Hey Daydreamer on Nowness.com.

Und schon sehe ich ihn wieder vor mir, zupfend an seiner Gitarre, die Augen geschlossen und mit dem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Ich bin so gespannt auf das Konzert hier am 14.Dezember in Berlin. Ich wünsche mir für diesen Abend viele neue Herzen, die Neil Halstead im Sturm erobern wird. Bis bald!

Schauen:

Neil Halstead Tied To You WEB from Brushfire Records on Vimeo.

Neil Halstead auf Tour

13.12.12 MÜNSTER – GLEIS 22
14.12.12 BERLIN – COMET CLUB
16.12.12 (CH) ZÜRICH – PAPIERSAAL
17.12.12 STUTTGART – SCHOCKEN
18.12.12 ERLANGEN – E-WERK
19.12.12 KÖLN – KING GEORG
20.12.12 FRANKFURT – BROTFABRIK

Lauschen:

Neil Halstead – Palindrome Hunches by Brushfire Records

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Martin Ekman - Songwriter und Sänger bei Long Distance Runners

Es gibt neues von meinen Boys aus Stockholm, den Long Distance Runners. Der Singer-Songwriter Martin Ekman bastelt nebenher schon seit etlicher Zeit an seiner Solokarriere als schwedischer Folksänger. Jetzt gibt es ein neues, eindrucksvolles Video zur Single “24 kvadrat”. Im kommenden Jahr können wir sein sicher gefühlvolles und melancholisches zweites Album erwarten: ””Tills lusten skiljer oss åt”. (Bis die Lust uns trennt)

Aus alt mach neu: die Long Distance Runners sind endlich soweit ihre EP “San Francisco Says Hello” im schwedischen iTunes in bei Amazon zu verkaufen. Yay!

Schauen: Martins neues Video “24 kvadrat”

Schauen: “Live Today” von den LDR

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Lilla Anna

04 Mrz 2011
Anna Järvinen

Wovon träumst du, lilla Anna?

Ende März erscheint das dritte Album der Finnlandschwedin Anna Järvinen„Anna Själv Tredje“ (Anna Selbst die Dritte). Auf PSL gibt es heute und morgen eine Geschmacksprobe – ihr könnt das neue Video zu ihrer ersten  Single „Lilla Anna“ (Kleine Anna) sehen.

„Lilla Anna“ – ein luftig leichter Song, der Lust darauf macht mit dem Fahrrad durch blühende Landschaft zu fahren und den lauen Fahrtwind auf der Haut zu spüren – oder in einem großen Garten in einer Hängematte zu liegen und von einem niemals endenden Sommer zu träumen. Doch der Sommer kommt erst und mit ihm das neue Album von Anna Järvinen – davon träum ich.

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Möchte da etwa jemand in die Fußstapfen von Robyn und The Knife treten? Kann gut sein, denn das Debut “Heart Monster Fear Machine” der Göteborgerin Lisa Pedersen pulsiert mit im schwedischen Elektrotrend. Eigentlich ist die 30-jährige mit Leib und Seele Drummerin und Pianistin. Was hat die quirlige Blondine also dazu bewegt im Brei der Masse zu schwimmen?

Schon beim ersten Track von “Heart Monster Fear Machine” merkt man, dass da etwas nicht zusammenpasst. Heiteres 80er Elektrogefrickel passt eben nicht zu so einer sinnlichen, rauchigen, intimen Stimme. Schnell vermisst man, was diese Stimme braucht, um ernst genommen zu werden – Wärme und Erdigkeit.

Einige Stücke des Albums, wie zum Beispiel “Drowning”, gab es schon einmal als Pianoversion. Das Piano stand Lisa Pedersen gut – erinnert ihre Stimme doch an die junge Lisa Germano. Pedersen selbst weiß jedoch noch nicht was sie will, die Masse mit “Allerweltselektro” abspeisen oder eine sensible Singer-Songwriterin sein, deshalb wird die zweite Hälfte des Albums auch akustischer. In Stücken wie “Sometimes” und “Wide Eye” fühlt man sich erstmals wirklich berührt. Das Album schließt mit “Five To One” in der wir eine völlig andere Lisa Pedersen erleben – eine Frau, die weiß was ihr steht.

Eines weiß ich aber ganz sicher, wenn ich das nächste Mal in Göteborgs Bengans Skivbutik vorbeischaue, werde ich es trotzdem mitnehmen – das Debutalbum von Lisa Pedersen “Heart Monster Fear Machine” – in bester Hoffnung, dass sie vielleicht zu ihrem Ursprung zurückkehrt.

Lisa Pedersen hören:
mp3:Lisa Pedersen – Drowning

Im Vergleich

Das Elektrosternchen Lisa Pedersen mit “Left Aside”

Die Singer-Songwriterin Lisa Pedersen mit “Drowning”

Lisa Pedersen auf Myspace:
www.myspace.com/lisafridapedersen

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Ein frohes neues Jahr 2011 wünsche ich Euch!

Den Neujahrstag habe ich heute zur Rückschau genutzt, so habe ich denn meine drei Alben 2010 gewählt.

Die Ausbeute an guten Alben war nicht groß im vergangenen Jahr. Kaum kitzelte etwas Interessantes die Gehörgange. Gerade die Alben einflussreicher Bands wie Interpol, Band Of Horses oder Arcade Fire waren mittelmäßig und hinterließen wenig Eindruck. In gewisser Weise war das letzte Jahr für mich ein Jahr der Singer-SongwriterInnen. Besonders Künstlerinnen aus England wie Lou Rhodes, Lonelady und Chatelaine haben solide Alben produziert.

Bronze, Silber und Gold für die eindrucksvollsten Alben von 2010 werden an zwei schwedische Boys verliehen in deren Mitte sich eine amerikanische Sängerin wiederfindet.

Gold : Håkan Hellström “Två Steg Från Paradise”

Håkan Hellström "Två Steg Från Paradise"

Das Cover wurde auf dem Göteborger Risåsberg aufgenommen. Im Hintergrund sieht man den Vergnügungspark Liseberg.

Zwei Schritte vom Paradies entfernt – kein Titel der reinhaut. Auch der Titelsong haut nicht rein – aber der Rest, der hat es in sich. Göteborgs Held Hellström beschenkt uns mit einem frischen, optimistisch klingenden, sechsten Studioalbum. “Det Här Är Min Tid” (Opener) wäre ein besserer Name für dieses Werk gewesen, denn Hellström klingt so als wäre genau jetzt seine Zeit – seine Glanzzeit. Weitere herausragende Stücke sind “Saknade Te Havs” (Verloren auf dem Meer), “Du Är Snart Där” (Bald bist du dort) und “Man Måste Dö Några Gånger Innan Man Kan Leva” (Man muss einige Male sterben, bevor man leben kann).

mp3 von Hellström hören: Håkon Hellström – Saknade Te Havs

Silber : Holly Miranda “The Magician’s Private Library”

Holly Miranda "The Magician's Private Library"

Beschützt von Zauberhand geschieht diesem Mädchen nichts im Schlaf. Die Zeit vergeht im Traum.

Wundersam und zauberhaft, wie auch der Albumtitel, ist das zweite Album der amerikanischen Singer-Songwriterin Holly Miranda. In sensibel gestalteten Songs erzählt die 27-jährige Geschichten über Gauner und Ganoven, Schlaf und Traum. Ein funkelndes musikalisches Spektakel, bei dem der Sound beeindruckender ist, als Mirandas Stimme. Der eigentliche “Magier” der Platte ist der Produzent – TV On The Radio’s Dave Sitek. Er mischt Bläser, Streicher, Synthies, Glöckchen und Hall zu einem Liebes-Trunktrank. Er schickt den Hörer auf eine mystische Reise vom eigenwilligen Opener “Forest Green Oh Forest Green” über das schwelgerische “Waves” bis wir uns am Ende in “Sleep On Fire” erschöpft auf einem Flammenbett niederlassen.

mp3 von Holly Miranda hören: Holly Miranda – Slow Burn Treason

Bronze : Moto Boy “Lost In The Call”

Moto Boy "Lost In The Call"

Der androgyne Männer- und Frauenschwarm Oskar Humlebo (Moto Boy)

Schweden’s Dream - Moto Boy knüpft mit “Lost In The Call” quasi nahtlos an sein wirklich gelungenes Debut von 2008 an. Die Songs sind ähnlich strukturiert und Motos glasklare Falsettostimme schwebt auf seiner E-Gitarre. Eingerahmt wird das Ganze von E-Drums und himmlischen Chören. Herausragende Stücke sind “The Heart Is A Rebel”, das verträumte “When My Heart Was High” und die Ballade “If Only Your Bed Could Cry”. Dieser Song erschien ursprünglich im Duett mit der schwedischen Sängerin Titiyo auf ihrem Album “Hidden” (2009). Schmacht!

mp3 von Moto Boy hören: Moto Boy – Lids

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Die englische Sängerin Lou Rhodes, die bessere Hälfte des Manchester Trip-Hop-Duos Lamb, gab kürzlich über Facebook bekannt, dass sie mit dem Bandkollegen Andy Barlow an einem neuen Album arbeite. Da geht mir doch just zu Weihnachten das Herz auf. Hieß es doch 2004 die beiden müssen wegen zu vieler Differenzen und kreativer Spannungen eine „künstlerische Pause“ einlegen.

Auch privat war 2004 für Lou Rhodes eine Zeit des Umbruchs. Nach der Trennung von ihrem Ehemann verlässt die heute 46-jährige die Heimat Manchester und zieht mit den beiden Söhnen zunächst mit einem Wohnmobil durch Großbritannien. In der Kommune „Ridge Farm“ in der englischen Grafschaft Surrey, in der Nähe von London, finden die Drei ein neues Zuhause. Heute leben sie auf einem Anwesen in Wiltshire. Abseits vom Großstadttrubel findet sich Ruhe. Körper und Geist können entschleunigen, sich selbst neu erfahren. Lou Rhodes kann tief in sich selbst eindringen – jede Zelle des Körpers mit Spiritualität tränken.

Geerdet und besinnlich klingt fortan auch Lou Rhodes’ Musik. 2006 gründet sie ihr eigenes Label „Infinite Bloom“, verfeinert ihr Gitarrenspiel, komponiert neue Songs und singt beeindruckender als jemals zuvor. Dabei tritt sie mit einer jugendlichen Frische und  Natürlichkeit auf, die ihr verdammt gut steht und ihr fast etwas Überirdisches verleiht.

Wenn Lou Rhodes die Bühne betritt, braucht sie keinen modischen Fummel wie Robyn, kein Gala Make-up und Federschmuck im Haar wie etwa Nina Persson, keine dramatischen, affektierten Gesten. Sie braucht nur einen Stuhl, ihre Gitarre und den direkten Draht zu etwas, das wir vielleicht nicht begreifen können.

Am 6.Mai dieses Jahres sah ich Lou Rhodes zum zweiten mal live. Ein bestuhltes Konzert im Lido in Berlin. Sie strahlt etwas Magisches aus, wenn sie dort sitzt, in sich versunken die Gitarre zupft und eine Stimme aus ihrer Kehle strömt, die Eisberge schmelzen lässt und mir einen heißkalten Schauer über den ganzen Körper jagt. Ein süßer Schmerz breitet sich in der Brust aus und nimmt so viel Platz ein, dass es mir fast die Luft zum Atmen raubt.

Sie stellte ihr bereits drittes Soloalbum „One Good Thing“ vor und spielte auch hauptsächlich Songs von diesem. „One Good Thing“ – vielleicht sogar die beste Sache in diesem Jahr. So ein Album voller Schmerz, und doch voller Kraft und Zuversicht. Denn durch den plötzlichen Tod ihrer Schwester Janey gab es für Lou Rhodes viel Schmerz und Trauer zu bewältigen in den vergangenen Jahren.

Aufrichtig klang Lou Rhodes stets auf ihren Soloalben. Eine Aufrichtigkeit die dem Gesang bei Lamb fehlte, jedoch schindete jener nicht weniger Eindruck. Bei Lamb‘s Trip Hop standen Rhythmik und Sound definitiv im Vordergrund. Lou Rhodes Gesang setzte den Tracks lediglich die Krone auf und sorgte für den nötigen Gänsehaut-Effekt. Wir werden sehen inwiefern Lou Rhodes Solokarriere als Folkmusikerin Einfluss auf die neuen Songs von Lamb hat. Das neue, fünfte Werk wird übrigens “5″ heißen. Ich freue mich drauf. Ich freue mich auf das kommende Frühjahr – denn dann gibt es ganz sicher das neue Album von Lamb. Am 5.Mai.

Diskografie

Lamb

  • Lamb (1996, Fontana Records)
  • Fear Of Fours (1999, Polygram Records)
  • What Sound (2001, Mercury Records)
  • Between Darkness And Wonder (2003, Mercury Records)

Lou Rhodes

  • Beloved One (2006, Fullfill)
  • Bloom (2008, A&G Records)
  • One Good Thing (2010, Motion Audio)

Neue Songs von Lamb könnt ihr auf deren Myspacepage hören:
www.myspace.com/lambofficial

Hier könnt ihr genaues über Lou Rhodes Beweggründe zum neuen Album lesen und es auch vorbestellen:
lambofficial.com/home

mp3: Lou Rhodes – Janey
mp3: Lou Rhodes – There For The Taking
mp3: Lamb – Gorecki

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.