Auf die Momente, die das Herz im neuen Jahr zum Funkeln bringen!

Nun es ist noch nicht zu spät. Das neue Jahr steckt noch in den Startlöchern, also kann ich es noch sagen: Frohes neues Jahr euch dort draußen! (Radiosprache – immernoch)

Für mich wird es ein Jahr des Umbruchs. Ich verlasse Berlin – wenn auch gezwungenermaßen – endgültig und ziehe in die bayrische Landeshauptstadt. Kulturschock. Nun, doch auch hier spielen Bands, wenn auch nicht so zahlreich, wie in meiner Perle Hamburch oder in Hipster-Berlin. München und ich werden jetzt Freunde, komme was wolle. Auch hier gibt es tolle Menschen, die tolle Musik hören und die ich freudig in meinen Kreis aufnehmen werde, oder sie mich in ihren. Ich bin gespannt auf zahlreiche Nachhilfestunden in Soul und schöne Lauschabende.

Musikalisch wird es ein interessantes Jahr. Schon einige meiner Lieblinge haben neue Alben angekündigt. Jüngst meine Lieblings-Dreampopper Slowdive, was mein Herz heute zum Strahlen bringt, Florence + The Machine, Marina And The Diamonds, die verrückt psychedelischen Of Montreal, Gang Of Four, A Place To Bury Strangers und meine New Wave Band schlechthin: The Cure. Islandpop-Ikone Björk verlautbart heute den Titel ihres im März erscheinenden Albums “Vulnicura”.

Die isländische Popikone Björk verkündet heute den Titel ihres kommenden Albums: "Vulnicura"

Einige wundervolle Konzerte stehen an: Interpol im Februar, The Cardigans Anfang Juli. Das Primavera Sound Festival in Barcelona, Way Out West in Göteborg und das Reeperbahnfestival sind fest geplant und es ist toll nach so vielen Jahren endlich einmal die Shoegazer Ride zu erleben. Es gibt aber auch Ereignisse, die sich jähren, auf die ich dankbar und wehmütig zurück blicken werde. Doch in erster Linie heißt es im Hier und Jetzt zu leben. Dieses Jahr in vollen Zügen zu genießen. Auf ein neues und bis ganz bald!

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Slowdive live in Singapur, Juli 2014 (Foto: Maria Clare Khoo)

In genau einem Monat habe ich Geburtstag. Dann bin ich schon in New York City, genieße meinen Tag und freue mich auf den nächsten. Dann kann ich endlich nicht mehr meinen Lieblingsspruch anbringen: „Bei den wichtigsten Ereignissen in meinem Leben, war ich nie dabei!“ Nein, dann werde ich sie endlich sehen, meine Band feiern. Slowdive. Vor fast 20 Jahren haben sie sich aufgelöst, nachdem ihr Album „Pygmalion“ scheiterte. Mein Album, das ganz oben, unantastbar, auf einem himmlischen Sockel steht. Die “Just For A Day” habe ich das erste Mal gehört, als ich den ersten schlimmen Liebeskummer in meinem Leben hatte. Ich würde heute behaupten, dass diese Platte damals mein Leben gerettet hat. Sicher auch das vieler anderer. Ihr da draußen, ihr wisst, was ich meine. Neu verliebt habe ich mich dann in Neils Stimme. “Alison”, der erste Song der “Souvlaki”. Niemals sang ein Mann schöner! Meine kindliche Vorfreude auf diesen Tag ist unbeschreiblich. Ein langersehnter Traum, den ich nach Slowdives Auflösung niemals zu träumen gewagt hätte, wird wahr. Vergleichbar ist sie fast nur mit meiner gespannten Erwartung auf Weihnachten 1987. Da habe ich mein erstes Paar schneeweißer Schlittschuhe geschenkt bekommen. Wunderbar war dieser Advent.

Die wunderbare Rachel Goswell mit Tamburin / Primavera Sound, Barcelona 2014

Ich habe mich ein wenig geärgert, dass ich Slowdive nicht, wie einige Freunde von mir, auf dem Primavera Sound Festival in Barcelona sehen konnte. Laut Erzählungen war es ganz fantastisch, was dieser Konzertmittschnitt von ARTE auch beweißt. Neil Halstead singt den alten Slowdive-Song „When The Sun Hits“ so erdig, als würde er ein Stück von seinen Soloalben spielen. Rachel Goswell sieht noch schöner aus als zu alten Slowdive-Tagen. Was habe ich euch vermisst. Ein paar Tränen kullern mir über die Wangen, wenn ich die süße Rachel, dort lächelnd auf der Bühne eine Coverversion von Syd Barretts “Golden Hair” singen sehe, während die Jungs dazu diesen flirrenden Teppich aus Gitarrensounds weben. Meine Begleitung wird mir beim Konzert nach jedem Song ein Papiertaschentuch reichen müssen, denn ich werde tausend kleine Tode sterben. “Catch me if I fall…” Danach werde ich aussehen, wie Alice Cooper. Aber egal. Slowdive, from now on I‘m counting down the days! Bis bald im Terminal 5! Shoegazergirl wird ihr schönstes Kleid anziehen, einen Old Fashioned trinken und euch zuprosten!

Auch diesen ganz wundervollen Konzertmitschnitt müsst ihr euch anhören und ansehen:

SLOWDIVE – FESTIVAL LA ROUTE DU ROCK 2014

Neils Effektboard bringt mich noch immer zum Staunen

Schauen: Auf dem Reeperbahn Festival habe ich ein Mädel kennen gelernt, dass dieses Video von “Machine Gun” auf dem Primavera aufgenommen hat. Ganz gut für mit Mobile.

Lauschen:

Slowdive – Some Velvet Morning

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Slowdive – Blue Skied An’ Clear

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Der Singer-Songwriter Neil Halstead (Mojave 3)

Verdammte, lange zehn Jahre ist es nun her, dass Neil Halstead vor mir saß und seine einfachen, doch beseelten Songs auf der Akustikgitarre in der Hamburger Prinzenbar spielte. Im Dezember bietet sich endlich eine neue Chance den britischen Singer-Songwriter zu erleben. Er kommt auf Tournee mit seinem dritten Soloalbum „Palindrome Hunches“.

Damals wie heute sind es eher Anhänger der Dreampop-Band Slowdive, die Halsteads Kunst zu schätzen wissen. In den letzten 25 Jahren vollzog er eine musikalische Entwicklung, die ihres Gleichen vergeblich sucht. Nach dem düster-sphärischen Dreampop versuchte sich der leidenschaftliche Surfer auch musikalisch an der perfekten Welle und näherte sich mit dem üppigen Sound seiner Country-Folk-Band Mojave 3, diesem Ideal zunehmend an.

Cover des neuen Albums "Palindrome Hunches" von Neil Halstead VÖ:09.11.2012

Neil Halstead weiß mittlerweile ziemlich genau worauf es in seiner Musik ankommt. Weniger ist oft mehr. So schafft es sein neues Album „Palindrome Hunches“, mit seiner schlichten und auf das Wesentliche reduzierten Erscheinung, eine Schneise durch die musikalische Herbstlandschaft zu ziehen.

Neben dem beliebten Banjo, folkloristischen Violinen und dem Piano gesellt sich mitunter auch, wie z.B. im Bonustrack  „Traveling Light“, eine weibliche Stimme an Neils Seite. Überladen wirken die Songs allerdings nicht, sie strahlen eher eine andächtige Stille aus.

In Halsteads anmutige, doch fragile, niemals affektierte Stimme verliebte ich mich schon bei Slowdives „Dagger“. In den letzten Jahren erinnerte sie mich an Nick Drake, den ich gleichermaßen schätze und dessen Songs mich stark berühren. „Tied To You“ ist so ein Song, der dem hypnotischen Charakter von Drakes Compositionen sehr nahe kommt.

Ich will die Songs hier gar nicht auseinander rupfen. Sie sind in ihrer Einfachheit bestechend schön. Um die natürliche Wirkung nicht zu verfälschen, machte Halstead um‘s Aufnehmen nicht viel Wirbel. Die Songs entstanden inmitten von Triangeln, Glockenspielen und Klanghölzern im Musikraum einer Grundschule. Eine unschuldige und kindliche Leichtigkeit versprühen seine Lieder in der Tat. Video und Song „Hey Daydreamer“ wecken unweigerlich Erinnerungen an unbeschwerte, vergangene Tage. Tage des Träumens und der Jugend.

"Hey Daydreamer" Videoshot mit Model Nastassia “Staz” Lindes

Neil Halstead: Hey Daydreamer on Nowness.com.

Und schon sehe ich ihn wieder vor mir, zupfend an seiner Gitarre, die Augen geschlossen und mit dem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Ich bin so gespannt auf das Konzert hier am 14.Dezember in Berlin. Ich wünsche mir für diesen Abend viele neue Herzen, die Neil Halstead im Sturm erobern wird. Bis bald!

Schauen:

Neil Halstead Tied To You WEB from Brushfire Records on Vimeo.

Neil Halstead auf Tour

13.12.12 MÜNSTER – GLEIS 22
14.12.12 BERLIN – COMET CLUB
16.12.12 (CH) ZÜRICH – PAPIERSAAL
17.12.12 STUTTGART – SCHOCKEN
18.12.12 ERLANGEN – E-WERK
19.12.12 KÖLN – KING GEORG
20.12.12 FRANKFURT – BROTFABRIK

Lauschen:

Neil Halstead – Palindrome Hunches by Brushfire Records

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gemacht für die Ewigkeit: Slowdives "Just For A Day"

Da ist es wieder: dieses kaum Aushalten können vor Schönheit. Das Engegefühl in der Brust, der Kloß im Hals, der die Luft zum Atmen so sehr abschnürt. Tränen suchen sich ihren Weg aus den Augen, fließen über Wangen, Mund, tropfen ins Dekolleté. Wie quälend schön sind diese Synthesizerteppiche, diese lieblich traurigen Gesänge. Dieses heiße Anschwellen der Gitarrensounds in “Catch The Breeze”: ”…hey are you feeling something new?…”

Einige Jahre ist es her, dass ich Slowdives Debutalbum “Just For A Day” das letzte Mal hörte. Heute stelle ich mit süßem Schmerz in der Brust fest, dass es nichts von seiner betörenden Wirkungskraft verloren hat. Der Schmerz wird nunmehr gefüttert von Erinnerungen. Erinnerungen, die mitunter 20 Jahre alt sind. Für wie viele Menschen war dieses Album ein Rettungsanker auf der stürmischen See der Gefühle, ein Licht in so manch dunkler Nacht? Eine tröstende, wenn auch schwere Decke? Wie Blei lag die Magie dieses Werkes oft auf unserer Seele. Doch spiegelte es nur unsere Melancholie – war und ist zuhause.

All das begann mit einem Trick. Slowdive tourte im Sommer 1991 mit den Songs ihrer 3 EPs. Neil Halstead – Sänger, Gitarrist und Songwriter der Shoegaze-Band aus Reading – erzählte Alan McGee von Creation Records Slowdive hätte genug Songs für ein Debutalbum. In Wirklichkeit war dies nicht der Fall. Die Band hatte nicht einen einzigen neuen Song, durfte jedoch auf Kosten von Creation ins Studio. Der ganze Prozess des Songwritings verlagerte sich auf mehrere Wochen Tonstudio inklusive harten Cannabiskonsums.

Das im Rausch von 6 Wochen produzierte Debut der Dreampopper wurde am 2.September 1991, vor genau 20 Jahren, veröffentlicht und rutschte tatsächlich in die Top10 der UK Indie Charts. Geliebt wurde das schwermütige Werk von den Kritikern trotzdem nicht. Es wurde als Gegenschlag zum aktuellen Shoegazetrend verrissen und als ideenlos und düster hingestellt. Ein Schicksal, welches sich alle Alben von Slowdive teilen mussten. Zu unrecht. „Just For A Day“ kann nur als gute Kinderstube ihres folgenden Werkes „Souvlaki“ gelten und findet in „Pygmalion“ seine Vollkommenheit.

Slowdive 1991 - das Girl ist Bassistin & Sängerin Rachel Goswell. Der Typ ganz rechts Frontmann Neil Halstead

Keinem Liebhaber des Dreampop bleibt der Zugang zu “Just For A Day” verwehrt. Wir glühen mit der schweren Hitze des Openers “Spanish Air”.“Celias Dream” ist der schönste Traum, den wir träumen können. “Waves” und “Brighter” lassen uns im blendenden Glitzern der Wellen auf das weite Meer hinaustreiben. Wir verirren uns – so gewollt. Werden immer kleiner, verlieren uns – so gewollt.

Hypnotisierend umkreist Rachel Goswells zarte Stimme, den knabenhaft reinen Gesang von Neil Halstead im letzten Song “Primal”. Wie unschuldig wird er zerdrückt, von einer Macht, die er nicht besiegen kann. “…I can’t believe, it scares me, can’t believe…” Niemals zuvor haben zwei Stimmen so gänzlich harmoniert, wie diese beiden, sowohl bei Slowdive als auch bei der aktuellen Band Mojave3. Als wären sie ein Liebespaar, dass nicht zueinander finden kann, voller Sehnsucht und Herzeleid.

Die Musik von Slowdive, so auch ihr Debut “Just For A Day” ist für Melancholiker gemacht. Kaum anders lassen sich diese von Schmalz triefenden, wehleidigen Songs ertragen. Leiden muss man lieben, weil Liebe Leid niemals ausschließt. Weil die Liebe nicht unendlich ist, wir uns im Moment des größten Glücks ihrer Vergänglichkeit bewusst sind. “Love, just for a day…”

Heute nach 20 Jahren kann ich mich nur für all die Momente, die ich mit dieser Platte und auch mit dieser Band verbinde, bedanken. “Just For A Day”, ein Album für die Ewigkeit gemacht. Nicht immer zu hören, doch all die Jahre immer wieder einmal.

Lauschen:

Slowdive – Primal

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Slowdive – Celia’s Dream

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.