Manchmal müssen wir sie beleuchten - unsere dunkle, schöne Seite / Moto Boy 2014

Ich muss gestehen, dass ich von jeher einen ausgeprägten Hang zum Androgynen hatte. Es ist beunruhigend und verführerisch, fremdartig und einnehmend. Doch Moto Boy ist mehr als das: Er selbst wirkt wie ein scheues, doch schillerndes Fabelwesen aus Hopeland mit engelsgleicher Chorknabenstimme, die uns mit ungeahnten Klängen und Melodien  verzaubert, und dem Gesicht einer Venus. Moto Boy lädt uns auf seinem neuen Album “Keep Your Darkness Secret” ein, in sein dunkles Geheimnis, doch gibt er es nicht vollständig Preis. Wir müssen tief graben in seiner Dreampop-Welt aus Dramatik und Verletzlichkeit. Tief eintauchen in sein dunkles, schäumendes Meer aus Sphären und lockenden Sirenen.

In den letzten drei Jahren kehrte Moto Boy, alias Oskar Humlebo, seiner Heimat Schweden den Rücken zu. Die Städte Malmö, Göteborg und Stockholm hatte er vorerst satt und er zog ins, für die Schweden so hippe, Berlin. Dort mietete ein Zimmer, richtete ein Studio ein und suchte Inspiration. Erste Songs für das neue Album nahm er dort auf. Nur ergab es sich so, dass Humlebo im Sommer 2012 auf Tour war mit The Cardigans und eines Abends in Jakarta im Hotelzimmer saß, während besagtes Zimmer in Berlin, wegen des Nachbarn über ihm, der in der Badewanne eingeschlafen war und vergaß den Wasserhahn zu zu drehen, komplett überflutet wurde und sein sämtliches Hab und Gut sowie alle bisherigen Aufnahmen, wie vom Tsunami vernichtet wurden. Alle Stücke mussten neu aufgearbeitet werden und wurden, nun, noch besser.

“Keep Your Darkness Secret” ist Moto Boys drittes Studioalbum und meiner Meinung nach auch sein bestes. Seine Songs klingen noch mutiger und außerirdischer. Dunkler. Nicht vielleicht auch deshalb, weil diese im Berliner Birthmark Studio aufgenommen wurden – im beeindruckenden, alten DDR-Funkhaus, einem gigantischen, architektonischen Hingucker, mit einer interessanten Geschichte. Produziert hat Moto Boy die Stücke zusammen mit dem österreichischen Produzenten Niko Stössl, der auch an Dave Gahans (Depeche Mode) Soloalbum als Gitarrist mitwirkte. Seine Idee war es auch in den Songs mehr und mehr von der klassischen Bassgitarre weg zu gehen, überflüssige Gitarrenspuren raus zu nehmen, um diese durch 70-er Jahre Yamaha Piano-Sounds zu ersetzen.

Der Opener des Albums, “Midnight Rain”, beginnt mit einem dramatischen, präpariert klingenden Klavier, das so bedrohend klingt, wie ich es bisher nur von Cranes’ “Forever” kannte. Die anfängliche Beklemmung durch das Klavier, löst sich jedoch in einem Refrain voller schmerzverzerrtem Sexappeal und einer gleichsam unendlichen Liebesgeschichte auf: “…nothing’s gonna change my love for you…you’re everything I wanted you to be, I wanted you to be, I wanted you to be…”

Der Albumtitel und das Titelstück “Keep Your Darkness Secret” ist an Depeche Mode angelehnt, doch soll er nicht so verzweifelt und jammerig wirken. Oskar meint: „Alle Menschen haben eine dunkle Seite. Doch nicht jeder kann sich den Luxus leisten, diese zu zeigen, wie eventuell Popstars, von denen man das sogar erwartet. Ein Lehrer zum Beispiel muss diese Seite geheim halten“. Unsere strahlenden Profilbilder und Fotos auf Facebook und Instagram stehen dafür, wie sehr auch wir unsere dunkle Seite geheim halten. Wer postet schon Fotos, weinend, wütend, neidisch – in tiefer Verzweiflung, Trauer oder gar Hass. Ist es nicht auch so, dass wir uns dadurch angreifbar und verletzbar machen würden. Dieser perlige, himmlisch klingende Titelsong hält uns auf jeden Fall davon ab, unsere Geheimnisse leichtfertig preis zu geben.

Moto Boy klingt auf diesem Album so verbindlich wie nie, schafft eine unglaubliche Intimität. Eines der schönsten Stücke ist vielleicht „This Is Love“. Mehr als nur eine Ballade. „…this is all we can get, no memorse, no regret, this is love. breathe it out, breathe it in, it takes an end to begin, this is love…“ Ganz automatisch sieht man sich eng umschlungen, mit dem Menschen seines Herzens, wippend in einem romantischen Tanz, sich tief in Augen und Seele blickend. „A Dance Like We Used To“ schließt magisch an diesen Song an und erhält die sinnliche, prickelnde, ja erotische Zweisamkeit.

Schauen: die aktuelle, zweite Single “Too Young To Know”

Trotzdem fehlt das obligatorische, romantisch unschuldige Stück zum Popowackeln auf der Tanzfläche nicht. Zu dem sich die jungen Mädchen drehen können bis ihnen schwindelig wird, während sie von diesem schönen, gefühlvollen Moto Boy träumen: “Too Young To Know”. Dieser Song greift die aktuelle Welle des elektronischen Tanzpops in Schweden, mit dem auch die Band Kent Album für Album und Single für Single sicher fährt, aber auch den Dreampop Ende der Achtziger, wie wir ihn von Cocteau Twins kennen, voll auf. Grandioses Stück und aktuelle Single.

“Nothing Shatters Like A Heart” überrollt uns nahezu mit einer dramatischen Orgel und herrlichen weiblichen Chorgesängen, die an- und abschwellen, wie pazifische Wellen. Sie übermannen uns, machen uns wehrlos. Wir versinken. “It hits me like the dark…baby when you fall apart, fall into my arms…nothing shatters like a heart…” Völlig aufgelöst und willenlos überrascht Moto Boy uns am Ende des Albums noch mit einem opulenten Meisterstück: “It Was Always You” Sirrende Streicher, treibende Trommelwirbel, ekstatische Chöre, ein wahrer musikalischer Orgasmus, der sich mit einem sanften Gitarrenakkord verabschiedet und uns völlig fertig einfach liegen lässt. Danke und Tschüss. Ich habe bekommen was ich wollte. Zum Glück kann ich nochmal auf Repeat drücken.

Geheimnisvoll - Cover des Albums "Keep Your Darkness Secret"

Fazit: Dieses Album ist wirklich außerordentlich liebevoll arrangiert. Streicher, Glöckchen, Sphären, beeindruckende Satzgesänge. Alles an den richtigen Stellen, ohne in die Pathosfalle zu tappen. Die reduzierten Gitarren, im Vergleich zu den Vorgängern “Moto Boy” und “Lost In The Call”, stehen Oskar Humlebo außerordentlich gut. “Keep Your Darkness Secret” beweist, dass es noch wahre musikalische Popkunst gibt. Seine dunkle Stimmung erinnert mich an Songs von This Mortal Coil, Cocteau Twins, Cranes und auch Slowdive. Was auch immer in Moto Boy gfahren ist, he was touched by the hand of god. Es freut mich sehr, dass ich am 8. Mai in Stockholm sein werde und Moto Boy ein Konzert im Södra Teatern gibt. In kleines Highlight im Kurzurlaub. Dann wird er sicher nur da stehen mit seiner Gitarre, wie ein Junge. Seinen Lippenstift raus holen und fragen: “Läppstift eller läppstift?”

Moto Boys drittes Studioalbum “Keep Your Darkness Secret” erschien am 26. März auf dem schwedischen Label Songs I Wish I Had Written.

Schauen: Moto Boy mit der ersten Single “Someday” vom aktuellen Album. Am Schlagzeug seht ihr Bengt von The Cardigans/ Brothers Of End

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Woodlands Cover zum Debutalbum

Eigene Schatten werfen

Es ist da! Das Album, dass mich in diesem Jahr endlich vom Hocker haut. Faszinierend ehrlich und erdig präsentiert sich Woodlands, das neue Trio von First Floor Power Mitglied Sara Wilson. Stimmlich gereift, unverfälscht und kraftvoll kann Sara aus dem Schatten ihrer großen Schwester Jenny Wilson heraustreten, ins musikalische Spotlight einer begnadeten Band rücken, und zu dem stehen was sie schafft: bewegende, authentische und warme Songs.

Neben Saras dynamischem Gitarrenspiel, beeindrucken mich Marcus Holmbergs sinnliche, holzige Bassläufe. Einige von Euch werden ihn vielleicht von der schwedischen Indiepop-Band Komeda aus Umeå kennen. Das Trommeln übernimmt Saras Lebenspartner Niklas Korssell, der im Bereich Jazz und Pop angesiedelt ist und auch mit First Floor Power auf Tournee war.

v.l. Marcus Holmberg, Niklas Korssell und Sara Wilson sind Woodlands © Magnus Åström

Sound wie frisch aus dem Proberaum

Die Bandmitglieder leben in Stockholm, aufgenommen wurden die Songs jedoch innerhalb von fünf Tagen in den Tambourine Studios in Malmö von Per Sunding: ein alter Bekannter. Der Sänger und Bassist von Eggstone war auch Produzent von den Bands Bob Hund, The Ark und The Cardigans. Vielleicht ist es aber doch nur Zufall, dass Woodlands erste Single “River Running Wild” mit seinem fluffigem, verspieltem Gitarrensound und dem wippenden Blubberbass mich an The Cardigans Single “For What It’s Worth” erinnert.

Das Woodlands-Album ist jedoch kein produzierter Hochglanzpop. Vielmehr klingen die Songs wie frisch im Proberaum mit dem 8-Spur-Gerät aufgenommen, was durchaus im Sinne der Band ist. “River Running Wild” positioniert sich in der Mitte des Albums und stellt den poppigen Höhepunkt des Debuts dar. Die Lyrics bilden für mich jedoch einen starken Kontrat, handeln sie vom Verlust und Tod eines geliebten Menschen und dem was danach kommt. Ebenso beeindruckend finde ich den schwelgerischen Opener “Move Forward”. Ganz sanft fügen sich Schlagzeug, Gitarre und Bass, streicheln einander ganz warm. Wunderbar herrlich klappt der Refrain mit seinen zweiten Stimmen auf, verkündet Aufbruch und wird wundersam doch durch die Traurigkeit und Klarheit der gesungenen Worte auf der Stelle gehalten. „The streets we walk were buildt to fast, I could feel it under my feet, it wouldn‘t last…“

Wir alle kennen das Gefühl, wenn der Traum die Liebe zurückbringt und die Realität einem die Wahrheit, beim Erwachen, wie ein nasses Handtuch ins Gesicht klatscht. „Housebuilding“ ist ein Song der vom Zerbrechen der Liebe handelt, die Veränderung realisiert. Sich quält aber auch festhält und einen Neuanfang will. „I can‘t realize that this is happen to us [...] I wanna build a house where you stand, I wanna grow some flowers in your hand…“ Der Song beginnt seicht, verführt mich als Hörer und rüttelt mich wach mit einem überraschenden, knirschenden, dreiminütigen Gitarrensolo, das wie ein Aufschrei all den nicht in Worte fassbaren Schmerz aber auch alle Hoffnung ausdrückt.

Sara an der Gitarre, Woodlands live am 20.10.12 in Göteborg © Christer Hedberg

Ein erlösender Schrei

„I Wanna Know“ ist einer der Songs, an denen ich mich kaum satt hören kann, und der mit seinem poppigen Drive und dem knackigem Refrain durchaus auch auf der Tanzfläche Spaß macht. Der darauf folgende Song „Lazy Days“ und „Cheap Cigarettes“ sind schon bessere Rocknummern. Erinnern mich auch ein wenig an den Rock ’n’ Roll und die Surfmusik der Siebziger Jahre. Die Satzgesänge der Jungs unterstützen diesen Eindruck stark. Wesentlich schwerer kommt dagegen „Kids“ daher. Ein knurrender Bass, eine fette Gitarrenwand und ein schweres, schleppendes Schlagzeug dominieren den Sound, in dem Saras federleichte Stimme tänzelt.

Wie simpel und aufrichtig und trotzdem ergreifend Lyrics doch sein können, denke ich beim letzten Song des Albums: „I didn‘t have no one till I met you, I didn‘t have the strength to make it through, Oh I felt safe, we put your arms around me, and I got the strength to make it through“. Aufrichtige Emotionalität und ein natürlicher, unaufdringlicher Lo-Fi-Sound runden das Album in „Make It Through“ ab.  Ich kann mir vorstellen wie unglaublich fetzig es sein muss diesen Song live zu spielen. Saras Gitarrenriff führt die Instrumente durch ein meditatives, nahezu orgiastisches Zusammenspiel, welches mit einem erlösenden Schrei der drei Musiker endet. Wie genial und nie gehört.

Es ist nicht einfach, so schöne Worte für Woodlands wie Peter Morén vom Label Ingrid zu finden, aber ich kann nur, wie er, zutiefst dankbar sein, dass diese drei Musiker sich gefunden haben. Ich hoffe ich habe euch soweit angefixt, dass ihr neugierig geworden seid – auf Woodlands und ihr tolles Album. Ein Album mit dem Potenzial für immer.

Schauen:

WOODLANDS- RIVER RUNNING WILD from WOODLANDS on Vimeo.

Lauschen:

Woodlands – Housebuilding by INGRID

Kaufen:

Woodlands startete 2011 mit dem gemeinsamen Musizieren. Das selbstbetitelte Debut wurde am 31.Oktober 2012 auf dem schwedsichen Label INGRID veröffentlicht.

* Eine von 300 Platten könnt ihr im Ingrid-Labelshop bestellen *

* Auf iTunes könnt Ihr Woodlands auch erwerben *

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Tobias Isaksson (Irene, Laurel Music) ist nun Azure Blue

Ein Leser machte mich auf das neue Projekt von Tobias Isaksson aufmerksam. Kein unbekannter in der schwedischen Popszene. Wenn die Musik seiner früheren Band Laurel Music, wie die verlorene erste Liebe klingt und seine Band Irene, wie der Traum von einem niemals endenden Sommer, wird dieser mit Azure Blue nun wahr. Für Isaksson ein Neuanfang. Um seinen Horizont zu erweitern zog er von der schwedischen Westküste an die Ostküste. Kurzum: von Göteborg nach Stockholm.

Azure Blue ist eine Anlehnung an „Pacific Ocean Blue“: das erste Soloalbum von Beach Boys Drummer Dennis Wilson. Es erschien 1977. Der Titel von Azure Blues erster Single „The Catcher In The Rye“ ganz klar eine Anspielung auf Salingers Roman. Wie der Romanheld sucht auch Isaksson die menschliche Nähe. Seine Musik soll nicht nur an der Oberfläche kratzen – sondern in die Herzen der Menschen eindringen.

„The Catcher In The Rye“ ist ein azurblauer, catchy Song. Wie sicher auch Azure Blues kommendes Debutalbum „Rule Of Thirds“. Es wird im September über Hybris veröffentlicht.

Schauen:

Azure Blue – The Catcher in the Rye [Official video] from Jonas Börjesson on Vimeo.

Lauschen: Azure Blue – The Catcher In The Rye

The Catcher in the Rye by Azure Blue

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I Break Horses

Maria Lindén - die Pferdeflüsterin von I Break Horses

Maria Lindén kann das Pferdestehlen nicht lassen. Doch erst muss das Vertrauen der Rösser gewonnen werden. Nach Blackstraps Album “Steal My Horses And Run” (2008) wird es daher Zeit mit Songs ihres neuen Projektes I Break Horses aufzuwarten. I Break Horses: ist das eine Anspielung auf die alte Band? Viel zu erfahren gibt es über das mysteriöse Duo aus Stockholm nicht. Mit “Hearts” erscheint bei uns am 28.Oktober über COOP/Universal das Debutalbum von Maria Lindén und Partner Fredrik Balck. In UK wird das Album am Montag veröffentlicht. Die beiden Videos “Hearts” und “Winter Beats” zeigen neben Bildern der Weite und Schönheit Skandinaviens auch herrliche Shoegaze-Klanglandschaften á la The Jesus And Mary Chain und My Bloody Valentine. Lindén verzaubert dabei mit einem märchenhaftem Sopran. Einen ersten Remix von “Heats” gibt es vom Tom Rowlands von den Chemical Brothers.

Schauen:

Lauschen:

I Break Horses – Winter Beats

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I Break Horses – Hearts (Tom Rowlands RAR Mix)

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Martin Ekman - Songwriter und Sänger bei Long Distance Runners

Es gibt neues von meinen Boys aus Stockholm, den Long Distance Runners. Der Singer-Songwriter Martin Ekman bastelt nebenher schon seit etlicher Zeit an seiner Solokarriere als schwedischer Folksänger. Jetzt gibt es ein neues, eindrucksvolles Video zur Single “24 kvadrat”. Im kommenden Jahr können wir sein sicher gefühlvolles und melancholisches zweites Album erwarten: ””Tills lusten skiljer oss åt”. (Bis die Lust uns trennt)

Aus alt mach neu: die Long Distance Runners sind endlich soweit ihre EP “San Francisco Says Hello” im schwedischen iTunes in bei Amazon zu verkaufen. Yay!

Schauen: Martins neues Video “24 kvadrat”

Schauen: “Live Today” von den LDR

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nicht gerade bescheiden, die Titelwahl für die neue Compilation

“Stockholm Belongs To Us” – diese Aussage hat so gar nichts mit dem üblichen schwedischen Understatement zu tun. Aber Labrador Records muss in Anbetracht der Großartigkeit der Musik auf dieser Compilation auch gar nicht bescheiden sein, sondern darf ruhig klotzen. 22 Tracks aus den letzten vier Jahren finden sich auf “Stockholm Belongs To Us”. Dabei steuern die Labrador-Labelgenossen The Radio Dept. Sambassadeur, The Mary Onettes, die Bands von Johan Angergard (The Legends, Pallers, Acid House Kings & Club 8), der jüngste Zugang Küken Amanda Mair u.v.a. ihre Songs bei. Was kostet euch das Ganze? – Nur ein paar Klicks!!! Labrador verschenkt die gesamte Compilation als Free Download auf ihrer Webseite. Juhu! Labrador gehört uns!

Hier die komplette Tracklist:

01 The Radio Dept “Heaven’s On Fire”
02 Sambassadeur “Subtle Changes”
03 Pallers “The Kiss”
04 Club 8 “Dancing with the mentally ill”
05 Det Vackra Livet “Viljan”
06 Acid House Kings “Would you say stop?”
07 The Legends “Something strange will happen”
08 The Mary Onettes “Puzzles”
09 Pelle Carlberg “1983 (Pelle & Sebastian)”
10 The Radio Dept. “Never Follow Suit”
11 Club 8 “Western Hospitality”
12 Suburban Kids with Biblical Names “1999″
13 Acid House Kings “Are We Lovers Or Are We Friends?”
14 Club 8 “Jesus, Walk With Me”
15 [Ingenting] “Halleluja!”
16 Sambassadeur “Days”
17 The Legends “Seconds away”
18 Little Big Adventure “Happiest Times”
19 Pallers “Humdrum”
20 Pelle Carlberg “I Love You, You Imbecile”
21 The Mary Onettes “Once I Was Pretty”
22 Amanda Mair “House”

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Eher Hippiebraut als Postpunk-Ikone? - Kajsa Grytt

50 Jahre alt wurde kürzlich die Stockholmer Post-Punk-Ikone Kajsa Grytt und strahlt dabei über ihr ganz neues Album “En Kvinna Under Påverkan” (Eine Frau unter Einfluss) – ob die Gute wie ein alter Hippie was genommen hat – sogar all die Jahre? Oder ob sie die neue musikalische Welle meint, die vor über 30 Jahren von der Insel rüber schwappte? Dabei war es Kajsa Grytt, die stets Einfluss in der skandinavischen Musikszene hatte, ist sie die schwedische Antwort auf Postpunkerin Debbie Harry. Von 1979 bis 1985 war Grytt Sängerin und Gitarristin der New Wave Band Tant Strul – eine reine Girlsband in der auch Kärsti Stiege, die Mutter von Lykke Li mit dabei war. Danach war Grytt im Duo Kajsa Och Malena und vielen anderen Projekten aktiv am Songwriting beeteiligt.

Seit 2003 werkelt Kajsa Grytt an ihrer Solokarriere und klingt dabei noch immer wie ein kleiner Frosch, dessen Stimme sich in drahtigen Gitarrenklängen überschlägt. Produziert wurde die Indie-Rock Platte “En Kvinna Under Påverkan”, wie schon die vorletzte, von Jari Haapalainen. Mit dem Gründer und Leadgitarristen von The Bear Quartett war Kajsa Grytt in den letzten Jahren desöfteren auf der Bühne zu sehen und die zwei schaffen anhörliche Produkte.

Grytts Autobiografie über die wilden Achtziger in Schweden

Nach so vielen Jahren Musikkarriere mit oder unter Einwirkung, dachte sich Kajsa Grytt es würde Zeit für eine Autobiografie. “Boken Om Mig Själv” – Das Buch über mich selbst. Dieses Werk wird sicher nicht nur zunächst in schwedischer Sprache erscheinen. Wer die Sprachbarriere überwinden kann und Interesse hat zu erfahren, wie Post-Punk nach Skandinvien überschwappte wird also sicher rausfinden von welchen Einflüssen hier die Rede ist und gäbe mir Bescheid!

Die aktuelle Single “Du Ska Ramla Och Trilla” (Du sollst stürzen und hinfallen) gibt es von Kajsa Grytt als Free Download:
mp3:Kajsa Grytt – Du Ska Ramla och trilla

“En Kvinna Under Påverkan” erschien am 11.April 2011 auf Playground Music.

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Jonathan Johansson "Blommorna"

Herrlich melancholisch ist die neue Single von Jonathan Johansson„Blommorna“ (Blumen). Seit gestern Abend schwirrt mir der Track im Kopf rum und hat mit seinem elektronischem Groove und der perligen Hookline gute Chancen mein Sommerhit zu werden. Die Stimmung einer Sommerparty trifft auf „Blommorna“ genau so gut zu, wie eine einsame Autofahrt durch eine laue Nacht.

Besonders berührend ist dabei der aspirierte Gesang von Johansson, der mit einer hohen Falsettostimme gedoppelt wird und so besonders fragil wirkt. Dabei ist der Song so eingängig, dass er selbst Hörer, die des Schwedischen nicht mächtig sind beeindruckt.

Der aus Malmö stammende Jonathan Johansson begann seine musikalische  Karriere 2005 mit seiner Band Jonathan Och Hjältar (Jonathan und Helden). Er zog nach Stockholm und entwickelte sich musikalisch stetig weiter. 2008 zeichnete er beim schwedischen Label Hybris, welches auch Künstler wie Vapnet, Juvelen und Familjen unter Vertrag hat. Ein Jahr später  erschien sein gefälliges Album „En Hand I Himlen“ (Eine Hand im Himmel). „Blommorna“ ist nun der erste Song des langerwarteten zweiten Albums – es erscheint jedoch erst im September. Dafür gibt es vom Stockholmer Wunderkind NIVA einen exzellenten Remix.

Schauen:

Der Remix von Niva:
mp3:Blommorna Niva Remix

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Blazing Jenny

25 Mrz 2011

Jenny Wilson geht auf Tour mit dem neuen Doppelalbum "Blazing"

Schwedens R&B Queen Jenny Wilson lässt den Frühling hell erleuchten mit ihrem kommenden Doppelalbum „Blazing“. Blazing I enthält Aufnahmen, die Jenny zusammen mit ihrer Liveband – zu der auch ihr Schwesterherz Sara Wilson gehört und sechs Mitglieder des Tensta Gospel Chors – aufgenommen hat. Tensta ist eine Plattenbausiedlung im Norden Stockholms, doch wie ein Vorstadtchor klingen die Mädels um Jenny nun wirklich nicht. Schon live zur „Hardships!“-Tour gaben sie den Songs eine neue Frische und Tiefe und katapultierten sie mit den exzellenten Satzgesängen in eine neue Sphäre. Hauptsächlich finden sich auf „Blazing I“ nämlich neue Versionen der Songs von Jennys letztem Studioalbum, jedoch auch eine Coverversionen von Bob Marleys „Work“ und eine Interpretation des Volksliedes „Coming ’round the mountain“. Grandios!

Blazing II ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Stockholmer Sänger und Multiinstrumentalisten Daniel Fagerström. Die Musik entstand für die Tanz-Performance „I‘m Not Looking Back“ von Helena Franzén. Zunächst sollten auch Songs vom Album „Hardships!“ neu interpretiert werden oder Remixe entstehen. Doch jetzt startet das Album mit vier neuen, mystisch anmutenden Stücken und endet mit vier exotischen Remixen vom Album „Hardships“.  Magnetisch!

Das doppelte Leuchtchen erscheint am 4.April zunächst in Schweden auf Jennys eigenem Label Gold Medal Recordings. Ihr könnt es über Bengans bestellen.

Live gibt es Jenny Wilson mit Band und Tensta Gospelchor auch zu bestaunen. Wer für Ende April/ Anfang Mai einem Kurztrip nach Skandinavien plant, sollte die Chance also nutzen.

29. April – Det Stora Kalaset, Kalmar
30. April – Filadefiakyrkan, Stockholm
06. Mai – KB, Malmö
07. Mai – Trädgår’n, Göteborg
26. Mai – Vega, Köpenhamn
27. Mai – Spotfestivalen, Århus

So könnte es aussehen:

Jenny Wilson live mit Schwesterherz Sara und Tensta Gospel Chor

So könnte es klingen:

mp3:Jenny Wilson – Like A Fading Rainbow
mp3:Jenny Wilson – Anchor Made Of Gold

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America

Last Days Of Aprils Hommage an ihr Lieblingsland

„Was treiben die Jungs eigentlich so?“ – habe ich mich gefragt als ich heute das brandneue Video zu Last Days Of Aprils letzter Single „America“ bei It‘s a Trap! gesehen habe. Diese streichelnde Slide-Gitarre und die sanfte Melancholie umgeben von XXXL-Fastfood – sofort war ich gefangen im „I can’t come back to you America, ‘cos it hurts too much to leave(…)“. Ich war noch nie da drüben, aber wenn Amerika nur ein bisschen so ist, wie sich dieser Song anfühlt, packe ich sogleich meine Koffer.

Ich hab sie immer mehr als gemocht, die Stockholmer Last Days Of April – ihren frischen, einfachen, ja so unschuldigen Pop, der äußerlich den blauen Himmel braucht und innerlich den grauen vertreibt. Vielleicht ist es mir deshalb entgangen – ihr aktuelles Studioalbum „Gooey“. Es erschien im Dezember letzten Jahres. Für Last Days Of Aprils quälend heitere Melancholie im Surf-Rock Gewand ein ungewöhnlicher Zeitpunkt – doch vielleicht genau richtig für alle, die Weihnachten am liebsten an kalifornischen Stränden verbringen wollen. Doch ungewöhnlich waren Last Days Of April von jeher. Sie pfeifen auf Trends und unbedingte Andersartigkeit – wie sympathisch.

Nicht nur der Song „America“ ist eine Hommage an das Lieblingsland der Band. Countryelemente, wie Slide-Gitarre und Banjo ziehen sich wie ein roter Faden durch „Gooey“. Auch gibt es Gastgesang von Evan Dando (Lemonheads) im Song „All The Same“ und Tegan Quin (Tegan And Sara) in „If (Don’t ever blame yourself)“. Wer die Stimmung von Last Days Of April mag und das Gequake von Karl Larsson aushält, braucht keine Angst vor „Gooey“ haben.  Die Strukturen sind altbacken und bekannt, doch hält es wach und hebt die Laune. Kann das schlecht sein an einem Tag wie heute?

Das neue Video zu Last Days Of Aprils Single “America”

Songs, die die Laune heben:
mp3:Last Days Of April – Hanging High (Might As Well Live, 2007)
mp3:Last Days Of April – Aspirins And Alcohol (Angel Youth, 2000)
mp3:Last Days Of April – All The Same (feat. Evan Dando) (Gooey, 2010)

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Über Mittsommernnachtsspitzen

Melancholische und sehnsuchtsvolle Indiepop-Klänge aus Mittsommer- und anderen Landen stehen im Fokus dieses Blogs. Sandra Duvander schreibt für Euch.