Fika – die schwedische Kaffeepause

Mohnkuchen mit Sahne zum Fika / Foto: Sandra ReiherMohnkuchen mit Sahne zum Fika / Foto: Sandra Reiher

Die Schweden zählen zu den Top Drei Kaffeekonsumenten weltweit. Bei meiner Arbeit als Flugbegleiterin ist mir der Kaffeedurst der Schweden besonders aufgefallen. Nirgendwo wird so viel Filterkaffee in der Galley gekocht, wie auf Flügen nach Göteborg oder Stockholm. Bestellt wird er fast immer schwarz und mit Påtår (es wird ein zweites Mal nachgeschenkt). Dazu ziehen die schwedischen Gäste oft kleine Tüten vom Bäcker mit Kanelbullar (Zimtschnecken) oder Smörgås (belegtes Butterbrot) aus ihren Taschen und los geht die schwedische Kaffeepause: Fika. 

Vill du fika?

Fika gehört zum schwedischen Lebensstil und ist eine kleine Auszeit während des Tages. Dazu gehört unbedingt ein heißes Getränk – meist schwarzer Kaffee – und ein süßes Teilchen, wie Kanelbulle, Kardamombulle oder Drömmar (Kekse). Bei uns wird die Kaffeezeit eher an Wochenenden zelebriert, in Schweden gehört sie jedoch zum Arbeitsalltag und findet zwischen den Hauptmahlzeiten, mindestens ein Mal, meistens jedoch zweimal, täglich statt. „Vill du fika?“ heißt „Möchtest du Kaffee?“ und ist vielleicht die meist gestellte Frage in Schweden (auch wenn sie für unsere Ohren etwas anzüglich klingt) und somit eine Einladung zusammen eine kleine Kaffeepause einzulegen.

Kanelbullar und Fika gehören einfach zusammen. Mein Rezept für die Zimtschnecken / Foto: Sandra Reiher

Fika ist Socializing

Dabei ist es absolut nicht ungewöhnlich, dass dir diese Frage auf der Arbeit begegnet. Fika macht man in Schweden niemals alleine. Es ist sogar eine soziale Institution. Unter Kollegen dient sie dem Teambuilding oder dazu einfach mal 15 Minuten locker zu plaudern und den Kopf frei zu bekommen. Es ist aber auch üblich sich irgendwo zu treffen, sollte man etwas mehr Zeit haben. Junge Studenten sieht man des Öfteren nachmittags in Cafés sitzen oder draußen auf Bänken in Parks. Auch hier sind deiner Phantasie keine Grenzen gesetzt. Die schönsten Orte für dein Fika findest du selbst.

Dieses Aufnahme von 1916 zeigt die Familie von Anders Truedsson Selander in Södermalm beim Fika

Fika ist Tradition

Der Begriff des Fika entstand im 19. Jahrhundert aus einer Umkehrung (Back Slang) von Kaffi – dem alten schwedischen Wort für Kaffe. Es ist also schon eine über hundert Jahre bestehende Tradition. Damals wie heute wird an den Wochenenden etwas üppiger aufgetafelt. Da dürfen es schon mal die Prinsesstårta und andere aufwendige schwedische Torten und Kuchen, wie Jordgubbstårta (Erdbeertorte) und Mandeltårta (Mandeltorte) sein, die durchaus selbst gebacken werden. Dazu gibt es natürlich Grädde (Sahne). Man benutzt das gute Geschirr, schmückt den Tisch mit Blumen, lädt Freunde und Familie ein. Auf dem Land sitzt man im Sommer natürlich gerne draußen und genießt den kurzen Sommer.

Alles lagom?

Fika ist lagom, denn es ist Bestandteil einer gesunden Work-Life Balance. Im Arbeitsalltag helfen Pausen dir dabei neue Energie für deine Projekte zu sammeln und dich mit Kollegen zu sozialisieren. Von einem guten Arbeitsklima, hat das ganze Team etwas und ist so leistungsfähiger. Frag doch deine Kollegen, ob ihr euch im Aufenthaltsraum auf einen Kaffee treffen wollt und spendiere ein paar Teilchen von Bäcker für dein Team. An den Wochenenden kannst du von der Arbeit abschalten und mit Fika qualitativ Zeit mit Familie und Freunden verbringen.

2 Kommentare

  1. Hallo Sandra,
    witzig, vor fast drei Wochen habe ich in meinem ersten Blogpost auch über Fika geschrieben. Deine Fotos sind toll und Du hast das richtig schön erklärt.
    In diesem Sinne: Ska vi fika? 😉

  2. Pingback: Rezept: schwedische Chokladbollar - Mittsommernachtsspitzen

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